Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

116.1991

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Theologische Literaturzeitung 116. Jahrgang 1991 Nr. 9

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Von Karl Herbert

lch Gott nur in einer Vielzahl von Individuen ganz mitteilen Berichte Und Mitteilungen

onne. stellt D. seine Lehre von Christus als „Zentralindivi-

uum» gegenüber .Gott hat durch seine Einheit mit dem Men- „ ,. . . ?

Schen Jesus die Schöpfung individuell vollendet und damit den tellX Austna-

' sgangspiinkt zu ihrer universellen Vollendung geschaffen. Zur österreichischen Kirchengeschichte unseres Jahrhunderts*

n seiner zweiten Phase hatte sich D. besonders mit der kenoti-
Schen Theologie auseinanderzusetzen. Diese Auseinanderset-

sUnp IT11? Cr ZemralSei"em AufS3tZ " ÜbCr d'e riChT FaS" Die neuere Geschichte der evangelischen Kirche in Österreich

8 des dogmatischen Begriffs der Unveränderlichke.t Gottes' uns weitgchend unbekannt. Gewiß, die Gegenreformation

stell, n y h3t °- eine" ethischen Gottesbegnff aufge- bjs hjn zuf Vertreibung der Salzburger ist jedermann geläufig.

' . Gott hebt in sich das ethisch Gute (Vater) auf eth.sche Aber wer wejß hierzulande nocn daß mit dem Erloschen dcr

Be^h <dUrCh de" S0h" im Ge'St)- D'eSe vollkorTlmene Habsburger Monarchie und der Abtrennung ihrer nichtdeutschen

z.ehung eth.scher Liebe will Gott auch in seiner Einheit mit Länder der Res( jm November , 9,8 als Repubiik Dcutschöster-

rrheranwachsenden und sterbenden Menschen Jesus nicht ^ a fcn und im März 1919 von der National versamm-

ethTJhV 8 ■ Denn 3US LiCbe 3UfllÖren ZU l,ebennwäre U"" lung zum Teil der deutschen Republik erklärt wurde - von evange-

mäh. ü " tC 51 SdbSt Vidmehr in einCm Pr°Z lischer Seite enthusiastisch begrüßt als Erfüllung der biblischen

glichen Inemsbildung mit. der im Tod und der Auferstehung Vernejßung. sjehe, icn mache a|les neu«, Erst der Friedensvcr.

Im wDC ,ol,endun8 r'ndet- trag von St. Germain vom September 1919 unterband dies und

•nii Mittelpunkt der dritten Phase von D.s Wirken steht sein legteden Namen „Republikösterreich" fest. Ein Anschluß waran

" Stern der christlichen Glaubenslehre" (1879-1881). In dieser Bedingungen geknupft, die sich nicht erfüUten. Nur die Evangcli.

"sandte sich die deutsche Theologie Ritschis ethizistischem scne Kjrche Aß und Hß (Augsburger und Helvetischen Bekennt-

satz zu. D.s dogmatisches Hauptwerk ist deshalb kaum rezi- njsscs) scn,oß sjcn , 926 a,s sdbstandige Landeskirche dem Deut-

ert worden und schnell in Vergessenheit geraten. D. konsti- schen Evangelischen Kirchenbund an.

ert dann seinen theologischen Standpunkt in der Aufstellung Von a||edem j$t jm ersten Tej| des hjer vorzustel|endcn Bandes

s «h,sehen Gottesbegriffs und expliziert diesen Begriff als dje Rede wenn aucn nicht |n Gesta,t einer zusammenhängenden

^ eoiog.schcs System Gott wird als einer gedacht, der, weil er Darstellung Djc beidcn Herausgeber beschränken sich bewußt

gen selbst ethisch liebt diese L,ebe auch jedem möglichen Ge- ^^ wiedergabe wcscnt|ichcr Dokumente, um damit erst die

de* n" " W [ dCe ?1 d,eSC L'ebe empfängl,ch ISt- M,t Voraussetzungen zu einer Geschichtsschreibung zu schaden.

zZlegT , f !" Selbstliebc Gottes ,st e,n teleologischer Daß cs dar£jn dg rür dje Zei( von , 9,8_, 945 noch mangc|t

«sammenhang gedacht, der aus sich selbst den Begriff der erk|ärt sjcn ngch ihrem Urtei, njcnt zuletzt durcn ^ engg pcr.

dune u " Und universel1?" Vo"en" sonelle Verflechtung eines erheblichen Teils ihrer (der Ev. Kir-
schen (HChn5.t0l°8'' Und ^hatologie) hervorgehen laßt. Zwi- rührenden Persönlichkeiten" in „die politischen, weltan-
hältnl h"1 ,Gott^sbegr'fr und s^"erE*Pl,kat'°n,befeh< em Ver; schaulichen und geistigen Bewegungen des 20. Jahrhunderts" (3).
itn.s der Interdcpendenz so daß sich beide Teile der Dogmatik Sq ^ cjne Aufarbeitung dcr Vergangenheit in geringerem Maß
genseitig kritisieren und begründen. geschehen als in den meisten deutschen Landeskirchen, wobei
detd 8 ? , ,'t,k d6S theol°eischcn Systems Ds bl1.; „auch die Tatsache, daß es in Österreich keinen .Kirchenkampf
»irrn SLDhwCurpunkj de* 1 Te,ls der Dissertation. In diesem Teil nat wcsentlichcn Antei, an dieser Erscheinung" hatte
in ; v k-fCJ 8 S Syftemcharak,ers christlicher Dogmatik Djes wjcderum durfte (rotz unmitteibarcr Konfrontation mit

K r ' h n k 8ese^ zu u pnnz,fPie"r .V"ne.nung durch dem NS seit ,938 - mit der besonderen Lage als Minderheitskir-

• °ann. Dabei wird untersucht, inwiefern beide derse ben theo- , u- a u - . . •, r ... , _
lopic^u t- ■ ,■ • . . , che zusammenhangen, die bei einem Anteil von nur 5.5% der Be-
sinnen Iraditionslinie angehören und worin der systematische .... __,,.„„,,.,, .„ .„ A ■ f\fr ... ...... .

