Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

66.1941

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Theologische Literaturzeitung 1941 Nr. 1/2

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menschlichen Maße herabzusteigen um als kraftlos zu gelten; sie be- '
saßen nicht den scharfen Blick und nicht das die Geheimnisse durch- !
schauende Auge des Prophetentums, zu erkennen..." 219, 17ff.—
Gen. 3. 220, 6 Wenn die Seele strahlt (ffM Kb&Q kann Ntfrl nicht
roundness und schließlich auf Umwegen perfection bedeuten. Man
möchte in dem überlieferten Worte ein Nbfc« (arab. djall) sehen, Hülle
Umschlagtuch. Dagegen spricht aber zunächst die Bestimmung zu
rrm im folgenden Satz, und entscheidend die Tatsache, daß der Aus-
druck SIT 'y auch sonst bei Jakob vorkommt, z. B. Homilien tom. iii 7
Zeile 3 v. u. wo von den Wellen des Glanzes der Gottheit die Rede ist.
Das entscheidet auch für unsere Stelle. Wenn man im Folgenden nicht
mit einer Hdsch. vorzieht, darf '3TOS keinesfalls mit 221,2

IKTp gleich gesetzt werden.

235, 22 Es ist verständig, daß der Verf. an RTQTE Anstoß nimmt,
aber nicht verständlich, daß er dafür NTia vorschlägt. srrniB ^DDX
als ganz gewöhnliche bibl. Redewendung verlangt die leichte Änderung
MTPSB, auch wenn man nicht gerade an Ps; 68, 18 (Pes) denkt.
239, 16 liest der Verf. mit Recht für vielmehr KWUM; dann

muß man aber auch in dieser Zeile den Singul. NTOTi lesen. 240, 12 ff.
ist eine sehr interessante Schilderung der Ostertaufe am großen Sonn-
tag. Die Schilderung lehnt sich an den Traum Jakobs Gen. 30, 35 ff.
an. Die Beziehungen zu jener Stelle sind in den Ausdrücken deutlich
genug sichtbar. Wie dort die Empfängnis der brünstigen Schafe
(□n Eyxirmüv LXX) durch die weißen Stäbe, die der Erzvater ins
Wasser stellt, beeinflußt wird, so wird hier die Seele der Täuflinge durch
■den i.ichtglanz des Kreuzes (oraupö; toü rporroc,!) „imprägniert", so
daß sie in strahlender Weiße empfängt. Die Schilderung ist wichtig
für die Taufpraxis der Zeit und religionsgeschichtlich bedeutsam durch
■die Verbindung N"^ yz N~im2. Jakob kommt an einer Stelle in den
Homilien, die ich leider augenblicklich nicht finden kann, noch einmal
deutlich auf die Beziehung der NnpT (Gen. 30) zur Taufe zu sprechen;
vgl. auch tom. ii der Homilien S. 237-238, 1. 240,22 — cant. 4,3.
240,21 f. auf die Taufe folgt das heilige Mahl, vgl. Homilien ii 228ff.
247, 12 — Ps. 23, 2. 255, 21 ff. ist nicht, wie der Verf. meint, eine An-
spielung auf den Tod Absaloms ; Jakob hat deutlich, vgl. Zeile 22 f., das
Ende des Kindleins der Bethseba vor Augen IL Sam. 12, 16 ff. 260, 14
die Erklärung der Bezeichnung Abgars K^imU als Euphratensis wird
wenig Anklang bei denen finden, die die Geschichte jener Zeit kennen.
284, 8 Es ist unerfindlich, warum NDN': hier nicht seine gewöhnliche
Bedeutung Gefäß oder Kleidung haben kann j es soll part. act. vom
Verb IN- sein und bedeuten einen weary (of the dirt)! 285, 14 ff.
ohne Gen. 3. 7 nicht verständlich.

Zum Schluß seien noch einige Vorschläge zum Text
gestattet. IQ, 18f. ist deutlich Dublette zum Vorhergehenden;
die zweite Wiedergabe ist vorzuziehen. 51, 20 ist statt ob zu
lesen pb. 55,20 verlangt der Sinn das von einer Hdsch.
gebotene Hl nu. Zu 58, 20 hatten wir schon oben gespro-
chen als wir die Erklärung des Verf. ablehnten. Ich lese
für das sperrige vbucm einfach rVimj als Apposition zum
vorhergehenden ^nx. Auf die liter. Auswertung der Episode
der Perle 74 78 kann Iiier nur als auf ein Postulat hinge-
wiesen werden. 131, 12 paßt die Lesung tos: für mx besser
in den Zusammenhang: Gott wollte nicht, daß freche
Widersetzliche fröhnten auf die Gottesfurcht ihrer frommen
Eltern und so von der früheren Bestimmung Nutzen hätten

— deshalb hob er sie durch eine neue auf. 183,31 hat der
Verf. eine richtige Spur gefunden, es empfiehlt sich p'^n: zu
lesen statt iNtrbm], Iii der zweiten Wiedergabe des zu er-
klärenden Textes 184, 1 f. ist die Überlieferung der Pe§ zu
Grunde gelegt; Zeile 4 ist der Plural ranpnN zu lesen,
vgl. 189,17. Dagegen beruht die erste Wiedergabe 169,30
bis 170,3 auf dem Wortlaut der LXX; daraus vgl. 184,5

