Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

54.1929

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 23.

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Hahns Schriften belegt. Der Stoff ist gegliedert nach dem Schema: ! rasch die Verehrung zu finden, die ein französisches Mädchen, die
Offenbarung der Herrlichkeit Gottes in seiner Selbstoffenbarung und in ' vor kurzem Heiliggesprochene .kleine Therese" von Lisieux (t 1897),
der Schöpfung; der Verlust der Herrlichkeit, beginnend mit der eigen- erfahren hat. Das Leben und frühe Sterben der beiden ist sehr ähnlich!
tümlichen Hahnschen Lehre von dem Hinabsinken Adams in die , Die über Margarete Sinclair erschienene Literatur ist schon zahlreich und
geschlechtliche Sinnlichkeit als der ersten Stufe des Sündenfalls; die | in etwa 10 Sprachen übersetzt. Auch drei kleine deutsche Lebensbe-
Wiederherstellung der Herrlichkeit in der Erlösung und der breit aus- : Schreibungen liegen vor; sie sind am Schluß dieser einfachen, von
geführten Geistesmitteilung und Geistesgeburt und der Schilderung des ' einer Klosterfrau stammenden Biographie, freilich mit starken Druck-
königlichen Regiments und Reichs Christi mit der von Hahn hoch- ' fehlem (der Stuttgarter Verlag z. B. heißt in Wirklichkeit Otto Schloz),
geschätzten Lehre von der Wiederbringung aller Dinge und vom I aufgezählt. Auch zwei Lichtbilder des Mädchens und der Nonne schmücken
tausendjährigen Reich. Ein kurzer Lebensabril! Hahns wird voraus- j das Büchlein.

geschickt. Die fünfzehn Bände mit Hahns Schriften sind selten und Waiblingen. Wilhelm Koch
wegen Hahns unsystematischer, umständlicher Ausdrucksweise mühsam

zu "lesen; Stroh ermöglicht ein rasches Bekanntwerden mit Hahns i c h] „ ^ „_,. .

Geisteswelt und läßt erkennen, wie stark Hahn, ihm selbst unbewußt, ÄCBI?".,.T' 1 Iof\,D" Adolf: Hfl'fe ,n Bibelnot. Neues u. Altes

abhS von Böhme. ,37^)^' erweit. Aufl. Essen: beizeiten Verlag .928.

Horb G. Bossert n m n j , ' ' '

norD- 1 Ders.: Marien-Reden. Ebd. 1927. (96 S.) kl. 8°. RM 2.50.

Ders.: Ich will Ihn loben bis zum Tod. Predigten. Ebd 192S

1. Mezard, R. P., O. P.: Doctrine Spirituelle de Sainte (317 S.) 8°. geb. RM 6 80
Jeanne-Francoise de Chantal. Fondatrice de la Visitation. _ Freizeit-Bücher 1—3

. m"S: 'putabTthTe'ui'ro.x? Carmelite dechauSee' ^ D'e BotSchaft d- Paulus. Eine Übersicht über d. Römer-

2. Mere Elisabeth de la Croix. Carmellte deenaussee, bricf Ebd 1028. (45 S.) 8°. RM 1.60 »eb ^ 30
SeDt Retraites. Precedees d une notice biographique sur „La Disciple _ .. . . ' , x uu, KcU. j.jv.
tSauM^Pm^tStie. Paris: P. Lethielleux 1929. (XVI, Ders-: Unsere Abendmahlsfeier. Ebd. 1928. (23 S.) 8».
359 S. m. e. Bildn.) 8* IS Fr. ^ Das Werden ^ ^ ^ Urchrjstenhejt ™ "-«•■

Zwei Quellenschriften aus der Geschichte des
Frömmio-keitslebens in der katholischen Kirche Frank-

08 S.) 8". rm 1.20.

Ders.: Die Gabe des Christus. Eine Auslegung d. Bergpredigt.

re'ChS- Ebd. 1928. (44 S.) 8°. °R.vf 1.60 • geb" IST

i. Ans dem schriftlichen Nachlaß der bekannten Schülerin und = Freizeit-Blätter 1_4

Freundin des hl. Francois de Sales, der hl. Franziska de Chantal I . .

