Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

118.1993

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Theologische Literaturzeitung 118. Jahrgang 1993 Nr. 9

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ferent positions vis-ä-vis the gospel: the prophets as predicting it, he himself
as proclaiming it. He was 'standing on the Shoulders of the prophets'. This
means that Paul' identification of the time in which he was acting separated
him from the prophets and put them into different epochs of God's plan of
salvation. On the other hand, we saw above that the very awareness of
proclaiming the eschatological salvation meant an actualization of traditions
about eschatological prophets proclaiming the final consolation. We think
Paul would have put it this way: The eschatological prophets proclaiming
the final comfort in the Last Days are the apostles of Jesus Christ proclai-
ming the gospel."

Insgesamt also ein hilfreiches Buch, das zeigt, wie Paulus
nicht nur theologisch vom Alten Testament als einem propheti-
schen, also das Evangelium vorankündenden Buch her denkt,
sondern sich selbst in seinem Apostolat von diesem propheti-
schen Geschehen, besser noch: von den Propheten her versteht.

Göttingen Hans Hübner

Kirchengeschichte: Neuzeit

Beck, Gottfried [Hg.]: Im Dienst der Diaspora. 150 Jahre Gu-
stav-Adolf-Werk im Rheinland. Köln: Rheinland i. Komm,
bei Habelt, Bonn 1993. VIII, 340 S. m. 1 Abb. gr.8« = Schrif-
tenreihe des Vereins für Rheinische Kirdchengeschichte,
107. ISBN 3-7927-1357-8.

Die Geschichte des Rheinischen Gustav-Adolf-Werkes zeigt
exemplarisch, welche Bedeutung dem Diasporahilfswerk der
EKD für die Kirchengeschichte der letzten 150 Jahre und für den
aktuellen Diasporadienst zukommt, aber auch, welche Probleme
diesen Dienst erschweren. Im größeren Teil des Buches wird die
beeindruckende Geschichte des Rheinischen GAW detailliert
und kenntnisreich beschrieben. J. F. G. Goeters (1-37) stellt die
Entwicklung des Rheinischen Werkes im 19. Jh. in den Rahmen
des Gesamtwerkes und kann erklären: „Der Gustav-Adolf-Ver-
ein ist die erste Klammer und Vereinigung des deutschen Prote-
stantismus geworden" (7). Er trug zum Aufbruch der Inneren
Mission bei und schuf wie diese Möglichkeiten zu aktiver Mitar-
beit und eigenen Zusammenschlüssen der Frauen.

Ulrike Gradtke (39-65) schildert die Geschichte des Haupt-
vereins von 1918-1945 mit den durch Inflation und Devisen-
mangel verbundenen Hemmnissen. „Als die größten Widersa-
cher wurden in der Weimarer Republik der Katholizismus...,
der Kommunismus und der Sozialismus betrachtet, was dann
neben weiteren Berührungspunkten dazu führte, die nationalso-
zialistische Herrschaft zunächst zu begrüßen" (65). Die Nähe
zum NS-Regime wird jedoch differenziert beurteilt.

Gottfried Beck, langjähriger Vorsitzender der Rheinischen
Hauptgruppe, beschreibt die Phase seit 1945 (67-118). Bildete
in der Nachkriegszeit noch der Diasporadienst in der eigenen
Landeskirche einen Schwerpunkt, so ermöglichte der inner-
kirchliche Finanzausgleich bald die Konzentration auf die Aus-
landsdiaspora. Wie wichtig die Hilfen des GAW für die eigenen
Diasporagemeinden waren, „kann im Zeichen kräftig sprudeln-
der Kirchensteuerquellen nur noch ein kleiner Teil der rheini-
schen Pfarrer- und Mitarbeiterschaft nachvollziehen" (100). Ein
Problem bildet das Verhältnis der vom GAW inaugurierten und
der von den Landeskirchen und der EKD neu geschaffenen
ökumenischen Diakonie. Es geht nicht nur um die Koordinie-
rung der Projekte, sondern auch um die Anerkennung der oft
unter großen Opfern ehrenamtlich geschehenden Diasporadien-
ste durch jene, die den kirchlichen überwiegend durch Kirchen-
steuern finanzierten Apparat leiten. Die Erfahrungen und Bezie-
hungen des ältesten Werkes evangelischer Diasporahilfe wer-
den dabei nicht immer angemessen genutzt.

