Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

116.1991

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Theologische Literaturzeitung 116. Jahrgang 1991 Nr. 12 89g

der n"' 3f kann Jed°ch dafür nicht angeführt werden, weil Paulus zur Zeit 48 Hervorhebung durch mich.

füg 'ederscnr'ft des Gal der Begriff 8uccuoavvr| öeoü noch nicht zur Ver- 49 S. H. Hübner. Gottes Ich und Israel. Zum Schriftgebrauch des Paulus

Nlo^"*stand- Erst der Rom ist das theologische Dokument dieses Begriffs. in Rom 9-11 (FRLANT 136). Göttingen 1984. passim. Eigentümlich ist

D or 5-21 'St 6. u. konnotativ anders verstanden. Dazu H. Hübner, aber, daß H. diese Monographie (und D.-A. Koch. Die Schrift als Zeuge des

gj (FpeSetz bei Paulus. Ein Beitrag zum Werden der paulinischen Theolo- Evangeliums. Untersuchungen zur Verwendung und zum Verständnis der

^RLANT 119), Göttingen 31982, l04fT. Schrift bei Paulus [BHT 69], Tübingen 1986) eigens aus dem generellen

, azu vor allem W Karrer. Intertextualität als Elementen- und Struk- Verdikt, daß Autoren, die sich ausführlich über theologische Sachverhalte

45 ePr°duktion. in : Intertextualität, 98-116. hei Paulus äußern, kaum etwas über diesen als Interpreten der Schrift zu

näh Nurganz am Rande erwähnt Haysdiesen Sachverhalt, jedoch ohne sagen hätten, ausdrücklich ausnimmt, aber dann ihre entscheidenden Aus-

no "e me'hodologische Reflexion, z.B. op. cit. 174: "Paul's letters ... do sagen, die ihn an genau dieser Stelle bestätigen, außer acht läßt.

46b*'°ngtothesameliterary genreasany Old Testament text." 50 M Greene. The Light in Troy: Imitation and Discovery in Renais-

47 'b. 106ff. sance Poetry, New Häven 1982.

iitä M Lindner, Integrationsformen der Intertextualität, in: Intertextua- 51 E. Käsemann. Geist und Buchstabe, in: ders.. Paulinische Perspekti-

laMl 16-135) 121. ven, Tübingen 1969,237-285.

Altes Testament

Ga,I?"lie- John G.: Holiness in Israel. Minneapolis: Fortress
ly«9. XV, 215 S. 8° -Overtures to Biblical Theology.

sesRnerha'b def Re'he "°vertures to B'bücal Theology" ist die-
198 a'S deutncnes Gegenüber zu der in der gleichen Reihe
s * erschienenen Arbeit von T. E. Fretheim mit dem Titel "The
u tering of God" zu betrachten. Der Herausgeber W. Bruegge-
J ar"n unterstreicht deshalb in seinem Vorwort: "Gammie's book
es up... a countertheme that moves against the emphasis on
urt. marginality, and vulnerability, to explore the majesty, awe,
nd sovereignty of God. Indeed, Fretheim on 'suffering' and
mmie on 'holiness' provide a suggestive und foundational dia-
ectic for our continuing theological conversation " (IX).

Gammie selbst geht in seiner Untersuchung von der sicher
^chtigen Einsicht aus, daß das Alte Testament keine in sich ge-
flossene Lehre der Heiligkeit Gottes enthält. Wenn man auf
leser Ebene von einer Einheit sprechen will, dann nur von "a
Uruty with a diversity " (1). Ausdruck dessen ist die Art und Weise
*'e Gottes Heiligkeit in den priesterlichen, prophetischen und
We'sheitlichen Überlieferungen zur Sprache kommt. In der prie-
sterlichen Tradition begründet Gottes Heiligkeit "ritual purity,
n8ht sacrifices. Separation", in der prophetischen Verkündigung
sie auf "the purity of ioda/justice and equity in human rela-
tlons", hingegen erlangt sie in deralttestamentlichen Weisheitsli-
,eratur ihre eigene Bedeutung in "the cleanness of individuell mo-
rality" (2). Diese Grundthese wird in 7 Kapiteln entfaltet, wobei
er interessante Versuch unternommen wird, die alttestamentli-
Cr>en Aussagen im Kontext der religionsgeschichtlichen For-
schung (Rudolph Otto, Mircea Eliade) und der neueren Anthro-
pologie (Mary Douglas. Edmund Leach) zu interpretieren.

