Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

97.1972

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Theologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 7

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pP' 494~499, von Th. v. Bogyay) behandelt wurde. Die dung gibt es mehrere Wahlmöglichkeiten; erst in der Wahl

arbensymbolik (Sp. 7-14) von Red. (mit frdl. wird die Entscheidung getroffen. Sonst wäre die Schöpfung,

1 v- H. Schnell) hat eine erfreuliche ausführliche Dar- die geschaffene Welt, nichtig, sinnlos. Wenn nicht Schöpfer

e lung gefunden. Der gleichnamige Artikel von K. Wessel geschaffen sind, gibt es keine Schöpfung ("Unless Creators

,m RB^ 2, Sp. 524 f. ist wohl nicht mehr bekannt gewor- are created, nothing is created").

en- Nachzutragen wäre noch R. Gradwohl, Die Farben im Da die Zeit auch für Gott wirklich ist, kennt er das

en Testament, (West-)Berlin 1963. Neben Kanonbild Zukünftige nicht, ehe es verwirklicht wird. Seine Erkennt-

P- 492-495) von G. Jäszai habe ich keinen Hinweis auf nisse erweitern sich also immer, obwohl sein Wissen zu

anontafeln gefunden. Bei den Symboltieren hätte ein jeder Zeit alles umfaßt, was ist. Die Entscheidungen der

^erweiswort Frosch auf Kröte, Frosch (Sp. 676-677) Geschöpfe wirken somit auf ihn ein. Er kann noch dazu

n E. Gerlach dem Benutzer das Suchen erleichtert. Auch mit seinen Geschöpfen leiden. Ein in erhabener selbstge-

ler konnte Ristows Froschartikel im RBK 2, 593 nicht nügsamer Majestät ruhender, unbeeinflufjbarer Gott wäre

^ehr vermerkt werden. Über den Hasen (Sp. 221-225) ein Götze oder ein totes Absolutum. Die Welt ist nicht

on w Kemp hat sich v. Gynz-Rekowski, Der Marien- ohne Gott, Gott aber auch nicht ohne Welt. Das ist aber

PPich im Dommuseum zu Halberstadt. Seine Herkunft kein Pantheismus. Gott ist ein persönlicher Gott, der will

a Deutung (theol. Diss., Halle 1966) verbreitet. Schließ- und wirkt und erkennt. Eher könnte man von Parentheis-

soll noch der Artikel Gleichnisse Jesu mus reden. Zwar hat Gott ein unverändertes, über alles

P- 156-162) von Red. (mit frdl. Mitt. von J. Hasenfuß) erhabenes Wesen, er bereichert sich aber in immer fort-

^■wähnt werden (weil sich hierüber nur selten etwas Zu- schreitender Erfahrung.

mmenfassendes findet), mit seiner übersichtlichen Syste- Woher weifj nun Vf. dies alles? Woher weift er über-

■ftatik und einem entsprechenden Denkmälerbestand. Der haupt, dafj Gott existiert (er verwendet gegen Tillich und

A ('i Sektor wurde in dem in der Literatur genannten Kierkegaard direkt diesen Ausdruck)? Ein strikter Beweis

r ikel von Wessel im RBK erfaßt. Es sei schließlich noch läßt sich nicht liefern. Beweise im strengen Sinne gibt

merkt, daß bei Kynokephalen auf Völker, es nur innerhalb der empirisch konsratierbaren Welt. Und

0 k e r s c h a f t e n verwiesen wird. Mit dieser Aus- doch heißt ein Kapitel dieses Buches „Sechs theistische Be-

ahl muß der Ejnt,]jck in den 2. Band des LChl abge- weise". Das sind natürlich vor allem die drei von Kant

O ?SSen se'n- um den Umfang der Themenkreise, die kritisierten Beweise und Kants eigener moralischer Beweis,

aütät der Artikel und die lexikographische Technik Wir notieren, daß Vf. hinsichtlich des teleologischen Be-

ederum deutlich werden zu lassen. weises gegen Kant und Hume behauptet, daß dieser Beweis

Halle/Saale Konrad Onnscli nicht damit steht und fällt, daß die gegebene Ordnung der

—--- Welt die bestmögliche sei, vgl. Leibniz. Eine Welt ohne

Braunfßic iTr ir ~- , Ordnung wäre eine Sinnlosigkeit. Jede mögliche Welt setzt

fPieS' von0'Srs ^pätw^Stl, Ä.9 ,£ ^ ^ ^ ~ ^

S. 73-87) Ereignisse sind durchaus möglich. Sie vermögen aber nicht

Helle Hwtt _„ .___. . , „. , die gegebene und immer sich erneuernde Welt zu zerstören.