(t 1641), einem Nachlaß, der in 8 Bänden seit 1874 9 vorliegt, hat der ,i - ■ , selner theologischen Lehrtätigkeit hat

Dominikaner Mezard in Vassieuz (Dauphine, östlich von Valence) ein j Adolf Schlatter selber einmal so umschrieben: „Was ich

in 16 Kapitel eingeteiltes Handbuch der Aszese zusammengestellt, das , zu lehren habe, darüber gab es kein Schwanken. Lesen

besonders für Obere und Beichtväter weiblicher Ordensleute gedacht und J sollte die ZU mir kommende Jugend lernen, nicht irgend

gewiß hervorragend geeignet ist. Alles, was eine Aszetik enthalten muß, ein Buch, sondern „das Buch" das Neue Testament

und nichts anderes als Aszetik ist in diesem gediegenen fast fehlerlos j Um sie lesen zu lehren, besaß ich wieder nur ein einzi-

gedruckten Handbuch enthalten. Mine de Chantal war eine nüchterne , ,rPa Mittel rla* Reicniel lob .„„nt» * • -

praktische Natur, ohne bilderschalfende Phantasie, und doch in Gott ' ' -Btt8PK\' Ich mußte es für Sie Und mit
vertieft wie eine Mystikerin, die trotz unzähligen Geschäften der Ordens-
leitung (Salesianerinnen oder Schwestern von der Heimsuchung Marias)
nie äußerlich, oberflächlich wurde, eine Frau von starkem Gefühl und
doch ohne alle Sentimentalität, zu einer Ordensführerin wie geschaffen

ihnen lesen. Der nach innen gekehrte Vorgang am
Lesen ist das Hören. Das war somit meine Amtspflicht
und der von mir zu erfüllende Gottesdienst, auf Jesus
und seine Boten zu hören, so zu hören, daß ihr Gedanke

In ihren aszetischen Unterweisungen für ihre Klosterfrauen spiegelt sich j mein Gedanke Und ihr Wort mein Wort wurde" (Er-
ganz und gar der Geist des weisen Franz von Sales, sodaß man die lebtes, Berlin 1924, S. 77). In der Linie dieser seiner SO
vorliegende Aszetik das weibliche Gegenstück zu des hl. Franz be-
rühmtem Traite de l'amour de Dien nennen kann. Die Fundstellen sind
überall zitiert. Die öfters wiederkehrende Abkürzung R. oder Rep.

einfach und groß gesehenen Lebensarbeit, hörend, mit-
hörend zum Lesen der Schrift zu erziehen, liegt es

deutet wohl die Briefsammlung an. wenn Sch jetzt eine Schriftenreihe veröffentlicht, die

2. Die Karmelitinnen des Klosters Fontainebleau bei Paris geben ' U , r fj Krf ■ der. studentischen Hörer und wissen-

in diesem Buch die Hälfte der Aufzeichnungen heraus, die sich ihre einstige 1 schattlichen Mitarbeiter hinaus sich an die Gemeinde,

Oberin, die Gründerin der Klöster Fontainebleau und Meaux, Mutter besonders an ihre jugendlichen Glieder wendet. Der'

Elisabeth vom Kreuz (Noemi Doussot, 1832- 1896) unter dem Eindruck reiche Ertrag einer lebenslangen Arbeit am Neuen Testa-

von jährlich je 10-tägigen religiösen Übungen (Retraites, Exerzitien), j ment wird hier in den Dienst der Gemeinde gestellt

geleitet meist vom Jesuitenpater Fessard, in den Jahren 1869 -1883 ge- 1 Das Eigenartige, ja wohl Einzigartige dieser Sammltino

macht hat. 1870 und 1871 in »eichen Kriegsjahren die Verfasserin jst die Verbindung von strenger Wissenschaftlichkeit

