Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

75.1950

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Theologische Literaturzeitimg 1950 Nr. 12

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rigen MT. TVB'V i"Qnb TTEnV- Danach ist in der Aussprache

zunächst h zu ' abgeschwächt, mmm == ya'aiaä, und letzteres
durch Angleichung an vorhergehendes •qjjs = 'eä „Feuer" zu
1235*1 verschrieben. Die Schwäche des h, die bis zu voller Elision
auch zwischen zwei Vokalen führen kann, ist aus der vor-
masoretischen Überlieferung ebenfalls bekannt2.

Ein Schreibfehler, der vom Diktat her zu verstehen ist,
liegt ferner Jes. 1, 25 vor, wo AF.^Tam für MT-rQiTBNl =tib.
^dSikä „und ich will wenden" bietet. Hier ist in der ge-
sprochenen Sprache mit 5* zusammengefallen, so daß man
für AF. aiffini die Aussprache ua'a&'ib anzusetzen hat. Das
gleiche gilt für Jes. 8, 9, wo die unkorrigierte Handschrift
TJPTKI für MT. "lywrn = tib. ueha'*zmü „und höret" bietet,
das ua'azinü < *uaha'zmü zu lesen ist.

Die geringe Festigkeit der Kehllaute ist auch anderweit
zu belegen. So wechselt am Wortanfang pj mit ^; z. B. Jes. 12,7,
wo in AF. "|*f!M = 'ödü für MT. Vp|J*I = hödü steht. Daher kann
H mit ^ im gleichen Wort wechseln, so in Jes. 23, 1.6 (AF.)

ib^b'i? neben "ib^b"1!! m ^■ 4> das nach AF. nur 'elelü „heult"
lauten kann. Wortbeginnendes jj wird z.B. Jes. 5, 5 (AF.)
durch ^ ersetzt: nriNI = ua'dttä „und nun", tib. dagegen
nnj?1 = uc'attä. Umgekehrt schreibt man y für 55 in Jes.
Di 9: bs>1 = „und nicht", dagegen MT. bsi = tib- Mn'ai;

d.h., ;g und jj sind in der Aussprache, wo sie nicht elidiert wer-
den, zu ^ zusammengefallen. Gleiches gilt von |"| und pj sowie
n und y, die, wenn sie gesprochen werden, als ^erscheinen;
so steht Jes. 1, 16 für MT. appa = tib. nirhäb „weit" in AF.
SPHD. das wohl wCr'ab zu sprechen ist, während in Jes. 37, 30
für MT. Qinm = tib. SäMs „Nachgewachsenes" in AF. D^ym
erscheint, so daß hier die Aussprache ia'ts anzunehmen ista.

Mit dieser ausgesprocheneu Schwäche der Laryngale
steht das Hebräische von AF. dem Samaritanischen, den
Transkriptionen der Sek. des Origenes, sowie der pal. Punk-
tation biblischer und liturgischer Texte außerordentlich nahe,
unterscheidet sich also damit wesentlich von der Sprachge-
stalt der Tibcrier. Damit aber erhebt sich die Frage, ob die
Schwäche der Kehllaute lediglich aus der innerkanaanäischen
Entwicklung zu erklären ist, ob wir es ausschließlich mit
aram. Einfluß zu tun haben, oder ob wir mit Einwirkung
beider Faktoren rechnen müssen. Laryngalschwäche tritt nun
in den semitischen Stämmen überall dort ein, wo sich die
genuinsemitischen Stämme mit nichtsemitischen Bevölkerungs-
teilen der Kulturrandgebiete mischen und sich somit die
Artikulationsbasis ändert4. So können wir Schwäche der
Kehllaute bereits im Kanaauäischen beobachten; dieselbe be-
ruht also zum Teil auf innerkanaanäischer Entwicklung. An-
dererseits aber kann mau doch nicht alle Erscheinungen von
hier aus erklären, sondern muß, wie das eine der oben ange-
führten Beispiele zeigt5, auch für den Laryngalschwund in
AF. aram. Einfluß in Rechnung ziehen. Dem stehen in der
Tat keinerlei Bedenken entgegen. Denn das Aramäische, als
internationale Handels- und Verkehrssprache weit in vor-
persische Zeit zurückreichend und keineswegs erst von den
Achämeniden als Reichssprache „eingeführt", ist zur Zeit von
AF. längst die Umgangssprache. Als solche aber drückt sie
natürlich entscheidend auf die alten Dialekte Kanaans, die
sich im Bereiche des Kultus gehalten haben, also das jüdische
und das sam. Hebräisch. Daß jedoch das Hebräische von AF.
noch nicht im gleichen Maße dem überlegenen Aramäisch an-
geglichen ist, wie sich dies aus der Sek. und den Texten mit
pal. Punktation ergibt, zeigt sich in der Formenlehre und,
soweit erschließbar, auch an einigen syntaktischen Erschei-
nungen. Andeutungsweise sei daher auf eine Vorfrage zur
Formenlehre, auf das Akzentproblem eingegangen.

