Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

96.1971

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793 Theologische Literaturzeitung 96. Jahrgang 1971 Nr. 10 794

REFERATE ÜBER THEOLOGISCHE DISSERTATIONEN IN MASCHINENSCHRIFT

Sandberger, J. F. : David Friedrich Strauß als theologischer gell Philosophie durch F. Chr. Baur zum historischen Kriti-

Hegelianer. 1. Hand: Seine philosophisch-theologische Knt- ker geworden war.

wicklung 1830-1837. XLII, 279 S., 2. Band: Briefe von Das Verhältnis von Strauß zu Hegel war von Anfang an

David Friedrich Strauß 1830-1837. 130 S. Diss. Tübingen ambivalent. Einerseits empfing er zwischen 1830 und 1837

1970. vom Hegels Philosophie die entscheidenden Impulse für sein

. , , . tt i eigenes Denken und bestätigte sich geradezu all Apostel und

Uer l. bland dieser Arbeit rnthalt eine Untersuchung der a„,i__,i \ < \ i ,■ t i •. i , i t

... .. . . . , _ . . °. Apologet der Spekulation. Andererseits hatte er von Anfang

philnsophisrh-lhen ogischen Entwicklung von David rried- f r i , r i • i> • r i n
•lco- i ■ ■ r. • i • . • . !1" ~ freilich nur vertraulich in Briefen ausgesprochene — Be-
rich Strauu in derjenigen Periode, in der er eine Synthese i i tj i \r u -i. • u ri ■
,, , } denken gegen Hegels Verhall Tusbestimiiiung von Idee und
«Wischen der Philosoph..' Hegels und ,1er I heolog.e herzuslel- Geschichte und seine Versöhnung von Glauben und Wissen,
len suchte. Das Gliedcrungsprinzip der Darstellung ist die Indem er es fa Uhm j,,sll Hegel und dje
chronologische folge sämtlicher Arbeiten von Strauß ... den s((mle ,., ,,,.,,„,,. pl.jll7.ipi,.u „lehnte, die historische Beali-
Jahren 1830 bis 1837, die zum ersten Mal so weit als möglich ^ Geschichu, aus ilm.r spekulativ begriffenen Wahrheit

Vollständig ausgewertet werden. Der Leitfaden ist die Unter- i i i n i v. nn Li u

. 6 " . »«"-" zu deduzieren, war er aus der llegelschen Philosophie schon

Scheidung von Vorstellung und Begriff, die für StrautS der „ ir n i /c 4ai\ i~ tri i r i t

... " ,. . i •■ , . » ..mit einem rul.1 herausgetreten (S. 187). Im Hinblick auf

wichtigste Gedanke der Hehgionspliilosophie Hegels, ia sei- \ i i i- , i i v . u i

" 1 1 b ' > seine Verwendung der l nlerscheidtiiig von Vorslellung und

"er Philosophie überhaupt war. Von l'al zu Kall sind in den □ •«» i . i -i i ■ i- i i i l •

., 1 " f . , Begnff itand er von Anbeginn an näher bei Feuerbach all bei

Gang der Darstellung Exkurse eingeschoben, ,„ denen Strauß- ,,,.„ Rechtthegelianern. So war leine ... der Glaubenslehre

sehe Begriffe und Gedankengang« mit solchen Hegels und an- (lg40 f . vollzo Wende zu Feuerbach in seiner Kntwick-

derer theologischer 1 legelianer verglichen werden. . ... . . ■ ■ ..

t\ rV. ■■ ,r> n .. . i\, hing angelegt und hatte er in einem weiteren als dem von ihm

Der erste I eil (S. 9—31) gibt eine Übersicht über die wich- i. .___c- i. • i • i c« l -t

.. .. v b ."...'■„. selbst gemeinten Sinn recht, wenn er sich in den Strcitschrif-

ligste Literatur zum Ihema. Der zweite Teil (S. 32-130) . „ , , , • , , ' „ i • , ,

, „ ,. „ . . . , , , - „ . ten selbst als ,, Linkshcgehaner bezeichnete,

stellt die Mezeplion der Philosophie Hegels durch Strauß in ., ,, . .. ...f n , c. n i i i

A il tonn i • jo.w i ir < • . • i -.r '"'r «■ Band enthalt Briefe von Strauu aus den .Jahren

«en Jahren 1830 bis ISdl dar. iNach den beiden ersten Ver- iqoo 1 • <uoi ru ■ \m~ i v /ta\ v i^ ■■ ir

■ tt .■• , -ii j«™ i >• lodO bis 1837 an (.hristian Markhn (18), K. Gruneisen, K.

"Uenl Iii-Innigen im Jahr 1830 werden die im l. Hand dieser m i \i c i \x /• /■ \\ i c. „ «• ,

a , . , . , , _ . , , Uaub, M. Kraas und M. (.arriere (je 1) aus dem Strauü-Aach-

-Arlieit erstmals vollständig wicdergcgebcncii liriele an Mark- , ,, ■ c . ■,, v , . . »i , , Ar .■ , ,

i; uannf i i- 11 i ■ • , r lab im Sc Ii 111 er-, > a I lona I muscii m in Marbach a. i\ ., die bisher

un I 1^.111 l.i analysiert, die am klarsten darüber Aiiskunlt ge- ..„, ... •■ , • ... . , , ,

i ', ,J„ ' . . ... . ,, zum größten I eil noch nicht veröffentlicht sind. Im An-
nen, was und wie Slraul.i in diesen Ihr seine l'.nlwicklung ent- 11 u i • i i i> . ■■ i i i . ■ . t_

