Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

114.1989

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Theologische Lileraturzeitung 114. Jahrgang 1989 Nr. 2

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nicht einfach etwas anderes, sondern dasselbe anders sagt. Das erstere Im ersten Satz des Vorworts meldet der Autor ein doppeltes Inter-
ordnet die drei Glaubensartikel in der Reihenfolge und interpretiert esse an seiner Arbeit an und deckt damit deren theologische Proble-
me mit den Begriffen von 2Kor 13.13 und verbindet das ganze zu- matik auf: Die Bemühung um ein theologisches Verstehen des V.sucl-
gleich mit ->K.or 5 I9f so daß auf die Rede vom Versöhnungswerk des len wird gekoppelt mit der Bemühung zur Gewinnung einer Bas.s. aul
dreicinigen Gottes hin vom Amt der Versöhnung", also von der Kir- welcher die bildenden Künste (visual arts) im Protestantismus reinte-
che die Rede ist und dabei zuerst von ihrer Sendung und dann erst von griert und im römischen Katholizismus wiederbelebt werden können,
'hrer , Ausrüstung" dazu (u a Predigt. Taufe und Abendmahl, übri- Ein von vornherein auf einen praktischen Zweck hin festgelegtes theo-
gens unter Verzicht auf den Begriff Sakrament). Die Eschatologie steht logisches Verstehen aber gefährdet sich selbst, insofern die Theologie
unter der Erwartung der „Erfüllung der Versöhnung". Der zweite, nicht die Praxis bestimmt, sondern durch die Praxis bestimmt wird,
ausführlichere mit narrativen Elementen durchsetzte Text ist eine Der Autor scheint solcher Gefährdung nicht zu entgehen, wenn er
nicht so schwungvolle, aber doch solide, theologisch tiefgreifende den ersten Teil seines Buches einleitet durch einen wenig d.ftercnzier-
Neudurchdenkung des Credos unter der Perspektive der Lebendig- ten und allzu knappen Verweis auf die Schrift und die Kirchenvater,
keit Gottes mit hilfreichen, differenzierten Ausführungen über Israel Im Anschluß an Joseph Gutmann und Sister Charles Murray w.der-
('81 ff) zum Verhältnis von Offenbarungs- und natürlicher Gottes- spricht er der These, wonach Schrift und Kirchenvater der bildenden
Kenntnis (190) zur Begegnung mit „anderen Glaubensweisen" (194) Kunst feindlich gegenübergestanden seien. - Eine Art Museums-
Btf Auch dieser Text kommt zu entschiedenen, mutigen Weisungen führcr bildet den Hauptteil des Buches, der durch die Epochen der
im Blick auf die heutigen politisch-sozialen Herausforderungen, doch Kirchen- und Kunstgeschichte von Bild zu Bild führt, während e.n
s°. daß da nicht „auf Kosten" Gottes, sondern in Bestätigung seiner Kapitel über die „Bilderstürmer" (Iconoclastic Movements) - inklu-
selbst gedacht wird und ohne daß sein höchsteigenes Tun im Tun sive Reformation -nureben eingeschoben wird,
seiner Nachfolger zerfließt - getreu der erklärten Devise: „Wir dürfen Den zweiten Teil seiner Arbeit widmet D. dem 20. Jh. mit dem
das Evangelium nicht verzerren durch Verflachung seiner Vcrhcißun- Bemühen, das Besondere der amerikanischen Malerei und Skulptur
gen und Gebote durch Hinweis auf uns selbst, statt auf Christus" herauszuarbeiten, wobei theosophische und Einflüsse östlicher Reli-
(|97). Bei der Frage nach der bekenntnismäßigen Orientierung der gion namhaft gemacht werden. Mit dem Kapitel über den Kirchenbau
reformierten Kirchen in ihrem Zeugnis heute sollte gerade die weckt dieser Teil des Buches beim europäischen Liebhaber moderner
Stimme, wie sie in diesen beiden Texten laut wird, tunlichst maß- Kunst besonderes Interesse, wobei ersieh im Blick auf die Architektur
geblich zu Worte kommen. menr informierendes Bildmaterial wünschte, während ein Kapitel
Jedenfalls muß nun L. Vischers Sammelband den reformierten über zeitgenössische Theologen und bildende Kunst in ihrer schema-
Kirchcn einiges zu denken und zu tun geben. Und im übrigen: Wer tisierenden Einteilung an die Art und Weise erinnert, wie das Alte
wissen will, was „Reformiertes Zeugnis heute" heißt -in seiner Viel- Testament und die Kirchenväter einerseits und „Bilderstürmer"
falt und Gemeinsamkeit in seinen Stärken und Schwächen - der wird andererseits dargestellt werden.