II.

Die Frage der Druckverteilung in vormasoretischer Zeit
ist außerordentlich verwickelt, und die einzelnen Lösungs-
versuche sind stark umstritten6. Von den zahlreichen, oft
allzu konstruktiven S3,stemen ist noch immer G. Betgsträssers

') Nach BHK3: „Und wie dürre Halme 'in der Flamme' zusammen-
sinken".

2) Vgl. Beer-Meyer I, § 22, 3c.

*) Totale Elision liegt offensichtlich in den Fällen vor, wo im Auslaut
Verwechslungen eingetreten sind; z.B. Jes. 16, I MT. 2-"bo?2 = tib. missäla'
„aus Sela", wofür in AF. ilSCE — mitsilä begegnet; weitere Beispiele bei
M. Burrows, Bulletin 113, 25f., der die Problemlage andeutet.

4) Das beste Beispiel hierfür ist noch immer das Akkadische; vgl.
A. Ungnad, Grammatik des Akkadischen3 (1949), §4c.

5) Spalte 721/722.

6) Zur Literatur vgl. H. Birkeland, Akzent und Vokalismus im Alt-
hebräischen (Oslo 1940), lff.

„urhebräische" Akzentregel als Diskussionsbasis am besten
geeignet1. Nach dieser Regel sind, unter Voraussetzung noch
vorhandener Auslautvokale, suffigierte Nominal- und Verbal-
formen auf der vorletzten Silbe betont; andere Verbalformen
haben den Druck auf der Pänultima, sofern diese lang ist,
sonst auf der drittletzten Silbe. Nimmt man an, daß in einem
Großteil der sam. Formen und, hiermit übereinstimmend, in
bestimmten Pausalformen der Tiberier die letzte Aussprache-
stufe des Kanaauäischen in erstarrter Form vorliegt, so scheint
Bergsträssers Regel folgendermaßen zu modifizieren zu sein:
Auf der letzten Stufe der Ausspracheentwicklung, die man
noch der lebendigen Sprache zurechnen darf und die in der
Folgezeit, bis zum Einbruch eines anderen, vom Aramäischen
her bestimmten Systems in der Uberlieferung geherrscht hat,
lag der Druck auf der Pänultima, sofern sie lang war; war sie
kurz, so hatte sie den Druck, wenn ein langer Auslautvokal
folgte. In allen übrigen Fällen lag der Druck auf der dritt-
letzten Silbe. Ultimadruck war selten; er beschränkte sich auf
die Fälle, bei denen Kontraktion der beiden letzten Silben vor-
lag und wo au sich die Pänultima die Drucksilbe gewesen wäre;
z.B. *galdj,ü > galü > tib. gälü; *iaddhü > iadö > tib. iadö.
Durch Wegfall kurzer oder nachträglich gekürzter Auslaut-
vokale ergab sich sekundärer Ultima- und Pänultimadruck,

z.B. *dabarima2 > dabartm > tib. d^barim; *ddbaru > ddbar >
tib. ddbar; Sirahimmä > äträm > tib. Strdm.

