Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

54.1929

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Theologische Literaturzeitung 1929 Nr. 3.

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riert wohl im Literaturverzeichnis, hat aber sonst kaum
Spuren hinterlassen — daß er häufiger die katholische
zitiert, ist verständlich und auch nützlich, da diese uns
meist wenig bekannt, oft auch schwer zugänglich ist.

Zum Schluß ein paar Fälle, wo ich mit seinen Lö-
sungsversuchen gar nicht einig gehen kann. Wenn er
c. 4 mit Hommel ursprünglich auf Nabunaid und dessen
Aufenthalt in Talma gehen läßt (S. 41), so ist diese
alte Hypothese durch die neue und bessere Kenntnis
über diesen König hinfällig geworden, obwohl man an-
scheinend früh ähnliches von ihm erzählt hat, s. ZAW.
44, N. F. 3 (1926) S. 42 ff. 48. — G. versteht unter
dem zweiten Reich das Belsazars, unter dem dritten das
medisch-persische (S. 25. 54) mit der Begründung, daß
auch das erste einen persönlichen Träger habe 2,37 f.
und Meder und Perser in Daniel immer als einheitliche
Größe erscheinen (S. 64. 66). Der Wortlaut von 2,39
„ein anderes Königtum" verbietet das m. E.; die Haupt-
sache sind doch die Reiche, wenn auch einmal dafür der
König eintreten kann. Daß Meder und Perser sonst zu-
sammengenommen sind, ist kein Gegenbeweis, da die
einzelnen Stücke doch auch nach G. selbständig ent-
standen sind und hier die durch die Tradition gebotene
Vielzahl — darüber vermisse ich bei G. eine Bemerkung
— so gut es eben ging der Geschichte angepaßt werden
mußte. — Um die Zehnzahl von Königen 7, 24 heraus-
zubekommen, nimmt G. zu den bekannten sieben Seleu-
kiden Heliodor, Demetrius I. und Ptolemaeus IV. hin-
zu (S. 65): Heliodor war aber überhaupt nie König,
Demetrius I. damals bloßer Prätendent als Geisel in rö-
mischen Händen, und Ptolemaeus fällt vollends aus der
Reihe heraus; eine bessere Lösung s. hier 1928 Sp.
291 f. — Zu c. 11 ist nicht bemerkt, daß die auffallende
genaue Entsprechung zu der außerbiblisch bezeugten
Geschichte mit V. 39 plötzlich abbricht, was gewichtige
Konsequenzen nach sich zieht.
Gießen._____W, Baumgartner. _

Zahn, Theodor: Altes und Neues in Vorträgen und kleineren
Aufsätzen für weitere Kreise. N. F. Leipzig;: A. Deichert 19.28.
(II, 105 S.) 8". RM 3.80; geh 5.50.

Dem ersten im Jahre 1927 erschienenen Bande
(vgl. Th. L. Z. 1927, Sp. 580 f.) folgt diese etwas we-
niger umfangreiche, aber nicht weniger charakteristische
Sammlung von sechs Arbeiten, deren älteste 1875 und
jüngste 1926 entstanden ist. Die drei ersten (Der
Kampf um das Apostolikum, 1893; Warum müssen
wir am Bekenntnis festhalten?, 1913; Ein Weihnachts-
bekenntnis, 1908)) lassen die Jahre des wogenden
Kampfes um das Apostolikum wieder lebendig werden.
Auf eine ehedem anonyme Vorrede zu des vergessenen
Dichters Löwe Drama „Maria von Magdala" folgt eine
Verteidigung der Einheitlichkeit und Echtheit der Jo-
hannesoffenbarung gegen Riggenbach und endlich eine
Untersuchung über die Geburtsstätte Jesu in Geschichte,
Sage und bildender Kunst. Alle, welche den Wert der
Lebensarbeit des greisen Gelehrten für Theologie und
Kirche zu schätzen wissen, werden es begrüßen, daß
durch die Neuausgabe diese Arbeiten bequem erreich-
bar gemacht und vor sonst vielleicht drohender Ver-
gessenheit bewahrt werden. Sie enthalten eine Menge
bezeichnender exegetischer Auffassungen, theologischer,
kirchlicher und persönlicher Urteile. Die Abneigung
gegen jede Verschwommenheit oder Zweideutigkeit der
theologisch-kirchlichen Haltung von Theologen und
kirchlichen Behörden ist ebenso kennzeichnend, wie die
unverhüllte Sympathie, mit der trotz völliger Gegen-
sätzlichkeit des Standpunktes eine Persönlichkeit wie der
württembergische Pfarrer Schrempf wegen ihrer rück-
sichtslosen Konsequenz gewürdigt wird.
Erlangen.__ _H. St rat h m a n n.

Lei pol dt, Prof. D. Dr. Johannes: Evangelisches und katho-
lisches Jesusbild. Leipzig: Dörffling & Franke 1927. (66 S.)
8°. karr. RM 3.20.

