Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

68.1943

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die Jordansenke muß man das Material gar aus den drei Kapiteln zu-
sammensuchen. Die atomisierende Darstellung macht sich bis ins
Einzelne geltend: im Kapitel über das Klima /.. B. fehlt eine zu-
sammenfassende Charakteristik der Jahreszeiten, auch hier werden
die Klimaelemente (mittlere Temperaturen, Temperaturschwankungen,
Winde, Luftfeuchtigkeit, Niederschlage, deren Mengen, Verteilung
und Formen) einzeln und getrennt behandelt. Übrigens sei hier
berichtigend zu Bd. I S. 113 angemerkt, daß die in Jerusalem
beobachtete Minimaltemperatur nicht — 3,9° (Dez. 1897), sondern
— ().0° (Januar 1907) ist; vgl'. Exner, ZDPV 1910 S. 122.

Der Abschnitt „Historische Geographie'' behandelt:
Grenzen und Namen Palästinas (darin auch Ausführun-
gen über die Wohnsitze der Jebusiter, Hiwwiter, 'Awwiter,
Pheresiter, Girgasiter und Rephaiter), die Berge, die
Täler, Ebenen und Wüsten und endlich die Hydrographie
(d. h. Höhlen, Quellen, Brunnen, Teiche, Flüsse und
Bäche, Seen und Meere), soweit sie in den Geschichts-
quellen erwähnt sind. Der Abschnitt „Politische Geo- |
graphie" behandelt im ersten Kapitel unter der Über-
schrift „Die Bevölkerung Kanaans im 2. Jahrtausend"
nicht die ethnographischen Fragen, sondern nur die in
den Geschichtsquellen (besonders ägyptische Städtelisten
und Amarnabriefe) erwähnten einzelnen Ortschaften und
ihre Identifikation.

Weitere Kapitel behandeln die Grenzen der Stämme Israels
nach Jos. 13 ff. (mit Einschluß der Levitenstädte), die politischen j
Einteilungen der Königszeit (hier auch die judäischen Orenzfestungen j
und Verschiebungen der Grenzen im Zusammenhang mit den geschieht- |
liehen Ereignissen, sowie eine Liste der Städte des Reiches Juda nach I
Jos. 15, 21 ff. und 18, 21 ff.; dabei Versuch einer Verbesserung der ;
Anordnung zur Gewinnung einer klareren Distriktseinteilung), ferner
diie assyrischen Provinzen, die persischen Provinzen, die Gebietsero- I
teilungen in der hellenistischen Periode, Palästina in der römischen !
Provinz Syrien (darin natürlich besonders auch die Staaten der
Hendeer), die Provinzen Syria. Paliaestina und Arabia und die
aiMkirchlichen Einteilungen (bis zur byzantinischen Zeit, nur deren
Nachwirkungen noch bis zum 13t Jahrhundert). Ein Sclilußkapitel !
dieses Teiles behandelt die Verkehrswege (darin besonders auch die
Exodusroute und die Römerstraßen). Man sieht, daß das historische
Interesse auf das Altertum beschränkt ist; schon die arabische
Periode wird nicht mehr behandelt, geschweige denn die Zeit der
Kreuzzüge oder gar die Neuzeit. Doch sei hier angemerkt, daß
vereinzelte Hinweise auf die neuere und neueste Zeit bei Gelegen-
heit, doch ohne Konsequenz, hin und her in allen Teilen des Buches j
zu finden sind. Auch in diesen die historische und politische Geo-
graphie betreffenden Kapiteln trägt die Darstellung oft den Charakter
der Aneinanderreihung von Einzelheiten; so namentlich im ersten
Kapitel des dritten Teiles, in dem man auch die Palästina angehenden
territorialgeschichtlichen und ethnographischen Fragen behandelt sehen
möchte. Von entscheidender Bedeutung ist natürlich die Wertung der
Quellen. Hier ist zu bemerken, daß der Verf. im allgemeinen den
biblischen Quellen ein großes Vertrauen schenkt (Gen. 14, die Marsch-
route des Exodus, Chronik), gelegentlich aber doch auch literar-
oder historischi-kritischen Betrachtungsweisen offen ist (die Stam-
meslisten des Buches Josua). Vereinzelt werden kritische Anstöße
durch harmonistische Exegese aus dem Weg geräumt (z. B. II S. 45 !
zu Jud. 1,8: Diese Angabe über die Einnahme Jerusalems durch
die Judäer kann nichts anderes bedeuten als l'amputation de son
territoire, da die Stadt bis auf David jehusitisch blieb, und das
trotz der Aussage „die Stadt steckten sie in Brand").