"icht an diesem Buch vorbeigehen dürfen. Ein dritter Teil „Agenda" zeigt den Vf. unterwegs zu einer Theolo-
gie erweiterter Wahrnehmung (Toward a Theology of Wider Sensibi-
°tl,ngcn Eberhard Busch lities), während das letzte Kapitel für eine Sehschule in der theolo-
_ gischen Ausbildung plädiert. Es ist zu begrüßen, daß D. dafür nicht

g ■ ein gesondertes curriculum fordert, sondern diese in die bestehenden

Maria °'fgaDng- " JÜr8Cn H0CrCn [Hg l; -Dcin 'eUCh,Cnd AngesicM- Fächer integriert sehen möchte.

i, • L>as Bild der Mutter Jesu in der Glaubensgeschichte. Frciburg- „, _ , . _ ^.. . . , ,

Bascl-WiPn. nBn) moo ni: c i.i o- u a t l u u ,<« v ,. Wer selbst unter dem amusischen Gedankcnleben der akade-

™ien. Herder 1988. 126 S. kl. 8 = Herder Taschenbuch. 1565. Kart. . „

UM 7.90. mischen Theologie leidet, kann eine Öffnung der Theologie für das

s( Srzbischof Kyrill von Smolensk und Wjasma: Die Überwindung des schola- Visuelle nur wünschen und begrüßen. Allerdings dürfte sich ein theo-

'^'"en Einflusses in der russischen Theologie (SOrth 1988,2,33-44). logisches Verstehen des Visuellen im wesentlichen gerade nicht damit

übe t'n,Pelm*nn* HeinzPe,er: ..Gott ein Schriftsteller!" Johann Georg Hamann begnügen, die Bilderfrage zu verhandeln und jeweils nach der Stellung

neu' End'Auüerun8 Gottes ins Wort der Heiligen Schrift und ihre herme- eines theologischen Autors zur bildenden Kunst zu fragen. So ließe

Mon'SChCn Konse<^uenzen Wuppertal: Brockhaus 1988. 64 S. 8" = TVG. sich beispielsweise zeigen, daß das Visuelle in der „Kirchlichen Dog-

^ograph.en und Studienbücher. 341. Kart. DM 12.80. matik- ein vie| gr6ßeres Gewicht hat. als man annimmt, ohne daß es

«■MiticiNi Jr-.T de: Sp°rcn Va" Pneuma-chrislol°8ie in dc vroeBe syrischc freilich als solches - soviel ich weiß - reflektiert wird; dann aber
"ctlNedThT42 1988 ""OS-1^)

Körner Bemh^h c Ä' .",,u 'i u u. m a ,.w r,vTh gewinnt Barths Ablehnung der Bilder im Kirchenraum eine Brisanz.

Inn Bernhard: Fundamentaltheologicbei HansUrs von Balthasar (ZKTh .... „ . „. , „ , ., , . .

'u9. |987 |29_|52) der sich ein Autor stellen mußte, der für dessen Bebilderung plädiert.

» Mahlen. Karl-Heinz: Die Aufklärung in Nordamerika auf dem Hinter- Wenn der Vf. die "verbal Imagination" bei Barth behauptet, so stellt

"d der lutherischen Reformation (ZKG 98.1987.352-369). die Sprache Barths - etwa die Bildhaftigkeit seiner Predigten - eine

Th ?Uf Go,tcslehrc M. Luthers auf dem Hintergrund der mittelalterlichen solche Behauptung in Frage. Darüber hinaus wäre grundsätzlich zu

Rev°8'e(Lutner59-l988.53-68). fragen, ob eine Trennung zwischen Verbalem und Visuellem, wie sie

'-ontrib' ■ Henning üraf: "Su"° scopo di Gesu e dei suoi diseepoli". II sjch _ Wenn ich recht sehe - durch das ganze Buch zieht, theologisch

Co: II g°* Hermann Samuel Rcimarus all'indagine dei Nuovo Testamento mög|icri sej, 0b eine solche Trennung dem metaphorischen Charakter

R'chterCSviSt.?r'C0 "'S 9?~'10)' der Sprache gerecht werde? Das Wort ist in Jesus sichtbar geworden,

kr.. . vladimir: Duns Scotus' Texte zum Gottesbeweis. Text- und literar- . _ f jAk..jm,i,i ;.,n;u„«.w i„u u - >.

kr"'s^eUn,ersuchung,ZKTh 1,0. ,988.24-65). W,f Werde" ,n Taufe Abendmahl ms Bild gesetzt Ich höre -auch

jTeyen- »ansjürgen: Frühchristliche Theologie in der Herausforderung wenn ich die Augen schließe - nie ohne meine Augen! - Sicher gibt es

"die antike Welt (ZKTh 109,1987,385-399). mancherlei Weise der Wahrnehmung, allein ich zweifle, ob ein

53^"Kner- Falk: Zur Theologiegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (ThR Methodenpluralismus hier weiterhilft. "A Theology of Artistic Sensi-

988.115-200). bilities" dürfte dann nicht in der Empfehlung von "summer Instituts"

und "sabbatical programs" enden; sie müßte vielmehr nach einem

Christliche Kunst und Literatur

neuen Paradigma der Theologie selbst fragen.

Dillenbergers Buch dokumentiert eine Theologie, die nicht mehr
weiß, was Sünde ist, und nicht im Ernst damit rechnet, daß das
^enber^er. John: A Theology of Artistic Sensibilities. The Visual Schema dieser Welt vergeht. Wo man nichts von der Götzenfabrik im
A|randtheChurch. London: SCM Press 1987. XIV, 280 S. m. 123 Menschenherzen weiß, kann man in der Weise naiv für Bilder im Kir-
• ° ■ Kart. £ 15.-. chenraum plädieren, wie der Vf. es tut. Die Art und Weise aber, wie er
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