Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

101.1976

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Theologische Literaturzeitung 101 .Jahrgang 1976 Nr. 7 510

auf. Von dieser Einheit her, meine ich, wird das Unter- Mufiner, .Kranz, Prof.: Der Galatcrbrief. Auslegung. Freiburg-
nehmen der Theologie des Neuen Testaments (die mehr Basel-Wien: Herder 1974. XXII, 426 S. gr. 8° = Herders
bietet als eine Theologiegeschichte des Urchristentums) theologischer Kommentar zum Neuen Testament, hrsg. v.
sinnvoll. Wo nach ihr gefragt wird, berühren sich histo- A.Wikenhausert, A.Vögtle, R.Schnaokenburg, IX. Lw.
tische und systematische Aufgabe21. DM 65,—'

In dem Studienbuch „soll dargelegt werden, was zum Mit diesem weiteren Kommentar zum Galaterbrief
Grundwissen in der Disziplin der neutestamentlichen von katholischer Seite befestigt die katholische Theo-
theologie zu zahlen ist", erklärte der Vf. im Vorwort logie nachdrücklich ihren Zugriff auf die Gebiete, die der
aTUdrüokhch. Damit stellte er dem Grundriß die Auf- Protestantismus herkömmlich als solche ansieht, die
gäbe der theologischen Information. „Grundwissen" 8eine Basis bilden. M. legt ein modernes, umfassendes
meint ja nicht nur die Kenntnis neutestamentlicher exegetisches Werk vor, das den Rang der Reihe, in der es
Aussageti, son.lei n zugleich das Wissen um ihr Verstand- erscheint, überzeugend bestätigt.

"'s in d. r neutestamentlichen Forschung, um ihre sach- In einer Einleitung (S.l-42) behandelt M. grundsätz-
«cniaße, d.h. ihrem Gegenstand gemäße Beurteilung liehe historische und literarische Fragen des Briefes. Ihr
jnid um ,h,.,. ,,.,.|ite gegenseitige Zuordnung. Dem Auf- folgt die abschnittsweise Auslegung des Textes, unter-
trag d,.r Theologie ist es angemessen, daß solche Infor- brechen durch sieben Exkurse, ein achter Exkurs („Die
"lation auch das eigene Urteil des engagierten Vermitt- Bedeutung des Galaterbriefes für Theologie und Kirche"
kundgibt. Daß dieses Urteilen im Spannungsfeld S.421-423) beschließt als eine Art Resümee den Text,
zwischen historisch-kritischen Arbeitsergebnissen und Ein Sachregister und ein solches griechischer Wörter
den verbalen Aussagen der frühen Christenheit liegt, runden den Band ab.

Wird ein Stück weit auch im vorliegenden Band sieht- Wie gegenwärtig fast selbstverständlich, sucht M. die

(s.o. zu Kap.I). Kennzeichnend ist für ihn zuletzt angeredeten Gemeinden in der historischen Landschaft

•'«;•■ unmittelbare Bezug auf die neutestamentliehe Ver- Galatien. Der Brief ist wahrscheinlich von Mazedonien

Kündigung insgesamt, deren Grundaussagen und Grund- aus geschrieben, im Jahre 55 (oder auch 57). Die in der

worter letztlich unvertauschbar sind (wenngleich ihre Einleitung von U.Börse (Der Standort des Galater-

UWerpretation immer neu überdacht werden muß). briefes, 1972) aufgenommene Ansicht einer besonderen

J^"c (8ftalc> Gerhard Delling Nähe des Gal zu 2 Kor 10-13 wird im Kommentar selbst

,. 1 Orttadriß der Theologie des xNeucn Testament«, Münehen 1967, »1968; Jeid?.r ?jcht Wei*er "PÜrbar*. Natürlich setzt M. die Ein-

»i,i ,1!"1 ''• TnLZ 94>1960 Sp.833f. heithchkeit und Echtheit des gesamten Briefes voraus,

thi..J ... ' nno|0|?lo des Neuen TestainentB mich seinen Hauptzeugen, Göt- utollf ahttr m Mnam intppimmintpn Almelinitt die Wrattf

'«W 104», Nachdruck Berlin 1971; dazu O.Haufe, ThLZ 06, 1971 Sp.108 Stelft a,Per ,,n. eme"\ interessanten AbSCiimtt 016 VTdße

