Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

98.1973

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Theologische Literaturzeitung 98. Jahrgang 1973 Nr. 1

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Nachdenken und Weiterarbeiten an offenen Problemen an
Das würde guter Lohn für des Vf.s Mühen sein, nicht zu-
letzt auch Antrieb für den Verlag zur Neuauflage sowie
zu weiteren Bänden in der mit dieser Grammatik neu-
eröffneten Reihe ,.Studia Saniaritana".

Jena Jutta Kömer

VHiybray, R.N.: The Heavenlv Counsellor iu Isaiah XL 13-14.

A Study of the Sourcos of the Theology of Deutero-lsaiah.
London: Cambridge University Press 1971. VIII, 91 S. 8°
= Society for Old Testament Study, Monograph Series, ed.
by J.A.Emcrton, 1. Lw. L 2.20.

Dr.Whybray will in dieser kleinen Arbeit den Ur-
sprung der Vorstellung vom Ratgeber Gottes in Jes
40,13-14 bestimmen und dadurch einen Aspekt der
deuterojesajanischen Theologie erhellen. Kurz gesagt fin-
det er im Ablehnen des Gedankens, daß Gott einen Rat-
geber gehabt hätte, eine Polemik gegen die im Enuma
Kliseh bezeugte babylonische Vorstellung, daß Ea den
Schöpfergott Marduk beraten habe. Dieser Schluß wird
durch eine gründliche Untersuchung aller relevanten
Fragen formkritischer, sprachlicher und religionsgo-
schichtlicher Art vorbereitet. Im Gang der Untersuchung
werden Themen wie der Ratgeber des israelitischen Kö-
nigs, die Götterversammlung in Kanaan und der himm-
lische Hofstaat Jahwes eingehend behandelt. Die Ab-
handlung stellt somit etwas wie ein Musterbeispiel ex-
egetischer Arbeitsmethode dar. Vielleicht könnte man sich
die kritische Frage erlauben, ob nicht die Hervorhebung
davon, daß Gott keinen Berater gehabt hat, auch ohne
eine bestimmte polemische Ausrichtung möglich wäre
und um dazu diente, die Selbstgenügsamkeit Gottes
durch eine zu verneinende Frage auszudrücken. Das Pro-
blem würde dann vor allem ein stilistisches sein. Das ist
aber eine rein theoretische Einwendung. So wie Dr. Why-
^rays Beweisführung vorliegt, iBt alles so besonnen und
vorsichtig dargestellt, daß sie im großen und ganzen
überzeugen muß. Jedenfalls hat er auf eine Möglichkeit
zur Deutung hingewiesen, die außerdem die Art des
deuterojesajanischen Monotheismus in wertvoller Weise
beleuchtet.

''l'l'nuU Helmer Rlnggrei)

H««nwer.huiuib, Erling, Prof.: The Book of Amol. A Commen-
?fy- Transl. bv J.Sturdy. Oxford: Blackwell 1970. 148S.
8 • Lw. 45 ».

Der Arnoskommentar von Prof. Hammershaimb hat in
^iner dänischen Originalversion seit 1946 Generationen
v°n skandinavischen Theologiestudenten als Einführung
u . e exegetische Arbeit am Alten Testament gedient.

8 ist zu begrüßen, daß nun auch eine englische Über-
setzung vorliegt, die das Buch in noch weiteren Kreisen
ekannt machen wird. Da das Buch für Anfänger des
xegetikstudiums geschrieben ist, legt der Verfasser das
Hauptgewicht auf die Einführung in die Methoden der
exegetischen Arbeit. Textkritische und sprachliche Frä-
sen werden ausführlich erörtert; dabei ist die textkritische
Einstellung vorsichtig konservativ und von Vertrauen
maasoretischen Text geprägt. Historische und
^chäologisch-kulturgeschichtliche Notizen werden reich-
engeboten. Vielleicht spürt man das Alter des Buches
fiarin> daß den formgeschichtlichen Fragen nicht ebenso
oFoße Aufmerksamkeit gewidmet wird. Theologische
ragestellungen treten etwas zurück. Kurzum, ein höchst
Ptopfehlenswertes Buch.

UPP»»la Helmer HWM

Vetter, Dieter: Jahwes Mit-Sein ein Ausdruck des Segens. Stutt-
gart: Calwer Verlag [1971]. IV, 45 S. 8° = Arbeiten nur
Theologie, hrsg. mit A.Jepsen u. O.Michel von Th. Schlat-
ter t, 1. Reihe, Heft 45. Kart. DM 4,80.