Der vierte Teil bringt eine alphabetisch geordnete
Liste von etwa 1200 Namen „biblischer Städte und an-
derer historischer Orte", zu deren jedem kurz die hi-
storischen Daten mit Quellenangabe, die wahrschein-
lichste Identifikation mit einer modernen Ortslage, ge-
gebenenfalls einige Hinweise auf wichtige archäologische
Funde und regelmäßig die wichtigste Spezialliteratur
(auch kürzere Bemerkungen in Zeitschriftaufsätzen) an-
geführt werden. Dabei sind Ortsnamen, die in an-
dern Kapiteln schon genügend behandelt waren (z. B.
solche, die nur in den Amarnabriefen vorkommen), nicht
noch einmal aufgeführt. Man findet die Stellen aber
leicht mit Hilfe des am Schluß des Werkes stehenden
Registers zu den ersten drei Teilen (doch fehlen hier
die ägyptischen Namensformen, die man besonders aus j
dem ersten Kapitel des dritten Teiles zusammensuchen i
muß). Auch ein Bibelstellenregister ist bigefügt und j
erschließt den reichen Inhalt des Buches in bequemer
Weise auch für die Arbeit des Exegeten.

Die beigegebenen 22 Karten sind wohl geeignet,
die gegenseitige Lage der Orte, in Band I auch der
Gebirgszüge und Täler, in Band II auch der Grenzlinien
der verschiedenen Perioden anschaulich zu machen, geben
aber das Relief der Landschaft, soweit dieses darzu-
stellen war, nur sehr unvollkommen wieder, da die
Gebirgszüge meist nur durch ein Gewirr gleichmäßig
starker Kammlinien zur Darstellung gebracht sind. Tech-
nisch stehen die Karten des zweiten Bandes wegen
ihrer Klarheit weit über denen des ersten Bandes. Un-
eingeschränktes Lob aber verdienen die auf 17 Tafeln
gebotenen 34 Landschaftsbilder, sowohl wegen ihrer
trefflichen Auswahl als auch wegen ihrer hervorragend
schönen Wiedergabe.

Breslau C. S t e u e r n a g e 1

KIRCHENGESCHICHTE: SPÄT ANTIKE

Groningen, B. A. van: Short manual of Greek Palaeography.

Leiden: A. W. Sijthoff 1940. (59 S., lOTaf., 15 Tab.). Fl. 4.75; geb. 5.75.

Diese kurzgefaßte griechische Schriftkunde will an
erster Stelle Leitfaden für Studierende der griechischen
Altertumswissenschaft sein, und man möchte wünschen,
daß das inhaltsreiche Büchlein seinen Zweck erfülle
und möglichst viele studentische Benutzer finde, zumal
die lateinische Palaeographie bedauerlicherweise seit Jah-
ren die griechische stark in den Hintergrund gedrängt
hat — die Papyrologen stellen heute wohl die meisten
griechischen Palaeographen, die sich in der Mehrzahl
mit der Urkunden- und Geschäftsschrift zu beschäftigen
haben. Aber gerade an sie wendet sich van Gr.'s Schrift
nicht so sehr wie an die Leser literarischer Texte.
Aus Vorträgen für Leidener Kandidaten des Griechischen
hervorgegangen, gibt sie die Ergebnisse dieser Kurse
in gedrängtester Form wieder. Alle Weitschweifigkeit
und Breite ist nach jeder Hinsicht vermieden, auch die
Bibliographie erwähnt nur die allernötigste Fachliteratur,
von der aus der Leser selbst sich weiter finden muß.

Ein Überblick über Herkunft und Entwicklung des
griechischen Alphabets führt in Kürze in diese vielbe-
sprochenen und oft ungeklärten Probleme ein, ohne sich
natürlich auf eine Diskussion einzulassen. Auch die
Ausführungen über Schreibmaterial und -geräte stellen
knapp das Wissenswerteste über Papyrus und Perga-
ment, Rolle und Buch zusammen; daß dabei, wie über-
haupt, manches nur mehr angedeutet werden konnte
und vieles übergangen werden mußte, ist verständlich
und nicht besonders nachteilig; etwas reichlichere Litera-
turhinweise sollten aber für solche Fälle in einer Neu-
auflage nicht fehlen, auch eine kurze Behandlung der
Schrift der vielen griechischen Bleitafeln dürfte dann
mit Nutzen eingeschaltet werden.

Damit scheint der Weg bereitet für den Eintritt in
die eigentliche Palaeographie, der noch zwei Listen
mit Andeutungen der hauptsächlichsten literarischen Pa-
pyri und Sammlungen von Pergament-Handschriften vor-
ausgehen. Hier wären einige nähere Angaben über die
genannten Sammlungen gerade für Studierende am Platz,
die ja kaum etwas davon haben können, wenn sie nur
lesen: „Ravenna —- Ravennates", Modena — Mutinen-
ses" usf. Kurze Notizen über die Art dieser Hss,
ihre Bibliotheksheimat, auch über wichtigere Hss-Kata-
loge wären gewiß erwünscht. In gleicher Kürze ist der
schriftkundliche Teil selbst gehalten, der sich auf die
Grundtypen der griechischen Buchschrift, Unziale und
Minuskel, und auf die Mitteilung wesentlicher Vertre-
ter unter den „Codices vetustissimi, vetusti, recentiores"
und „novelli" beschränkt. Von einer Skizzierung der
Kursive sieht van Gr. ganz ab, da sie fast keine literari-
schen Texte, sondern nur die Dokumente der täglichen
Schrift überliefert. Sie hat ja auch in W. Schubarts
Griechischer Palaeographie (1925) eine klassische Dar-
stellung gefunden. Um so ausführlicher hätte van Gr.
nach der Unziale über die Minuskel, die für griechische
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