Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

109.1984

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Theologische Litcraturzeitung 109. Jahrgang 1984 Nr. 11

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führt, daraufhinzuweisen, daß er eben dort auch Christus begegnen
kann. Ist der Mensch der Sterbliche, „ein vehementer Lebenswunsch,
eine Herausforderung gegenüber der Hoffnungslosigkeit, eine unum-
stößliche Hoffnung" (S. 172) - wer ist dann Christus der Gekreuzigte
und Auferstandene für ihn? Im „Initiationswäldchen" kann die Ant-
wort darauf sicher nicht gegeben werden. Aber man legt das Buch mit
der Hoffnung aus der Hand, daß die durch dieses Sprachcrcignis hin-
durchgegangenen Theologen Afrikas eine neue, eine eigene Antwort
finden können und werden. Im Sinne dieser Erwartung ist den Heraus-
gebern der Reihe „Theologie der Dritten Welt" zu danken, daß sie
diesen Text publiziert und dem deutschen Leser zugänglich gemacht
haben.

Berlin Johannes Althausen

Greshake, Gisbert: Gottes Heil-Glück des Menschen. Theologische
Perspektiven. Frciburg-Basel-Wien: Herder 1983. 399 S. 8' geb.
DM 50,-.

Der bekannte Wiener katholische Professor für Dogmatik und
Dogmengeschichte legt eine Sammlung von soteriologischen Perspek-
tiven vor, die „keine vollständige Soteriologie .. . oder Gnadenlehre
im Sinne der Tradition" (9ß ergibt, aber dennoch „unter verschiede-
nen partikulären Blickwinkeln" (10) „Bausteine zum besseren Ver-
stehen des Herzstücks christlichen Glaubens" (II) anbietet. Von den
13 Studien sind I I bereits veröffentlicht, wenn sie auch z. T. überar-
beitet und erweitert worden sind. Neben 5 Beiträgen, die „sich aus-
drücklich mit der Aufarbeitung von Heilsentwürfen und -begriffen,
die in vergangener Zeit ihren Ursprung" haben, beschäftigen (Heils-
verständnis heute. Ein Problembericht, 15-49; Der Wandel der Er-
lösungsvorstellungen in der Theologiegeschichte, 50-79; Erlösung
und Freiheit. Eine Neuinterpretation der Erlösungslehre Anselms von
Canterbury, 80-104; Freiheit oder Gnade? Zum Verhältnis zweier
Programmwortc menschlichen Selbstverständnisses, 105-135;
Menschsein als Berufung zur Gemeinschaft mit Gott. Hinweise fürein
trinitarisches Heilsverständnis, 136—155), stehen 4 Beiträge, die „ein
Gespräch mit andersgeartetem Heilsverstehen führen" (Glück oder
Heil? Ein Paradigma für die Dissoziation von christlichem Glauben
und säkularer Gesellschaft und der Versuch einer theologischen Ver-
mittlung, 159-206; Epiphanie in Geschichte. Zur Korrelation von
Transzendenz- und Heilserfahrung im Christentum, 207-226; See-
lenwanderung oder Auferstehung? Ein Diskurs über die eschatolo-
gische Vollendung des Heils [unveröffentlicht], 226-244; Heil und
Unheil? Zu Bedeutung und Stellenwert von Strafe und Sühne, Gericht
und Hölle in der Heilsverkündigung [unveröffentlicht], 245-276).
Schließlich folgen 4 Beiträge, die als „Elemente der Heilsvcrmittlung"
Spezialfragen erörtern (Tradition heute, 279-285; Vom Heilsdienst
der Priester. Grundzüge einer Theologie des kirchlichen Amtes,
285-322; Das Dienstamt des Papstes. Tragweite, Bedeutung und
Perspektiven der Entscheidungen des I. Vatikanischen Konzils über
den Primat des Papstes, 323-353; Theologie - eine Wissenschaft? Ein
Gespräch mit Thomas v. Aquin über die Theologie als Wissenschaft
vom Heil, 353-390). Verzeichnisse der bisherigen Abdrucke und der
Namen schließen den Band ab.

M. P.

Systematische Theologie: Dogmatik

Schrijver, Georges de: Le merveilleux aecord de Thomme et de dieu.

Etüde de l'analogie de l'etre chez Hans Urs von Balthasar. Lcuven:
University Press; Leuven: Peeters 1983. 344 S. gr. 8° = Bibliotheca
Ephemeridum Theologicarum Lovaniensium, LXIII. Kart, bfr
1500.-.

