Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

107.1982

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• Theologische Literaturzeitung 107. Jahrgang 1982 Nr. 4

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neueren slawistischen und kirchenhistorischen Forschung zu set-
zen. - Der Nachdruck erfolgte nach einem Exemplar der Niedersäch-
sischen Landesbibliothek in Hannover.

M. P.

Bethlen Gabor, allama es kora. [Gabor Bethlen, Staat und Epoche]. Bethlen-
Bibliogräfia 1613-1980. Szerkesztette Koväcs Kalmän. Budapest: Eötvös
Lorand Tudomanyegytem 1980. III, 179 S. gr. 8\

Bibliographie historique de l'Ordre de Saint Augustin 1975-1980, bearb. von
Alberic de Meuer und Martijn Schrama (Aug[L] 31, 1981 S. 5-159).

Bodagae, Th.: Die Rumänen und die Klöster vom Berge Athos (Kirchliche
Blätter 9, 1981 S. 7).

Constantelos, Demetrios J.: The "Neomartyrs" as evidence for methods and
motives leading to conversion and martyrdom in the Ottoman Empire
(GOTR 23, 1978 S. 216-234).

Haas, Reimund: Zwischenbilanz des kirchlichen Archiv- und Bibliotheks-
wesens (ZKG 91,1980 S. 350-366).

Köstler, Hermann, u. Ludwig Ott: Martin Grabmann. Nachlaß und Schrift-
tum. Mit einem Nachlaßteil von Cl. Baeumker. Paderborn-München-
Wien-Zürich: Schöningh 1980. XVI, 240 S. gr. 8- = Veröffentlichungen des
Grabmann-Instituts zur Erforschung der mittelalterlichen Theologie und
Philosophie, N. F. 30. Kart. DM 38,-.

Ohler, Norbert: Atlanten und Karten zur Kirchengeschichte (ZKG 91, 1980
S. 312-349)1

Van de Wiel, C: Documenta augustiniana belgica (1524-1952) (Aug[L] 30,
1980 S. 284-310).

Kirchengeschichte: Neuzeit

Vinay, Valdo: Storia dei Valdesi, III. Dal movimento evangelico ita-
liano al movimento ecumenico (1848-1978). Torino: Claudiana
1980. 527 S. m. 5 Ktn, 106 Abb. auf Taf. gr. 8".

Das Buch vollendet das kühne Unternehmen des Claudiana-Ver-
lags in Turin, eine erschöpfende und moderne kritische Geschichte
der Waldenserkirche in drei Bänden zu bringen. Von ihren mittelal-
terlichen Anfängen bis zur Annahme der Reformation unter defti
überwältigenden Einfluß von W. Farel wurde die Waldenserbewe-
gung vom Rez. verfolgt (Storia 1: Dalle origini all' adesione alla
Riforma, 1974, 370 S.); die Schilderung der Periode von 1532 bis
zum Emanzipationsjahr 1848 verdanken wir der Feder des inzwi-
schen verstorbenen Augusto Armand Hugon (Storia 2: Dal sinodo di
Chonforan all 'Emacipazione, 1974, 327 S.). Der vorliegende dritte
Band Vinays umfaßt nun die Jahrzehnte zwischen 1848 und 1978.
Der Horizont ist jeweils ein anderer. Rez. war bemüht, das europäi-
sche Ausmaß der mittelalterlichen Protestbewegung stets zu berück-
sichtigen, Hugon mußte sich auf die piemontesischen Waldensertäler
konzentrieren, die zum Vorposten des Protestantismus auf katholi-
schem Boden wurden. Für Vinay erweitert sich das Blickfeld gen
Süden, die Waldensergeschichte wird zu einer Teilerscheinung der
Evangelisation Italiens in der neuesten Neuzeit.