En,u • , . , . „*._.. . . • ■ volkerung stets aul Abwehr der die Öffentlichkeit beherrschen-

'"wickiungsschntt von Barths Theo ogie gegenüber derjenigen , . ., ,• , ... . .

De, . ■ ^. 6 6 6 „J , den katholischen Ubermacht konzentriert war und in der

a zu suchen ist. Dieser von erkenntnistheoretischen Fragestel- „. j - cu u -Ari_.

lunoP„ k c.u_ i> , ■ . . . „ .. j. . f . Bewahrung des eigenen Erbes ihre primäre Aufgabe sah.

u"gen hergeführte Verg eich wird vervo standigt durch eine . • ■ .... . . . TT. . , ,

Verhält^ w .■ a r^u ■ ■ j Aus dieser Diasporasituation ergab sich auch die stetige Anleh-

^naltnisbestimmung der Christo ogic E. Junge s zu der D.s. .. , , . , , v. . .. ,,

InH»m ii i. • j . * t~i_ i ■ nung an die starke deutsche Kirche, von wo ihr materielle und

■naem so eine Entwicklungslinie der systematischen Theologie ,.,.,„„,.., __ ... A -v .. .. .

von h», v -..i .u i • j .n n. u- r, ^ u personelle Unterstützung zuteil wurde: Zum einen ermoghchte

«n der Vermittlungstheologie des 19. Jh.s bis zur Barthschen *, . n, . A.°,f,. . D v ,, .

UndH„„un rtU ■• . -rL i • , , • j der deutsche Gustav-Adolf-Verein den Bau von Kape en oder

"a durch Barth geprägten Theologie unseres Jh.s sichtbar wird, ^ ■ . „. Df ... TI , , , ,c,

kann^ . f- i. ni . ■ ..... ^, Gemeinde-und Pfarrhausern. Und zum andern ha f der „ Evan-

dr>n der systematischen Rekonstruktion und Kritik dieser Theo- .. . D . , . , , , , . _

logie „,- „■ , r- ... r , „ „ , . gelische Bund zur Wahrung der deutsch-protestantischen nteres-

s'e. wie sie etwa F. Wagner auf der Grundlage Hegelscher u . . . . ., , , D D

StanH„ u.u ii ., j sen , nachdem er sich seit der Los-von-Rom-Bewegung um die

ldndpunktbestimmungen vollzogen hat. begegnet werden. Wag- IUÜ^^ a u a ^. u \

"er r^.., a -ru i Z■ u. c T ■ . u Jahrhundertwende im besonderen Osterreich zugewandt hatte.

cr reduziert die Theologiegeschichte auf drei systematische , , . . . , .. , ... „ ... 6r . '

StanH^,.„b, a ••• ii i l. j 1 , der schwachen und durch die Ubertrittswelle uberforderten Kir-

Endpunkte, der positionellen. kritischen und nichtpositionel- . . . , . . ... , .. ^

'en Th»„i„„;„ n>„ a . u c . ii j o T .i. che durch entsprechende Literatur und vor allem die Entsendung

" i neologie. Da die genetische Entwicklung des Systems theo- , „ ,. _. . . . . . e

'oeienho. c.„ a i. u „ . . . . , und Besoldung reichsdeutscher Vikare und Pfarrer.

Bischer Standpunkte bereits an dieser Stelle abgebrochen wird, ... .. .. . ... . .. ,

niuR rii^ n, .K i tu i i ™ r ■ u. All diese Hintergründe und ihre Auswirkungen au die Ereie-

uu die Barthsche Theologie als eine Deformation mchtpositio- • r- j j „, . , , ■

"eller Theologie begriffen werden. (F. Wagner, Theologische ",SSe ^^"^ deS "sten Weltkrieges werden mit den dargebo-

Gleichschaltung. Zur Christologie bei Karl Barth, in: Die Reali- tenen Dokumenten lebcndl8 und machen dle Quellensammlung

s,erung der Freiheit. Hg. T. Rendtdorff. Gütersloh 1975" 10-43- feiner höchst interessanten Lektüre. Da bekunden in Entschlie-

*Ä 130 Bei D. läßt sich lernen, wie der Standpunkt nichtpositio- ßungC" dCS -Deutsch-evangel.schen Bundes für die Ostmark-
geller Theologie selbst wieder Gegenstand der Aufhebung wer-

eri kann, und sich somit die Möglichkeit einer nichtreduktioni- _

^'schen Rekonstruktion der Barthschen Theologie eröffnet. Erst

amitvvird das systematische Niveau erreicht, auf dem die Apo- . Reingrabner. Gustav, u. Karl Schwarz [Hg.]: Quellentexte zur ös.errei-

n diskutiert werden können, die sich durch die Theologie chischen evangelischen Kirchengeschichte zwischen 1918 und 1945. Wien:

arths. aberauch schon D.s. der gegenwärtigen Theologie stellen. Ev. Presseverband I989.868 S.8 .ÖS495.-.
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