Am Beispiel des Kirner Zweigvereins schildert Gustav Schel-
lack (119-134), wie stark die Diasporaarbeit in den Gemeinden
Resonanz fand. Allein in Simmern gehörten 1863 73 Frauen zum
Frauenverein der Gustav-Adolf-Stiftung. Andererseits zeigt der
Beitrag auch die bürokratischen Barrieren, die bereits damals zu
überwinden waren.

Susanna Stapelfeldt berichtet über die GAV-Frauenarbeit der
Rheinprovinz in den ersten 50 Jahren (135-167). Der Schwer-
punkt lag in der Unterstützung der Internate für Konfirmanden
aus der Diaspora. Die Frauen ließen es sich nicht verbieten,
auch diakonische Aufgaben außerhalb des Diasporabereichs zu
fördern.

Rudolf Mohr beschreibt ausführlich (169-220) „die Haupt-
versammlung des Gustav-Adolf-Vereins 1886 in Düsseldorf als
Spiegel evangelischer Ängste und Hoffnungen". Er stellt die
Momentaufnahme in den Zusammenhang des politischen und
interkonfessionellen Kontextes und interpretiert besonders die
auf der Versammlung gehaltenen Predigten.

Die finanzielle Entwicklung des Rheinischen GAV bis 1943
stellt Dietrich Höroldt dar (221 -266). Wie in der Geschichte der
Frauenvereine beeindruckt die starke Verankerung des Werkes
in der Basis. 1876 hatte z.B. der Barmer GAV 2100 Mitglieder,
und noch im 2. Weltkrieg gehörten in Essen 11.402 Mitglieder
zum GAV! Die örtlichen Zweigvereine erbrachten den größten
Teil der Leistungen.

Der systematische und praktische Teil beginnt mit Erwägun-
gen von Christian-Erdmann Schott: „Das Gustav-Adolf-Werk
und die Aufgabe der Diasporapflege heute" (267-285). Er wen-
det sich gegen neuere Erweiterungen des Diasporabegriffs und
schlägt vor, „für die evangelischen Minderheiten in den durch
den Kommunismus einstmals beherrschten früheren Ostblock-
ländern den Begriff evangelische Diaspora im Atheismus zu
verwenden" (277). Ob damit die Situation besser bezeichnet
wird als mit dem Begriff „säkulare Diaspora", ist zu bezwei-
feln. Wie weit der theoretische Atheismus wirklich das Bewußt-
sein im ehemaligen Ostblock bestimmt, ist ebenso ungeklärt
wie die Bedeutung des praktischen Atheismus in Gebieten mit
Volkskirchen.

Jürgen Regul steuert knappe Bemerkungen zum Verhältnis
zwischen GAW, Landeskirche und Ökumenischer Bewegung
bei (287-290). Er plädiert für ein geordnetes und lebendiges
Miteinander und sieht einen unaufgebbaren Dienst des GAW
darin, daß es die unterschiedlichen geistlichen Erfahrungen und
theologischen Einsichten der Minderheits- und Mehrheitskir-
chen vermittelt.

Abschließend bietet ein Autorenteam eine Unterrichtseinheit
über das GAW für die Konfirmandenarbeit an. In vier Stunden
wird der Begriff „Minderheit" erschlossen, über evangelische
Minderheiten in anderen Ländern informiert, das Schicksal von
Kindern und Jugendlichen in Ländern mit Diasporakirchen an-
schaulich gemacht und in Projekte des GAW eingeführt mit
dem Ziel, daß Konfirmanden sich daran beteiligen.

Ein Register erleichtert die Arbeit mit dem an Informationen
reichen Buch, das hoffentlich weit über das Rheinland hinaus
hilft, Interesse am Dienst in der und für die Diaspora zu wecken.

Halle (Saale) Eberhard Winkler

Melzer, Karl-Heinrich: Der Geistliche Vertrauensrat. Geistli-
che Leitung für die Deutsche Evangelische Kirche im Zwei-
ten Weltkrieg? Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1991.
390 S. m. 2 Abb. gr.8° = Arbeiten zur kirchlichen Zeitge-
schichte, 17. geb. DM 96,-. ISBN 3-525-55717-5.

Diese Kieler Dissertation von 1988, die für die Drucklegung
den technischen Standards der AKiz-Reihe angeglichen wurde.
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