'"Vi ■ nach „Tradition und Redaktion" (S.35-42). In ihm wird

* Ä'ttltÄ ehenso Stichwörter gegen Anfang der einerseits „das vorphi. Material im Galaterbrief (Terme,

«••iiiiitie dor s§. wir heben diese Partien in Zitaten nicht hervor. Syntagmata, Formeln, Sprichwörter) vorgelegt, ande-

„ 'ÄmSIÄKSZ?'Ä nach eventueüen Ve, rerseits die Verarbeitung der Tradition durch Paulus in

• i"'"""''"'enßeiniüi. Miii reii. iiHri«i-Kien<ii.. <:r.-i,ziini.■ n<i<-u11i<ii t;eiii;ieiit. den Blick gefaßt („Das Eigene des Apostels bezieht sich

' Theo. also deutlich auf die Herausstellung der Implikationen

. in ,' r, lll'n ""rieht in Kva ouwaid, Theologie des Alten Testaments - des überlieferten Kerygmas für die Rechtfertigung des

«.{«i'Ä"" A"r"a,,c «'«cstamentiieher Wissenschaft, ThLZ 9«, 1974 Meuscllen vor Gott", S.41; aber; „Tradition und Redak-

und ,B'!H w'"' w'"1 vun' Vl-'"' 81,111 d''r ..Verkündigung de» gekreuzigten tion stehen in den Paulusbriefen nicht im Verhältnis von

VokniS.i ™,lln'll'1"'n GhriKtiis" gebraucht (These § 1). Zur Verwendung der Vr.rrroo-nlw.npni und einfaeli rTinyiiditiorf ein Inn dorn sie

Mit V '" 'l,'r «•xiHtentlnlen Interpretation llullmann» s. die kiilisrhci, » '"ff ff '" "* '" "na *1•"«"■•» Mmzilildtiertf III, SOlKleril Sie

„■"bei i,oii»e in. durchdringen sich gegenseitig so, daß am Ende ein neues

:;::';-Äon7, Xiin ÄÄÄÄ Syntag.na steht, das vorher in .lieser Weise nicht vor-

in s"i'i!.id,e.r, Verkündigung Jesu in Kap.i und der Kennzeichnung von () banden war", S.42). Es fragt sich aber einerseits, ob die

i UlervortH'len der Itotschatl. von der Ootteslierrseliaft, kein l'as- fvi 1 rri j-f u Ii t» • v. •

'^••'ygmn, sparsame Verwände* .iiristoiogischcr Titel) gewisse Ent- Übernahme von „Tradition vor allem im Bereich ein-

,i, miigen gegeben. ,,,.„,. , zelner Begriffe und Wendungen nicht viel weiter reicht,

seht i gebraucht diese llendchuiuig ollenliar absichtlich, im 1 nbr- . •»» " • r »l-l i . j

"iV'"■>»■.....ii.....usw. ts. i'.uitmaiin, coiizeimann, Kuiinnei). als es M. in seiner Aulzahlung angibt, und andererseits,

i.uii,,,,,,,,, h:il v,,,. „„,.,„ i„ Kesehreibiing de» Kerygin.is ..der welche Relevanz es hat, daß Paulus offensichtlich sehr

geoi-iVi '■enieiinle vor und neben Paulus z.T. bis ins 2. Jb. vor- i • i m i-x- u i m

Wj11';"- verschiedenartige „Iraditionen (angefangen von jn-
11"ohe^VInl.'ii""ümk dar" ' |J|,B l,>n',',,lstl'c KeryRlnft" daBcgen in thema" dischen) aufnimmt und zu einem neuen Ganzen ver-
ein- .'»^Irgendwo wird erkennbar, dali es In der mündlichen Überlieferung arbeitet.

