Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

114.1989

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Theologische Literaturzeitung 114. Jahrgang 1989 Nr. 2

Bei der Behandlung des Textes könnte man natürlich an vielen anscheinend lag für ihn selbst hier der Schlüssel für alles Weitere. Er
Stellen zu anderen Resultaten kommen. Der Rez. hat in seiner Unter- zeigt nämlich - und das ist einleuchtend -. daß das Gleichnis in sich
suchung zu Ben Sira (Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer nicht stimmig ist. insofern es mit der Einsetzung mehrerer Knechte in
Zeit. III/5, Ciütersloh 1981) seine Textentscheidungen vorgelegt. ihre Zuständigkeiten (exousia) beginnt, dann aber nur noch auf einen.
Diese konnten aus chronologischen Gründen von P. Skehan nicht den Türhüter, abhebt und seine Pflicht zum Wachen in die Mitte
wehr berücksichtigt werden. Es kann hier nicht auf Einzelproblemc rückt. W. möchte diesen Sachverhalt so erklären, daß Mk Motive aus
Angegangen werden. Im Grundsätzlichen ist der Rez. auch da dem mehreren Gleichnissen (dem von den anvertrauten Talenten, den von
hebräischen Text gefolgt, wo P. Skehan andere Textüberlicferungen den wachsamen Knechten Lk 12,37f und vom Dieb in der Nacht
bevorzugte. Nicht immer ist es einsichtig, warum Skehan von der Lk 12.39f und dem von dem bösen Knecht, den sein Herr überrascht
hebräischen Textvorlage, die durchaus als eindeutig angesehen wer- Lk 13,42ff. jeweils mit Parr.) kombiniert hat. wobei es ihm aus-
sen muß. abweicht. Der Nachteil, der dadurch entsteht, ist der. daß schließlich um das Motiv der Wachsamkeit ging, zu der dreimal auf-
durch die gebotene Übersetzung wiederum ein Mischtext und eben gerufen wird (Mk 13.33.35a.37). so daß er die übrigen Gleichnisse
nicht der authentische, erreichbare hebräische Grundtext geboten unbenutzt ließ.

Wlrd. Eine kleine Nebenbemerkung: Es wäre wünschenswert gewesen. Damit ist für W. die Existenz jener vorsynoptischen Quelle, die

wenn die am Rand der Übersetzung aufgeführten Bezeichnungen der allen drei Synoptikern vorlag, zunächst einmal erwiesen, und er fragt

"^Wendeten ' extgrundlage deutlicher zwischen hebräischen, griechi- nun weiter, ob sich von diesem Ansatz her weitere Beobachtungen mit

sehen und syrischen Handschriften unterschieden hätte. gleichem Ergebnis machen lassen. So kommt es in Kap. 2 zunächst zu

Lella hat in seiner Einleitung in nicht ganz einsichtiger Weise die der Hypothese einer vorsynoptischen Sammlung von eschatolo-

^erschiedenen Themen formaler und inhaltlicher Art geordnet. Dies gischen Gleichnissen, die - das ist der Ertrag von Kap. 3 - den Schluß

"igt vielleicht auch damit zusammen, daß er frühere Arbeiten nur jener vorsynoptischen eschatologischen Rede gebildet habe; die ein-

ent verändert in den Kommentar übernommen hat (Siehe IX. The zelnen Gleichnisse seien durch Mahnungen (insbes. zur eschatolo-

lry ol Ben Sira, S. 63-74). Der Grundaussage, wonach Ben Sira gischen Wachsamkeit) und andere Zwischenschaltungen miteinander

u.nter Kenntnis der reichen hellenistischen Kultur seine Schrift als verbunden gewesen. Eine übersichtliche Zusammenstellung dieses

j^'ne ganz und gar in der jüdischen Tradition stehende verfaßt hat. hypothetischen Schlußteils findet sich auf S. 122/123; alle oben

nn durchaus zugestimmt werden. Vielleicht wäre eine stärkere schon genannten Gleichnisse, dazu das von den 10 Jungfrauen, gehö-

<, ^onun8des hebräischen Erbes angezeigt gewesen. Ein Anlaß, diesen ren nach W. dazu. Aber auch Worte wie die über Noah und Lot (sonst

werpunkt zu betonen, ist z. B. darin zu sehen, daß nach der Eintei- Q zugewiesen; Lk 17,26-35par.) und die Mahnungen von

nng von Di Lella der Abschnitt 39,12-43.33 von dem „Lobpreis der Lk 21,34-36 werden in diesen Schlußteil einbezogen, evtl. auch

'"er" getrennt wird. Die Tatsache, daß beides im Buch aufeinander- sogar Mt 25,31 ff und Mt I9,28/Lk 22,28-30. Dabei ist für W.

mit 'S1 °'1ne Zweifel e'n Bewe's für die enge Verbindung Ben Siras natürlich das Zeugnis des Paulus wichtig, der in IThess 5.2-6 die

j. dcr ä'ttestamentlichen Tradition, wo ebenso die Aussagen über Gleichnisse vom wachsamen Knecht und vom Dieb in der Nacht in

• *\ J~rscnaffung der Welt als Vorbereitung für die in der Geschichte einer Mischfassung bringt. Wenn das auf jene vorsynoptische Quelle

^ 'e Offenbarung und Führtingdurch Gott verstanden werden. zurückgeht, dann ist damit deren hohes Alter (um bzw. vor 50) erwic-

. V0rgelcgte Kommentar zeugt wieder von neuem, wie schwierig sen. Für ihre weitere Bekanntheit werden dann Apk 3.3 und 16.15 als

nal'e' 'n ^ we'lwc'' betriebenen fachlichen Forschung internatio- Zeugen aufgeboten (S. 54-56).

