Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

89.1964

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Theologische Literaturzeitung 89. Jahrgang 1964 Nr. 3

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gebnisse eingearbeitet hat. So ist der Kommentar von 85 auf
116 Seiten angewachsen. Nicht nur der Textanmerkungs-Teil,
in dem von 10, lff. ab auch die Bemerkungen zur Einzelexegese
untergebracht sind, ist stark angereichert. Auch im Auslegungs-
teil, der in 1—9 den einzelnen Texteinheiten folgt, von 10, 1
ab aber einen zusammenfassenden Überblick gibt, ist die jün-
gere Arbeit an der Weisheit (Koch, von Rad, Gese, Brunner,
Rylaarsdam u. a.) eingearbeitet. Im Literaturverzeichnis äußert
sich die starke Vermehrung des uns bekannten altorientalischen
Proverbiengutes in den 26 Jahren, welche die beiden Auflagen
trennen, nicht nur im Anschwellen der bisherigen Gruppen, son-
dern in der Einführung der neuen Unterabschnitte Sumer und
Ugarit. Eißfeldts Einleitung ist 6chon in 3. Auflage zitiert, was
wohl der unauffällig mithelfenden Hand des Herausgebers der
Reihe selber zu verdanken ist. Neu ist in der Einleitung das
Kapitel „Textbestand", der vom Masoretentext, von Septua-
ginta, Peschitto und Vulgata handelt. Am Schluß ist dem
Kommentar ein vier eng bedruckte Seiten füllender „Nachtrag"
mit weiteren Textbemerkungen „hauptsächlich nach den Mit-
teilungen G. R. Drivers" (Anfang 1962) beigegeben. Auch das
„Sachregister" stellt eine nützliche Erweiterung der 1. Auflage
dar.

Aber nicht nur in der äußeren Anlage, sondern auch in
der inneren Ausrichtung hält die neue Auflage die Linie der
ersten Auflage ein. Die Beurteilung der Metrik entspricht fast
durchgehend derjenigen in der 1. Auflage (eine Abweichung
etwa in 15, 20, das nun als 4:4 statt 3 :4 in der 1. Auflage ge-
lesen wird), auch in der Textübersetzung finden sich nur gering-
fügige Änderungen, vgl. etwa die Formulierung von 1, 17 f.;
3,8; 6,1.11.26; 7,22; 10,16 u.a. Und das gleiche gilt für
die Linie der sachlichen Auslegung. Bei aller sorgfältigen An-
reicherung der Einzelauslegung bleibt die Gesamtlinie des Ver-
ständnisses der Lebensweisung der Sprüche die gleiche wie 1937.
Die durch von Rad, Gese, Rylaarsdam herausgearbeiteten Er-
kenntnisse von der Ordnungswelt, in deren Bereich die Spruch-
belehrung denkt, sind eingebaut (10), wobei gegen Gese und
Brunner daran festgehalten wird, daß die ägyptischen Lehren
im Rahmen einer gewissen Standesmoral bleiben (7). Der Ver-
geltungsbegriff wird trotz des Einspruches von Koch, der allein
von „schicksalwirkender Tat" reden möchte, festgehalten (7,
Anm. 3; 24). Bei der Besprechung der 1. Auflage habe ich die
Frage gestellt, ob nicht die Spannung, in welche der anthropo-
logische Ansatz der Weisheit führt und durch den Weisheit im
Rahmen einer an der Geschichte Jahwes mit Israel orientierten
alttestamentlichen Theologie ein besonderes Problem darstellt,
schärfer gesehen sein müßte. Die Diskussion darüber ist nicht
nur in einem kleinen „Symposion" über „die Weisheit" im
ruhigen Arbeitszimmer von Gemser in Groningen im Mai 1961
weitergeführt worden, sondern hat auch ihren literarischen
Niederschlag gefunden. In seinem Aufsatz „The Spiritual Struc-
ture of Biblical Aphoristic Wisdom" (Homiletica en Biblica 21,
1962, 3—10) hat Gemser seine Sicht in dieser Frage entfaltet.
Ich habe in meinem Beitrag zum Straßburger Colloquium über
„Les sagesses du Proche-Orient ancien" vom Mai 1962 (abge-
druckt in „Gottes Offenbarung" 1963) meine Thesen von ZAW
193 3 im Licht der seither getanen Arbeit besser zu präzisieren
versucht. So kann die erneute Anmeldung meiner Frage hier
füglich unterbleiben.

Wir sind dankbar dafür, daß Gemser diese zweite Auflage
seines Kommentars, aus der uns das Gesicht dieses gütigen und
redlichen Mannes nochmals entgegentritt, hat abschließen kön-
nen. Er wird eine wertvolle Hilfe beim Studium der Proverbien
bleiben.

An kleineren Versehen sei erwähnt, daß die Angaben der neu-
testamentlichen Stellen, an denen „Proverbien" zitiert sind, gegen
Ende von Abschnitt 8 S. 11 z.T. nicht stimmen können (1. Petr. 4, 26a;
Hebr. 10, 12b; Act. 25,7 sind nicht richtig. Und was soll man mit
Luk. 25,21 f.?). Auf S. 99 gehört die kleingedruckte unterste Zeile
der Seite als zweitletzte Zeite in den kleingedruckten Textapparat der
oberen Seitenhälfte. An drucktechnischen Unausgeglichenheiten stört,
daß die Textübersetzung S. 72—80. 92. 108 mit weiteren Abständen
gedruckt ist als auf den übrigen Seiten.