In den Kapiteln l, 3 und 5 wird das Heiligkeitsverständnis in
seiner grundlegenden priesterlichen, prophetischen und weis-
eitlichen Aussprägung untersucht. Als normativ für das prie-
sterliche Heiligkeitsverständnis erweisen sich die Priesterschrift
und das Heiligkeitsgesetz (9-44). Die prophetische Sicht kommt
v°r allem im Kontext der Theologie des Jesajabuches zur Spra-
che (71-101). Die Grundansicht der Weisheit findet sich in den
^eisheitspsaimen, in Proverbien 1-9 und in Hiob (125-149).

!n den Kapitel 2, 4 und 6 werden dann die Varianten dieser als
'dealtypisch herausgestellten Vorstellungen dargestellt. Die prie-
sterliche Anschauung läßt sich sowohl bei Ezechiel und seiner
Schule (Ez 40-48) als auch im Chronistischen Geschichtswerk
weiterverfolgen (45-70). Die prophetische Vorstellung zeigt
deutliche Nachwirkungen bei Jeremia, in einigen Psalmen sowie
•n der Theologie des Deuteronomiums und des Deuteronomisti-
schen Geschichtswerkes (102-124). Die Ansicht der Weisheit fin-
det ihre Fortsetzung bei Kohelet, Jesus Sirach und in der Weis-
heit Salomos (150-172). Die so aufgezeigten Linien des
Heiligkeitsverständnisses in den drei Überlieferungs- und Tradi-

tionskreisen werden in Kapitel 7 noch abschließend bis in die
apokalyptischen Texte des Alten Testaments (Jes 24-27; Sach
9-14; Joel ; Ez 38f und Daniel) ausgezogen (173-194).

Mit diesem Buch wird eine knappe, aber exegetisch doch gründ-
lich erarbeitete Studie zum Heiligkeitsverständnis des Alten Testa-
ments angeboten. Ausgehend von seiner Grundthese vermag
Gammie deutlich zu machen, daß die Varianten zu dem priesterli-
chen, prophetischen und weisheitlichen Heiligkeitsverständnis je-
weils "a shifting, blending, and interpenetration of the ideal
types" (196) darstellen. Die unterschiedlichen Anschauungen
haben sich in ihrer Wirkungsgeschichte gegenseitig beeinflußt und
gerade dadurch an besonderer Bedeutung gewonnen, was sich bis
hin zur Heiligkeitsvorstellung der Apokalyptik aufzeigen läßt. Die
Vorstellung der Heiligkeit bildet nicht das Zentrum des Alten Te-
staments, aber "the coneept of the holiness of God is a central con-
cept in the Old Testament, which enables us to discern at once an
important unity and diversity" (197). So verbindet Gammie seine
Untersuchung schon eingangs mit der Hoffnung, "that this study
will foster tolerance and respect among religious communities -
and in particular among those communities that look the Bible as a
special source of guidance" (1).

Eine kurze Zusammenfassung. Autoren- und Stellenregister
(195-215) finden sich am Ende dieser exegetisch und theologisch
interessanten Arbeit.

Halle (Saale) Ernst-Joachim Waschke

Jamieson-Drake, David W.; Scribes and Schools in Monarchie
Judah. A Socio-Archeological Approach. Sheffield: Almond
Press 1991. 240 S. m. Abb. 8 = Journal for the Study of the Old
Testament, Suppl. Series 109. The Social World of Biblical An-
tiquity Series, 9. Lw. = 30,-.

Die Frage nach der Existenz von Schreibern und Schreiber-
schulen, ihrer Entstehung und ihrer Verbreitung ist nach Mei-
nung des Vf.s noch ungelöst. Die Spärlichkeit klarer textlicher
und epigraphischer Hinweise sowie die Problematik der Anwen-
dung von Analogien aus der Umwelt veranlassen ihn dazu, einen
neuen, objektiveren Ansatz zu entwickeln, den "socio-archologi-
cal". Ausgehend von der Prämisse, daß Schreiben vor allem "in a
context of administrative control" (35) seine Funktion hat. fragt
er nach den gesellschaftlichen Bedingungen, die den Rahmen
dafür liefern, und findet sie in der Existenz einer administrati-
ven, zentralisierten Aufsicht, einer sozialen Schichtung und dem
Vorhandensein von vollberuflichen Spezialisten, die nicht im
landwirtschaftlichen Sektor tätig sind. Um Entstehung und Aus-
maß dieser Voraussetzungen zu überprüfen, wird die Archäologie
herangezogen, und zwar hinsichtlich ihrer Aussagen über Sied-
lungsdichte und Siedlungsgröße, ihrer Hinweise auf öffentliche
Arbeiten sowie ihrer Ergebnisse hinsichtlich der Zahl und
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