Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

110.1985

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Theologische Literaturzeitung 110. Jahrgang 1985 Nr. 8

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Teil aufgewogen dadurch, daß die beiden Bände in mehrfachem Sinne
ökumenisches Gemeinschaftswerk sind.

Ihre Benutzbarkeit wird durch Personen- und Sachregister erhöht.
Erfreulich sind die Bildbeigaben mit teilweise sonst schwer erreich-
baren Darstellungen der behandelten Theologen.

Lediglich drei Versehen sind mir aufgefallen: Der Beitrag von H. Fries über
Newman enthält AnmerkungszilTern. denen keine Anmerkungen entsprechen.
" 229 Z. 13 muß es heißen: ..das Unweltliche". 11448 Anm. 6 muß lauten:
•Allgemeine Deutsche Biographic."

Die Bände sind in gleicher Weise für eine erste Orientierung über
die dargestellten Theologen geeignet wie für alle, die personenorien-
tiert theologiegeschichtlich arbeiten wollen. Bereits diese doppelte
Eignung sagt viel über ihren hohen Wert aus.

Leipzig Ernst Koch

Regulae Benedicti Studia. Annuarium Internationale, hrsg. von
Bernd Jaspert. Bd. 10/11 (1981/82). Hildesheim: Gerstenberg
1984. XI.217 S.,S. 195*-353*.gr. 8". Lw. DM 98,-.

Der Band beginnt mit zwei Erinnerungsartikeln: Adalbert de Vo-
8üe würdigt Basilius Steidle (t 1982), dessen deutsche Übersetzung
der Regel Benedikts 1980 in 4. Auflage erschien. Klaus Zelzer ge-
denkt seines Lehrers Rudolf Hanslik (t 1982), der die beste kritische
Edition des lateinischen Regeltextes ediert hatte (CSEL75, 1960,
2. Aufl. 1977). Zu den Quellen der Regula Benedicti bietet de Vogüe
den Aufsatz: «Entre Basile et Benoit: l'.Admonitio ad filium spiritua-
lem' du Pseudo-Basile» (19-56). Im Abschnitt „Exegese der Regula
Benedicti" bringt Andre Gozier den Beitrag «L'echelle de Jacob
chez S. Benoit et S. Jean de la Croix» (37-44). Zur Überlieferung der
Regel schreiben Eugene Mann i ng: Ä propos de la tradition manus-
Ote de la regle benedictine (47-49) sowie Thomas Schuler: „Regu-
la nil impossibile dicit" - Regcltreue und Regelabweichung bei den
karolingischen Benediktinern (51-76). Weit gespannt sind die Auf-
sitze von Kassius Hallinger: Benedikt von Monte Cassino - Sein
Aufstieg zur Geschichte, zu Kult und Verehrung (77-89) und von
Karl Bosl: Des Mönches Leben am Rande der Gesellschaft und
sein Wirken in ihr - Der konstitutive Beitrag des Benediktinerordens
zu Europas Christlichkeit und Geistigkeit, Gesellschaft und Kultur
(91-107). Unter der Überschrift „Orientierung an der Regel des hl.
Benedikt" bietet Oda Hagemeyer einen Einblick in die Konstitu-
tionen der Benediktincrinnen vom Unbefleckten Herzen Mariens, die
nach dem I. Weltkrieg in Österreich ihre karitative Wirksamkeit be-
gannen (111-1 16).

Den letzten Beitrag des Bandes schrieb Clemens Frey: Die Regula
Benedicti und Dietrich Bonhoeffers „Gemeinsames Leben" - Ein
Vergleich ihrer Ethik (1 17-184). Bonhocffcr begründete seinen Weg
nach London 1933 damit, „daß es wohl Zeit wäre, Tür eine Weile in
die Wüste zu gehen" (134). Vor seiner Heimkehr besuchte er anglika-
nische Klöster. „Hier empfing er manche wertvolle Anregung für den
Praktischen Ablauf des Tages, wie er später in Finkenwalde prakti-
ziert wurde" (136). Frey formuliert, „daß Benedikt und Bonhocffcr
eine Art Schule entwerfen, die sich an der Urgemcinde orientiert und
von der Eschatologie her geprägt ist; eine Schule, in der in Gemein-
schaft und Einsamkeit die Nachfolge ernstgenommen und eingeübt
wird." (146) Der Vergleich geht weiter mit den Abschnitten „Abt und
Brüder". ..Ora" und „Labora". Bonhocffcr hat die Bcnediktinerregel
wohl nicht gekannt; 1940 besucht er das Kloster Ettal und ist ..er-
staunt über die Ähnlichkeiten seines Bruderhauses mit der benedikti-
nischen Lebensweise" (160). Freys Schlußfolgerungen gehen aus von
einem Bonhoeffer-Zitat: „Unser Christsein wird heute nur in zweier-
lei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Men-
schen." Frey sieht darin eine Nähe zum „Ora et labora". In der Hoch-
schätzung des Gebets stimmen die Regel Benedikts und Bonhoeffcr
übercin. „Die eigentliche Differenz, aber liegt im .Tun'. Bonhoeffer
faßt diesen Begriff wesentlich weiter und umfassender als Benedikt.