— geht also hervor, daß der Adressat des 23. Briefes, Maron,
LXX benutzt und sein Schreiben höchst wahrscheinlich auch
griechisch verfaßt war, vgl. 169,6. 189, 29 lies IT«*, 208, 19
■pME für ■pro':, 210,17 böbn für M&H, 211,27 pano für
1T03, vgl. 210,28. 243,15 Seine Lesart [^dn] zieht der
Verf. mit Recht selbst in Zweifel, aber das von ihm dafür
vorgeschlagene TW bringt uns auch nicht weiter. Ich ver-
mute für das schwer lesbare Wort TN «nd lese also
'n HTTHS) -ps. rju unschuldig Verfolgter gelangst so zu gutem
Rufe gleich den Rechtgläubigen, die den richtig erkennen-
der u. s. w. Zum Inhalt von im«, vgl. 292,20. 294,11,
yyr-i, das der Verf. nach Martin umändern will, ist unan-
tastbar, vgl. auch 258,13. 244,31 ist mro erforderlich,
246,13 beginnt der Satz mit 'n t|XKn! 247,14 statt [pbo.
lies ttfiati, 249, 13 statt ynt\ lies pn, vgl. 76,14. 251,4 lies
jrnsrap für mSfaa 252,10 rosi für rvm. 285.19 bis
286,5 bevorzugt der Herausgeber den von B (addit. 17163)

überlieferten Text gegenüber allen andern Zeugen, die we-
sentlich unter einander übereinstimmen. Ich glaube nicht,
daß diese Wertung zu Recht besieht. Die übereinstimmende
Tradition (gegen Bj kennt nicht die Apodosis 286,3 f., de-
ren Inhalt zudem ja gar nicht zu dem angeführten Zitat
Luc. 18,2 —6 paßt. 285,19 ist danach eine vollkommene
Aussage, die mit 286,3 Pin zu Ende ist.
Marburg W. Frankenberg

Capelle, Wilhelm: Die Germanen der Völkerwanderung. Auf

Grund d. zeitgenöss. Quellen dargestellt. Stuttgart: A. Kröner [1939].

(592 S., 4 Ktn.) kl. 8° = Kröners Taschenausgabe Bd. 147. RM 5.50.
Diese Geschichte der ostgermanischen Stämme und
ihrer Staaten auf römischem Boden verbindet wie kaum
eine andere zwei Vorzüge miteinander: 1) eine auf sorgsam-
ster Quellenkritik beruhende wissenschaftliche Zuverläs-
sigkeit und 2) eine ungemein fesselnde und eindringliche
Darstellung. Dadurch, daß die zeitgenössischen Berichte
ständig herangezogen und z. T. im Wortlaut wiederge-
geben werden, erhält der Leser ein lebendiges und far-
biges Bild sowohl von den politischen und kriegerischen
Vorgängen wie von den führenden Persönlichkeiten. Ca-
pelle übertreibt weder noch beschönigt er, aber er weiß
u>ns Menschen und Ereignisse greifbar nahe zu rücken,
und die objektive, jeder Zeittendenz abholde Darstellung
läßt nur um so stärker die ungeheure Aktualität jener
Epoche (etwa in dem Ringen zwischen dem Vandalen-
reich und Rom oder in den Streitigkeiten der Konfessio-
nen) fühlbar werden. Bedauern muß man, daß die Bur-
gunder und die Langobarden nur ganz kurz in einem
Anhang behandelt werden. Im übrigen ist hier nicht der
Ort, das Werk vom Standpunkt des Historikers zu
besprechen, nur auf seine Bedeutung für die Kirchenge-
schichte sei nachdrücklich hingewiesen. Capelle wid-
met besondere Aufmerksamkeit der Kirchenpolitik der
germanischen Könige in der richtigen Erkenntnis, daß
diese das Schicksal ihrer Staaten aufs stärkste beein-
flußt hat — ist doch z. B. der Untergang des Vandalen-
reiches nicht zuletzt durch die Todfeindschaft der katho-
lischen Kirche herbeigeführt worden. Bei der Schil-
derung der Konflikte zwischen Arianern und Katholiken
ist der Verfasser bemüht, Licht und Schatten gerecht zu
verteilen; doch hat man manchmal den Eindruck, daß
das Zeugnis der katholischen Geschichtsschreiber etwas
zu stark in die Wagschale geworfen wird. C. sieht den
tiefsten Grund für den Untergang des Germanenreiches
auf römischem Boden nicht so sehr in den religiösen
Gegensätzen (die ja zugleich auch nationale waren)
als vielmehr in der Tatsache, daß „diese Stämme, von
ihrer Heimaterde losgelöst, ganz eigentlich entwurzelt"
waren, und daß das Prinzip des Rechts, das die Römer
den germanischen Eindringlingen gegenüber geltend
machten, diesen ein Gefühl der inneren Schwäche ihrer
Position im Imperium Romanium gegeben habe. —

Das Verhältnis von Germanismus und Arianisnuis
wie überhaupt den Uebertritt der Ostgermanen zum
Christentum läßt Capelle — und dies ist ein bedauer-
licher Mangel des Werkes — ganz außerhalb seiner Be-
trachtung. Macht man sich seine Auffassung von den
das Schicksal der Germanenreiche bestimmenden Fak-
toren zu eigen, so würde daraus wohl folgen, daß in
der Entwurzelung der Ostgermanen auch der Grund
für ihren so überraschend schnellen und glatten Glau-
benswechsel lag. Das würde die Auffassung bestätigen,
daß die gesamte politische und geistige Lage, in die sich
diese Stämme infolge ihres Eindringens ins römische
Reich versetzt sahen, für ihren Uebertritt zum Christen-
tum den Ausschlag gegeben hat, dem Wirken der Gotem-
mission und überhaupt den eigentlich religiösen Motiven
dagegen nur sekundäre Bedeutung zukommt.

Leipzig Walter Baetke
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