sich nach der Bretagne geflüchtet hatte, scheinen die Übungen aus- , mj4 sehlietrter lnrm „,„l fJJt ,,t w »^^tr^unaTTIlcrikeit

gefallen zu sein. Die Aufzeichnungen von 1874, 1879, und 1881 sind I ffSSf^k • /ufasse"der Erbaulichkeit,

nicht oder nur in Bruchstücken erhalten. Der Inhalt des Aufgezeichneten | t7S lst nlcnt «>, daß hier ein Wissenschaftlicher Theologe

mag für die Schülerinnen und Bekannten der Verstorbenen eine wert- ■ .~T ^'°.n selner Hohe herabstiege und der Gemeinde

volfe Erinnerung sein; von weiter greifender Bedeutung ist er nicht, 1 zeigte, daß er auch erbaulich ZU reden verstünde, auch

denn er geht kaum über den Durchschnitt solcher „Exerzitienfrucht- nicht so, daß einem erlesenen Kreise aus der Gemeinde

Notizen" hinaus. Dem Abdruck der Notizen geht eine kurze Be- 1 gestattet würde, ZU dem Theologen emporzusteigen und

Schreibung des Lebens dieser typisch französischen Klosterfrau voran ! eine Weile mit ihm auf wissenschaftlichen Höhen ZU

(S. 1-25). Ausführlicher handelt darüber ein ganzes Buch über sie j wandeln. Wo für die Gemeinde bestimmte Schriften

und ihren gleichfalls schon verstorbenen Bruder, den Dominikanerpatcr , theologischer Verfasser einen dieser Weve eiWhlncren

Doussot. das vom selben Verlag zu beziehen ist. hat man immer Grund, entweder für den Ernst ihrer'

Waiblingen. Wilhelm Koch. k wissenschaftlichen Haltung oder für die religiöse Tiefe

ihrer Erbaulichkeit zu fürchten. Der Theologe und der

Forbes F A • Margaret Sinclair. Preface de S. G. l'Archcveque I S^h°}'ßfr sin^..in (7chlGei"S ß!T°r£n- S?". wissen
de Ä£ T^*™l^V«>MDecMn*,S.JA2.BL) schafthehes „Hören" auf das Schr.ftwort bringt ihn,
Paris- p lethielleux (1929) (151 S. m. 2 Bildn.) 8°. 7 Fr. , auch wo es dem menschlichen Gewände der Schrift
Margaret Sinclair ist ein am 29.8. 1900 zu Edinburgh geborenes : gilt, immer aufs Neue lind immer tiefer auch mit ihrer
römisch-katholisches Arbeitennädchen, das in seiner Heimat die katho- , geistlichen und göttlichen Kraft in Berührung. Und
lische Volksschule besuchte, dann Fabrikarbeiterin wurde, nach Ableh- sein frommes „Glauben ' an das Schriftwort entsteht
nung der Ehe im Jahre 1923 bei den Klarissen in Notting-Hill (London) immer unter einem Hören, das hingebende Arbeit, Ent-
eintrat, 1925 Profeß ablegte, noch im gleichen Jahre aber (24. 11. 1925) sagung bedeutet.

an Schwindsucht (einer Folge von Unterernährung in der Kindheit) starb, 1 ' Einblick in diese inneren Zusammenhänge bieten

zuerst in London begraben, 1927 aber in ihre Heimat uberfuhrt und besontJers Zwei kleine Abschnitte in dem Sammelb inde

dort bestattet wurde Sie hat nichts Schriftliches hinterlassen, ihr Leben ,f [„ Bibelnot". Von des Verf.s eigener Erfahrung

enthält auch keinerlei außergewöhnlichen Ereignisse, ihre Person steht » c R., , , • , . t Hpr • ,0 o=oS« v rT c , M

im Durchschnitt gutgearteter und wohlerzogener junger Mädchen ihrer mit der Bibel berichtet der eine (S 2d3 ff.) Die Schrift

Herkunft. Trotzdem ist sie seit ihrem Tode vielgenannt und scheint , ist unerschöpflich — SO ist der überraschende Eindruck
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