Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

97.1972

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ausgesagt genau dann und dort glauben können, wo
wir ohne diesen Glauben einer Gottferne oder Gottver-
lassenheit ausgeliefert wären, wenn das überhaupt noch
möglich wäre, nachdem die Sünde durch Christi Tod irreal
geworden ist und bei uns nur noch als Schwachheit des
Fleisches erscheint (Rom 6,18).

5. So bliebe noch übrig, den Heiligen Geist mit
dem Ereignis des Glaubens zu identifizieren, nachdem
der Gekreuzigte durch den Geist des Glaubens in Person
mit Gottes Wort identifiziert worden ist. Dieses Ereignis
des Glaubens vollzieht sich als das Gehör, das sich Christus
durch die Predigt verschafft (Rom 10, 8-17). Die Predigt
sagt, daß Christus des Gesetzes Ende war (Rom 10, 4). Der
Heilige Geist präzisiert nun das Geschehen von Wort
und Glauben in uns als die Notwendigkeit des
Seins Gottes in dessen Werden (Jüngel), Paulus sagt
mit einem neuen Wort: durch das Gesetz des Geistes
(Rom 8,2). Diese göttliche Notwendigkeit erklärt sich als
jener Friede, den das Evangelium gewährt (Rom 5,1).
Dieser Friede ist die Zukunft der Liebe, mit der Gott sein
Sein in uns a 1 s Werden beweist; das vinculum pacis in
Gott selbst; jene Versöhnung, mit welcher Gott sein Sein
als die zwischen Vater und Sohn waltende Liebe geoffen-
bart hat - sie hat den Menschen durch Wort und Glauben
in sich aufgenommen. Wir sind nicht nur angenommen,
sondern aufgenommen, nicht nur akzeptiert, sondern rezi-
piert.

Nur deshalb verkündigt auch das Neue Testament fast
barock die Auferstehung der Toten. Wir alle wurden im
Neuen Testament aufgeschrieben, weil Gott selbst unsere
Zukunft geworden ist. So hat sich Gott in Christus ausge-
sagt und damit der Predigt das Thema, dem Glauben den
Inhalt, der Existenz die Struktur gegeben, die Luther
„wortförmig" nennt, weil nun Gottes Wort, nicht die
Seele, den Menschen zum Menschen macht, der Gott die
Ehre gibt.

Thesen

Thema: Das Wort Gottes ist Thema des Neuen
Testaments.

I. Das Wort Gottes als Thema des Neuen
Testaments

A. Jesus als Wort Gottes (Apk Joh 19,13)

1. Doxographie erscheint in der Apk Joh als Doxologie.

2. Das Wort Gottes ist im NT primär Evangelium, nicht
Gesetz.

3. Das Evangelium bezeugt die göttliche Wirklichkeit des
Wortes der Liebe als Wahrheit des Glaubens.

4. Gottes Sein ist Gottes Entscheidung für die Liebe.

5. Wer an Christus glaubt, lebt vom Geist Christi, d. h. im
Gegensatz zu sich selbst.

ALTES TESTAMENT

Boecker, Hans Jochen: Die Beurteilung der Anfänge des
Königtums in den deuteronomistischen Abschnitten des
1. Samuelbuches. Ein Beitrag zum Problem des „Deutero-
nomistischen Geschichtswerks". Neukirchen-Vluyn: Neu-
kirchener Verlag d. Erziehungsvereins 1969. VIII, 100 S.
gr. 8° = Wissenschaft. Monographien zum Alten und
Neuen Testament, hrsg. v. G. Bornkamm u. G. v. Rad,
31. DM 17,80; Lw. DM 19,80.

H. J. Boecker bietet in seiner ursprünglich als Habilita-
tionsschrift vorgesehenen Studie hauptsächlich eine Ana-

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6. Der Glaubende bleibt predigtbezogen.

7. Der Apostel verkündigt, weil er Jesu Tod als Gottes
Dasein im Leben schenkenden Glauben an Jesus ver-
stehen kann.

B. Jesu Verkündigung

1. Sagt der Evangelist Johannes wie seine Schüler, was
Liebe ist, sagt Paulus, was Liebe war, so sagt Jesus,
was Liebe sagt.

2. Weil sich Jesus als Sohn in Vollmacht versteht, kann
er alle streitenden Brüder eines Besseren belehren.

3. Jesu Verkündigung hat dialogische Struktur.

C. Das Gebot als Wort Gottes

I. Auch Jesus wollte sagen: Alles, was nicht aus Glauben
(getan wird), ist Sünde.

Summa: Die Quintessenz der neutestamentlichen Christo-
logie des Wortes Gottes heißt Liebe.

II. Das Wort Gottes als Thema unsrer
Existenz

A. Die Struktur der Existenz

1. Wir sollen uns in Zukunft als Kinder Gottes der herr-
lichen Freiheit des Sohnes Gottes erfreuen.

2. So können wir die neue Kraft des Glaubens gegen die
alte Schwachheit des Fleisches mobil machen.

3. Der Christ existiert den Geist Christi als u n s r e Zu-
kunft.

4. Das christliche Selbstverständnis entsteht an dem Vor-
behalt, mit dem Gott durch das Gesetz anzeigt, daß er
das menschliche Ich als ein zum Glauben bestimmtes
Ich geschaffen hat.

C. Aus Glauben zum Glauben

1. Menschliches Leben wird nicht gelebt, sondern erwogen.

2. Existenz soll wahr sein.

3. In Wahrheit existiert der Mensch einfach seine Zeit.

B. Das mögliche Selbstverständnis

(Christi meritum)

1. Dabei kann es freilich nur bleiben, wenn der Mensch
durch den Glauben, d a 5 Gott ist, an dem Werden
teilnimmt, in welchem Gott als er selbst in unsrer
Existenz hervortritt.

2. Das ist das Wirken des Heiligen Geistes in der Gemeinde.

3. Nicht der Geist, sondern er selbst, Gottes Person im
Wort, sollte in uns auferstehen, um mit uns, den in
ihm schon Toten, geistlich, d. h. göttlich zu leben.

Summa: Die Quintessenz der Liebe ist das „Wort"
(Joh 1,1).

lyse von 1 Sam 8; 10,17-27 und 12. Er folgt dabei weit-
gehend M. Noth in der Beurteilung dieser Abschnitte als
deuteronomistisch. Das Problem, um das es dem Vf. geht,
ist im Titel seines Buches formuliert. Er wendet sich mit
guten Gründen gegen die gelegentlich noch vertretene
Auffassung, dafj die deuteronomistischen Partien im
1. Samuelbuch grundsätzlich königsfeindlich seien oder sein
müßten. B. erkennt demgegenüber eine positive Einstellung
zum Königtum, die jedoch verbunden ist mit einer zwei-
fachen Kritik. Die erste, im Vordergrund stehende Kritik
hat ihre Wurzel in der Überzeugung der die ,Theorie vom
Heiligen Krieg' besonders pflegenden deuteronomistischen
Geschichtsschreiber, dafi allein Jahwe der Anführer im

Theologische Literaturzeitung 97. Jahrgang 1972 Nr. 1
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