Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

92.1967

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Theologische Literaturzeitung 92. Jahrgang 1967 Nr. 4

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ALTES TESTAMENT

Ziegler, Joseph [ed.]: Sapientia Icsu filii Sirach. Göttingen: Van-
denhoeck & Ruprecht 1965. 368 S. gr. 8° = Septuaginta. Vetus Te-
stamentum Graecum Auctoritate Societatis Litterarum Gottingensis
editum, Vol. XII, 2. DM 58.— ; Lw. DM 62.—.

Ähnlich wie die bisher von Ziegler für die Göttinger Sep-
tuaginta bearbeiteten und in ThLZ 65, 1940, Sp. 289-296; 69,
1944, Sp. 263; 78, 1953, Sp. 274-276; 81, 1956, Sp. 673f.;
83, 1958, Sp. 22—24; 88, 1963, Sp. 586f. besprochenen Bücher
Isaias, 1939; Duodecim Prophetae, 1943; Ezechiel, 1952, Susan-
na, Daniel, Bei et Draco, 1954; Epistula Ieremiae, 1957; Sapien-
tia Salomonis, 1962, schickt die vorliegende Ausgabe des Jesus
Sirach dem mit einem ausführlichen, mehr als die untere Hälfte
der Seiten einnehmenden Apparat versehenen Text (S. 123—
368) auf S. 7—121 eine Einleitung voraus, die in „A: Die Text-
zeugen" (S. 7—5 3); „B: Gruppierung der Textzeugen" (S. 5 3—
84); C: Grammatika (Orthographika) (S. 84-112); „D: Zeichen
und Abkürzungen" (S. 113—120) gegliedert ist und — im In-
haltsverzeichnis gar nicht besonders genannt — auf S. 121 zwei
wichtige Verzeichnisse bringt, nämlich das „der in der Einlei-
tung ausführlicher besprochenen Sirach-Stellen" und das „der
im Abschnitt Grammatika (Orthographika) näher besprochenen
Vokabeln". Während der Apparat seiner Art nach nur das Er-
gebnis der jeweiligen Überlegungen in aller Kürze mitteilen
kann, vermittelt die in der „Einleitung" gebrachte ausführliche
Besprechung von zwölf Sirach-Stcllen dem Leser eine anschauli-
che Vorstellung von der Behutsamkeit und Zuverlässigkeit der
von dem Verfasser angestellten textkritischen Erwägungen. Das
gilt wohl besonders von der Darlegung der in 43,23. 25 vor-
liegenden verschlungenen Textüberlieferung, die zum Teil auf
christliche Übermalung zurückgeht (S. 70—73) und von der auf
S. 76—78 vorgenommenen Heilung des verstümmelten und ver-
zerrten Zahlenspruches 25,1. Beachtung verdient auch der Ein-
leitungs-Abschnitt „Der hebräische Text (H) als Vorlage von @
(Gr I und Gr II)-', der freilich die in Masada bei der Ausgra-
bung von 1963/64 zu Tage gekommenen ansehnlichen Fragmen-
te des hebräischen Sirach 39, 37—44,20 noch nicht berücksichti-
gen konnte, aber darin doch mit den Ergebnissen der Untersu-
chung dieses Neufundes übereinstimmt, daß er die wiederholt
zum Ausdruck gebrachten Zweifel an der Echtheit der um die
Wende des 19. zum 20. Jahrhundert in der Kairoer Geniza auf-
gefundenen Stücke des hebräischen Sirach für wahrscheinlich un-
begründet erklärt.

Halle/Saale OttoEiflfeldt

Hertzberg, Hans Wilhelm, Prof. D., unter Mitarb. v. E. Rhein,
J- Döring, J. Weigclt, u. C. Malsch: Jerusalem. Ge-
schichte einer Gemeinde. Kassel: Gustav-Adolf-Werk 1965. 135 S.,
10 Taf., 2 Ktn. 8°.

Im knappen Berichtsstil schildert der ansprechende kleine
Band die Geschichte der deutschen evangelischen Gemeinde in
Jerusalem, die in den vierziger Jahren des vergangenen Jahr-
hunderts ihre erste Grundlage durch einen Bistumsvertrag er-
hielt, der 1841 zwischen König Friedrich Wilhelm IV. von Preu-
ßen und der anglikanischen Kirche zustandekam. Trotz schwieriger
Anfänge konnte sich die Gemeinde beständig vergrößern, konn-
ten Institutionen und Anstalten auch außerhalb Jerusalems ge-
schaffen werden, an deren Entstehen und Wachsen die Jerusa-
lem-Stift ung, der Jerusalemsverein, der Gustav-Adolf-Verein,
die Kaiserswerther Diakonissenanstalt, der Johanniterordcn und
tatkräftige Einzelpersönlichkeiten gleichermaßen stark beteiligt
waren. Der Name Johann Ludwig Schneller und das Syrische
Waisenhaus mögen hier als respräsentativ für eine schwierige,
aber letztlich erfolgreiche Arbeit der Missions- und Liebestätig-
keit im Heiligen Lande genannt sein. In den Jahrzehnten vor
dem ersten Weltkrieg erreichte die Gemeinde mit ihren Werken
zweifellos ihre größte Blütezeit und Ausdehnung. Der Krieg
brachte erschütternde Einbußen, die aber später, nicht zuletzt
durch die umsichtige Tatkraft der Pröpste von Jerusalem, eini-
germaßen wettgemacht werden konnten. Im Laufe des zweiten
Weltkrieges aber kam die Arbeit so gut wie ganz zum Erliegen.
Führende Persönlichkeiten der Gemeinde wurden interniert. Die

