Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

80.1955

Zitierlink

291

Theologische Literaturzeitung 1955 Nr. 5

292

der Missa Romana in sich schlösse, davon sprach der Kongreß
von Maria Laach 1951 (siehe ,,Jahrbuch"III 2 S. 324 ff.): Alle
Verdoppelungen weg — Stufengebet weg vom Altar — die Vor-
messe nicht am Altar, sondern im Chor — nur eine Oration —
neue Ordnung der Perikopen — Häufigkeit des Credo mindern —
das Allgemeine Fürbittgebet nach dem Wortgottesdienst wieder
einsetzen, möglichst in der Volkssprache — mehr Präfationen —
die vielen Amen innerhalb des Kanons weg — Schluß der Messe
mit dem Handsegen und Amen der Gemeinde. Als „wünschens-
wert" wurde u.a. bezeichnet: die Sekret soll wieder oratio super
oblata heißen — die große Doxologie Per ipsum, die den Kanon
schließt, soll gesungen werden, mit Elevation — Privatmesse
schließe mit Benedicamus Domino, Hochamt mit Ite missa est. —
Der Basler Architekt Baur bespricht kurz die Altarfrage im oben-
genannten Sinn (Altarplatz, Altarform, Sängerchor, Taufort). —
Der Erzbischof von Bologna, Lercaro, ein um das Soziale hoch-
verdienter Prälat, redet „abkürzend" vom „Individualismus,
dieser typischen Äußerung der Renaissance, der auf religiösem
Gebiet im Protestantismus sich verkörperte und in logischer
Konsequenz zur Abschaffung der Liturgie geführt hatte". Wie-
der ein „Hofbericht"! (Dagegen vgl. man Karl Eschweiler, Die
zwei Wege der neueren Theologie, 1926, und das Wort Hofin-
gers, allerdings eines Professors, „Jahrbuch" ITI 2 S. 198: „Gene-
ralisierende Pauschalurteile sind immer insofern unrichtig und
ungerecht, als sie der Mannigfaltigkeit des wirklichen Lebens
nicht gerecht werden"). — Was der Berliner Bischof Weskamm
über die katholische Liturgie in der DDR berichtet (2,2 Millionen
Katholiken unter 16 Millionen „Nichtkatholiken"): Von der
Sonntagsmesse her Neubau der Gemeinde — Änderungen in der
Messe — das Lied in der Muttersprache: das entspricht dem Pro-
gramm der „liturgischen Erneuerung"; aber was er von den dor-
tigen „Nichtkatholiken" urteilt, widerspricht, was die Evange-
lischen angeht, den Berichten unserer evangelischen Kirchen-
männer. — Der Dominikaner Roguet sieht es auf eine „Theologie
der gottesdienstlichen Versammlung" ab, die er auf Mt. 18,20
hin aufbaut. Das sei wichtiger, als wenn die Theologen „unauf-
hörlich Schulfragen wiederholen, die außer ihnen niemand mehr
interessieren". Er weist darauf hin. daß die Seelsorge vom Got-
tesdienst her nicht ein und alles sei, da die Predigt nicht ver-
nachlässigt werden darf. — Hofinger, Professor in Baguio auf den
Philippinen, will die „liturgische Erneuerung" missionarisch be-
gründen. In China sah er: Pflege des gemeinsamen, aber un-
liturgischen, Gebetes; Singen der üblichen Meßgebete im alt-
ehrwürdigen Rezitationston; aber im Ganzen: wang misa
(= Schaumesse, Messeschau). Es gilt, die Lehrsamkeit der Meß-
feier in Rechnung zu stellen. Darum bittet Hofinger die Bischöfe:
1.) die gottesdienstliche Feier einfach, leicht lernbar und leicht
durchführbar zu machen, 2.) das „Deutsche Hochamt" zum Vor-
bild zu wählen, 3.) die Volksnähe zu gewinnen. 4.) die Feier
möglichst dramatisch zu gestalten. 5.) den katechetischen Teil
der Messe den Missionaren freizustellen. Er zitiert einen Kardi-
nal: Die Missionierung Chinas ist nicht durch eine chinesische
Mauer verhindert worden, wohl aber durch die fast unübersteig-
liche lateinische Mauer! — Der Bischof von Passau beschreibt die
Erfahrungen mit der Erneuerung der Osternachtsfeier, ebenso der
Bischof von Lugano und der Koadjutor von Roermond (Deside-
rien: Volkssprache, Kürzung des Ritus, Freistellung der Zeit-
punkte). — Über den Gründonnerstag referierte Professor Schmidt
(Rom) historisch, der Amerikaner Reinhold pastoral. Schmidt
betont: Mittelpunkt der im 4. Jhdt. einsetzenden Liturgie-Er-
neuerung war nicht Rom, sondern Jerusalem; dort gehörten Don-
nerstag und Freitag liturgisch zusammen; die Karwoche war nicht
„Ideenfest", sondern „historisch", aber außerhalb Jerusalems
wurde die Feier des Gründonnerstags „ideenfestlich" aufgefaßt,
als des Tages der traditio, im Sinne des Verrates wie der Selbst-
hingabe. Den Gedanken „Gedächtnis der Einsetzung des Abend-
mahls" bekam Rom von Jerusalem, konnte aber keine rechte
Harmonie finden (der Gründonnerstag als „liturgisch unvoll-
kommener Tag"). Das Frankenreich hatte eine reichere und aus-
geglichenere Feier, aber Karl der Große setzte dafür die römische
Kahlheit ein. — Über den Karfreitag handelt Dom Bernard Ca-
pelle; Rom hielt ursprünglich seine Feier nachmittags 3 Uhr;
durch Burkard wurde sie auf vormittags 9 Uhr verlegt. Capelle