~* " Horst Jürgen: Das Fest als Exodus (Kunst und Kirche _. — . , , _ ., ......

24, 1971 S 69-72) Diese Tatsache wäre ohne einen Gott ein unergründliches

Vo|p. Rainer: Plädoyer fürs Fest (Kunst und Kirche 24, Mysterium

1971 S. 57-61) m wichtigsten ist Vf. aber der sogenannte ontologischc

Beweis. Neuerdings hat er ein Buch mit dem Titel "An-
selms' Discovery" veröffentlicht. Bei H. geht es aber nicht
wie bei Anselm um ein "credo ut intelligam". So kommt

PHILOSOPHIE er aucn n'cnt zu dem christlichen Gottesbegriff, sondern

verbleibt bei den abstraktesten Räsonnements. Es müsse

RELIGIONSPHILOSOPHIE ein Allerhöchstes geben, was aber nur als ein Abstractum

r, erkennbar ist, ein ens necessarium, was aber nicht Unbe-

shorne, Charles: Creative Synthesis and Philosophie einflußbarkeit und Zeitlosigkeit involviert. Die Idee als

Method. London: SCM Press [1970]. XXI, 337 S. 8° solche ist zeitlos, über das konkrete Wesen kann man

^ne Library of Philosophy and Theology, ed. by J. Mein- aber nichts sagen. Von Anselm sind wir hiermit weit ent-

tyre and I. T. Ramsey. Lw. 80 s. fernt. Gottes Existenz ist notwendig, nicht aber seine volle

Verfasser, geboren 1892, ehemaliger Professor in Emery, Realität oder Aktualität, eine Unterscheidung, die dem

Chicago und Texas, jetzt im Ruhestand, steht in der Tra- klassischen Theismus unmöglich war, wogegen der neo-

a'tion von Pcirce, W. James, Whiteheart, Bergson usw. klassische Theismus, den Vf. vertritt, ihn annehmen kann

Und 9ilt als der heutige Hauptvertreter der sogenannten ur>d mufj.

Process philosophy". Der Zeitverlauf ist wirklich, die Fragt man nun, warum man nicht bei dem rein abstrak-

ei9entliche Wirklichkeit, wie vor allem Peirce und Bergson, ten Begriff des ens necessarium bleibt, ist die Antwort,

^abhängig voneinander und gegen Kant, sahen. Die daß hier sicher ein unvermeidlicher Rest des Glaubens oder

, zten Einheiten sind nicht statische Gegebenheiten, son- Unglaubens bleibt. Doch meint er, dal} die anderen „Gottes-

ern Geschehnisse ("events"), wie es auch die heutige beweise" jeder in seiner Weise den Gottesbegriff mit kon-

tomphysik lehrt. Und so ist auch Gott keine in sich selbst kretem Inhalt erfüllen. Bemerkenswert ist die Tatsache,

.Uflende, ewig unveränderliche Vollkommenheit. Er lebt dafj mehrmals darauf hingewiesen wird, daß dieser oder

!" und mit der schöpferischen Entwicklung der Welt. Sein jener Gottesbegriff Anbetung oder Gottesdienst ("worship")

esen ist schöpferisches und Ordnung schaffendes Wirken unmöglich machen würde, was doch wohl kein philoso-

[ creativity and order"). Auch seine Geschöpfe sind aber phisches Argument sein kann.

'hrer begrenzten Weise schöpferisch ("creators"). Und Übrigens steht das Buch kirchlichem Christentum fern.

a die Zeit auch für Gott wirklich ist und nicht ein Abglanz Die biblische Heilsgeschichte spielt keine Rolle. Und

^Iner zeitlosen Ewigkeit, bedeutet dies, daß Gott zwar die überraschend wirkt es, dafj Vf. jeden Glauben an eine

9e9ebene Welt vollkommen erkennt, nicht aber die künfti- persönliche Unsterblichkeit ablehnt. Nicht nur gibt es kei-

?en Geschehnisse. Die sind ja nicht eindeutig aus dem nen Beweis für einen solchen Glauben, es gibt noch dazu

eweihg existierenden Weltzustand ableitbar. Zwar sind sie Argumente a priori entgegen. Unsterblichkeit gehört Gott,

e«r oder weniger stark von diesem Zustand abhängig, nicht den Geschöpfen. Auch gegen Kant wendet sich Vf.

Icnt aber im deterministischen Sinne. Vor jeder Entschei- hier.
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