Der Leser wird zunächst mit der Dynamik einer Reihe von prote-
stantischen Persönlichkeiten, Gruppen und Denominationen be-
kannt gemacht, die opferfreudig und meistens mit Hilfe aus dem Aus-
land rechnend, in die italienische Wirklichkeit einzudringen versuch-
ten. Diese Wirklichkeit, vom herkömmlichen Katholizismus tief ge-
prägt, wird in eben dem Augenblick angesprochen, da sie vom politi-
schen Ideal des Risorgimento in neue Gärung gerät. Erst nachdem der
Vf. uns mit der Lage der protestantischen Evangelisation in verschie-
denen Provinzen Italiens vertraut gemacht hat, wird das geistige,
soziale und kulturelle Leben der waldensischen Kerngemeinde in den
Alpen seit 1848 knapp dargestellt. Die stürmische Evangelisations-
periode wird 1880 abgeschlossen. Nach einer vierzigjährigen Zeit-
spanne, in der die evangelische und waldensische Diaspora auf der
Halbinsel Fuß faßt, aber sehr beschränkt bleibt (bis 1920), bewegt
sich die weitere Geschichte der Waldenserkirche von der Resistenz

dem Faschismus gegenüber zur Suche nach ökumenischer und politi-
scher Verantwortung. Vinay sieht diese Entwicklung von Innen her
und zieht eine erstaunliche Masse von schwer zugänglichen Quellen
heran, die jedoch fast ausschließlich evangelisch-innerkirchlicher
Provenienz sind. Demzufolge tritt das Chronikartige der Darstellung
stark in den Vordergrund auf Kosten einer theologisch-kritischen Ge-
samtschau der Ereignisse, inmitten welcher die Waldenserkirche ihr
Zeugnis abzulegen hatte. Unscharf wird auch das Problem der Identi-
tät der Waldenser gesehen. Wenn die bekennenden Waldensertheolo-
gen noch 1943 (S. 422) ihre Kirche als mater reformationis betrach-
ten konnten und die Synode von 1955 im Waldenser-Namen ihr Sen-
dungsbewußtsein ausgesprochen sah (S. 436), würde man erwarten,
daß den Äußerungen dieses spezifischen Auftrags eine viel größere
Aufmerksamkeit zukäme. In dieser Hinsicht wird jedoch das Be-
mühen um eine Neubewertung der evangelischen Einsichten der mit-
telalterlichen Waldenserbewegung, das um 1974 in der Waldenserkir-
che zum Zuge kam, einseitig als soziopolitisch orientierte Opposition
gegenüber dem reformatorischen sola gratia abgewertet. Wohl aus
ähnlichen Gründen finden sich bei Vinay zwar kritische Bemerkun-
gen zu marxistischen Tendenzen in der jungen Waldenser-Genera-
tion, frühere neuzeitliche Phasen in der Entwicklung der Waldenser-
Kirche werden aber nicht auf eventuelle zeitgeschichtliche Bindun-
gen hin untersucht. Etwas unterproportioniert erscheinen die ab
S. 205 der Waldenser-Emigration nach Südamerika gewidmeten Ab-
sätze. Die Problematik des ersten Weltkrieges kommt nur in einer
sehr engen Sicht des Fortlebens der Einzelgemeinden der Kirche zu
Worte. Ein Hinweis auf ihre theologisch ungenügende Bewältigung
würde erklären helfen, warum das Diktat von München 1938 vom
Moderator der Waldenserkirche begrüßt werden konnte. Die Tat-
sache wird von Vinay nicht erwähnt (siehe zu S. 382 Salvatore
Mastrogiovanni, Un protestante nella resistenza, Firenze 1962,
S. 40).

Die evangelische Predigt der Waldenser im Italien der Neuzeit wird
von Vinay als dadurch im wesentlichen gescheitert dargestellt, daß sie
sich als Alternative zur katholischen Frömmigkeit verstehen wollte.
Die Wende, die innerhalb des Katholizismus durch das 2. Vaticanum
einsetzte, habe die einzige Möglichkeit bestätigt, vor der die evange-
lische Predigt in einem katholischen Raum stehe: nämlich genuin
evangelische Tendenzen des Katholizismus dienstbereit zu fördern.

Prag Amedeo Molnär

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