Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

93.1968

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kann doch ohne weiteres Situationen geben, in denen eine „pro-
phetische Rede" eine genauere schriftliche Vorbereitung erforder-
lich macht als etwa eine vom Verfasser dagegen abgesetze Lehr-
predigt oder Trostrede.

Stärke und Schwäche der Studie liegen offensichtlich in der
weithin abwechslungsreichen und nicht selten sprunghaften Art
der Darbietung. Viele einzelne Abschnitte und Sätze regen zum
Nachdenken an.

Rüdersdorf b. Berlin Friedrich Winter

Krüger, Hanfried [Hrsg.J: Appell an die Kirchen der Welt. Du

kumente der Weltkonferenz für Kirche und Gesellschaft, hrsg.
vom ökumenischen Rat der Kirchen. Deutsche Ausgabe besorgt
von H. Krüger. Stuttgart-Berlin: Kreuz-Verlag [1967]. 289 S. 8°.
Kart. DM 14,80.

..Erst allmählich kommt einer breiteren Öffentlichkeit zu Be-
wußtsein, wieviel Zündstoff die Weltkonferenz für .Kirche und
Gesellschaft' enthielt, die vom 12. bis 26. Juli 1966 in Genf statt-
fand.'' Mit diesem Satz im Vorwort wird der Dokumentarband
..Appen an die Kirchen der Welt" vorgestellt. Die weltweite Span-
nung zwischen reichen und armen Nationen, der Einsatz von Wirt-
schaft und Technik in diesem Zusammenhang, die christliche Stel-
"ing zur Revolution, die Rassendiskriminierung, der Vietnamkrieg,
Probleme des Bevölkerungszuwachses und der Familienplanung,
' Verlegungen über das Wesen des Staates und die Rolle des Natio-
nalismus, die Verantwortung für die Herstellung und Erhaltung
'nternationalen Friedens, sind einige der Schwerpunkte jener
14 Tage, innerhalb deren an die 400 Christen aus etwa 80 Nationen
und 165 Kirchen im neuen Dienstgebäude des ökumenischen Rates
der Kirchen zusammen waren. Einleitend gibt der Herausgeber
einen Uberblick, wie es zu dieser Konferenz „Kirche und Gesell-
schaft" kam. So knapp es nur irgendwie geht, werden der Konfe-
renzablauf und die Folge der Vorträge und Diskussionen sowie die
Arbeit in den Sektionen dargestellt. Der Auswahl aus den Vorträ-
gen steht voran das Referat des kurz danach aus dem Amte ge-
schiedenen Generalsekretärs W. A. Visser't Hooft. Nach seinen
eigenen Worten sollte diese Konferenz ihre Aufmerksamkeit auf
die Grundfragen des Lebens konzentrieren und von den langfristi-
gen Aufgaben her denken. Die Vorträge beschließt der Beitrag des
jetzigen Generalsekretärs des ÖRK, Eugene Carson Blake: „Wie
die Kirche zur Umformung der Gesellschaft beiträgt". Einer seiner
Gesichtspunkte: „Die Kirche muß mit denjenigen in der Gesell-
schaft zusammengehen, die ihren Kampf für Gerechtigkeit, Frei-
heit und Gleichheit nicht allein gewinnen können" (S. 105). Die
Themen der sieben ausgewählten Vorträge sind: „Religiöse Werte
■m Zeitalter der Technik"; „Die Dynamik der jungen Nationen im
Politischen und wirtschaftlichen Bereich"; „Politische und wirt-
schaftliche Probleme neuerwachter Völker"; „Der Kampf um eine
neue kulturelle Gesinnung"; „Kirche und Revolution"; „Die revo-
lutionäre Herausforderung an Kirche und Theologie"; „Friede im
Atomzeitalter".

Es folgen die Berichte der vier Sektionen und der drei Arbeits
gruppen.

Aus der Schlußbotschaft der Konferenz: ...„Im Geist dieser
Konferenz muß unser letztes Wort an die Kirchen ein Ruf zur
Buße und zur Erkenntnis des göttlichen Gerichts über uns sein,
aber auch ein dringender Appell zu wirksamerem und entschiede-
nerem Handeln als Ausdruck unseres Zeugnisses vom Evangelium
in der Welt, in der wir leben ..." (S. 269). Das Programm der ge-
samten Tage und eine Teilnehmerliste beschließen den Berichts-
hand. Ausgereifte Arbeitsergebnisse konnte die Konferenz nicht er-
bringen. Nach der ganzen Anlage sollte sie vor allem sachkundiger
Information dienen und die Richtung aufzeigen, in der in den
Kirchen weiter gedacht und gearbeitet werden muß. Auch theolo-
gische Fragen konnten mehr nur angerissen als abgehandelt wer-
den, z. B. die Forderung nach einer Theologie des Rechts, die Frage
nach einer Theologie der Revolution oder neue Gesichtspunkte für
eine Sozialethik.