(U7) wi«?(.MlaiilB?1,T 8lnn vß™t»ndenc JeBustradition gegeben hätte" jjen größten Raum nimmt in der Einleitung die Er-

geknVn ™ freilleh nun so rasch zu der messlanischen Jesustradltion ° ... .. „ i« • /cj ii on\ lEr f__1„±

ftSS, d|e aller jüdischen Erwartung widersprach? Könnte man nicht orterung Uber „die Gegner ein (». ll-JlJ). M. tmdet

"■•'ind'rilt 8 'Jl'l .n<lui; 1'ra«111"' ftbeikommener Hniieitsprüiiikatc (s.o. zii „keine Veranlassung, in den Anschauungen der Gegner

ihne.,mlu 8 11) Imrelts durch Jesus vorbereitet sein konnte, der sich mit " . , . . i rr j „„„ „. „,1.„„".

ir"" /"wlnandcrsetzcn muDte, wenn er von Gottes eschatoiogischem gnostische und gnostizierende lendenzen zu sehen ,

•''fWarrM.,",1""'.1'"'"1 v,llk "1'i-achV (Gewitl giili es im Jiidentuin der Zeit auch vielmehr sind sie „imlaisiereinle .1 lldenclirist eil. tlie iii

„, , u"UKcn, i„, !,.„,. „,.in,, messlanlHelieOestult, keine Kolle spielte; indessen „ « "J„. ,,__, ___J„.„„ -iiir„„+ „,,f

trenn/',1'','Ij0l,8e- daU dl° "ot^haft Jesu von seiner Person nicht abzu- ihrer gesetzlichen Einstellung besonderen Wert auf

14 Vbi t t .^. ™t „ ,Kalenderfrömmigkeit' legten", die sich aber „nicht

t''oi„.~8 ■ (lln krlt, sehen Hemel klingen zu Wrede bo Mart in D belius, Die ' , , . . , . • ° • j x.- i 1.1 n

..gehefSchlcht" (l08 Kvango™™, 1083 Ibw., Mr., dessen Stichwort der absolut eindeutig einer der bisher bekannten Gruppen

in '"'■» Kpipimniei," Lohne auitiimmi nis,. deg Frühiudentuiiis oder des frühen Christentums zu-

'Ullf ,,T onUl"leht der Zueignung von Joh 6,51 IH58; 10,34b.3&; 5,28f.; j ,J n ,0 „t,

' 12,48 an einen uedaktor (144.13t.). ordnen lassen (S.25).

17 Mit'n In?rk,lnK"- «lehc schon ttonzcimann 14. , . . Der Kommentar zum Wortlaut des Briefes ist aus-

h Ri»t,;r " aill'l' 'ur Frage des Kanon Stellung genommen (s. Sach- , .. ... , _ , ,___. , ... .. ,

15 'r" v) führheh und gründlich, fruchtbar ist die umfängliche
'i'hcoiogie"in?1 dMKer>'«mll(lni^iae«Twili!■ Ii«•»▼«•'«< Auswertung der Papyrus-Grammatik von E.Mayser,

'.11, Tb5' 'i'"'1"0' Binheit des Neuen Testaments. Exegetische Studien von der M. im Vorwort bekennt, er halie diesem „unver-

>P.M.'wi?"," ,,"H N""'" ,|v"»»™™t». Göttingen 1973; s. ThLZ iwi, 1975 oleichliclien, nur von wenigen Exegeten benutzten"

rlsses" ■ ""»neu nur einige The.....n. die sieh mit denen des „l.rund- . 1 J 1 111 1 V

gege,,w- m"'' ,,,!r,»'r<'n: Die Krage nach den, historischen Jesus in der Werk mehr zu verdanken als den hervorragenden Xom

!;'• iH.nisse1;,"", """'"r"•'""'••"•» KorBC».....«■ Gott.-si,err«-ha(| in de,, m(,ntarPn zum Gal. Dieser Kindruck teilt sich .lein Leser

t'-ilsueu, 1 1 . A|Kikalypllk und ('hristologlc; Lukas als Theologe der , .. -i. n i 1 1 1 w

Tain," ,f h to; Dl° Oere''htigkeit Gottes In der pauiinlschen Theologie; freilich nicht ohne weiteres mit. Der beherrschende Ein-

drUck i8t d?chÄeiT ent8Vichlossefnen theologischen

2'Zu ju n: Dle Ell>he't der Kirche nach dem Neuen Testament). Auslegung des Briefes, die sich im intensiven Gesprach

21 Vgr.d„Zn,l|'!,,,:;" H.')l''''''w'' "r"n(lrlß m- befindet mit der theologischen Arbeit der Gegenwart.
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