Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

118.1993

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Theologische Literaturzeitung 118. Jahrgang 1993 Nr. 3

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-: Schöpfungsglaube und Weltverantwortung im Islam (In: Golser, K.: Ver-
antwortung für die Schöpfung in den Weltreligionen. Innsbruck: Tyrolia
1992. 53-60).

Kuschel, Karl-Josef: ..Wir wissen ja nicht, was gilt". Paul Celan, Nelly
Sachs und das Reden von Gott (In: Achleitner, W., u. U. Winkler: Gottes-
geschichten. Freiburg: Herder. 34-52).

Oberlinner, Lorenz: „Wer kann sich in Wahrheit auf Gott berufen?" Ein
Plädoyer für die Gegner Jesu (In: Niewiadomski, J., u. W. Palaver [Hg.J:
Dramatische Erlösungslehre. Innsbruck: Tyrolia 1992. 37-48).

Petit-Monsieur, Lamartine: La coexistence de types religieuy differents
dans 1'HaTtien contemporain. Immensee: Neue Zeitschrift für Missionswis-
senschaft 1992. XXXVI, 391 S. m. Abb. gr.8° = Neue Zeitschrift für Missi-
onswissenschaft, Suppl. 39. Kart. sFr59.-. ISBN 3-85824-071-0.

Schumacher, Joseph: Alte und neue Sekten als Herausforderung der
Gemeinschaft der Kirche (In: |Saier, O.:] Gemeinsam Kirche sein. Frei-
burg: Herder 1992. 235-250).

Sparn, Walter [Hg.]: Wieviel Religion braucht der deutsche Staat? Poli-
tisches Christentum zwischen Reaktion und Revolution. Gütersloh: Mohn
1992. 179 S. 8° = Zeitzeichen, 5. Kart. DM 24,80. ISBN 3-579-00559-6.

Strolz, Walter: Die ökologische Verantwortung der Weltreligionen: im
Judentum, Christentum und Islam (In: Golser, K.: Verantwortung für die
Schöpfung in den Weltreligionen. Innsbruck: Tyrolia 1992. 14-33).

Stuhlhofer, Franz: „Das Ende naht!" Die Irrtümer der Endzeitspeziali-
sten. Gießen-Basel: Brunnen 1992. 221 S. 8° = ABC- Team, 2469. ISBN 3-
7655-2469-7.

Topic, Franjo: Some parallels between the Islamic and Christian moral
(In: Golub, 1.: Homo Imago et Amicus Dei. Rom: Pontificium Collegium
Croaticum Sancti Hieronymi 1991. 485-493).

Waardenburg, J. D. J.: G. van der Leeuw en de groei van de godsdienst-
wetenschap (NedThT 46, 1992, 89-103).

Wormhoudt, Arthur: The Blessing of Ishmael and Esau in the Diwan of
Abu Tayyib ibn al Husain al Kindi al Mutanabbi. Oskaloosa, Iowa: William
Penn College 1992. 57 S. 8°.

Wright, Robin M.: Guardians of the Cosmos: Baniwa Shamans and Pro-
phets, Part 1 (HK 32, 1992, 32-58).

Altes Testament

Edelman, Diana Vikander |Ed.|: The Fabric of History. Text,
Artifact and Israel's Past. Sheffield: JSOT Press 1991. 148 S.
8° = Journal for the Study of the Old Testament, Suppl.
Series 127. Lw. £ 22.50. ISBN 1-85075-324-5.

Die Editorin - bekannt durch ihre größeren Studien zum
frühen Königtum in Israel 1 - hat mit diesem Band fünf Vorträ-
ge herausgegeben, die 1989 bei der Jahrestagung der SBL/
ASOR in Anaheim-Los Angeles unter dem Thema "The Role
of History and Archaeology in Biblical Studies" gehalten wur-
den. Es sind: E. A. Knauf, "From History to Interpretation" (26-
64), T. L. Thompson, "Text, Context and Referent in Israelite
Historiography" (65-92), J. M. Miller, "Is it Possible to Write a
History of Israel without Relying on the Hebrew Bible?" (93-
102), W. Dever, "Archaeology, Material Culture and the Early
Monarchical Period in Israel" (103- 115) und G. W. Ahlström,
"The Role of Archaeological and Literary Remains in Recon-
structing Israel's History"(l 16-142).

In einer tour de force von Aristoteles über Augustin, Thomas
von Aquin, William Ockham, I. Kant, J. G. Droysen, K. Lamp-
recht, F. Braudel bis hin zu Karl Popper fragt E. A. Knauf nach
den Prämissen und Aufgaben der allgemeinen Geschichts-
schreibung und der über das alte Israel im besonderen. Es ist im
besten Sinne des Wortes ein Grundsatzreferat, dessen Gehalt
hier nicht im entferntesten referiert werden kann, sondern nur
der Lektüre dringend zu empfehlen ist.

