Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

98.1973

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Theologische Literaturzeitung 98. Jahrgang 1973 Nr. 1 70

der Predigt und seine Vergegenwärtigung. IV. Die in der Müssen ^j^^ SlÄÄ

Ah gefärbt formuliert wird, ist hier und da ge- J^^^^^^fS^.i feLTiTSf

geben. Es kann wohltuend sein, wenn über der sachlichen (G.Krause, IhLZ 95,1970 Sp.730.) Wer sctragt ist aui

Analyse und Kritik - letzteres Wort scheint Vf. nicht zu die Lektüre des Kahnerschen Buches gut ^^eitet

schätzen - der Austausch gerade nicht direkt persönliche Die Betrachtungen folgen den Iba»u mjht den L

und seelsorgerliche Zwecke verfolgt. Gerade dann kann zelanweisungen der ^^^^f^^^6^

eine seelsor|erliche Wirkung indirekt eintreten. Darüber Würdigung des Ignatius von Loyal 1komm es dem Vf

hinaus entsteht die Frage, ob es nicht eine sachbezogene nicht an. Eine Ausnahme macht d» ^™h™«

Systematik gibt die des Vf s z.T. etwas sorglose Art der „Fundaments"' (Kap.2 und 3). Hier preist er Ignatius

Zusammenstellung von Fragen noch klare Aoneinander als den Typus des neuzeitlichen Menschen, indem er sein

absetzen und miteinander verbinden könnte. - Eine Pre- „Fundament" als Magna charta eines nachan ken •

digt mit Kurzprotokoll über eine Nachbesprechung thropozentrischen und gerade durm cLr stkehen Welt-

«chließt auch diese Arbeit ab (S. GG-70), ein nicht voll aus- gefühls interpretiert. Im Anschluß an Thomas und im

geführtes, aber dennoch instruktives Modell. Das Lite»- Vorblick auf Ignat.us formuliert Rahner »D« M«j»h

turverzeidmis ist ausführlich, formal nicht ganz einheit- ist das, was von Gott ?eme™*^°^e™ g £*

ich (S.71-73). T.Brocher, der 8.34 zitiert wird, kommt nicht ein Moment an emer Welt somlern die \Velt is( m

>n ihm nicht vor Heißt Weller nicht mit Vornamen Maxi- letzten ein Moment an ihm und für ihn (29). Luthers

milian (vgI S 87)1 'Leidernd die Arbeiten von E.Lerle großartige Katechismusformel aus der Erklärung des

nicht zitiert Die Arbeit von W.Born wird in der ho- 1.Artikels wird in diesem Zusammenhang - verstand-

miletischen Theorie und Praxis Beachtung finden. "tT^ÄÄ" das „Fundament" schickt

Rüdersdorf b. Berlin Friedrich Winter Kahner ein Kapitel über „Gotteserfahrung und Gottes-
bild" voraus. Die Gotteserfahrung ist „in der Wurzel des
Daseins gegeben" (18). Begrifflich arbeitende Theologie
iat normalerweise nicht fähig, sie wahrzunehmen und ms

Kahner, Karl: Einübung priesterlicher Existenz. Freiburg-Ba- Wort zu fassen Und dennoch muß sie dafür aufkommen,

sel-Wien: Herder [1970]. 304 S. 8°. ^ auch ihr ^[bst dauernd gefährlichen Gottesbilder

In zwei Büchern hat Karl itahner Reden veröffent- (22ff.) von dem wahren Gott (24ff) zu unterscheiden,

hcht, die von ihm bei Exerzitien gehalten wurden. „Be- Rahners Versuch, das konkrete und alltägliche mensch-

trachtungen zum ignatianischen Exerzitienbuch" (19G5) liehe Dasein auf die ihm eigentümliche Gotteserfahrung

heißt das erste Da» vorliegende zweite entstand aus Medi- hin zu deuten, betrifft im übrigen nicht nur den Bereich

tationen, die ihrer Veröffentlichung (1970) um zehn Jahre der Schöpfung. „Jeder Mensch ist ein Gekreuzigter; er

v<>rausliegen Zwischen Rede und Druck beriet und be- ist, wenn er ja dazu sagt, ein Christ; und das, was Igua-

schloß das Il.Vatikanische Konzil. Rahner hat seine Be- tius darüber hinaus als .inagis und contra agere noch

Pachtungen dennoch nicht durchgreifend überarbeitet. will, sagt nichts anderes, als daß diesem gekreuzigten