Ein Auswahlband kann nicht das volle Bild der Konferenz wie-
dergeben. Daß die Stimme der Orthodoxie in den Vor- und Beitrü
gen ganz fehlt und daß auch gewichtige Beitrüge von römisch-ka-
'holischer Seite innerhalb der Konferenz nur ganz am Rande er-
wähnt werden, ist ein Mangel. Auch die Predigt von Dr. Martin

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Luther King wäre es wert, in einen Berichtsband mit aufgenom-
men zu sein. Im ganzen aber bietet dieser Berichtsband einen gu-
ten Ansatz, sich mit dieser Konferenz vertraut zu machen, deren
gefüllte Thematik und deren fruchtbringende Spannung noch
lange das theologische Denken und das praktische Handeln der
Kirchen in unserer Gegenwart beschäftigen wird.

Radebeul Ulrich von Brück

Brück, Ulrich von [Hrsg.]: Dienende Kirche. Berlin: Evang. Ver-
lagsanstalt [1967J. 215 S. gr. 8°. Lw. DM 9,-.

Dieses Buch wurde zum hundertjährigen Bestehen der Inneren
Mission in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens heraus-
gegeben. Durch die Zusammenstellung der Themen und die Aus-
wahl der Mitarbeiter (Gottfried Noth, Dresden; Heinz Wagner,
Leipzig; Heinrich Benckert, Rostock; Martin Schellbach, Magde-
burg; Friedrich Lehmann, Dresden; Hanns-Joachim Wollstadt,
Rothenburg OL; Gerhard Laudien, Berlin) erhält das Werk eine
Bedeutung, die weit über den Rahmen der sächsischen Landes-
kirche hinausgeht. Seit dem zweiten Weltkrieg ist das vorgelegte
Buch das erste im Raum der DDR, in dem mit solch theologischer
Gründlichkeit die Bedeutung der „diakonia" für die Kirche Christi
und für die Welt (Ökumene!) herausgearbeitet wird. In konzen-
trierter Form werden eine Fülle von Denkanstößen und Thesen ge
geben, die, wenn sie recht gelesen und verstanden werden, eine
längst fällige Umorientierung in Theologie und Kirche auf die
„diakonia" hin auslösen und bereits vorhandene Ansätze bestärken
müßten. „Wir proklamieren das Heimatrecht der Diakonie in der
Theologie. Diakonische Theologie ist gesunde Theologie." (Wag-
ner, S. 46/47.) Trotz der Vielfalt der Beiträge, deren Inhalt sich von
der Exegese bis zur Praxis der Gemeinde- und Anstaltsdiakonie;
vom geschichtlichen Rückblick bis zum zukunftsweisenden Aus-
blick spannt, bleibt das Grundthema in allen Variationen bestim-
mend. Der Herausgeber formuliert es so (S. 12): „Mission und Dia-
konie, Zeugnis und Dienst sind Urelemente der Gemeinde Jesu
Christi überhaupt. Die Gestaltungsform und der Gestaltungsradius
sind zweitrangig. Entscheidend bleibt, daß das Wissen um diese
Aufgabe und die Bereitschaft, sie zu erfüllen, einen jeden bestim-
men, der sich Christ nennt. Diakonie im Sinne der Dienstwilligkeit
darf in gar keiner Weise nur als das Arbeitsethos oder als „Berufs-
bezeichnung" nur derer gelten, die im besonderen „Dienst", etwa
also in der Arbeit der Inneren Mission, tätig sind. Diakonie ist der
Grundcharakter jeder kirchlichen Arbeit und Verantwortung, je-
des christlichen Lebens; zumindest sollte es im Dienste Jesu so
sein."

Reichhaltige Literaturangaben und Anmerkungen regen zum
selbständigen Studium der aufgeworfenen Fragen an.

Arnstadt/Thür. Heinrich B e h r

LITURGIEWISSENSCHAFT

Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie. 11. Band 1966. Hrsg.
von K. Ameln, C. Mahrenholz, K. F. Müller. Kassel:
Stauda Verlag 1967. XVI, 272 S. m. 10 Abb., 10 Taf. gr. 8°. Hlw.
DM 52,-.

Wenn der vorausgehende Band versprochen hat, stärker als bis-
her in diesem Jb. den Blick auch auf die Probleme der Gegenwart
zu richten, so hat Frieder Schulz mit dem liturgiegeschichtlichen
Hauptbeitrag „Die evangelischen Begräbnisgebete des 16. und 17.
Jahrhunderts" dieses Versprechen eingelöst. Seine Untersuchung
erweist zugleich, wie sehr er heute als der Fachmann auf dem Ge-
biet der evangelischen Gebetsliteratui" gelten darf. Als solcher über-
rascht er uns durch die Zusammenstellung von nicht weniger als
49 Begräbnisgebeten aus dem angegebenen Zeitraum; wer etwas
davon weiß, wie radikal die Reformation die ausgeuferte Liturgie
um Tod und Begräbnis auf das Unentbehrliche zurückgedämint
hat, nämlich auf die Wortverkündigung an die Lebenden mit Ge-
sang und Gebet, hätte nie mit so viel Material gerechnet. Dessen
Wert liegt zuerst darin, daß diese Gebete gleichsam „bekennen",
was die Gewißheit evangelischen Glaubens im Blick auf Grab und
Tod ist. Sie lassen konfessionelle Unterschiede nur in der Rich-
tung empfinden, daß lutherische Gebete in ihren Aussagen mit Be-

Theologische Literalurzeitung 93. Jahrgang 1968 Nr. 5
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