Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

98.1973

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3 Theologische Literat urzeitung 98. Jahrgang 1973 Nr. 2 90

V"r '^er ""s Ägypten kommenden Gruppe mit ihrem ent- vvc tritt auch die Übernahme der Kl-Bezeichnung in ihrer
scnlossenen Tiekenntnis zu Jahwe in Kanaan eingedrungen ahsohiten, wie auch der durch nähere Prädikationen ver-
gären. I)i<. Verheißung des Landes, die, wie Herrmann ge- mehrten Form. Dabei läßt Gen 17,1 erkennen, daß noch der
■ögthat, anders formul iert worden ist als die Landverheißung späte priesterschriftliche Krzähler sieh dessen bewußt ist,

"" /a's:.....nenhang der Exodusberichte27, könnte schon Teil daß mit diesem El-Namen eigentlich eine vprjahwistische

icses älteren Vätergottglaubeni gewesen sein. Stufe zu kennzeichnen sei. Anders als .1 und K, welche die Er-

In der Genesis sind diese älteren, im Kreise der späteren innerung an den Vätergott als die Gottesbezeichnung der

SI'''elsiämiuc beheimateten Erinnerungen zur Vorgeschichte Väterzeil Festhalten, redet Pin Gen 17,1 von der Selbstoffen-

< es aus Ägypten kommenden Israel geworden und die in eine barung Gottes vor Abraham mit dem Satze: „Ich bin 'el

Wte Abfolge gereihten Väter zu direkten Ahnen Israels. Was Saddaj". Und Ex 6,2ff. bestätigt verdeutlichend nochmals,

j*t dieses für den Glauben an Jahwe, den Gott Israels, mit daß Gott sich dem Abraham unter dem Namen 'el äaddaj

m es dj(. alttestamentliche Theologie zu tun hat, zu be- geoffenbart habe, während dann erst dem Mose der eigent-

< Uten? liehe Gottesname kundgemacht wurde.

"rch die Vorschaltung dieser Erzählungen, die vom .Iah- Eine alttestamentliche Theologie wird dankbar auf die Er-

**glauben nicht abgestoßen worden sind, gewinnt der Glaube gebnisse religionsgesc hichtlichcr Forschung zurückgreifen und

Jahwe die neuartige Dimension der Verheißung. Der Weg auf ihrem Hintergründe die Weitung der Selbstaussage Got-

i aus Ägypten ins Land Kommenden ist danach ganz so tes verstehen, wie Israel sie in der Begegnung mit der kanaa-

w'e die Volkwerdung Israels selber nicht nur ein einst ge- näischen Welt voller vernimmt. In ihr enthüllt sich für Israel,

[ ebenes kontingentes Ereignis, sondern es ist Einlösung dem Jahwe sich in seiner konkurrenzlosen Freiheil durch

2?*r ''''"«st zuvor geschehenen Verheißung an die Väter, die seine Begegnung in der Geschichte bekannt gemacht hatte,

inzebae waren und nur als Schutzbürger in einer ganz vor- die rechte Weise des vollen Redens von seinem Gotte auch

"Ingen Wanderexistenz im Lande Lebten. Von daher wird im Blick auf das ganze I fniversum. Es muß dabei das für un-

'!.' ;x's,enz Israels in einem innergesc hiehtlichen Zuvor des sere Denkweise Auffallende festgehalten werden, daß diese

göttlichen Verheißungswortes begründet. Das Geschehen der Gewinnung der universalen Weite des Gottesanspruches

fflhzeit Israels in Auszug und Landnahme erhält den Cha- nicht auch gleich zur weltbildlichen Durchgestaltung eines

J* erfüllten Wortereignisses. Jahwes freies Schenken hat „Monotheismus" führt. Daß in anderen Völkerbereichen auch

urch eine neue Dimension gewonnen, in der zugleich jeder andere Gottheiten da sind, wird (wie übrigens auch in 1 Kor

ersuch der Verankerung Israels und seiner gesegneten Exi- 8,5) unbefangen stehengelassen. Wo sich aber die Vcrtrauens-

-in einer mythischen Vorgeschichte im himmlischen Be- frage der tatsächlichen Herrschaft im Geschichts- und Na-

eica ahgeschnitte n igt. Daß es an Ansätzen zu solcher Be- turbereich für Israel stellt, da weiß dieses sich mit Jahwe

V ändung nicht gefehlt hat, kann Dt 32,8f. zeigen, wo von konfrontiert (vgl. 1 Kor 8,6). Man vergleiche etwa das Reden

"ier (vorgeschichtlichen ?) himmlischen Zuteilung der Völ- von den „Göttern" in Ps 82.

cr geredet wird. Die Dim ension der Verheißung aber ge- Auf der anderen Seite klärt sich das Reden von Jahwe auch

_ nt in den Aussagen des Alten Testamentes auch über die in polemischer Begegnung mit Zügen des Umweltglauhens.

ergeschichten hinaus Bedeutung. In der Tiefe der Exils- Von Elia hin zu Hosea ist zu erkennen, daß Jahwe sich in

