Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

59.1934

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Theologische Literaturzeitung 1934 Nr. 25.

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Herzenseinfall des Kindes. Dialektisches Denken will zu offenbaren, was denn nun dies nordische religiöse
beten, lieben, glauben" S. 25. „Weil ich Gott nicht er- Glauben und Denken ist, noch viel weniger, mit welchem
fahren kann, KANN ich ihn erfahren". S.30. „Die Buße Recht dies nordische religiöse Denken sich zum Richter
ist für mein inneres Leben das, was für die räumliche aufwirft für Fragen, die doch nur in harter, Wissenschaft-
Wirklichkeit das Entfernen jeder Bewertung bedeutet" lieber Arbeit gelöst werden können. Soviel ich sehe, ist
S. 63. „So wird an den Symbolen Brot und Wein an- es ein krasser Rationalismus, der einfach für unecht er-
schauhch gemacht, daß auch die Not des Raumes und klärt, was ihm nicht benagt. Nein, diese Methode ist
der Zeit überwunden ist und die Sünde, deren Form sich doch zu einfach. Man staunt, daß ein Akademiker den
in Raum und Zeit darstellt. Der Raum ist überwunden Mut hat, in einem ihm fremden Wissenschaftsgebiet in
im Brote, die Zeit im Weine, aber doch sind beide derartig primitiver Weise Urteile zu fällen. Wir sind
Eins!" S. 84. „Raum ist gefallene Kirche! Kirche ist , auch bewußt nordisch denkende Menschen. Aber wir
erlöster Raum!" S. 127. „Irgendwie ist der Gottesdienst sind gründlicher und müssen daher diesen Dillettantis-
der Gemeinde der Quellort für Raum und Zeit. Dort ent- mus ablehnen. Sich mit dem Inhalt kritisch auseinander-
springen sie — und damit die ganze empirische Wirk- zusetzen, lohnt nicht.

lichkeit" S. 170. Der Gipfel des Grotesken ist da er- t Berlin. j. Witte,
reicht, wo die heilige Familie Jesus Maria Joseph zur

Auseinandersetzung mit der kantischen Erkenntnistheo- ! Haessig, Georg: Unter den Urwaldstämmen in Kamerun,
rie herangezogen ist S. 197 f. Die angezogenen Beispiele | Ein Ringen um die Seele des Afrikaners. Stuttgart: Ev. Missionsver-
ließen sich beliebig vermehren. Sie bedingen die Unven- lag 1933. (230 S. m. mehr. Taf. u. l Kte.) 8°. kart. RM3—; geb. 4—.
ständlichkeit und Dunkelheit des Ganzen. Nur ein Dop- Das Buch schildert die Pionierarbeit Basler Missio-
peltes wird deutlich: die Polemik gegen den sog. Re- nare im unerschlossenen Innern von Kamerun. Man
naissance-protestantismus und die Hinneigung zur Hoch- liest es mit großer Hochachtung, wie diese Bahnbrecher
kirche und weiterhin zum Katholizismus. Der Verfasser der Mission zu vollkommen wilden Stämmen vorstoßen,
will den evangelisch-lutherischen Standpunkt vertreten, unter sehr viel Entbehrungen und Gefahren mit den
S. 10. Aber es drängt sich ihm selber die Frage auf: widerspenstigen Häuptlingen verhandeln und durch ge-
ist das, was hier entwickelt wird, nicht „katholisch"? schicktes Vorgehen erreichen, daß ihnen die Ansiedlung
S. 11. Die Frage wird von ihm verneint. Aber seine und die Eröffnung einer neuen Station möglich wird.
Sätze über das Dogma, die Überlieferung, den Priester, Völkerkundlich und religionswissenschaftlich gibt das
den Bischof, die bischöfliche Weihe, die apostolische Buch aus einer feinen Beobachtungsgabe viel Interessan-
Sukzession, die Sakramente, die „Wandlung" im Abend- tes. Das ganze Elend dieser in Geisterfurcht und Aber-
mahl und seine Forderung der Marienverehrung auch glauben gebannten Menschen tritt drastisch heraus. Da-
in der evangelischen Kirche weisen unverkennbar in bei hat der Verfasser doch einen liebevollen Blick für
die Richtung teils der Hochkirche teils des Katholizis- alles menschlich Sympathische dieser Naturmenschen,
mus. Auseinandersetzungen mit andern Theologen sind Auch die Großartigkeit der tropischen Natur wird mit
selten. Gelegentlich begegnen Namen wie Heiler, Stei- offenbarer Freude empfunden und plastisch geschildert,
ner, Rittelmeyer, Kierkegard, Karl Barth, Johannes Mül- Man bedauert bei der Lektüre des Buches, daß dies
ler, Albert Schweitzer und vor allem Karl Heim. In schöne Land nicht mehr deutsche Kolonie ist. Literarisch
dessen Theologie, erklärt der Verfasser, liege, kausal ist das Buch zugeschnitten auf den Geschmack unserer
betrachtet, die stärkste Wurzel der vorliegenden Arbeit, schlichten Leute, in gutem Volkston. Religiös spiegelt
Das ist gewiß unter dem hervorgehobenen kausalen Ge- es den Pietismus wieder, wie er in der Basler Mission
sichtspunkt zutreffend, aber nicht unter dem kritischen, herrscht. Wunderbare Bewahrungen von Missionaren
Wenigstens glaube ich nicht, daß Heim für diese Aus- werden kindlich schlicht geschildert. Warum dann aber
Wirkung seiner Theologie die Verantwortung überneh- ein anderer Missionar ertrinkt, also nicht bewahrt wird,
men wollte. das wird mit Stillschweigen übergangen. Immerhin, ein
Tübingen. Fr. Traub. gutes Buch. Diese selbstlose, hingebende Arbeit der

