Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

107.1982

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Theologische Literaturzeitung 107. Jahrgang 1982 Nr. 11

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Dissimilation. 1 S. 14 Anm. 1 (u. ö.): L.s Konjektur zu OdSal 11,22b scheint
mir syntaktisch nicht vertretbar zu sein. Übrigens finden sich im griechischen
Text der Ode 11 ja noch andere Stellen, die bloß Worte, aber keinen Text
bieten, und eigentlich so, wie sie sich präsentieren, gar nicht übersetzbar sind,
woran auch immer das liegen mag. I S. 29f: Die Aussagen über „die seltenen
Bindestriche der Handschrift" erscheinen mir etwas rätselhaft. Die Bindestriche
in Schmidts Text, die L. ja übernimmt, wirken jedenfalls wie eine rein edito-
rische Zutat. I S. 111: In der Übersetzung von Ode 11,16e muß es statt „froh-
locken" heißen: „frohlockten". I S. 127: In der Übersetzung von Ode 18,13b
fehlt ein „nicht". I S. 218 Z. 5 v. u. muß es heißen: kopt. Z: „Es mögen meine
Verfolger fallen". In der koptischen Konkordanz, deren Struktur mich beson-
ders beschäftigt hat, ist - abgesehen von einem gelegentlichen Abweichen von
dem gewählten Prinzip der schematischen Segmentierung - auffällig die Be-
handlung der Wörter moout und pethoou. Dabei ist die Einordnung von moout
als Qualitativ von mouout (II S. 22b) m. E. absolut richtig, aber weder durch
Crum noch durch Westendorf vorgegeben (die diesen Qualitativ ja zu mou
stellen). Die Behandlung von pethoou (bes. II S. 26b Z. 21) ist der einzige
Punkt, den ich finden konnte, wo L. im koptischen Bereich ein Versehen pas-
siert ist (nicht als p-ei-hoou analysiert).

Berlin Hans-Martin Schenke

I^ayton, Bentley: The Gnostic Treatise on Resurrection from Nag
Hammadi. Editcd with Translation and Commentary. Missoula,
Mont.: Scholars Press 1979. X, 220 S. 8° = Harvard Dissertations in
Religion, 12. Kart. $ 7.50.

Laytons Dissertation aus dem Jahre 1971 über den (auch) soge-
nannten Rheginusbrief (Rheg) aus Nag-Hammadi-Codex I (= Codex
Jung) (vgl. zu anderen Arbeiten über diesen Text ThLZ 90, 1965
Sp. 518-520; 101,1976 Sp. 927-930) hat es wahrlich verdient ge-
druckt zu werden, wodurch sie nun leichter zugänglich ist und endlich
zu allgemeiner Kenntnis kommen kann. Ihre Druckfassung entspricht
nahezu ihrer Originalgestalt. Sie hat in der Zwischenzeit auch nichts
an Aktualität und Bedeutsamkeit verloren. Aber vielleicht ist es trotz-
dem gut, eine Brücke bis in die unmittelbare Gegenwart zu schlagen
durch die ausdrückliche Hinzufügung und Einbeziehung eines Bei-
trags von L. zum gleichen Gegenstand aus dem Jahre 1978, nämlich:
„Vision and Revision: A Gnostic View of Resurrection". in: B. Bare
(ed.): Colloque international sur les Textes de Nag Hammadi, Biblio-
theque copte de Nag Hammadi, Section „Etudes" 1, Quebec 1981,
190-217. Der Hinweis auf dieses jüngere Wort zur Sache dürfte auch
insofern zweckmäßig sein, als in ihm das wissenschaftliche Ergebnis
und das eigentliche Anliegen von L.s Arbeit am Rheg erheblich deut-
licher zum Ausdruck kommt als in der Dissertation, die als kommen-
tierte Textausgabe ja vielerlei Aufgaben zugleich zu bewältigen hatte
und deren exegetisches Zentrum der Autor 1978 selbst ,,a rather tech-
nical philosophical and grammatical commentary" nennen kann.

Die Bedeutung von L.s Werk zum Rheg besteht nun in nichts Ge-
ringerem als darin, daß er den Text (noch einmal) „entdeckt" hat.
Rheg gehört zu solchen Texten, die man noch lange nicht verstanden
hat, wenn man sie (angeblich) übersetzt hat und ihren Inhalt (schein-
bar) wiedergeben kann. Es kommt auf den richtigen exegetischen
Schlüssel an; und den hat für Rheg erst L. gefunden. Dieser „Schlüs-
sel" besteht in der Auffindung des allein natürlichen Kontextes der
Sätze unserer Schrift, in Verbindung mit einer genaueren Bestimmung
ihres literarischen Charakters, und das alles auf der Grundlage einer
exakten sprachlichen Analyse. M. a. W., L. liest den Text mit den
Augen eines heidnischen oder christlichen Platonikers etwa des zwei-
ten Jahrhunderts n. Chr., der die Stilform der Diatribe beherrscht:
und das Dunkel lichtet sich. Was bisher allen (auch dem Rezensenten
selbst) wie der, eigentlich aussichtslose. Versuch erschien, den neuen
gnostischen Gedanken, daß die Auferstehung schon geschehen sei
(vgl. 2 Tim 2,18). mit der (letztlich aus dem Judentum) ererbten Vor-
stellungeiner Auferstehung des Fleisches zu verbinden, erweist sich in
Wirklichkeit als reine Darlegung der gnostischen Position zu dieser
Frage, in die nur nach der Manier der Diatribe andere AulTassungen
als Probleme und zum Zwecke der Widerlegung bzw. Abweisung auf-