. .ii-i , i sehhiLi daran wird aus den Hestanden des Landeskirchlicheu

•cheidenden Jahren wirklich gedacht hat. Auf das enthu- Archivi in Stuttgart ein Abschnitt aus einer schriftlichen Ar-

•lastische Bekenntnis zur Philosophie Hegels in der Doktor- beit v)(n Strnufl zuf , thcologigchen uienstprüfung (1830)

Mbeit (1831) ..Igt... der Rezension der Encyklopadie von K. jiber gchleiermacher ....,1 Marheineke wiedergegeben.

nOsenkranz (1832) der Entwurf einei hegelianischen Systems

der Theologie. In den Tübinger Vorlesungen (1832f.), aus de- _

»en ein wichtiger Abschnitt verwendet werden konnte, trug

Strauß zum ersten Mal sein Programm einer Synthese von Schlieben, Reinhard: Cassiodors Psalmenexegese. Eine Ana-

»pekulatlver PWbsOphie u.,,1 historischer Kritik vor Zwei , ^ M(;thod(.n Beitrag zur Untersuchung der Ge-

Mo^'T1"'" "' dc" Ja,,rbi',,-,",rn f"r ^.ssenschafthehe Kritik ^ Bibdatulegung der Kirchenväter und der Ver-

183,H.) geben weitere Einbhcke in Straufl Verhältnis zu bindUng christlicher Theologie mit antiker Schulwisien-

,f • , . , . schaft. Diss. Tübingen 1970. XXX, 251 S.
Der dritte Teil (S. 131-238) stellt die Ausführung des Pro-
gramms einer Synthese von spekulativer Philosophie und l.i- Cassiodori Pgalmenkornmentar hat bei den Pal risl ikern

■torischer Kritik bis 1837 dar. Wieder sind es einige kaum be- kaum Beachtung gefunden, obwohl seine exegetischen Me- -

achtete R ezensionen (183'if.), die Absicht und Tendenz dieses thoden hervorragend geeignet sind, den Stand der Bibelexe-

' nternehmens erhellen. Der Abschnitt über das Leben Jesu gese und überhaupt die theologie- und geistesgeschichtlichc

(1. Aufl. 1835f.) konzentriert sich auf die für die Thematik Situation am Ausgang der Spätantike zu erhellen. Cassiodor

dieser Untersuchung wichtigsten Abschnitte, die Einleitung ist nämlich nicht der erste Vertreter einer spezifisch mittel-

"nd die Schlußabhandlung. Die Streitschriften (1837), der alterliehen Mönchsgelehrsamkeit (so H. V. Schubert), sondern

authentische Kommentar zum Leben Jesu, explizieren der letzte große Vertreter der Bildung der Antike; seine Er-

(Chliefilicb eine Reihe von Problemen, die im Hauptwerk nur bei. sind nicht die frühmittelalterlichen Klosterschulen, son-

ingedeutel sind. dem die Scholastiker,

Im Schlußteil (S. 239-27») wird die Straußscbe Position Der Psk. C.s gibt sich als Kurzfassung von Augultini Psnl-
1,1 die Diskussion der theologischen Hegelschule über das Ver- menerklärung, ist aber selbst ein riesiges Werk und, sowohl
'""Unis von spekulativer Philosophie und historischer Kritik was die methodologische Beflexion und das formal einheit-
tingeordnet. Die theologischen Schüler Hegels hatten zu- liehe Vorgehen als auch was den enzyklopädisch-wissen-
"üchst aus spekulativen Gründen die historische Kritik über- schnftlichen Apparat der exegetischen Hilfsmittel anbelangt,
"aupt abgelehnt (I. Bust und K. Fr. Göschcl) und ihr erst eine völlig neuartige Leistung. Die Schlüsselfragc für das Ver-
räter die Funktionen eines untergeordneten Hilfsmittels zu- ständnis des Kommentars richtet sich auf das Beieinander
gewiesen (K. Ph. Marheineke und K. Bosenkranz). Die Ex- von weltlicher und geistlicher Bildung im Kommentar und
•'geten der I legelschule konnten ihre anspruchsvollen speku- seinen Charakter als einer .institutio' beider,
lativ-herineneutischen Entwürfe in der Exegese nicht kon- In Kap. I wird C.s Verständnis von den Psalmsprechern
**etisieren (G. Billroth und L. Usteri). Und auch W. Vatkes analysiert. C. schickt der Erklärung jedes Psalms eine ,divisio
^FOgramm einer Synthese von historischer und spekulativer psalmi', eine Analyse mit prosopographischen, inhaltlichen
Kritik blieb Postulat. Von ihm bekam Strauß wichtige An- und literarischen Bemerkungen voraus. Darin befolgt und er-
stöße für seinen eigenen Versuch einer Synthese von Speku- weitert er ein Verfahren antiker Editoren, das ansatzweisc
'at'on und historischer Kritik. Im Unterschied zu allen ge- auch die antiocheniscl.cn Exegeten in ihren .Ilypotheseis' an-
nnnnt,.„ Hegelianern hat er sich Hegels Einwände gegen die wendeten. C.s .divisioncs' und seine weitere Exegese zeigen,
"'storische Kritik nie angeeignet, sondern ihr eine der Spe- daß C, obwohl er prinzipiell der christologischen Psalmen-
ku'ationen gegenüber relativ selbständige Punktion zugewie- exegese Augustins folgen will, an einer genauen Differcnzie-
*cn. Der Grund dafür ist, daß er vor der Begegnung mit He- rung der Personen und ,modi', in denen Christus redet, in-
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