Nach einem nützlichen biographisch-wcrkgeschichllichcn Abriß
zu Balthasar (S. 29-46) nimmt der Verfasser Balthasars christolo-

gischc Fassung der Analogia entis auf, die dieser erstmals in seiner
„Theologie der Geschichte" entworfen hat (Einsicdeln 41959, S. 53:
„In diesem Sinne kann Christus die konkrete Analogia entis genannt
werden, da er in sich selbst, in der Einheit seiner göttlichen und
menschlichen Natur das Maßverhältnis für jeden Abstand zwischen
Gott und Mensch bildet."), um sie zum Ausgangspunkt und Leitfaden
seiner fundamcntallheologischen Untersuchung zu machen, wobei er
sich aufdic weiterführenden Äußerungen Balthasars im Bd. 11,2 seiner
Theodramatik (TD) bezieht (S. 47). Christus mißt alle Dimensionen
zwischen Gott und Mensch aus (von der Intimität trinitarischen
Lebens bis zum Abgrund der Hölle), indem er sein Gegenüber, den
Vater, durch einen Gehorsam ausdrückt und repräsentiert, der sich
auch noch in der Überforderung (ein Motiv, dessen Bedeutung bei
Balthasar der Vf. zu recht stark herausstreicht: S. 300, 316, 320ff)des
Kreuzes durchhält. Der Vf. versucht zu zeigen, wie letztlich in diesem
Geschehen zwischen Vater und Sohn in der Einheit des Geistes alle
Begriffe der Analogia entis wie commercium und connubium, die dem
Vf. besonders wichtig sind, sowie mensura, correspondentia, propor-
tio, adaequatio, expressio etc. verankert sind (S. 284-288. 291-294
und 318-321). Dieses exklusive Geschehen zwischen Vater und Sohn
inkludiert die Menschen vorgängig zu deren Entscheidung und gibt sie
frei, dem durch teilnehmenden Mitvollzug zu entsprechen und sich
glaubend über die eigenen natürlichen Fähigkeiten hinaus an Gott
angleichen zu lassen: «Dans le mode d'cxistence du Fils incarne sc
trouve des lors prefigure 1c modele de toute existence creee, s'offrant
par le dont inconditioncllc d'ellc-meme ä la realisation de la naissance
de Dieu en eile. Nous aussi nous sommes appeles par l'Esprit du
Christ ä vivre en une reponse d'obeissance (analogia), teile que Dieu
lui-meme en vienne ä s'exprimcr dans les dimensions temporelles de
notre histoire» (S. 47). Erst mit der von Gott hervorgerufenen und
getragenen menschlichen Antwort ist der Vollgchalt der Analogia
entis erreicht, und getreu der (recht verstandenen!) thomanischtn
Devise detrahere perfectioni creaturarum est detrahere perfectioni
divinae virtutis (Summa contra Gcntilcs 3.69) verficht der Vf. vehe-
ment die Echtheit und die Wirklichkeit menschlichen Entsprechens.
das er «Proportion d'aecord parfait» nennt (S. 52).

Noch zur Einleitung gehört ein kurzer Durchstoß durch die Ana-
logicproblematik allgemein und bei Balthasar, auf den in einem ersten
(S. 75-137) und einem zweiten Teil (S. 141-184) eine ausführliche
Darlegung folgt, die zeigt, wie Balthasar im deutschen Idealismus
(Kant, Fichte, Schelling) und bei Nietzsche den „Pantheismus" und in
der Theologie Barths den „Theopanismus" aufspürt und als Verfalls-
formen (S. 77) der echten Analogia entis erweist. In Absetzung von
diesen beiden Möglichkeiten, deren Bezeichnung von E. Przywara
stammt (S. 71), geht der Vf. in einem dritten Teil (S. 187-251) zur
positiven Grundlegung der Analogie in Balthasars Arbeiten über die
Kirchenväter Origcncs, Gregor von Nyssa und Maximus Confessor
über. Den Abschluß bilden ein vierter Teil zur letzten Vertiefung des
hcilsgcschichtlich bestimmten Analogieverständnisses Balthasars, in
dem E. Przywara, Dionysius Aeropagita, A. von Speyr sowie noch
einmal K. Barth besprochen werden (S. 255-333), und eine Schlußbe-
trachtung (S. 335-338).

Kritisch ist anzumerken, daß der Vf. die ontologische Fragestellung
im engeren Sinn fast völlig ausklammert und damit „Die Welt" als
drittes metaphysisches Thema neben Gott und Mensch aufgibt, was
zur Folge hat, daß das ignalianische „Gott suchen in allen Dingen",
das bei Balthasar eine zentrale Rolle spielt, unter den Tisch fallt. Ent-
sprechend werden die Für'dieses Thema so wichtigen Autoren wie
G. Siewerth (vgl. H. U. von Balthasar, Rechenschaft, Einsicdeln 1965.
S. 36) nur einmal kurz (S. 55) und F. Ulrich, der in bedeutsamen Pas-
sagen Balthasars auftaucht, gar nicht erwähnt. Das vom Vf. kritisierte
Desiderat M. Lochbrunners, eine „Analogia Caritatis" zu entfalten
(Analogia Caritatis, Frciburg-Basel-Wien 1981, S. 281-303), bleibt
nach wie vor bestehen und der Beitrag Ballhasars dazu ist noch keines-
wegs erschöpfend gesichtet. Wenn der Vf. den Problemen der Ontolo-
gie mehr Aufmerksamkeil gewidmet hätte, wäre auch die unverständ-
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