Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

51.1926

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Theologische Literaturzeitung 1926 Nr. 13.

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fassung von Religion und Christentum schildert, und
doch nicht kritiklos bleibt, sondern schonend auf ge-
wisse Mängel und deren Ursachen hinweist. Eine solche
Einführung in das Studium Kierkegaards können wir
heute brauchen. Da man übrigens sich mit dem ein-
samen frommen und streitbaren Denker gar nicht be-
schäftigen kann, ohne sich für seine Person be-
sonders zu interessieren, werden einige beigegebene
Bilder des Mannes, seiner Eltern, seiner Regine, die
einen solchen Einfluß auf sein Leben gehabt hat, sehr
willkommen sein.

Oießen. E. W. Mayer (Straßburg).

Mahling, Prof. D. Fr.: Die sittlichen Voraussetzungen der
Wohlfahrtspflege. Berlin: C. Heymann 1925. (IV, 84 S.)
gr. 8°. = Die Wohlfahrtspflege in Einzeldarstellungen, hrsg. v.
E. Bohrend, O. Karstedt u. S. Wronsky, f. Bd. Rm. 3.00

Von der Einsicht aus, daß in der Wohlfahrtspflege j
(Wpfl.) zur hilfsbereiten Gesinnung die klare Erkennt-
nis ihres Wesens und ihrer Arbeitsweise hinzukommen j
muß, wird in der Einleitung versucht, den Begriff der
Wpfl. klar herauszuarbeiten und gegen andere mit ihm
oft vermischt gebrauchte Begriffe abzugrenzen. Ob die-
ser sehr notwendige Versuch, der an die Erdberg'sche
Definition anknüpft, der gewaltigen Entwicklung der
Wpfl. im letzten Jahrzehnt, namentlich der Umstellung
der öffentlichen Wpfl. gerecht wird, untersteht der Be-
urteilung in einem Fachblatt der Wpfl.

Das Kapitel „sozialethische Orundanschauungen" fordert die
rechte Wertung des Einzelmenschen, der Familie, der Arbeit und des
mit dieser zusammenhängenden Problems der Arbeiterklasse. Im
2. Kapitel ,,sozialethische Motive, Kräfte und Ziele" werden Trieb-
kräfte der Wpfl., wissenschaftliche Bearbeitung des Gebietes, Aus-
bildung der Kräfte und deren rechte Stellung zu den Objekten der
Wpfl., Organisation, Mittelbeschaffung und schließlich die Bedeutung
der gemeinschaftsbildenden, religiösen Kräfte behandelt.

Dem, was hier als für die Wpfl. wichtig heraus-
gestellt wird, wird man zustimmen. Gegen das Wie
der Darstellung wird man Bedenken nicht los. So dan-
kenswert der Versuch ist, eine Fülle von Einzelheiten
(Soziallohn, Klassenkampf, Dienstbotenfrage, Wohltätig-
keitsfeste u. a.) in den Gedankengang einzuordnen, so
muß doch im Rahmen der kurzen Darstellung darunter
die Behandlung der Hauptfragen leiden. Die Zitate
hätten verkürzt und als Fußnoten den Fluß der Darstel-
lung weniger belastet. Daß das Ziel der Wpfl. erst im
vorletzten Paragraphen erörtert wird, befremdet. Sind
„die religiösen Triebkräfte von entscheidender Bedeu-
tung für das Aufkommen und die Gestaltung der Wpfl." ,
und für deren Ausübung, so dürfte ihnen nicht nur ein
kurzes Schlußwort gewidmet sein. Man versteht
durchaus, daß der Verfasser erst das herausstellen wollte,
was Gemeingut aller Richtungen der Wpfl. ist. Aber
lassen sich wirklich die „sozial e t h i s c n en " Motive,
Kräfte, Ziele von den „sozial religiösen" so trennen,
wie Vf. es tut? Vielleicht wäre die Darstellung doch
fruchtbarer geworden, wenn im Anfang ruhig die ver-
schiedenartige Einstellung der verschiedenen Richtungen
der Wpfl. (öffentliche Fürsorge, Innere Mission, Caritas,
Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt) herausgearbeitet und
dann das Gemeinsame gesucht wäre. So kommt das
Grundlegende hinten nach.

Wir sind sehr dankbar für diesen Versuch der
Zusammenschau. Wenn er nicht ganz befriedigt, so
liegt es an der geistigen Gesamtlage, welche dadurch
gekennzeichnet ist, daß der öffentlichen und humani-
tären Wohlfahrtspflege noch die Klarheit über ihre gei-
stigen Grundlagen fehlt und das evangelische Christen-
tum um eine Sozialethik ringt.

Bremen. Bodo Heyne.

Kirchliches Handbuch für das katholische Deutschland.

Nebst Mitteilungen der amtl. Zentralstelle f. kirchl. Statistik des
katholischen Deutschlands. In Verbindung m. Heinrich Auer, Wil-
helm Böhlcr, Nikolaus Hilling u. Alfons Väth, S. J. hrsg. v. Her-
mann A. Krose, S. J. u. Joseph Sauren. 12. Bd.: 1924—1925.
Freiburg i. B.: Herder fc* Co. 1925. (XXIII, 580 S.) 8°. geb. Rm.15-.