Ei*e Überarbeitung hätte sich ja gerade darum als nötig Dasein, .las uns auf jeden ™^f£*"J*°%^

Reisen können, weil der Schwerpunkt des Buches im klein wenig entgegengeht. (82) Das Zitat mag belegen,

Vergleich zum früheren bei den Aussagen über das daß und wie Rahners theologische Grundposition sich ,m

Priestertum liegt, Doch nicht eine Lehre über das prie- ganzen Buch zur Ge tung bringt (undl - auch das sei zu

Brüche Amt legt der Verfasser vor, sondern eine Anrede sagen erlaubt - in welch eigenartigem Stil das nicht selten

an künftige Träger desselben. Die Anrede geschieht in der geschieht). .

H°iihung, 8ie könne zu der (bei diesen Exerzitien und Die Themenfolge der ignatianischen Exerzitien wird an

?.Päter immer neu aufgegebenen) „Einübung priester- einer Stelle durch eine große Einschaltung über das

\cher Existenz" hilfreich sein. Eine solche Einübung Priestertum unterbrochen (Kap.9 bis 15). Hier bekommen

aW darf nach Rahners Meinung nach wie vor am Mate- wir es mit dem thematischen Spezifikum dieses Buches zu

r,lal der Tradition geschehen. „Die Zukunft kann nur tun, das es (von anderem jetzt abgesehen) von seinem oben

dann ihre Verheißung einlösen, wenn sie um ihre Herkunft erwähnten Seitenstück unterscheidet. Der erste Ab-

(7). So ist ein Buch entstanden, in dem zeitgenös- schnitt des 9.Kapitels heißt Mitt erer 1 unktionar eines

?'fher Glaube sich in der Meditation überlieferter Texte, totalen, religiösen Systems der letzte des lo Kapitels

Themen und Aufgaben ausspricht; in dem strenge funda- „Angst vor der unbekannten Zukunft . Dazwischen brei-

«lental- und existential-theologische Reflexion sich als tet sich eine solche Fülle von seelsorgerhch gemünzten

f^torale Zuwendung zum theologisch gebildeten und Reflexionen über theologische, rechtliche und gesell-

^chlich exponierten Gegenwartschristen (zum Priester schaftliche Aspekte des Priesterseins aus daß es sich ver-

also!) darstellt bietet, hier im einzelnen darauf einzugehen. Statt dessen

Der Rezensent gesteht, daß er einen tiefen Eindruck nachfolgend nur die Liste der Abschnitte des H.Kapi-

v°a den Möglichkeiten dieser Gattung theologischer Rede tels, das „Der Priester von heute überschrieben ist und

e!*Pfangen Lt. Zugleich ist er sich dessen Bewußt, daß eine Art Pfarrspiegel bietet: Individualaposkl im Massen-

fmer entsprechenden Anleihe beim katholischen Partner, Zeitalter; Mystagoge einer personalen Fromnugkeit;

* «ster Linie nicht die Differenz der theologischen Lehre, Humaner Mensch; Brüderlicher Gefahrte mit der Last des

80adern des christlichen Lebens im Wegi steht. Aber Glaubens; Glaubwürdigkeit durch Redlichkeit; Ein

f.rade in dieser Hinsicht könnte Rahners Buch für uns Liebender; Einer der nach der neuen Sprache sucht;

^ehtig werden. IWe berufssoziologischen Erkenntnisse Einer, der die anderen Geister in der Kirche gelten lassen

S? Pfarramt und Pfarrer Überwielen ja die pastoral- kann; Mensch des Wesentlichen im Religiösen; Ein rek-

e>schen bzw. pastoraltheologischen (im engeren Sinne) giös diskreter Mensch; Mensch ökumenischer Gesinnung;

Jei weitem. Dennoch finden die aus ganz verschiedenen Mensch eines echten Nonkonformisinus; Mensch des freien

*V*agelischen Lagern kommenden Plädoyers für „Exer- Wortes in der Kirche; Ein froher Mensch; Erzieher zur

T^Piritualia in der evangelischen Kirche" (E. Kertzsch, Freiheit ____

JHZ, 86, 1961, 81-94) und die Erneuerung der Teil- Barth hat Aufzahlungen dieser Art einst ad absurdum

^'"Pün „Aflketik" (R.Bohren) nur wenig Resonanz. geführt (Der Dienst am Wort Gottes, ThEx 13,1934, 4L).
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