Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

101.1976

Zitierlink

171

Theologische Literaturzeitung 101. Jahrgang 1976 Nr. 3

172

Lebensläufe von Personen beschränkt ist, die in Bezie-
hung zur christlichen Verkündigung wie zur Kirche stan-
den. Insofern dabei Menschen der verschiedenen christ-
lichen Bekenntnisse und Denominationen wie auch Ver-
treter anderer religiöser Richtungen behandelt sind, die
nur vage von der Bibel oder biblischen Aussagen her be-
stimmt sind, ist der ökumenische Rahmen dieses Lexi-
kons sehr weit gespannt.

Nach den genauen Geburts- und Todesdaten, wobei
vielfach auch die Eltern genannt sind, folgt jeweils der
Lebenslauf, der oftmals ausführliche Einzelheiten der
persönlichen Entwicklung bringt. Bisweilen werden kul-
tur- und geistesgeschichtliche Bemerkungen eingefloch-
ten, welche Leben und Werk des einzelnen in einen grö-
ßeren Rahmen stellen. Bei einer Anzahl von Lebensläu-
fen wird auch das Werk des Betreffenden näher charak-
terisiert. Verschiedentlich werden am Schluß einer Bio-
graphie eine Wertung bzw. einzelne Bemerkungen über
die Bedeutung der Persönlichkeit oder die Wirkung ihres
Werkes gebracht. — In Petit-Druck sind anschließend an
jeden Artikel jeweils sämtliche Veröffentlichungen der
betreffenden Person bzw. die entsprechenden Werk-
ausgaben (mit Erscheinungsjahr) angegeben; in einem
weiteren Abschnitt wird dann die Sekundärliteratur bis
in die Gegenwart genannt.

Für das gesamte Werk sind etwa 15 000 Lebensläufe
veranschlagt (etwa 40 Lieferungen sind vorgesehen). Sie
sind sämtlich von dem Herausgeber, der schon durch
mehrere meditative Veröffentlichungen mit biographi-
schen Bemerkungen hervortrat, verfaßt. In diesem Lexi-
kon, das Namen von der Zeit der Verkündigung Jesu bis
zur Gegenwart umfaßt, sind jedoch lebende Personen
nicht aufgenommen. Nach Abschluß des Werkes ist ein
Ergänzungsband für Nachträge vorgesehen. Daß Herr-
scher wie auch Personen sog. profaner Berufe aus frühe-
rer Zeit stärker vertreten sind, ist historisch bedingt.

Die bisher erschienenen 8 Lieferungen (1280 Sp.) ent-
halten Lebensläufe von sehr bekannten wie auch seltener
genannten Personen mit den Buchstaben A—D (Franz
Dibelius). Anhand dieses vorliegenden Materials soll nun
versucht werden, den Charakter des Lexikons näher zu
umreißen, indem nach Umfang, Inhalt und Form der
Darstellung einzelner Biographien gefragt wird. Um den
weiten Rahmen der aufgeführten Namen in etwa zu skiz-
zieren, seien zunächst — in verschiedene Gruppen aufge-
teilt — einzelne Vertreter genannt.

Von den Herrschern seit dem 1. Jahrhundert begegnen
u. a.: Abgar V., Albrecht V. von Bayern, Alexander
Newskij, Alexios I. Komnenos, Andreas IL, Andronikos
III. Palaeologos (warum nicht die griechische Form?
Warum unmittelbar vorher die Form Andronikus II.
Palaeologos und nicht Palaiologos?), Arkadius, Auguste
Viktoria, Balduin I. und II., Basileios I. Makedon, Beren-
gar I., Christine von Schweden, O. Cromwell.

Die Päpste sollen anscheinend vollständig behandelt
werden. In den vorliegenden Lieferungen reichen sie von
Agapet I. bis Damasus II., auch die Gegenpäpste fehlen
nicht (Anaklet IL, Calixt HL, Benedikt XIII. und XIV.).

Von den geistlichen Fürsten seien genannt: Adolf IL,
Graf von Nassau (Erzbischof von Mainz), Fürsterzbischof
Hieronymus Graf von Colloredo von Salzburg, Reichs-
freiherr K. Th. von Dalberg (die Vornamen Anton Maria
sind nicht aufgeführt).

Neben den Kirchenvätern (Athanasius, Augustin, Cy-
prian) seien einige Märtyrer aufgezählt: H. L. Adolphi,
D. Bonhoeffer, Caecilia, J. Calas, P. L. M. Chanel, A. Delp
(Vorname Friedrich fehlt).

Da der Titel Bischof bzw. Erzbischof nicht auf die rö-
misch-katholische Kirche beschränkt ist, begegnen in die-
sem Lexikon verschiedene Personen unterschiedlicher
Konfession mit dieser Titulatur, von denen u. a. genannt
werden: Ambrosius (Mailand), Antipater (Bostra), Bar

Hebräus (Guba), W. Baudert (Brüder-Unität), Blasius
(Sebaste in Armenien), S. A. Crowther (Nigergebiet), Bis-
tumsverweser M. Czech (Warnsdorf) sowie der Metropo-
lit M. Akominatos (Athen) und der Patriarch Alexios
Studites (Konstantinopel).