Missionare auch als Pioniere deutschen Wesens wird

Dan ms, Dr. Rudolf: Jesus und der nordische Mensch. Mar- bei uns längst nicht hoch genug geschätzt. Diese Hoch-
kusevangelium und deutscher Glaube. Berlin: F. Keller 1934. achtung ZU stärken, ist das Buch wohl geeignet.
(72 S.) 8°. j. RM 1.50. , B ,. , Wjtte

„Davon, daß Jesus Vollblutjude gewesen ist, kann______

keine Rede sein." „Wir wollen uns einfach fragen: was ^^MMH^^HBmHBBHBMMHH^HRHRBI^^H
hat uns nordischen oder wenigstens bewußt nordisch
denkenden Menschen unserer Zeit die Lehre des histo-
rischen Jesus von Nazareth, den wir am besten
im Markusevangelium kennenlernen, noch zu sagen?"
„Vielleicht sind wir einer deutschen Kirche auf nor-
disch-evangelischer Grundlage näher als wir denken."

®ie Geologie bes Kairos unb
bie gegenwärtige geiftigefiage.

Dtes'rSätze^aurdem' Vorwort ken^Wchnen""de77nhält Offener 'S rief oon $aul Stllld) an (Smamtel 5)irfd).

der Schrift, die in die Linie der Bücher von D. Klagges _ ,t - , cy> • E tp 1 „•r-t, __r

und Lic. Dr. W. Erbt gehört. Das Buch sucht aus dem 3uttt ttjCOlogtfc^ett S3rtefttX>d)fel StOtfctjett ^Orl

Markus-Evangelium ein „echtes" Bild Jesu zu gestalten. <8artI)Unb©CrI)Qrb^ittcI.35on^orieubn)i96d)mibt.

Das Kriterium sind aber nicht etwa wissenschaftliche

Hilfsmittel, sondern das nordisch religiöse Gefühl ist
der Maßstab, nach dem entschieden wird, ob eine Stelle
echt ist oder nicht: „Für unser nordisches religiöses
Gefühl ist es selbstverständlich" (S. 43), „so haben
sie jedenfalls unserem heutigen nordischen Glauben
nichts mehr zu sagen" (S. 40), „hätte übrigens unserem
nordischen religiösen Denken nichts zu sagen" (S. 30),
„würde unsern nordischen religiösen Glauben kalt las-
sen" (S. 22). In diesem Stil geht es durch das ganze
Buch. Der Verfasser gibt sich aber nicht die Mühe, uns

Reifte Veröffentlichungen bilben ben 3nhalt ber 9Torjember-
Stummer 1934 ber Sfjeologifdjcn ".Öfäiter, hcrmiscicq.
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^reis bes (Sinjeltjeftes SR9H1—.
3at)resQbonnement ber SEt(eoloc|ifd)en "Blätter (I2 9tum-
mern) 9v3Jt 10—, bei birektem 93eaug äuaüglid) <R3Jt - 60.
^probenummer koftenfrei.

SJerlag ber 3. <£. S>ittrid)s'fd)eit Sudjfjblg. in Cet^gig (E 1

Die nächste Nummer der ThLZ erscheint am 22. Dezember 1934.

Verantwortlich: Prof. D.W.Bauer in Göttingen, Düstere Eichenweg 14; für den Anzeigenteil: C. Kunze, Leipzig.
Verlag der J. C. H i n r i c Ii s'sehen Buchhandlung in Leipzig C 1, Scherlstraüe 2. — Druckerei Bauer in Marburg.
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