'Wh ^Ustullscn zu Praktizieren. In jedem Fall ist für die Reihe der Von diesen Ergebnissen aus untersucht W. nun die anderen

auch °r e'n Kommentarwerk entstanden, das größte Bedeutung Bestandteile der sog. ..synoptischen Apokalypse", wobei er für alle

. für die kontinentale Weiterarbeit an diesem gewichtigen Buche Abschnitte den Nachweis der Zugehörigkeit zur vorsynoptischen

eschatologischen Rede erbringen möchte, mit Ausnahme von

Wien r. c Mk 13.9-11. also der Worte über die Nötigung zum Erscheinen vor

Oeorg Sauer

den Behörden (hier denkt W. an eine Herkunft aus einer gleichfalls
vorsynoptischen Missionsinstruktion, die vor allem in Mt 10 bzw.

NeueS Testament Mk 6 S0W'e Lk 9 UIKi '' zuSrunde liege und aus der Mk eben jene

Verse in sein Kap. 13 eingefügt habe; Kap 6). In Kap. 4 war zuvor der

^enliarn Davin ri. n j- ri . .. .~. Komplex von den Qualen der Endzeit Lk 17.22-37 als lukanischcr

<jl ' ■ ua\id. I he Kediscovvrv nf Jesus kschatological Discoursc. _ , ./ . . . ._ ,

^nefficld: JSOT Press 1984. XI.406 S.8-=Gospel Perspectives,4. Extrakt aus der eschatologischen Rede erklart worden, und in Kap. 5

^ folgert W. daraus, daß auch die Voraussage des ..Greuels der Ver-

Suehu^/Cnllarn 'C8t e'nC trad','ons" uncl quellenkritische Unter- wüstung" (Mk 13.14-20parr.) dieser Quelle angehört habe. Dafür ist

recht ng W1Cnt'*eT synoptischer eschatologischer Texte unter einem ihm die ..Bestätigung" durch Paulus in 2Thcss 2 von großem

füh ansPruchsvollen Titel vor. dem er selbst freilich in der Durch- Gewicht: beide Texte beschreiben ein großes schreckliches Ereignis.

\'.JJ|n8 e'ne. bescheidenere Zielstellung gibt: es geht ihm um den das vor dem Ende eintreten muß (S. 177). und das weise auf einen

aus^Wcis der Existenz einer vorsynoptischen Quellenschrift, die eine literarischen Zusammenhang zwischen Mk.13 und 2Thess2 und

n'sse ,r''Ctle Zusammenstellung eschatologischer Worte und Gleich- damit wiederaufein hohes Alter jener Quelle hin (die Frage der Echt-

aUch Cntme'' und a"en drei Synoptikern (also sowohl Mk als heit von 2Thess wird nur kurz gestreift. S. 176A. I). Die Abweichun-

Vj( ~Je ""abhängig und neben dem MkEv und der Redenquelle Q - gen von Lk 21.20-23 gegenüber Mk/Mt seien weitgehend lukanisch-

|yp_ Lk) vorlag und auch Paulus sowie dem Verfasser der Apoka- redaktionell, aber ohne daß Lk diese Änderungen ex eventu der Zer-

nicht S0W'C 7 B' aUch dem der D'dacne bekannt war. W. beabsichtigt Störung Jerusalems vorgenommen habe (!): vielmehr habe er den alt-

Wenn ^ 8claufige Zwei-Quellcn-Theorie außer Kraft zu setzen, testamentlichen Hintergrund genauer ausgeführt (nach Dan 8 und 11;

v0r °r aucn einiges Material, das sonst Q zugewiesen wird, in seine S. 185ff).

nichtnOP,iSChc Redcr|sammlung einbezieht. Nur kann diese eben Nur kurz kann noch erwähnt werden, daß auch die übrigen

soll ^]{ Q 'dentisch sein, da sie ja auch von Mk benutzt worden sein Bestandteile von Mk 13parr. insbesondere die Warnung vor den Lei-

tjSch rur|dlagc seiner Rekonstruktion sind außer der sog. „synop- den der Endzeit, die Einleitung Mk 13.1-3. die Warnung vor zu frü-

Unj " ^Pokalypsc" andere eschatologischc Abschnitte, bes. Mt 25 her Erregung (13.5-8) usw.. auf die vorsynoptische eschatologische

u ematisch einschlägige Passagen aus Mt 10.23 u. Lk 12.17.19. Rede zurückgeführt werden (Kap. 7 und 8) und daß schließlich noch

Sehl " am nirnrnt seinen Einstieg (Kap. I) bei der Analyse des Bestandteile des Kontextes bei Mk (merkwürdigerweise z.B. das

USSes Von Mk 13. mit dem Gleichnis vom Türhüter (13.34-36): ..Scherllein der Witwe". K2.4I-44) und bei Mt/Lk (die Klage über
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