Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

104.1979

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Theologische Literaturzeitung 104. Jahrgang 1979 Nr. 11

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mann gibt einleitend methodische Hinweise für die Arbeit
mit dem Buch. Von ihm stammen ferner die Beiträge über
das Todesverständnis des heutigen Menschen am Beispiel der
modernen Literatur, über die Sicht des Todes in der Philoso-
phie sowie über die Stellung zum Tod in den Hochreligionen.
Lindner und Feist erörtern das Thema in biologisch-medizi-
nischer Sicht, Lindner unter psychologisch-soziologischem und
Aichelin unter parapsychologischem Aspekt. Die didaktische
Absicht führt zu einem klaren Aufbau jedes Beitrags: Auf den
Einstieg (A) folgen Informationen (B), denen sich Impulse zur
Diskussion (C) und Konkretion (D) anschließen. Zehn Toten-
tanzabbildungen werden im Nachwort von Herzog gedeutet.

E. w.

Praktische Theologie: Pädagogik

Dörger, Hans Joachim, Jürgen Lott u. Gert Otto: Einführung
in die Religionspädagogik. Ein Arbeitsbuch. Stuttgart-Berlin-
Köln-Mainz : Kohlhammer [1977]. 184 S. 8° == Urban-Taschen-
bücher 631: T-Reihe. DM 14,-.

Das vorliegende Büchlein will - in verschiedenen Konkreti-
sierungen, Problemkonstellationen und Arbeitsfeldern - „in die
Eigenart gegenwärtigen religionspädagogischen Denkens" ein-
führen. Die drei Autoren bzw. Herausgeber werden dabei von
dem Interesse geleitet, die Religionspädagogik nicht auf eine
Beschäftigung mit dem Religionsunterricht an öffentlichen
Schulen und mit dem Konfirmandenunterricht zu beschränken,
sondern als Praxistheorie für alle Handlungsfelder von Kirche
und Religion mit einer pädagogischen Dimension herauszustel-
len. Sie denken dabei unter anderem an Jugendarbeit, Erwach-
senenbildung, Predigt und Gottesdienst, Kindergottesdienst und
Altenarbeit. Man könnte die religiöse Erziehung in der Fa-
milie, die kirchliche Sozialarbeit in Heimen und Gefängnissen
und noch manches andere hinzufügen.

Als Hauptprobleme eines Gesamtverständnisses von Reli
gionspädagogik werden genannt:

- Das über eine Didaktik des Religionsunterrichts hinausge-
hende „Mehr", das in der gegenwärtigen Diskussion noch
nicht allgemein gültig bestimmt werden kann.

- Die Kooperation zwischen Theologie, Erziehungs- und So-
zialwissenschaften und das Verhältnis zwischen diesen Be-
mühungen im Rahmen der Religionspädagogik.

- Die Erforschung der gesellschaftlichen und individuellen
Folgen religiöser Erziehung in Geschichte und Gegenwart.

Das Buch ist so aufgebaut, daß das Arbeitsgebiet der Reli-
gionspädagogik zuerst mit Hilfe von 9 Stichworten umrissen
wird (Sozialisation/Situation, Bildung/Lernen, Religion/Glaube
in der Erziehung, Interaktion/Kommunikation, Problemorien-
tierung, Bibel, Therapie, Religionsunterricht/konfessioneller
Unterricht 'Ersatzunterricht, Didaktik/Unterricht), dann ein sehr
kurzer Abriß des Religionsunterrichts in der Geschichte gege-
ben wird und zuletzt die Arbeitsfelder Religionsunterricht, Er-
wachsenenbildung und Kindergottesdienst im Lichte verschie-
dener Konzeptionen vorgestellt werden. Den Schluß bildet
eine Zusammenstellung verschiedener Definitionen von Reli-
gionspädagogik, von denen die Autoren die Gert Ottos bevor-
zugen, der unter Religionspädagogik eine „kritische Theorie
religiös vermittelter und religiös fundierter Verhaltensweisen"
versteht, „die im Zusammenhang von Erziehung und Unter-
richt die Lebenspraxis von Kindern, Jugendlichen und Erwach-
senen in verschiedensten Bereichen der Gesellschaft - außer-
halb wie innerhalb von Kirchen und Konfessionen - in Ge-
schichte und Gegenwart bestimmen" (182).

