Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

115.1990

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Theologische Literaturzeitung I 15. Jahrgang 1990 Nr. 12

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stimmen oder nicht-eine Kontrolle an nicht-deutscher Literatur legt (2100- mit den Reformatoren, in diesem Fall: Calvin, einig, der die
sieh nahe. Zwei Werke zur theologischen Bestimmung des Menschen Imago Dei entontologisierte (217). Die von Widmer vorgeschlagene
aus der romanischen Schweiz bzw. den Vereinigten Staaten können in „conjonetion restreinte" von theologischer Anthropologie und
diesem Fall bei der notwendigen Prüfung weiterhelfen. Humanwissenschaften (228) erreicht im gesamten Zyklus wenig Prä-
lm Genfer Verlag "Labor et Fides" legt eine Gruppe von Theolo- zision:sic hätte-didaktisch betrachtet-wohl ausdrücklicher und von
gen. hauptsächlich aus Fribourg und Gencvc. ihre Studienpapiere aus vornherein dem gesamten Projekt zugrunde gelegt werden müssen,
einem dritten Zyklus Systematischer Theologie der schweizerisch- Deshalb versichert uns die abschließende Reflexion Bühlcrs nur der
romanischen Universitäten vor. Pierre Bühler hat sie ediert; er führt Pluralität der Perspektiven (326). betont mit Pinto de Oliveira dic-
kem und schließt die Sammlung mit einer Reflexion ab. Die Studien „gclebte Anthropologie" (322) und schreibt den protestantischen
gliedern sich in fünf Abteilungen: (I) Einführung in die Problematik, Teilnehmern ein stärkeres Krisenbewußtscin. den katholischen eine
(2) Die Anthropologie in den Geisteswissenschaften (bzw. Wissen- gewisse Positivität (in der Feststellung des Humanen und in der Bezie-
sehaften vom Menschen, "sciences humaines'), (3) Zwischenbilanz: hung der Theologie zu den Humanwissenschaften) zu (325). Melho-
Beiträge und Verdeutlichungen. (4) Traditionelle Bezüge. (5) Dogma- denfragen und wissenschaftstheoretische Überlegungen sind also Weit-
sche und ethische Überlegungen. Ein mit der Materie vertrauter gehend ausgeblieben. Der Sammclband ist eher für punktuelle Infor-
Leser wird schnell feststellen, daß die wohlgegliederte, mit Einführun- mationen von Interesse.

gen versehene Sammlung die verschiedenen Ansätze und Positionen Eine größere Geschlossenheit weist der christologisch orientierte

kaum ins Gespräch bringen konnte. Sic ist in Einzelaspekten anre- Entwurf "The Truc Image" des "evangelical" (nicht im rigiden Sinn

gend. in der systematischen Anlage jedoch ohne differenzierte „cvangelikal") orientierten anglikanischen Theologen Hughes auf. In

gemeinsame Fragestellung. 38 Kapiteln führt er eine dogmatische bzw. theologiegeschichtliche

Darum genügt es. in dieser Besprechung einzelne Fragestellungen Prüfung der Aussagen von der Schöpfung bis zum Reich Gottes unter

und Anregungen hervorzuheben. Zum einen fällt auf, daß einzelne dem Gesichtspunkt des Menschenbildes durch. Seine These müßte im

Autoren ein bestimmtes einzelnes Werk traktieren, ohne es in einem Grunde lauten: Eine theologische Definition des Menschen aufgrund

größeren anthropologischen Zusammenhang zu verankern: Ch. eines Gesichtspunktes gibt es nicht; der Mensch wird theologisch

Duquoc behandelt z B eine französische Variante der Säkularisie- hinreichend nur aulgrund seiner Bestimmung durch das gesamte

rungstheorie M Gauchets «Lc desenchantement du monde» (Die heilsgeschichtlichc Drama erkannt. Hughes" Darstellung enthält eine

Entzauberung der Well)' sie vertritt die These, das Christentum habe Fülle nützlichen Materials, dessen Auswahl aus der Sicht eines evan-

dic Bindung an Gott verinnerlicht und eine Welt heraufgeführt. in der gclikalen Anglikancrs verständheh wird; es treten die Kirchenväter.

Gott nicht notwendig ist (17111 Alle Beiträge dieses Zyklus versuchen mitunter Calv.n und einige neuere Theologen (wie Brunner. Barth

dieser These insofern zu widersprechen, als sie Anknüpfungspunkte und Bonhoelfer). hervor. Dabei wird die sonst in der erweckten Chri-

«existentieller oder religiöser Art) für die Aussage von der Gotteben- stenheit beliebte Theologie Brunners wegen zu großer Anpassung an

Bildlichkeit des Menschen suchen. Das Thema der Imago Dei durch- die moderne Welt eher negativ bewertet.

zieht deshalb die meisten der Beiträge, wobei die Komponenten weit- Die Gegner dieser Darstellung tragen verschiedene Bezeichnungen:

gehend einheitlich gesehen «erden, z. B. bei Duquoc: gnadenhafte atheistischer Humanismus (53. 140). Franzosische Revolution (141).