wünscht die Verlegung wieder auf den späten Nachmittag. Ein-
gehend handelt er von der Kommunion am Karfreitag; entweder
sollen alle kommunizieren, oder keiner, auch der Celebrant nicht.
Die Präsanktifikaten-Liturgie ist auf dem Abschafr-Plan. — Über
Palmarum sagt der Schweizer Professor Zanetti: Palmweihe ist
unnötig, die Prozession wieder als Doppelprozession außerhalb
der Stadt einzurichten; Tendenz: Huldigt dem Könige Christus. —
Jungmann plädiert für einen Gemeinde-Buß-Akt auch bei der
missa cantata und dialogata: die „Offene Schuld" nach der Pre-
digt. Das „Confiteor" soll man von der Heiligenliste befreien.
Auch sonst hat Jungmann Wünsche, die mit denen des Treffens
von Maria Laach harmonieren. — Stenzel legt Erwägungen zum
Ritus der Erwachsenentaufe vor, weil dieser Ritus maßgebend ist,
da es einen aus eigener Konzeption geformten Taufritus für die
Kinder nie gegeben habe. Die heutige fortlaufende Taufspendung
nennt er eine „Mcnstre-Ceremonie". Es gilt, den Taufakt von
den zwei Vor-Akten (ritus ad faciendum catechumenum, Zere-
monien für die electi) zu befreien. Bisher erschien der Taufakt
selber wie ein Anhang zu den Zeremonien des Katechumenats -
den es gar nicht mehr gibt. (Man liest hiezu mit Nutzen Luthers
Taufbüchlein von 152 3 und von 1526).

Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man diesen 3. Band des
„Liturgischen Jahrbuchs" ein Lexikon der „Liturgischen Erneue-
rung" des römischen Ritus nennt. Katholische wie evangelische
Leser werden hier ins rechte Bild gesetzt.

Auesburg; Leonhard Fendt

A ß f a 1 g, Julius: Arabisch qasla = Kapuze, verzierter Rand am Meß-
gewand des Bischofs.

Oriens Christianus. Hefte für die Kunde des christlichen Orients 3 8.
1954 S. 133—139.

B e r g h, E., S. J.: La messe de minuit ä Noel dans les communautes
religieuses.

Nouvelle Revue theologique 87, 19 55 S. 188—190.
Dick, Klaus: Einleitungs- und Schlußformeln in der Perikopenlesung
der Römischen Messe.

Archiv für Liturgiewissenschaft IV/1, 1955 S. 73—80.
D o 1 d, Alban: Ein neuartiges Fragment eines Junggelasianums.

Archiv für Liturgiewissenschaft IV/1, 1955 S. 90—93.
D ü r i g, Walter: Liturgische Beziehungen zwischen Regensburg und

Mailand im 12. Jahrhundert.

Archiv für Liturgiewissenschaft IV/1, 1955 S. 81—89.
Engberding, Hieronymus: Der Nil in der liturgischen Frömmig-
keit des Christlichen Ostens.

Oriens Christianus. Hefte für die Kunde des christlichen Orients 37,
1953 S. 56—88.

L e c 1 e r c q, Jean: Messcs pour la profession et l'oblation monastiques.
Archiv für Liturgiewissenschaft IV/1, 1955 S. 93—96.

PHILOSOPHIE UND RELIGIONSPHILOSOPHIE

Schmidt, Erik: Hegels Lehre von Gott. Eine kritische Darstellung.
Gütersloh: Bertelsmann 19 52. 260 S. 8° = Beiträge zur Förderung
christl. Theologie, hrsg. v. P. Althaus, H. Dörries u. J. leremias.
2. Reihe: Sammlung wissenschaftl. Monographien, 52. Bd. kart.
DM 18.-.

Verfasser gibt zuerst eine Grundlegung für Hegels Lehre
von Gott und dann eine Darstellung dieser Lehre, die von den
Gottesbeweisen ausgeht und Gott in seinem Wesen zu erfassen
sucht. Gott ist für Hegel der absolute Geist. Dieser Gottesgeist
läßt sich aber nur dialektisch bestimmen:

1) in seinem Insichsein, d. h. in der Logik und Metaphysik;

2) in seinem Anderssein, d. h. innerhalb der Geschichte, der
Welt und Natur;

3) in seiner Rückkehr zu sich selbst. In dieser Rückkehr erhebt
sich der endliche Geist der Menschen, der aber Geist aus Gottes
Geist ist, zu Gott. Dies geschieht in der Kunst, in der Religion
und in der Philosophie.

Weil die Philosophie Hegels im Grunde Theologie ist und
der Gottesgedanke überall anklingt, beschränkt sich Verf. be-
sonders auf die Religionsphilosophie. Er geht jeweils nach einer
gründlichen Darstellung der Hegeischen Position zu einer theo-
logischen Beurteilung über. Zumeist wird Hegels Gotteslehre
loading ...