Sowohl die die religionspädagogischen Handlungsfelder und
Problembereiche erschließenden „Stichworte" als auch der histo-
rische Abriß und die Arbeitsfelder im Lichte verschiedener Vor-
schläge werden in der Weise strukturiert, daß einer kurzen Ein-
leitung, die den Problemzusammenhang vorstellen soll, Texte
folgen, die die Komplexität der Problematik beleuchten, und

der Textinterpretation dienliche Arbeitshinweise. Den Schluß
jedes Abschnitts bilden Literaturhinweise zur Weiterarbeit des
Lesers. Natürlich kommen in den Arbeitshinweisen die Inten-
tionen der Vff. deutlich zum Ausdruck, doch muß das nicht
gleich als Manipulation abqualifiziert werden. Auch die Reli-
gionspädagogik ist positionell und erlaubt deshalb die poin-
tierte Vertretung verschiedener Positionen, die sich allerdings
daran messen lassen müssen, ob sie bei der Sache bleiben, für
die sie da sind, beim Glauben im engeren und bei der Re-
ligion im weiteren Sinne, und ob sie die Bedürfnisse der Adres-
saten und ihr Wohl in angemessener Weise in den Blick neh-
men.

Daß in vielen Teilen Abbreviaturen gründliche Darstellun-
gen ersetzen müssen und Stichworte wie Kirche, doch wohl die
Bedingung der Möglichkeit religiöser Erziehung, und Sprache
fehlen, muß zwar angemerkt werden, sollte aber nicht dazu
verführen, den Verfassern gleich Etiketten anzukleben.

Aufs Ganze gesehen ein nützlicher erster Orientiei'ungsver-
such für den, der einen ersten Blick auf die anliegenden Pro-
bleme werfen möchte.

Brcmgarten/Bern Klaus Wegenast

Eykman, Karel, u. Bert Bouman: Die Bibel erzählt, übers, v.
H. u. G. Daamen u. E. Groß. Frciburg-Basel-Wien: Herder;
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn [1978]. 495 S.
m. zahlr. färb. Abb. 8°. Geb. DM 26,50.

Diese mit bunten, fröhlichen Bildern vorzüglich ausgestattete
Erzählbibel will „eine Art Brücke zur Bibel sein" und „einige
kleine Schritte auf dem Weg zur Bibel" tun. Der Maßstab ri-
goroser Texttreue wäre für dieses kinderfreundliche Buch un-
angemessen. Wort und Bild machen die Begegnung mit der
Bibel so interessant, daß sicher nicht nur Kinder hier eine
Brücke zur Bibel finden können. Daß hier und da auch ein In-
terpretationsversuch mißglückt ist (leider gleich am Anfang
die Geschichte von Abrahams Auszug), tut der Wirkung die-
ses faszinierenden Buches hoffentlich keinen Abbruch.

E. w.

Praktische Theologie: Diakonik

Hämer, Andreas: Rehabilitation von unten. Der Platz der Kör-
perbehinderten im Aufgabenfeld der Kirche. Mit einem Ge-
leitwort v. T. Strohm. München: Kaiser; Mainz: Matthias-
Grüncwald-Verlag [1978]. 216 S. 8° = Gesellschaft und Theo-
logie. Abt.: Praxis der Kirche, Kart. DM 28,-.

Das Buch ist eine überarbeitete Magisterschrift, die von der
Kirchlichen Hochschule in Berlin (West) angenommen wurde.
Der Vf. arbeitete als Zivildienstleistender in einer mit „Haus
Bergheim" bezeichneten diakonischen Einrichtung, einem Wohn-
heim für 44 körperlich Schwerstbehinderte Männer im Alter
zwischen 18 und 74 Jahren. Er gewann dabei Körperbehinderte
zu Freunden, mit denen er ihre Problematik erörterte und nach
besseren Lösungen suchte. Gezielte Besuche in ähnlich gelager-
ten Heimen des Diakonischen Werkes rundeten die empfange-
nen Eindrücke ab. Hämer wird zum beredten Anwalt der Kör-
perbehinderten.

Daß hier ein Nichtfachmann das Wort nimmt zu den Fragen
der Rehabilitation und im weiteren zur gegenwärtigen diako-
nischen Praxis, hat sein Gutes. Er ist gefeit gegen die Gefahr
der Betriebsblindheit, die den Experten immer droht. Sein En-
gagement für die Behinderten läßt ihn kritische Anfragen stel-
len, die zum Nachdenken nötigen. Er erweist sich als Theologe,
indem er den Teilaspekt der Rehabilitation einzubinden sucht
in die theologischen Erwägungen zur Praxis der Kirche, über-
wiegend im Anschluß an Bonhoeffersehe Gedanken.

Der befremdliche Titel „Rehabilitation von unten" sagt im
Grunde schon aus, worum es dem Vf. geht. Rehabilitation dürfe
nicht eine Veranstaltung der Kirche und ihrer Diakonie für
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