Diese Regel, die m.E. für Nominal- und Verbalformen in
gleicher Weise anzuwenden ist, sei es, daß es sich um den
reinen Stamm handelt, sei es, daß wir es mit Stämmen zu tun
haben, die durch Prä- und Afformative sowie durch Suffixe
erweitert sind3, scheint jetzt durch AF. eine Bestätigung zu
finden. Die Vokalisieruug unterscheidet sich, worauf schon
öfter hingewiesen wurde, stark von der sogenannten Pleue-
schreibung der Tiberier. Sie zeigt, daß wir für AF. wesentlich
andere Silbengesetze anzunehmen haben, als wir sie von der
tib. Grammatik her gewöhnt sind. Vor allem lassen sich in
AF. kurzvokalige offene Silben, sowohl mit wie ohne Druck
nachweisen, wo im tib. System gedehnter Vokal oder Schwa
erscheinen4. Damit ergibt sich ein Sprachbild, das sich nach
Silbenquantität und Akzentverteilung deutlich von dem der
Tiberier unterscheidet.

Einige Beispiele mögen dies verdeutlichen. So lautet etwa
das selbständige Personalpronomen von AF. im Verhältnis zu
den tib. K.- und P.-Formen5:

Sg. I. c. AF. 'anöki tib.K. 'änökt P. 'anöki,

'attä 'dltd; attä

'ott 'att


hl ,

PI. i. c. 'andhnü K. '"nähmt P. '*nahnü

'attäm
'aUän(na)
hem(mä)
hinnä

Die Richtigkeit der für AF. erschlosseneu Drucklage ergibt
sich einmal aus dem Wegfall der Auslautvokale in der Sek.
und im tib. System bei 'dttl > 'att, hü'ä > hü und hVa > hl,
dann aber auch aus Formen wie 'attännä oder hennä. Ebenso
verhält es sich beim Personalsuffix. So begegnet etwa in AF.
die Form nST = iaddkä „deine Hand". Diese Bildung ist,
nachdem Endvokalelision eingetreten ist, sowohl in der Sek.
wie in der pal. Vokalisation und ursprünglich auch im Sama-
ritanischen6 vorausgesetzt. In der Sek. lautet^die entspre-
chende Form tadax, wozu die tib. P.-Form iäduekfi zu ver-
gleichen ist, während die übliche K.-Bildung iäd?kä auf maso-
retischer Restitution beruht7.

Von den Nominalformen seien zwei Beispiele herausge-
griffen. Der Ortsname Sodom lautet Jes. i, g q^q S^dom,

') O. Bergsträsser, Hebräische Grammatik I (1918), § 21 f. g.

2) Dies der altkan. casus obliquus des Plurals, der sich in der israelitischen
Zeit als Einheitskasus durchgesetzt hat. Der Nominativ endete ursprünglich
auf -üma; vgl. C. H. Gordon, Ugaritic Handbook2, §8, 6.

3) Eine einzige Ausnahme bildet wohl die alte F.-Endung -t im Perf.,
wo wir die Betonung gdtalat auch für das spätere Kanaanäisch annehmen
möchten. Ebenso bedeutete beim Nomen der Antritt der F.-Endung -t keine
Druckverlagerung; z.B. mdlkat(u).

4) Vgl. J. Hempel, Vorläufige Mitteilungen, 427ff.
s) Vgl. J. Hempel, a. a. O., 432.

°) Infolge der Schematisierung der Drucklage ist im Samaritanischen
nachträglich hier der Akzent um eine Silbe zurückgerückt.
') Vgl. hierzu P. Kahle, The Cairo Geniza, 99.

I.

c. AF.

\möki

2.

M.

'«ftö

2.

F.

'dtt»

3-

M.

Vtit'ä

3-

F.

'ht'ä

i.

c.

'andhnu

2.

M.

'attimmä

2.

F.

'cdtinnä

3-

M.

Mmmä

3'

F.

hinna
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