Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

85.1960

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Theologische Literaturzeitung 1960 Nr. 3

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der Vorstellung von dem zu erlösenden Erlöser" (S. 34). Nütz-
liche Bemerkungen über das Vorkommen dieses Begriffs werden
hinzugefügt (ebda Anm. 13). Ausführlich geht Verf. auf den
13. Psalm ein, der mit Recht als nicht einheitlich beurteilt wird.
Hier ist eine asketische Forderung betont. Genauer wird auf den
Satz eingegangen: „Ein Mensch rief hinunter in die Welt: Selig
ist, der 6eine Seele (= sich selbst) erkennt." Verf. ist geneigt,
unter diesem „Menschen" Sokrates zu verstehen; der Ruf selbst
dürfte hier bedeuten (anders als in Griechenland): man solle nicht
vergessen, daß die Seele Anteil an Gott hat. Das darf man als
früh-gnostisch bezeichnen. Verf. weist zugleich, im Anschluß an
Säve-Söderbergh, auf enge Beziehungen zu den älteren Mandäern
hin. Weiter werden Einzelbegriffe erläutert, die in dem Zusam-
menhange eine Rolle spielen: Adamas, Knabe, die Gerechten, Er-
löser, Gewissen. Der Schluß des Abschnitts ist den letzten sieben
Thomaspsalmen gewidmet.

Der 2. Teil der Arbeit befaßt sich mit dem sog. Perlenliede
aus den Thomasakten. Der wichtige Text der syrischen Fassung
wird in neuer deutscher Übersetzung mitgeteilt, bei der Duensing
zur Seite stand; die griechische Fassung wird im Anhang mitge-
teilt. Der Sinn des Perlenliede6 ergibt 6ich aus seiner Verwandt-
schaft mit den Thomaspsalmen: es schildert unter dem Deckmantel
einer Erzählung das Schicksal der Gesamtseele wie der Einzelseele,
Gefangenschaft und Erlösung. Dabei muß die vollendete künst-
lerische Form besonders beachtet und bewundert werden, das um
so mehr, als das Lied seiner Sprache wegen zum ältesten syrischen
Schrifttum gehören dürfte (jedenfalls ist es vormanichäisch; es
muß nicht gerade dem 1. christlichen Jahrhundert angehören; die
Beziehungen zu Eph. 5, 14 sind so wie so zweifelhaft, da dieser
Text auch Beziehungen zu den eleusischen Mysterien aufweist).
Zum Perlenliede bringt Verf. eine Reihe von Einzelerklärungen,
z. B. in Sachen des geographischen Rahmens. Es folgt weiter die
spätere Geschichte des Liedes, z.B. seine Benutzung bei den Man-
däern.

Den Schluß bilden Bemerkungen und Vermutungen zur Ent-
wicklung der Gnosis, des Manichäismus und des Mandäismus.

Verf. schenkt uns eine wertvolle Untersuchung von Urkun-
den, die für die Geistesgeschichte zu Beginn unserer Zeitrechnung
hohe Bedeutung haben. Zur Deutung und Würdigung deT Texte
bringt er Wesentliches bei. Nicht immer stellt er sich allerdings
die Frage: was ist beweisbar? Ich merkte das an einzelnen Stellen
an. Hier darf ich hinzufügen, daß der Verf. mir einen „sinn-
störenden Fehler" in meiner Übersetzung des Thomas-Evange-
liums vorwirft (S. 55, Anm. 51). Aber meine Fassung scheint mir
sprachlich näher zu liegen als die vom Verf. bevorzugte und den
Sinn nicht zu stören.

Ahrenshoop Johannes Leipoldt

B a m m e 1, Ernst : Die Neuordnung des Pompeius und das römisch-
jüdische Bündnis.

Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins 75, 1959 S. 76-82.
Barrosse, Thomas: The Seven Days of the New Creation in St.
John's Gospel.

The Catholic Biblical Quarterly XXI, 1959 S. 507-516.
Bartsch, Hans-Werner: Die neutestamentlichen Aussagen über den
Staat.

Die Zeichen der Zeit 14, 1960 S. 3—7.
Bea, A.: „Religionswissenschaftliche" oder „theologische" Exegese?

Zur Gesdiichte der neueren biblisdien Hermeneutik.

Biblica 40, 1959 S. 322—341.
Ca zell es, R: Instaurare omnia in Christo (Eph. 1,10).

Bibhca 40, 1959 S. 3*42-354.

DnÖ,t,el; ,ean-Claude: La „sanetification" du Christ d'apres Hebreux,
n i interPrdtat'ons des Peres.

Kecnerchcs de Science religieuse XLVII, 1959 S. 515-543.
Sahn MatrcA(ldr9i1Le BaPtSme de J"us dVes ''Evangile selon
The Catholic Biblical'Quarterly XXI, 1959 S. 468-490.
Laland, Erling: Die Martha-Maria-Perikope Lukas 10,38-42. Ihre
kerygmat^che Aktua^lität für da, Leben der Urkirdl
Studia Theologica XIII, i959 s 70_g5

PV\V' Kyiv^ SUr ,e Discou" eschatologique (Mc. XIII.
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Recherches de Sc.ence religieuse XLVII, 1959 S 481-514.