Entsprechung zu Gott mitschöpferische Freiheit. Fähigkeit. Herr- wütender Materialismus (141). dc.stischcr Naturalismus (219). huma-
sehaft auszuüben Differenz und Gemeinschaft Die protestantischen , nistischer Rationalismus (ebd.) usw. Die W.rkung dieser gegnerischen

Autoren betonen eher den Be/ichungsaspckt (P. Gisel. 357. P. Bühler. Positionen tritt nur in Einz.clzügcn hervor-ein Indiz, daß der Verläs-

"30. 268). die katholischen denken zwar ebenfalls nicht mehr in den ser selbst keinen eigenständigen strukturierten Entwurf vorlegt.

Mustern einer Subs.anzon.ologie; aber sie erweitern sie im Sinn der sondern verteidigen Will: den Personcharakter des Geschöpfes, der

Finalität (C E O'Neill 1 J3ff) die als cschatologisches Geheimnis mehr als das bloße Individuum meint (53). den Dualismus von Gut

qualif,zjcrt wird (ders 259). In diesem Sinn kann auch die Anthropo- und Böse (gegen Barths These vom Nichtigen. I03ff), die Bestreitung

'ogic der (ieschlechter bei Thomas von Auuino zur Sprache kommen der Faktizität des Falls des Menschen (was immer ..faktisch" heißen

(C J. Pinto de Oliveira. 16511- weitgehend ohne ihre von K. E. Borre- mag- 106). die Bestreitung der Erbsunde ( 126) die semipe agianische

■* herausgearbeiteten befremdlichen Seiten); eine Stufenontologie Synthese des Mitte.a ters (193). die Vergöttlichung der Mana ,203).

von Natur und Gnade scheint in den Beiträgen nicht mehrdurch. weil vor allem aber die Unfähigkeit, die Erlösung objektiv zu verstehen

^e finale Ausrichtung konsequent auf die Offenbarung Gottes bezo- (337. 356f-gegen Ritsehl). Brunner und Bul ™ empfangen Tadel,

^n wird (vgl. S. Pinckaers. 14711': ..der Heilige Geist schließ, im weil sie die leibliche Aulerstehung bestreiten (3651)

Mcn.. u j ., j j d „.„„ o,,P>i rWr linali- Der V . bemuht sich, in der Periode der christlichen Metaphvsik

Ansehen den geistigen Untergrund, die Person, aul ). Dieser nnan w k

«Wen Wirklichkeitssich, dien, auch einer der humanwissensehaft- formulierte dogmatischei SJ tzc als biblisch auszugeben und der

fchen Beiträge: C Lafol behandelt die Na.urrech.saullässung von modernen Welt (seiner Sicht!» vorzuhalten dabei wird ihm nich,

Leo Strauss um den wertenden Charakter der Sozialwissenschaften deutlich, daß er auf die Ebene der Objck.ivua einer rech, einlachen

herauszustellen (89.1V. die von S.rauss vorgetragene For.schriUskri.ik empirischen, oder- positivistischen Wissensc al.s.heorie tntt um au.

mfrkt.i r Ii .. u. . i i„,„ ..„fninp Dimension der derse ben Ebene Gegenbehauptungen zu trellen und so einem emla-

"•OChte Lelorl allerdings nicht teilen, sondern aul um. Dimension uci . . _ ...

Unnmi u u i • • ,• • u i i „K»n hinweisen (106) Im chen Supranaturalismus zu huldigen. Man darl seine Gegner nicht in

^numkchrbarkeit im politisch-sozialen Leben Hinweisen uuoj. .

Ran ... iwtiirhwn flesnrichsbei.räec einem unterschätzen und dann doch ihie Reduktionen wicderho-
sanzen gesehen sind die humanwissenschaltlichcn ucspracnsociu»»*

kc'ne Herausforderung für die beteiligten Theologen, sondern eher len.

spIi„ „... . .T.. „ * „„i„„;^hrn Reiträec Wegen des zum Teil polemischen Eklektizismus versäumt es der

e' e„c Blüten ,m vielfältigen Garten der anthropologischen Betrage ^ J^,.^ ^ ^hese von zwei Grundbedingungen .heolo-

us sakular-wissenschaftlichcr Perspektive Verständnisses des Menschen, (a) der systematischen Ra.io-

Ansatze zum Gespräch werden nun doch wieder durch trysiemau gisc.n. .

*>* Aspek.e deuX Diskussion vermittelt Bühlers Un.erschei- na h.a. der Sc op ung 57 und (b) ihrer Wiederherstellung ,n C hnstus

d"ng des wirklichen und des wahren Menschen (126) erinnert unge- (339), substantiell durchzu uh.cn_

*0HtanM Kühler dcrAu,orberufts,ch(268)aufdiedeu.scheph,lo- " Das Buch beweist, wie die außerordentliche Muhe um eme große

-Ph.sche An hr pologt wobei die Problema.ik der Folgen des "*« >m " ^ '

Renschen Ansatzes o.lensich.lich unerkannt bleib,) und konzen- weitgehend nutzlos werden kann.

tr|ert sich auf die (von Plcssner herausgearbeitete) Exzentrizität und Bochum Christofer Frey
Edlings Betonung der Relationen, die Menschsein begründen (2720-
°- Widmer weiß sich - trotz des von P. Gisel festgestellten Abstandes
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