D.Vetter, der 1963 seine Heidelberger Dissertation über
den alttestamentlichen Scherspruch vorlegte (vgl. ThLZ
1963, Sp.953f.), hat nun in einer in Maschinenschrift ge-
druckten, seinem Lehrer Prof. Westermann zugeeigneten
Abhandlung die formelhaften Aussagen im AT über das
Mit-Sein Jahwes neu untersucht. Seine Darstellung ist in
einem etwas kurzgefaßten und zum Teil thesenhafteu
Stil gehalten. Das Buch ist auch ohne Inhaltsverzeichnis
und Register jeder Art und fast ohne Überschriften.
Diese Kürze oder Sparsamkeit ist aber nicht am Platze,
sondern nur beklagenswert, am meisten für das Buch selbst
im Blick auf seine Auswirkung auf die weitere einschlä-
gige Forschung.

Das Thema ist früher wenig, in den zwei letzten Jahr-
zehnten aber mehrfach beachtet worden. In einem ein-
führenden Abschnitt (S.l-3) sowie in dem relativ aus-
führlichen Anmerkungsteil (S. 31-45) bezieht sich der Vf.
auf diese neueren Arbeiten, wobei man allerdings Bezug-
nahme auf andere Arbeiten vermißt, die hier wichtig sind,
so vor allem „Der Hirte Israels" von V.Maag (Schw. Th.
Umschau 1958, S. 2-28; vgl. noch Supplements to VT, VII,
1960, S. 129-53). Seine kritische Auseinandersetzung gilt
besonders den älteren unter den neueren Arbeiten (und
zwar von W. C.van Unnik, W. Grundmann, L.Ruppert
und K.W.Neubauer), während er mit der zuletzt erschie-
nenen und ausführlichen Untersuchung von H.D.Preuss
(ZAW 80,1968, S. 139-73) im großen und ganzen überein-
stimmt (vgl. neuerdings den umfassenden Artikel von
Preuss zu 'et/'im in der 4. Lief, von ThWAT I, Sp.485 bis
500). Gegenüber Preuss, dem er mit Recht eine allzu
große Abhängigkeit von Beiner besonderen These „Jahwe-
glaube ist Zukunftserwartung", wonach Gott einseitig
der Kommende ist, vorwirft, will nun Vetter die For-
schung hier durch einen neuen Hauptgesichtspunkt wei-
terführen, und zwar - wie ihn der Titel seines Buches ganz
korrekt angibt - durch die konsequente Erfassung des
Gebrauchs der Formel als Ausdruck des göttlichen Segen«.
Dabei hat Vetter die beachtenswerten Ausführungen von
C. Westermann im ersten Teil seines Buches „Der Segen
in der Bibel und im Handeln der Kirche" (München 1968,
S.9-22) positiv aufgegriffen und zur Grundlage seiner Er-
örterungen gemacht. Danach ist es wichtig, in der alt-
testamentlichen Heilsgeschichte zwei grundverschiedene
Handlungsweisen Gottes zu unterscheiden; denn zu ihr ge-
hört nicht nur das in Ereignissen erfahrbarc Rettungs-
handeln Gottes, wie es öfter dargestellt wird, sondern auch
noch das stetige, segnende Tun Gottes als des gegenwärti-
gen Gottes. Wenn Vetter aber die folgende alternative
Fragestellung zum Ausgangspunkt seiner Untersuchung
macht: „Gehört die Aussage vom Mit-Sein Jahwes zum
Reden vom rettenden Gott, dessen Kommen dem Adres-
saten angekündigt wird und von ihm Glauben fordert,
oder ist sie ein Bestandteil des Redens vom gegenwärtigen
Gott, dessen Wirken den Menschen physisch am Leben
erhält und von ihm in jeglicher Form des Gedeihens und
Gelingens bloß empfangen werden kann?", dann wird
man fragen müssen, ob dies nicht eine allzu enge Alter-
native ist, mit der man dem Befund schwerlich gerecht
werden kann.

Der eigentliche Korpus seiner Untersuchung (S.4-30)
ist dreiteilig. Nach einer Aufstellung der Statistik der in
Frage kommenden Stellen samt Bemerkungen zur gram-
matischen Struktur der Formel, deren Hauptbestandteil
das Präpositionspaar 'im/'et - stets im Rahmen eines
Nominalsatzes - darstellt (S.4-5), folgt der Hauptteil des
Buches (S.6-28), der die Analyse des Gebrauchs der For-
mel in der Form eine« exegetischen Durchgangs der Ein-
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