Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

47.1922

Zitierlink

567

Theologifche Literaturzeitung 1922 Nr. 26.

568

der aus dem romanifchen den gotifchen Chriftus am Kreuz gestaltete
mit der Dornenkrone ufw. (12), das Wörtlein .Kreuzzüge' und das Wört-
lein ,Myftik' nicht nur nicht ausgefprochen, fondern gar nicht geahnt wird!

Alles in allem erweckt die ganze Einführung den
Eindruck, als wäre fie als Vortrag entstanden und als
wäre diefer dann talis qualis gedruckt, ohne daß der
Verf. fich der Mühe unterzogen hätte, Wort für Wort
zuvor noch einmal abzuwägen und die Dinge noch ein-
mal fcharf und gründlich durchzuarbeiten. Denn vieles
von dem, was im Vortrag vorüberfaufte gleich jenem
Nordoft, der, mit dem Verf. zu reden, mit den Germanen
in die Weltgefchichte hereinpfiff (8), ift nun festgelegt
und in die Form gebannt und bereitet dem fachkundigen
Lefer stärksten Verdruß.

Und diefer fetzt fich in die Lektüre der den Tafeln
beigegebenen Bemerkungen hinein fort. Die stärkste
Häufung an Unklarheiten und Unfachlichkeiten leistet fich
da noch immer der Text zum Baflus-Sarkophag (n. 3):

Das obere Mittelbild ift keine .Wiederkehr zum jüngften Gericht'
und keine Illustration zum 2. Artikel des Credo .oder allgemein die
Maiestas Domini', fondern fchlechtweg die Maiestas Domini; die Rolle
wird nur dem Petrus .überreicht'; im unteren Mittelbilde ift der eine,
der angeblich .Zweige von einer I'alme' blicht, der Zachäus aus der
Jerichoperikope, der durch die Baumgabel dem Einzüge des Herrn zu-
fchaut; Zweige bricht er nicht ab, und fie von einer .Palme' abzubrechen
wäre er gar nicht in der Lage, weil der Baum keine Palme ift; das
Opfer Ifaaks Hellt auf dem Saikophag fo wenig ein .Vorbild des
Opfers auf Golgatha' dar wie der leidende Hiob das ,Gegenbild zur
Paffion Chrifti' und der Sündenfall den .Gegenpol'; das untere Eckbild
rechts bedeutet nicht die Gefangennahme, fondern die Hinrichtung des
Paulus; Daniel in der Löwengrube ift nicht nur häutig als Fresko in
den Katakomben, fondern ebenfo häufig in der Sarkophagplaftik wie
in der frühchriftl. Kunft überhaupt. — Zu n. 7 fei bemerkt: eine Ber-
liner Kunftkamnier gibt es feit langem nicht mehr; die Pyxis Steht im
Kaifer Friedrich-Mufeum; in ihrer Datierung können die Worte .aus
dem 4. oder' getroft gestrichen werden.

Was die Abbildungen betrifft, fo möchte ich hier
nur ihre Anordnung beanstanden.

Nr. 31 und 32 follten, wenn doch einmal Mittelalter und Neuzeit
nicht auseinandergehalten werden, vor Nr 28 und die ganze Reihe 38
bis 61 Sollte, dem in der Einführung innegehaltenen Gang des Aufriffes
der Gefamtentwicklung des Chriftusbildes entfprechend, vor Nr. 13 lt.
ftehen. Die beiden Holbein-Nrn. 6g und 76 wünfehte man nicht aus-
einandergeriffen und Nr. 62 follte auf Nr. 77 folgen. Auch hier offenbart
lieh der Mangel an gefchichtlicher Ein ficht.

Daß einzelne Bilder beleitigt find, kann man ver-
liehen und billigen. Ob es zweckmäßig war, das präch-
tige, zeitlich gesicherte Apsismosaik von San Pudenziana
fortzulaffen und durch zwei Katakombenbilder mit höchft
unficherer bzw. von P. blindlings Wilpert nachgelprochener
Datierung zu erfetzen, ist zu bezweifeln.

Ift die Schrift auch ein populäres Buch, fo durfte
diefer fein populärer Charakter dem Verfaffer doch kein
Freibriet fein für Mangel an Sachkenntnis und an ge-
fchichtlicher Intuition.

Berlin. Georg Stuhlfauth.

Haslehurst, R. S. T., B. D.; Some aecount of the Penitential Disct-
pline Of the Early Church in the tirst four centuries. (VII, 162 S.)
8". London, S. P. C. K. 1921.
Dies Buch ift nicht eigentlich eine kritifch-hiftorifche Studie über
die Entwicklung des Bußinftituts, fondern in der Hauptfache „a catena
of passages" über die Theorie und. Praxis der Buße.. Nur die erllen Ab-
fchnitte, die dem jüdifchen Banninftitut, den Worten Chrifti (Mat. i6lsf,
'815—181 J°h. 2022f.), die fämtlich als echt genommen werden, und den apo-
ftolifchen Äußerungen gewidmet find, find im Stile darfteilender Er- !
örterung gehalten (meift fehr fimpel und vielfach unter Berufung auf
andere Autoren); von da überwiegt die Aufreihung der betreffenden Stehen
(in Übersetzung). Der Wert der Schrift liegt fchließlich einzig in der
Quellenfammlung, die fie bietet: ich nenne befonders die Auszüge aus
Basilius (ep. canon 1 u. 2), und verfchiedene fynodale Canones. In
Kap. 10 lind Ambrofius de poenit. und Pacian Ep. ad Sympronian. I
nicht ungefchickt zu einem Dialog zwifchen einem Katholiken und j
einem Novatianer zufammengeftellt.