bis zur kriegerischen Auseinandersetzung führenden arabisch-is-
raelischen Gegensätze verschärften die Situation im Lande, das
schließlich geteilt wurde. Die alten deutschen Besitzungen auf is-
raelischer Seite gingen vollkommen verloren; es verblieben auf
arabischer Seite deutscher Besitz in Jerusalem und Einrichtungen
des Jerusalemsvereins in Bethlehem, Bedschala und Beth Sahur.
Die jüngste Entwicklung ist charakterisiert durch den Weg zu
einer selbständigen „Evangelisch-lutherischen Kirche in Jorda-
nien" (so genannt im Unterschied zur Bezeichnung „evange-
lisch-episkopal", die der anglikanisch-arabischen Synode eigen
ist). Diese evangelisch-lutherische Kirche erhielt im Jahre 1959
ihre staatliche Anerkennung als zu Recht bestehende Religions-
gemeinschaft in Jordanien. Sie ist in ständigem Wachstum be-
griffen. Ein neues Zentrum ihrer Arbeit entstand in Ramallah
(18 km nordwärts Jerusalem), wo ein neues Kirchengebäude er-
richtet werden konnte (1961—63). Neben der stets fortwirken-
den Fürsorge für Kranke und Aussätzige steht die Schularbeit
und nicht zuletzt auch die Betreuung der in zunehmendem Maße
sich einstellenden Touristen. Es ist der Weg einer Gemeinde
und Kirche, die nicht auffällt durch die Ziffern ihrer statistischen
Erfolge, sondern durch ein ungewöhnliches Ausmaß hingebender
Liebe und Treue aller, die in ihr tätig waren und sind. Ihre von
Aufstieg und Niedergang begleitete Geschichte rückt uns des-
halb so nahe, weil es evangelische Missions- und Gemeindearbeit
exakt auf dem Boden des Landes ist, das zuerst das Evangelium
hörte und das Kreuz trug.

Die sachlich-nüchterne Darstellung ist eindrucksvoll. Sie
ging hervor aus einem Festbeitrag, den der damalige Propst
H. W. Hertzberg im Jahre 1927 als Beiheft 15 der Zeitschrift
„Die evangelische Diaspora" unter dem Titel „Fünfundsiebzig
Jahre deutsche evangelische Gemeinde Jerusalem" herausbrachte.
Sie ist jetzt erweitert durch Beiträge der Nachfolger Hertzbergs
im Amt des Propstes von Jerusalem und bildet nun ein ab-
gerundetes Ganzes bis zur Amtszeit von Propst Carl Malsch, der
1965 Jerusalem verließ. Ein kleiner Bildanhang zeigt in Auswahl
Einrichtungen und Persönlichkeiten aus der Geschichte der deut-
schen evangelischen Gemeinde. Vielleicht ist es später einmal
möglich, dort auch die nicht allzu umfangreiche Reihe der
Pröpste im Bilde erscheinen zu lassen. Der interessierte Leser
würde das dankbar begrüßen.

Professor D. H. W. Hertzberg, der am 1. Juni 1965 starb,
konnte die Arbeiten an diesem Band noch selbst zu Ende führen.

Nicht konsequent und einheitlich ist die Umschrift einiger arabi-
scher Ortsnamen, fast irreführend die Form „Bedschala" (auf der
Karte „Beitdjala"); gemeint ist bei dschäla bzw. nach jetzt gültiger
Konvention in ZDPV: bei Yjäla.

Bochum Siegfried Herrmann

Wolff, Hans Walter: Wegweisung. Gottes Wirken im Alten Testa-
ment. Vorträge zum Bibelverständnis. München: Kaiser 1965. 198 S.
8°. Lw. DM 14.80.

Vergleicht man Sammlungen gemeinverständlicher Vorträge
zum Alten Testament von vor ca. 50 Jahren, wie z. B. solche in
den ,Religionsgeschichtlichen Volksbüchern', mit heute erschei-
nenden, so ist der auffälligste Unterschied, daß das Alte Testa-
ment als Teil der Bibel und daher als primär in der Kirche tra-
diert vorausgesetzt wird. Im vorliegenden Band fällt besonders
auf, wie das Neue Testament durchweg in das Auslegen des Al-
ten einbezogen ist; in keinem der Aufsätze fehlen die Hinweise
auf das Neue Testament, und manche handeln von der Bibel ins-
gesamt. Es ist ein merkwürdiges Zeichen unserer theologischen
Lage, daß es ausführliche Äußerungen zur Bibel insgesamt gar
nicht wenige von Alttestamentlern, fast nie jedoch von Neute-
stamentlern gibt.

In den drei Vorträgen zur Bibelfrage (A; S. 13—46) ist das
Bemühen des Verfs. hervorzuheben, Vertreter extremer Auf-
fassungen der Bibel ganz links außen und ganz rechts außen zum
Zuhören und Mitgehen zu bringen, anstatt sich von ihnen abzu-
grenzen. Diese erfreuliche Haltung des .Mitnehmens', des Sich-
Bemühens um die Gegner der eigenen Auffassung ist allen Auf-
sätzen gemeinsam. Sie ist im zweiten Teil (B; Israel und die
Menschheit, S. 47—94) erweitert zu der Forderung, die Bewah-
rung des Alten Testaments in der Synagoge und im Judentum als
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