Göttingen Walther Z i m me rli

Wellhausen, J.; Israelitische und Jüdische Geschichte. 9. Aufl.
Berlin: Walter de Gruyter 1958. VII, 371 S. 8°. Lw. DM 19.80.
Als im Jahre 1894 Wellhausens Israelitische und Jüdische
Geschichte, deren neunte Auflage hier angezeigt wird, zum
ersten Male erschien, konnten sich die Fachgelehrten einer ge-
wissen Enttäuschung nicht erwehren (vgl. E. Kautzsch in dieser
Zeitschrift, 20. Jg. 1895, Sp. 276-279). Nach der Veröffentli-
chung der „Prolegomena zur Geschichte Israels" sowie mehrerer
„Skizzen und Vorarbeiten" erwartete man eine ausgeführtere
Geschichtsdarstellung. Stattdessen bot W. in diesem aus dem
Artikel .Israel' in der Encyclopaedia Britannica (Vol. XIII,
Edinburgh 1881 ) hervorgegangenen Buche zu zwei Dritteln
jüdische (d.h. exilisch-nachexilische) und nur zu einem Drittel
israelitische (d. h. vorexilische) Geschichte. Letztere deckte sich
zudem in ihrer Darlegung inhaltlich mit dem bereits veröffent-
lichten Abriß. Man wurde durch die Meisterschaft der Darstel-
lung entschädigt und besaß im Grunde genommen zusammen
mit den Prolegomena ein ausgezeichnetes Werk über die ge-
samte israelitisch-jüdische Geschichte. Bei der überragenden
Bedeutung, die Wellhausen in der Wissenschaftsgeschichte zu-
kommt und ohne deren Erfassung die Entwicklung der alttesta-
mentlichen Wissenschaft bis in unsere Zeit nicht zu verstehen
ist, besteht die Notwendigkeit, Wellhausen aus erster Hand
und eigener Anschauung kennenzulernen. Diesem Erfordernis
kommt der Verlag durch die Neuauflage erfreulicherweise ent-
gegen, was hier dankbar begrüßt werden soll.

Leipzig Siegfried Wagner

D u s, Jan: Der Beitrag des benjaminitischen Heidentums zur Religion

Israels (Communio Viatorum 6, 1963 S. 61—80).
Eilermeier, Friedrich: Das Verbum in Koh 2,25 (ZAW 75, 1963

S. 197—217).

F e n s h a m, Charles F.: Common Trends in Curses of the Near
Eastern Treaties and kdurru-Inscriptions compared with Maledic-
tions of Arnos and Jesaiah (ZAW 75, 1963 S. 155—175).

Gradwohl, Roland: Das „fremde Feuer" von Nadab und Abihu
(ZAW 75, 1963 S. 288—296).

Herrmann, Wolfram: Gedanken zur Geschichte des altorientali-
schen Beschreibungsliedes (ZAW 75, 1963 S. 176-197).

Hulsbosch, A., O. S. A.: Sagesse creatrice et educatrice. Rom:
Collegium Internationale Augustinianum de Urbe [1963]. 103 S. gr. 8°
= Bibliotheca Augustiniana, Nova Series, Sectio Biblica, Vol. I.

Jepsen, Alfred: Das Buch Hiob und seine Deutung. Berlin: Evang.
Verlagsanstalt [1963]. 28 S. gr. 8° = Aufsätze und Vorträge zur
Theologie u. Religionswissenschaft, hrsg. v. E. Schott u. H. Urner

H. 28, u. Stuttgart: Calwer-Verlag = Arbeiten zur Theologie,

I. Reihe, hrsg. m. A Jepsen u. O.Michel v. Th. Schlatter, H.H.

L i n d b 1 o m, Joh.: Die Vorstellung vom Sprechen Jahwes zu den
Menschen im Alten Testament (ZAW 75, 1963 S. 263—288).

Metzger, Wolf gang: Der Weg des Theologiestudenten zum Alten
Testament (Lutherische Monatshefte 2, 1963 S. 560—562).

Müller, Walter W.: Altsüdarabische Beiträge zum hebräischen Lexi-
kon (ZAW 75, 1963 S. 304—316).

Reventlow, Henning Graf: Kultisches Redit im Alten Testament
(ZThK 60, 1963 S. 267—304).

Roth, Wolfgang M. W.: Hinterhalt und Scheinfludit — Der stammes-
politische Hintergrund von Joel 8. (ZAW 75, 1963 S. 296—304).

Sekine, Masao: Vom Verstehen der Heilsgeschichte (ZAW 75, 1963
S. 145—154).

Wo lff, Hans Walter: Die Botschaft des Buches Joel. Mündien:
Kaiser 1963. 47 S. gr. 8° = Theologische Existenz heute, hrsg. v.
K. G. Steck u. G. Eichholz, N. F. Nr. 109. DM 3.-.

NEUES TESTAMENT

Jeremias, Joachim: Nochmals: Die Anfänge der Kindertaufe. Eine
Replik auf Kurt Alands Schrift: „Die Säuglingstaufe im Neuen
Testament und in der alten Kirche." München: Kaiser Verlag 1962.
72 S. 8° = Theologische Existenz heute, hreg. v. K. G. Steck und
G. Eichholz, NF. H. 101. DM 4.80.

Das 1958 erschienene Buch von Joachim Jeremias „Die
Kindertavie in den ersten vier Jahrhunderten" (vgl. die Bespr.
durch Markus Barth in Jahrg. 1960, Sp. 42—44) hat Kurt Aland
1961 in einer besonderen Schrift „Die Säuglingstaufe im NT
und in der alten Kirche" einer genaueren Prüfung unterzogen.
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