Schelkle, Karl Hermann: Römische Kirche im Römerbrief. Zur Ge-
schichte und Auslegungsgeschichte.

Zeitschrift für katholische Theologie 81, 1959 S. 393—404.
Schmithal6, Walter: Die Irrlehrer von Rm 16, 17—20.
Studia Theologica XIII, 1959 S. 51—69.

KIRCHEN GESCHICHTE: ALTE KIRCHE

Altaner, Bcrthold: Patrologie. Leben, Schriften und Lehre der
Kirchenväter. 5., völlig neu bearb. Aufl. FreibuTg/Br.: Herder 1958.
XXVII, 508 S. gr. 8°. DM 22.-; Lw. DM 25.-.

Die Patrologie von B. Altaner, die jetzt in der 5., völlig
neu bearbeiteten Auflage vorliegt, gehört zu den wenigen Stan-
dardwerken, die aus unserer Arbeit nicht mehr wegzudenken sind.
Das Buch ist so bekannt und beliebt, daß es nicht mehr vorge-
stellt zu werden braucht. Seit 1931 hat Altaner die früher von
Rauschen — und zwischendurch von Wittig — herausgegebene
einbändige altchristliche Literaturgeschichte betreut. 1938 er-
schien eine Bearbeitung unter seinem Namen; es folgten italieni-
sche, französische und spanische Übersetzungen. Die Auflage
von 1950 war völlig neu gestaltet (vgl. dazu die Rezension von
W. Eltester, ThLZ 76, 1951, Sp. 687 ff.) und wurde 1951 und
195 5 nachgedruckt. Jetzt nun hat der hochverehrte, betagte und
in seiner Gesundheit sehr geschwächte Gelehrte das Werk auf
den heutigen Stand der Wissenschaft gebracht. Die vorliegende
Auflage wird auch in englischer Sprache erscheinen.

In seinem Vorwort zu dieser Auflage gibt Altaner einen
statistischen Hinweis auf den Umfang der Neugestaltung. Seit
1949 hat er ca. 4000 neue Veröffentlichungen feststellen kön-
nen. Es ist klar, daß damit noch nicht einmal alle patristischen
Arbeiten erfaßt sind: nach meinen Erfahrungen bei der Erstel-
lung der .Bibliographia Patristica' wird man mit ca. 1200 Bü-
chern und Aufsätzen aus unserem Gebiet pro Jahr rechnen müs-
sen. Um die Patrologie auch weiterhin in handlicher Form zu be-
lassen, hat A. mehr als 2000 Literaturangaben in der neuen Auf-
lage gestrichen und dafür dann ca. 3000 neue Titel aufgenom-
men. Ein Vergleich der beiden Auflagen von 1950 und 1958
zeigt, daß A. dabei nicht mechanisch verfahren ist, sondern
eine sinnvolle Auswahl getroffen hat, so daß der Benutzer auch
weiterhin die wichtigsten Ausgaben und Untersuchungen genannt
erhält und von den erwähnten Arbeiten aus sich stets weiter-
helfen kann. Eine Reihe von Autoren sind neu aufgenommen
worden (z. B. Aponius S. 420). A. sagt aber selbst, daß sein
Buch trotzdem noch keine vollständige altchristliche Literatur-
geschichte sei, daß also auch manche Autoren fehlen, die der
Benutzer vielleicht darin suchen möchte.

Aber eine altchristliche Literaturgeschichte ist das Werk
ohnehin nicht und will es auch nicht sein. Man wird dazu fest-
stellen dürfen, daß einerseits eine einbändige altchristliche Lite-
raturgeschichte ein Ding der Unmöglichkeit iet, und daß wir
andererseits heute wohl noch gar nicht in der Lage sind, eine
solche altchristliche Literaturgeschichte zu schaffen. „Ihre Ge-
schichte hat eine Literatur in ihren Formen, eine Formenge-
schichtc wird also jede wirkliche Literaturgeschichte sein" (F.
Overbeck, Über die Anfänge der patristischen Literatur, Nach-
druck Basel 1954, S. 12). Aber wie soll eine solche Formge-
schichte der altchristlichen Literatur aussehen? Der Versuch von
Jordan (Geschichte der altchristlichen Literatur, 1911) ermutigt
ja nicht sehr dazu, die richtige Erkenntnis Overbecks nun in die
Praxis umzusetzen, während andererseits die Formgeschichte
des NT gezeigt hat, welche Einsichten durch solche Arbeit ver-
mittelt werden können. Man wird wohl eines Tages diese Auf-
gabe auch für die altchristliche Literatur in Angriff nehmen
müssen: eine Geschichte der Predigt, der Auslegungsliteratur,
der apologetischen Traktate, der krirchenpolitischen Pamphlete
usw. ist eine Aufgabe, die wir nicht aus den Augen verlieren
dürfen. Zur Zeit aber befinden wir uns wohl noch in dem Stadi-
um des Sammeins und Sichtens. Der große Aufschwung der Pa-
rristik seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts - un-
lösbar verbunden mit den Namen Harnack, Krüger, Bardenhe-
wer, Schwartz — hat vor so viel literarische und überlieferungs-
geschichtliche Probleme gestellt, daß wir damit noch eine Weile
zu tun haben werden. Weiter ist die dogniengeschichtliche Ar-
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