Das von Krose herausgegebene Handbuch hat sich
seit seinem erstmaligen Erscheinen 1908 von Jahr zu
Jahr vervollkommnet und ist in seiner jetzigen Gestalt
ein ausgezeichnetes Hilfsmittel zur Einführung in den
Katholizismus Deutschlands, soweit er sich statistisch
erfassen läßt. Die in dem letzten Menschenalter mit
Recht zu hoher Geltung gelangte Kirchenkunde der
Gegenwart findet hier eine Materialiensammlung von
reichem Inhalt und großer Zuverlässigkeit. Für das
schwierige Gebiet der interkonfessionellen Beziehungen
sind wir besonders günstig gestellt, da wir in dem be-
kannten Kirchlichen Jahrbuch von J. Schneider ein
Werk besitzen, dessen vergleichsweise Heranziehung
eine Nachprüfung der Kroseschen Angaben wie Schluß-
folgerungen ermöglichte. Für alle übrigen Zweige des
katholisch-kirchlichen Lebens sind wir dagegen ganz
auf Krose angewiesen. Die Anlage des Buches ist die
gleiche wie in den vorhergehenden Bänden. Besonders
wertvoll sind die Abschnitte über das katholische Ver-
einswesen und über Konfessionsstatistik. Einen offi-
ziösen Charakter hat das Handbuch jetzt dadurch er-
halten, daß es von diesem 12. Band an „seinem ganzen
Umfang nach" als amtliches Organ der Zentralstelle
für kirchliche Statistik dienen wird.

Göttingen. Carl Mirbt.

Deißmann, Prof. D. Adolf: De profundis. Ein Dienst am Wort.
Berlin: Furche-Verl. 1925. (VIII, 134 S.) 8°. Rm. 3.b(>; geb. 4.80.

D. hat 17 Reden und Predigten hier vereinigt, die
chronologisch geordnet, die Art zum Ausdruck bringen,
wie sich in einem tiefen Gemüt und feinen Geist die
Ereignisse der Kriegs- und Nachkriegszeit spiegeln. In
sehr gewählter Sprache holt er aus seinen Texten Ge-
danken heraus, die er oft ganz überraschend im Sinne
seiner bekannten Stellung zu den Problemen und Auf-
gaben auf die Zeitbegebenheiten anwendet. Jetzt eine
wehmütige Erinnerung wird das Buch einmal ein Zeug-
nis sein, wie sich christlicher Glaube an den Ereignissen
geklärt und siegreich erwiesen hat.

Marburg a. L. F. Niebergall.

Düring, Erzbischof Heinrich, S. J.: Die Mission von Hiroshima
in neuerer Zeit. Aachen: Xaverius-Verlagsbuchh. 1924. (32 S.
m. e, Bildnis.) 8°. — Abhandlungen aus Missionskunde und Missi-
nnsgesch., Heft 46 (2. Heft). Rm. —45.

Döring hat seiner ersten Studie „Die Mission in Hiroshima im
16. und 17. Jahrhundert" (Heft 46 I der Abhandlungen zu Missions-
kunde), diese kleine Schrift (46 II) nachfolgen lassen. Dem aus
seiner Erzdiözese Puna vertriebenen deutschen Jesuiten hat der Papst
in dem Vicariat Hiroshima im Südwesten der Hauptinsel Hondo in
Japan einen bescheidenen neuen Wirkungskreis angewiesen.

Berlin. J. Richter.

Mitteilung.

Die vom Konsistorialrate Franz Julius Lütkens, Propst an
St. Petri in Berlin-Cölln (gest. 1712 als Hofprediger und Professor m
Kopenhagen) gefertigte Sammlung von mehreren tausend Entschei-
dungen des Cöllnischen Konsistoriums aus der Zeit 1541 — 1704 (vergl.
Arndt im Jahrb. f. brand. Kirchengesch. 13, 166) hat sich im Besitze
des Berliner Konsistoriums angefunden und ist jetzt zur wissenschaft-
lichen Veröffentlichung bearbeitet. Die Entscheidungen erstrecken
sich auf alle Oebiete des Kirchengcmeindelebens. Der Druck wird
voraussichtlich 7—800 Seiten umfassen, der Ladenpreis 30—40 Mk.
betragen.

Der Herausgeber, Konsistorialrat a. W. Dr. v. Bonin in Berg-
holz, Post Saarmünd, hat eine Subskription eröffnet und bei Vor-
bestellungen, die bis zum 1. August 1926 bei ihm eingehen, den Preis
auf 20 Mk., bei einheitlicher Bestellung von mindestens 5 Stück auf
18 Mk. ermäßigt. Bei sofortiger Bezahlung (Postscheckkonto Berlin
56067) erfolgt die Zusendung portofrei. Hirsch.

Mitteilung.

Ein Brief des Herrn Professors Dr. Bethune-Bake vom 26. d. M.
gibt mir die Möglichkeit, meine Ausführungen über die Abschriften
R und P der Urmia-Hs des „Liber Heraclidis" des Nestorius (vgl.
Nr. 8 dieses Jahrgangs, Sp. 195) zu ergänzen. R befindet sich noch
heute in Harvard (U.S. A.), und zwar in der Bibliothek des 1903 er-
öffneten „Semitic Museum"; P ist in das British Museum in London
gekommen.

Halle a. Saale, am 29. April 1926. Loofs.
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