Unter den Ordensangehörigen seien neben Benedikt von
Nursia, dem Dominikaner J. Burchard, dem Jesuiten-
general A. M. Anderledy und dem Zisterzienser Alberich
von Trois-Fontaines der Stifter der „Missionare des kost-
baren Blutes" (CPPS) G. de Bufalo und der Stifter der
Kongregation der „Filles de Notre Dame du Sacrc Coeur"
J. Chevalier aufgeführt. Hier sei auch der Ehrenarchi-
mandrit P. Couturier genannt (soweit wir feststellen
konnten, als einziger als „Weltgeistlicher" bezeichnet).

Für die wissenschaftliche Theologie seien ebenfalls
einige Namen aufgezählt: A. Alt (AT), W. Bauer (NT), O.
Clemen (fehlt Vorname Konstantin; Kirchengeschichte),
K. Barth und H. Benckert (Systematische Theologie) und
E. Ch. Achelis (Praktische Theologie); ferner W. A.
Brown (amerikan. Theologe), Ph. Bryennios (griech.-
orthod. Theologe), B. Becker (Brüdergemeine), H. S. Cof-
fin presbyt. Theologe), J. W. Colenso (anglikan. Theolo-
ge), der kath. Lutherkritiker F. H. S. Denifle und H. Bu-
sembaum (Jesuit, Moralist).

Von Gemeindepfarrern verschiedenster Richtungen
hier nur einige Namen: Von J. Baumgarten und J. Busch
über den Methodistenprediger W. F. Crafts bis zum so-
zianischen Prediger S. Crell.

Besonders wendet Bautz sich den Missionaren wie den
Kirchenliederdichtern zu. Einige Namen von Missiona-
ren: N. Burger, G. Cagliero, F. F. de Capillas und E. Ca-
salis. Aus der großen Zahl der Liederdichter und Hymno-
logen: A. und Th. Blaurer, H. Burton, P. Busch, J. H. Ca-
lisius, D. Denicke.

Neben den Reformatoren einzelner Städte und Länder
(z. B. M. Agricola für Finnland) sind Personen aufge-
führt, die Reformen unternahmen oder Gruppen bilde-
ten, die oft nicht innerhalb der verfaßten Kirchen blie-
ben. Hier können ebenfalls nur wenige genannt werden:
H. Adso (franz. Mönchtum), J. Caroll (kath. Hierarchie
in USA), H. Denck (Täuferbewegung), J. Clifford (engl.
Baptisten), G. Blandrata (Antitrinitarier), Aetius (Aria-
nismus), H. Arnaud (Hugenotten), Th. Cartwright (pres-
byt. Puritanismus), Arnos von Wodnian (Amositen), L.
R. Conradi (Adventisten), J. Albrecht (Ev. Gemeinschaft),
W. Carlile (Church Army), E. Bock (Christengemein-
schaft). Hier ist auch Anan ben David (Karäertum) zu
nennen.

Die sozialen Bestrebungen dürften besonders aufzu-
führen sein: Neben den beiden Fr. v. Bodelschwinghs, E.
Arnold (Bruderhäuser), Th. J. Barnardo (Nobody's Chil-
dren), K. Brockhaus (Brüderbewegung, Vornamen Fried-
rich Wilhelm fehlen), P. P. Cahensly (kath. Sozialpolitik),
A. Bovet (Blaukreuzarbeit), E. J. Christoffel (Blinden-
mission), W. Canz (Großheppacher Mutterhaus, weitere
Vornamen: Friederike Gottliebin), D. G. Bosco (Apostel
der verlassenen Jugend).

Die Skala von weiteren Namen reicht von Architekten
bis zu Dichtern, Schriftstellern und Philosophen: Archi-
tekten (G. Bähr, O. Bartning, Bramante), Komponisten
und Musiker (A. Agricola, D. Bortnijansky, A. Bruckner
[Vorname Josef fehlt], J. Brahms). Organisten: J. Chr.
Altnikol, Familie Bach, J. Crüger), Maler (Fra Angelico,
A. Correggio, L. Cranach), Bildhauer, Holzschneider, Ra-
dierer, Graphiker (W. Achtermann, A. und E. Altdorfer,
D. Campagnola), Dichter (E. M. Arndt, M. Claudius, P.
Claudel, Dante Alighieri, S. Dach), Schriftsteller (L. Bloy,
H. Beecher-Stowe, G. Bernanos). Weiter sind noch zu
nennen: Juristen (J. Althusius, B. Arpzow [Pseudonym
fehlt: Ludovicus de Montesperato]). Diplomaten (A.
Aleander, Chr. K. J. Bunsen, Fr. R. L. v. Canitz, K. v.
loading ...