Leiden. H. Windifch.

Pereis, Ernst: Eine Denkfchrift Hinkmars von Reims im

Prozeß Rothads von Soifk>ns. (60 S.) 8°. Berlin, Weid-
mann 1922. Gz. 1.
Bei der hohen Bedeutung Hinkmars von Reim.s ist
die Auffindung einer bisher unbekannten Schrift von ihm,

j einer Vertretung feiner fcharf ausgeprägten Anschauungen
als des Metropoliten gegenüber Rothad von Soiffons, der
ihnen vom Standpunkt der Bifchöfe widerstrebte, fehr
willkommen zu heißer. P., der Biograph Nikolaus I., hat
fie in einer Brüffeler Hs. des 9. bis 10. Jhs. aufgefunden,
in 2 Bruchstücken, die u. A. durch die Nennung Rothads

i auf Hinkmar als Verfaffer hinwiefen. Übereinstimmung
der Gedanken und des Ausdrucks in gleichlautenden
Formulierungen mit anderen Schriften Hinkmars, Wieder-
holung dort angewandter Zitate in charakteriftifchen Les-
arten, dies alles erhebt die Verfafferfchaft Hinkmars zur
Gewißheit, und auch über die Abfaffungszeit, das erste
Vierteljahr 863, kann kein Zweifel fein. Hinkmar wendet
fich gegen eine wohl von ihm gefürchtete, wenn auch
nicht tatsächliche Berufung des von ihm auf der Synode
zu Soiffons abgefetzten Bifchofs Rothad an die Erz-

I bifchöfe von Köln und Trier. Die zwei Bruchstücke
nehmen S. 32—53 und S. 53—60 ein, die einleitende Ab-
handlung und die Anmerkungen geben dem Findling die

; erwünfehte Umrahmung.

Marburg. Karl Wenck.

Egelhaaf, Gottlob: Gelchichte der ceutfehen Kaiferidee.

(Deutfche Sammlung, Reihe Gefchichte, 5. Bd.) (89 S.)
160. Greifswald, Dr. Karl Moninger 1922. Gz. 0,3.
E., deffen Bücher viel gelefen find, der fchwäbifche
Schulmann und Historiker, tritt in neuester Zeit auf dem
Büchermarkt überaus häufig auf. Das vorliegende Bänd-
chen erfüllt nicht die Anfprüche, welche der Titel er-
weckt, es handelt nicht von der Kaiferidee, die in Sage
und Dichtung, Prophetie und Publizistik zu verfolgen wohl
über den Rahmen eines Bändchens diefer Sammlung
hinausgegangen wäre, sondern es gibt eine Skizze der
Gefchichte des Kaifertums durch nahezu zwei Jahrtaufende.
Mit eines Pulle von Tatfachen, deren manche dem Thema
ziemlich fern liegen, kann es bei einer im allgemeinen
flüffigen Darstellung wohl Kandidaten für eine Lehr-
prüfung nützliche Dienste leisten, freilich ift in der Dar-
stellung des Mittelalters manches zu beanstanden, z. B.
betreffs der Bifchofswahlen (S. 17 u. 29), betreffs des
Landeskirchentums des 15. Jhts (S. 46). Einfpruch erhebe
ich gegen die Aufstellung (S. 31): „Die Form Staufer,
welche in Norddeutfchland üblich ist, entbehrt der fprach-
lichen Berechtigung. Wir im Süden kennen nur die For-
men die Hohenstaufen oder abgekürzt die Staufen, und
bei uns ift das Gefchlecht daheim." E. ftellt fich, wie es
fcheint ahnungslos, in Gegenfatz zu guten Schwaben des
13. und des 19. Jahrhunderts. Die Bezeichnung Staufer
(Staufaere) für das Gefchlecht finde ich, ohne lange zu
Aschen, bei fünf Schriftstellern des 13. Jhts, von denen
nur einer Norddeutfcherr ich nenne einen: den fchwä-
bifchen FYsrtfetzer der Kaiferchronik (Mon. Germ. Dtsch.
Chr. I, 412, V. 181 u. 187). Das gute Recht, heute von
Staufern zu fprechen, vertreten die Gefchichtsfchreiber
Württembergs Chph. Frdr. Stälin II (1847) S. 228, P. Frdr.
Stalin I (1882) S. 389 und Eugen Schneider (1896) S. 16.
Wer das nicht will, follte „von Staufen" oder „von .Hohen-
staufen" lägen, beide Namen erfcheiheri"für die ' Burg
nebeneinander in der 2. Hälfte des 14, Jhts, vgl, die
beiden Stälins a. a. O. ',''■>''
Marburg. Karl Wenck.

Ohle, Lic Dr. Rudolf: Die Bedeutung der Zifterzienfer für
die Befiedelung der Mark Brandenburg. Eine kultur-
gefchichtliche Unterfuchung. (Mitteilungen des Ucker-
mark. Mufeums- u. Gefchichts-Vereins zuPrenzlauVII,2.)
(61 S.) 8°. Prenzlau, A. Mieck 1922.
Ein Prenzlauer Pfarrer, der zu fchauen und zu ver-
gleichen versteht, der 3—400 märkifche Kirchen kennt
und befeelt war von dem Gedanken, aus diefem Material
zu ergründen, wie die Mauk ein deutfehes Land geworden
ist und welche Bedeutung dabei dem Zift. Orden zukommt,
diefer Pfarrer, der feine „philologifche Vergangenheit"
loading ...