Das .Tun des Gerechten unter den Menschen' geschieht in der Welt
vor Ort. Nur so gelangen Beten und Tun zur wirklichkeitsgemäßen
Einheit. .. Weil Gott verlassen und gedemütigt auf dieser Welt
Mensch geworden ist, darf der Christ nicht aus der Welt fliehen."
(168) Zuletzt fragt Frey, ob Bonhoeffers Kritik das Mönchtum der
Gegenwart noch treffe (174). Man muß hinzufügen, daß diese Kritik
auch für die Vergangenheit nur bedingt zutrifft. Hinweise enthält
auch der vorliegende Band S. 84-86 (Hallinger). 100-101 und
105-107 (Bosl) sowie H 1-112 (Hagemeyer).

Die 2. Hälfte des Buches bringt Rezensionen. 29 Bücher werden
ausführlich besprochen (193-210). Eine Bibliographie für 1979
(Nr. 520-630), 1980 (Nr. 631-905) und 1981 (Nr. 906-1033) füllt
die Seiten 195*—353*. Die meisten Arbeiten werden kurz kommen-
tiert oder ausführlicher rezensiert vom Herausgeber des Bandes Bernd
Jaspert, einem evangelischen Kenner des Benedikt, der in diesen
Band eine sehr beträchtliche Arbeitsleistung eingebracht hat.

Rostock Gert Haendlcr

Dahlmann - Waitz: Quellenkunde der Deutschen Geschichte. Biblio-
graphie der Quellen und Literatur zur deutschen Geschichte.
10. Aufl. hrsg. im Max-Planck-Institut für Geschichte von Her-
mann Heimpel und Herbert Geuß. Lfg. 43/45: Abschnitt 108 bis
115 (Anfang). Stuttgart: Hiersemann 1983. 4'. Lfg. 46/47: Ab-
schnitt 115 (Schluß)-U9 (Anfang). Stuttgart: Hiersemann 1984.
4'.

Über das ehrwürdige Unternehmen wurde in ThLZ berichtet (108.
1983 Sp. 273). Die seitdem vorgelegten 5 Lieferungen eröffnen den
umfangreichen Teil „Landesgeschichte", für den die Abschnitte
108-157 vorgesehen sind. Die Landschaften der einzelnen Ab-
schnitte sind von unterschiedlicher Größe: Österreich (113) oder die
Pfalz (116). Abschnitt 109 faßt Baden und Elsaß zusammen, obwohl
diese benachbarten Landschaften niemals eine Einheit gebildet haben
und folgerichtig auch zwei verschiedene Bearbeiter aufweisen. Ab-
schnitt 1 I 7 faßt sogar „Trierer Lande. Saarland. Lothringen" zusam-
men. Andererseits werden Bayern (112) und Franken (118) in ver-
schiedenen Lieferungen - und nicht einmal hintereinander - darge-
stellt, obwohl sie heute in demselben Freistaat Bayern zusammenge-
faßt sind. Aber Gliederungsprobleme gab und gibt es immer in der Ge-
schichtswissenschaft. Der Wert der Lieferungen ist hoch zu veran-
schlagen, obwohl sie zunächst 1960 abgeschlossen waren und dann
durch Nachträge bis 1982 ergänzt werden mußten. Die Abschnitte
sind nach einem einheitlichen Schema aufgebaut: Hilfsmittel -
Quellenkunde - Einzclgebicte geschichtlichen Lebens. Da auch die
Untergliedcrung weitgehend einheitlich ist. kann der Benutzer sich
leicht zurechtfinden, um die gesuchten Informationen zu holen.

GH.

Kirchengeschichte: Alte Kirche

Opitz, Helmut: Die Alte Kirche. Ein Leitfaden durch dh: ersten fünf
Jahrhunderte. Berlin: Evang. Verlagsanstalt 1983. 201 S. m.
25 Abb. u. 4 Ktn.. 76 Abb. auf Taf. Beilage: 3 Falttab. gr. 8\ Lw.
M 18,20; Ausland 26.-.

Es liegt der I. Teil des von einem Autorcnkrcis auf vier Teilbände
geplanten „Leitfadens der Kirchengcschichte" vor. der für Studieren-
de des kirchlichen Fernunterrichtes gedacht ist. in Aufbau und Ausge-
staltung also weitgehend die Vorlesung und das Seminar ersetzen soll.
Dem dienen 25 instruktive Textabbildungen und 6 Landkarten (ge-
zeichnet von Sigrid Groß-Kaiser). mehrere schematische Darstel-
lungen und ausführliche Übersichtstabcllen. Um dem Studierenden
das Eindringen in die Fülle des angebotenen Stoffes zu erleichtern, ist
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