T. L. Thompson setzt ein mit J. Wellhausens dictum über die
Geschichte der Patriarchen, daß „hier kein historisches Wissen
zu gewinnen (ist), sondern nur über die Zeit, in welcher die
Erzählungen über sie im israelitischen Volke entstanden"2. Um

eine Textaussage sachgemäß zu verstehen, sei der zeitliche Re-
ferenzrahmen des (Erst-)Autors zu erheben. Bei der Weitergabe
der Quellen hätten diese sich aber unter der Hand der Tradenten
in ein traditum mit jeweils neuem Referenzrahmen gewandelt,
wobei der jetzige, kanonische Endzustand der Texte - entgegen
allen literarkritischen Bemühungen - die Entscheidung nicht
mehr erlaube, ob nur noch ein literarisches, archivalisch ange-
reichertes traditum vorliege oder eine historische Quelle. Auch
ein rein literarisches traditum habe allerdings seinen (neuen)
Referenzrahmen. Vordringlichste Aufgabe sei also eine von
den atl. Überlieferungen unabhängige Geschichte Palästinas
und Israels, um den Referenzrahmen zu bestimmen, aus dem
heraus die atl. Texte sprechen.

Seinen als (rhetorische) Frage formulierten Vortrag beant-
wortet J. M. Miller mit einem klaren Nein. Sein Ausgangspunkt
ist die zutreffende Feststellung, daß in jeder historiographi-
schen Darstellung stets die Texte vor den Artefakten Vorrang
haben. Das wird z.B. für die ganz andersartigen neueren Dar-
stellungen von R. B. Coote/K. W. Whitelam3 und I. Finkel-
stein4 an einzelnen Stellen nachgewiesen. Auch für sie sind die
atl. Texte die jeweils vorgegebenen Parameter, in die hinein die
neuen Szenarios eingezeichnet sind. Die neuen Szenarien gä-
ben jedoch insgesamt mehr Auskunft über das jeweils eigene
Geschichtsverständnis, als über das, was man über das alte Is-
rael wisse. Die Frage sei nicht, ob man die atl. Texte benutzen,
sondern wie man sie kritisch zum Verständnis des alten Israel
beiziehe.

W. G. Dever steht dazu in Gegenposition. Aus seiner Sicht
erlauben die Bodenfunde inzwischen, eine rein archäologische
"History of Ancient Palestine" zu schreiben, die allerdings in
kontradiktischem Widerspruch stünde zu einer "History of Isra-
elite Religion", die nach den Texten der hebräischen Bibel zu
entwerfen sei5. Aus der Sicht des Rez. sollte man sich hier
einer genaueren Terminologie befleißigen. Ist der Begriff "An-
cient Palestine" archäologisch definierbar? Wenn mit "Israelite
Religion" etwas anderes gemeint sein soll als die Religion des
Staates Israel, der unter Salmanassar V. sein Ende fand6, müßte
das klarer gesagt werden.

G. W. Ahlström bestimmt die Relationen zwischen archäolo-
gischen Funden und textlichen Aussagen in vierfacher Weise:
(a) Textdeutungen, die archäologische Interpretation beeinflus-
sen, (b) Artefakte, die den textlichen Horizont erweitern, (c)
Textaussagen, die zu den ausgegrabenen Befunden in Wider-
spruch stehen und (d) Absicht und Zuverlässigkeit der bibli-
schen historischen Texte. Die Deutung der Funde in Hazor7
und auf dem Ebal8 durch die Ausgräber gelten als Beispiele für
(a), der Tempel in Arad (Stratum VIII) und der Palast in Ramat
Rahel als Beispiele für (b). Ahlström verbindet dabei die Zer-
störung des Tempels in Arad mit einer zeitweiligen edomisehen
Okkupation (Stratum |VIII|) während Sanheribs Einfall nach
Palästina (121-125). Für (c) weist er hin auf die Levitenstädte
Jos 21 und die Belege für Aschera in Kuntillat cAgrüd. Die Le-
vitenstädte können aus archäologischen Gründen nicht als vor-
monarchische Institution angesehen werden9. Die Aussagen der
Inschriften aus Kuntillet cAgrüd seien offizielle Äußerungen
der Nordreichsreligion. Obgleich - (d) - die atl. Geschichts-
schreibung aus judäischem und Jerusalemer Blickwinkel über-
kommen und generell vom normativen Jahwismus geprägt sei,
könne z.B. doch das Königtum Sauls als historisch gelten,da
anders die gewundenen textlichen Begründungen, warum und
wie David König wurde, unnötig wären.

Den Reiz dieses Buches bilden die zueinander vielfach im
Kontrast stehenden Referate. Wie stets, ist in ihren Fußnoten
die Gelehrsamkeit der Autoren gebündelt, die nachzulesen ist.
aber in einer Rezension nicht ausgebreitet werden kann.

Der Editorin ist zu danken, daß sie sie - neben Vorwort (7-9)
und eigener Zusammenfassung ("Döing History in Biblical Stu-
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