'orenheit ist es eines der triumphierenden Argumente aller Schärfe von Baal, der im ugaritischen Pantheon als Sohn

euterojesajas, daß Jahwe anders als die Gottheiten der Dagans oder Eis auftritt1'', distanziert. Konnte eine frühere

j ^«"tischen Umwelt ein Gott ist, der in se inem Wort auch Zeit, wie der in 1 Chron 12,6 belegte Name Baal ja ausweist

Cli menden mächtig ist28. Der auf Zukunft hin geöffnete und aus den Worten Hoseas indirekt zu erschließen ist, auch

' arakter des Jahweglaubens* erfährt hin- eine bedeutsame Jahwe noch unbefangen als ba'al „Herr" bezeichnen, so voll-

tialtung. zieht sich in der Folge die feindselige Abstoßung des Baal-

in p a"c'er,'r Weise bezeugt der Eingang der Urgeschichte namens. Die Verbindung des im kanaanäischen Pantheon

q ,en wie der Jahweglaube neue Dimensionen gewinnt. den Gläubigen (im Unterschied zum Hochgott) „nahen"

y Pn 14,18— 20 belegt es, daß in Jerusalem in vorisraelitischer Gottes Baal mit dem Vegetationsglauben und dem mit die-

^ ®ln »El eljon (El Allerhöchster), Schöpfer Himmels und sem verbundenen Brauchtum kultischer Hochzeit und sakra-

™p ' verehrt wurde. Israel begegnet in seiner kanaanäi- 1er Prostitution am Heiligtum führte unter dem Eindruck

der^a ^mw<"'1 n'cbt nur der Iloehgotlheit El, sondern auch prophetischer Verkündigung zur entschiedenen Abstoßung

jj ^"ssage, daß dieser Ilochgott das All geschaffen habe. der Züge des Baalglaubens. Der auf die Befreiung der Gehun-

die ugaritischen Texte ist uns das Wesen dieses Hoch- denen ausgerichtete, im geschichtlichen Rettungserweis

^ es ungleich deutlicher geworden, als es zuvor war.30 Wie- an seinem Volke handelnde Jahwe, der offensichtlich schon

'•Pl>m ist zu sagen, daß der Glaube Israels in der Herausfor- früh auch ein bestimmtes Ethos Israels im Bereich des ge-

gott"1^ t*Urc'1 <••«' kanaanäischen Aussagen über den Hoch- sehlechtlichen Verhallens forderte, setzte sich in dieser Ab-

^ ~" diese nicht polemisch abstieß, sondern die Weitung grenzung durch. Zugleich aber beanspruchte er auch die

SchU***^e u''er Jahwe in den universalen Bereich eines ganze, nun von seinem eigenen Wesen her verstandene „Na-

, l0P'ers des Alls als jahwegemäß vollzog. Während Gen 1 tur"-Segnung für seinen Herrschaftsbereich, vgl. etwa Hos 2;

anj^r ^''fwendung phönizischer Urvorstellungen vom Chaos- Gen 49,25f.; Dt 28,3ff.

fiaasj ' Und ev. memphitischer Aussagen von der Ersehaf- So hilft das Gespräch mit den religionsgeschicht liehen Er-

vorn a' F '''""e'1 das Wort des Schöpfers32 beschreibend kenntnissen am Alten Testament zu vollerer Klärung dessen,

■Anfang der Welt redet, ist bei Deuterojesaja wieder die was Israel in mählicher Ausweitung seiner Aussagen über

ncn"iv^''ercn<''! Ich-Aussage des Schöpfers zu hören, der sei- Jahwe als volle Weite der freien Mächtigkeit desselben er-

jj ''"'>en mit den Attributen des Schöpfers der Welt prädi- kennt.

(jfs ' le Nähe zu den hymnischen Psalmen mit ihrem Preis V

hat k er8°tt** ist mit Händen zu greifen. Crüsemann33 Die neuere Forschung hat in steigendem Maße die tradi-

W(,s^,',nrsehcinlich gemacht, daß diese Hymnik, die von Jah- tionsgesehichtliche Fragestellung an die alttestamentlichen

Set^jesc',ichtsfidirung nichts sagt, ursprünglich durch Zu- Aussagen gerichtet und unter dieser Fragestellung wertvolle

Nn 1? ''°S n("rr'sehen „.lahwc (der Heerscharen) ist sein neue Einsichten gewonnen.

Wur(jC (Am 4,13; 5,8; 9,6) von Jahwe mit Beschlag belegt So hat G. von Rad in seinem „Formgeschichtlichen Pro-

J(lh e' Man meint in dieser herrischen Ausweitung des von blem des Hexatcuch" 1938 gezeigt, welche Bedeutung die

\yr^ j\n''a"spruchten Bereiches in das All der geschaffenen Exodus- und die Sinaitradition für die alttestamentlichen

j. In,'"'s wieder auf das eingangs skizzierte Wissen Israels Gottesaussagen gewonnen haben. E. Rohland hat im Gefolge

Z '!t ^rt *e'nel Gottes zu stoßen. G. von Rads die prophetischen Schriften auf die in ihnen zur

leser Übernahme der Schöpferprädikntionen auf Jah- Sprache kommenden Traditionen untersucht und ihre Be-
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