genommen sind. Die Widersprüche des Textes sind nur scheinbar. Sie
kommen nicht auf das Konto des Verfassers von Rheg, sondern auf
das Konto einer prinzipiell falschen Lektüre. Diesen aufregenden
Sachverhalt kann man übrigens sehr schön - und L. tut das 1978 auch
selbst - an einem ganz bestimmten kleinen Satz „aufhängen", der zu-
gleich zur Illustration der Wichtigkeit genauer sprachlicher Analyse,
wie L. sie ja (als Schüler von H. J. Polotsky) mustergültig durchweg
betreibt, dienen mag. Die Wendung p. 47,24: oun hmat araf (vom
Leibe ausgesagt) heißt in Wirklichkeit gar nicht: „es gibt Gnade für
ihn" (sc. bestehend in seiner Auferweckung) o. ä., sondern ganz im
Gegenteil: „er schuldet Dank", d. h. der (zugi undegehende) Leib hat
der Seele bzw. dem Nous dankbar zu sein, daß er überhaupt gelebt hat.

Als besonders charakteristische Züge an der Gestalt des vorlie-
genden Buches seien folgende genannt: die Darbietung des koptischen
Textes erfolgt in (von 1-198 durchgezählten) Kola, die sein Profil
überschaubar machen. Ebenso auffällig ist eine Doppelheit der Über-
setzung: Dem Text steht jeweils gegenüber: oben eine Übersetzung,
die (wegen des besonderen Stils von Rheg notwendigerweise) von der
Paraphrase reichlich Gebrauch macht; und unten eine solche (als
Kontrollinstanz nun benötigte), die allein auf die Wiedergabe der
Struktur der Sätze Wert legt. Der Kommentar ist dreigeteilt: Zu-
nächst erfolgt eine Kommcnticrung, die wesentlich an den charakte-
ristischen Wendungen und Begriffen orientiert ist. Es kommt dann
eine Art Gesamteinschätzung des Textes und schließlich noch eine
rein grammatische Exegese. Besondere grammatische Probleme und
Phänomene sind herausgezogen und werden im Anschluß in neun
Appendizes behandelt. Ein mustergültiger, den koptischen Text bis in
die kleinsten Einzelheiten hinein aufschlüsselnder Index und eine
Synopse über das Verhältnis der 198 Kola zu den Seiten und Zeilen
des Kodex beschließen das Werk. Auf ein Literaturverzeichnis wurde
verzichtet.

Von den vergleichsweise unerheblichen Dingen, wo L. nicht
(gleich) überzeugt und man anderer Meinung sein bzw. bleiben kann,
über die im einzelnen zu reden aber hier nicht der Raum ist, sei nur
ein Sachverhalt wenigstens angedeutet, weil er mit dem Wesen von L.s
Herangehen zusammenhängt; ich meine eine problematische, den
Text leicht überfremdende Rückwirkung des an sich so fruchtbar
gewordenen Kontextes. In L.s Interpretation scheint Rheg ein wenig
philosophischer und sozusagen „dogmatischer" zu werden, als er es
vermutlich ist, so daß schließlich seine christlichen Elemente nur
noch wie eine Verkleidung erscheinen.

Berlin Hans-Martin Schenke

Böhlig, Alexander, and Frederik Wisse: Nag Hammadi Codices 111,2
and IV,2. TheGospel ofthe Egyptians(The Holy Book oftheGreat
Invisible Spirit), edited with Translation and Commentary in Coo-
peration with P. Labib. Publ. under the auspices of The German
Archaeological Institute. Leiden: Brill 1975. XIII, 234 S. gr. 8" -
Nag Hammadi Studies, 4. Lw. hfl 64.-.

Es ist bedauerlich, daß dieses Buch erst so stark verspätet angezeigt
werden kann. Mit ihm wird eine vollständige Ausgabe der Nag
Hammadi-Schriften sowie verwandter Texte („The Coptic Gnostic
Library") begonnen. In der Zwischenzeit ist durch die Edition weite-
rer Bände das Vorhaben erfreulich vorangegangen (zu NHS IX und
XIII vgl. Schenke, ThLZ 106, 1981 Sp. 889-892; ferner sind zu
nennen NHS XI [Parrot: NHC V, 2-5 mit BG I und 4]; NHS XV
[Pearson: NHC IX und X]; NHS XVI [Barns - Brdwne - Shelton:
Greek and Coptic papyri from the cartonnage ofthe Covers]). Hier
werden die zwei Versionen von ÄgEv im koptischen Text mit eng-
lischer Übersetzung geboten, gründlich nach Form der Überlieferung
und Inhalt eingeleitet, gerundet durch einen Kommentar und abge-
schlossen durch eine Bibliographie und Register der koptischen und
griechischen Wörter, der Eigennamen sowie der herangezogenen
Textstcllcn. Die beiden voneinander unabhängigen koptischen Über-
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