Thema dieses erweiterten Vortrages ist genau ge-
nommen nicht eine vergleichende Gegenüberstellung

des evangelischen und katholischen Jesusbildes, wie es
etwa in der künstlerischen Darstellung oder in der histo-
rischen Schilderung hüben und drüben zu finden ist.
Vielmehr wird die Art des katholischen Jesuskultus und
die Stellung Jesu im katholischen Religionssystem ge-
zeichnet und einer Beurteilung vom evangelisch-theolo-
gischen Standpunkt aus unterworfen. Dabei sind vor
allem Beobachtungen verwendet, die der Verf. auf einer
längeren spanischen Reise im Jahre 1927 gemacht hat,
Beobachtungen, welche das Fortleben antik heidnischer
Elemente in einem Kultus, wie er dort geübt wird, be-
sonders stark empfinden lassen. Was die Stellung Jesu
im katholischen Religionssystem angeht, so wird die
Verschiebung des Kultuszentrums zugunsten Marias, die
Schaffung des König-Jesusfestes (1925) mit den da-
hinterstehenden politischen Ansprüchen, die Jesusmystik
in ihren mannigfachen Formen als „Salz der katho-
lischen Kirche", zugleich aber als Quelle krankhafter
psychischer Erscheinungen und bedenklicher Selbst-
täuschungen, weiter Meßgottesdienst und Hostienkult,
endlich Jesus als angeblicher Stifter der Papstkirche be-
handelt. — Das Büchlein legt weniger Wert auf syste-
matische Geschlossenheit und Heiausarbeitung der
innersten Wurzeln der vorhandenen Gegensätzlichkeit
als auf lebendige Anschaulichkeit, die sich auf reiches
konkretes Tatsachenmaterial aus Vergangenheit und Ge-
genwart stützt und dieses zu anziehenden Schilderungen
vereinigt.

Erlangen. H. Strathmann.

Uhlmann, Dr. Josef: Die Lehre des hl. Bonaventura über
die Vollgewalt des Papstes. Sonderabdr. aus den „Franzis-
kanischen Studien". Münster i. VC.: Aschendorffsche Verlagsbuclih.
1924. (24 S.) gr. 8". RM -80.

Der Verf. veröffentlicht hier einen 1922 in der
österr. Leogesellschaft zu Wien über dieses Thema ge-
haltenen Vortrag.

Der I. Abschnitt behandelt die spekulative
Grundlegung des Primats durch Bonaventura: All-
überall, in der Natur, in der menschlichen Gesellschaft
und im Bereich der übernatürlichen Geisterwelt herrscht
Ordnung und zwar so, daß ein höchstes Glied die übri-
gen beherrscht. Die organisierte irdische Kirche, die in
der Mitte zwischen Natur und Übernatur steht, unter-
steht ebenfalls diesem Weltgesetz. Da die Einheit ein
Wesensmoment der Ordnung ist und ohne den Primat
eine Einheit der Kirche nicht zu denken ist, so bedarf
die Kirche eines einigen Hauptes. Ziel und Ausgangs-
punkt aller geordneten Rechtsverhältnisse ist aber nicht
nur Gott und Christus als Mittler zwischen Gott und
den Menschen, sondern auch dessen Stellvertreter. Und
zwar ist es dieser auf Grund göttlicher Anord-
nung, sofern Christus den Petrus zum ersten Apostel er-
hoben hat.

Im II. Abschnitt wird die Vollgewalt des Papstes
nach B. beschrieben. Derselbe ist allein Inhaber der
ordentlichen und unmittelbaren Vollgewalt. Wie von der
Sonne die Strahlen überallhin gehen, so gehen vom
Papst alle Grade der hierarch. Amtsgewalt aus. Wäh-
rend die Gewalt des Bischofs der des Metropoliten zwar
untergeordnet, aber nicht aus ihr entsprungen ist, ist die
Gewalt des Bischofs wie des Erzbischofs sowohl der
des Papstes untergeordnet als aus ihr entsprungen. In-
folgedessen kann der Papst, nicht aber der Metropolit
Erlässe des Bischofs ohne weiteres abändern. Während
der Erzbischof nur mittelbarer Vorgesetzter der Gläubi-
gen ist, ist der Papst der unmittelbarste Vorgesetzte der-
selben.

Über das Verhältnis von Papst und Kon-
zil äußert sich B. nicht näher, doch stellt er fest, daß
der Papst den Beschlüssen der Väter nicht unterworfen
ist. Der Papst ist höchster kirchlicher Gesetzgeber und
als solcher keinem kirchlichen Gesetz unterworfen; er
hat die Kirchengesetze zu interpretieren, er kann sie
auch abändern und widerrufen. Was die Dispensa-
tionsgewalt des Papstes betrifft, so bezieht sie sich
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