Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

39.1914

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Theologifche Literaturzeitung 1914 Nr. 14.

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Kapiteln die zentralen Gedanken dargeftellt, die fich aus
den verfchiedenen Ausbildungen des Sufismus, den N.
wegen der Mannigfaltigkeit feiner Betätigungsweifen ,a
Protean phenomenon' (S. 27) nennt, als allen .Wegen' des-
felben gemeinfame Kennzeichen herausheben: die Lehre
vom Pfad, den der Adept zu befchreiten hat, um an die
Pforten der myftifchen Erkenntnis zu gelangen (S. 28—
49), die Erleuchtung und Ekflafe (S. 50—67), das durch
Intuition zu erreichende efoterifche Innewerden der höch-
ften Wahrheiten über Göttliches und Natürliches (Gnofis,
S. 68—101), die Gottesliebe (S. 102—119), die Lehre von
den verzückten Heiligen und ihren Wundergaben (S. 120—
147), die Abforption im Gottesgedanken nach ihren Voll-
kommenheitsftufen (S. 148—168). Im Gange der mit wohl-
tuender Präzifion und Sicherheit dargeftellten al 1 gemeinen
Gedanken, wobei zugleich die Bedeutung der wichtigften
Termini der sufifchen Literatur erörtert wird, tritt auch
mancher individuelle charakteriftifche Zug bedeutender
Vertreter der sufifchen Weltanfchauung hervor. Der Verf.
erreicht dies durch gelungene Überfetzungen aus den
Schriften der hervorragendften Lehrer des Sufismus ver-
fchiedener Länder und Zeitalter. In zweckgemäßer Aus-
wahl werden die dargeftellten sufifchen Anfchauungen
durch geeignete Lehrfprüche und Gedichte derDschunejd,

Der heilige Schild (oder Lanze) ift nach C. dem Blitze
(Ufener, Kl. Schriften IV 471 ff.) gleichbedeutend, ift Talis-
man und Fetifch, der dann zum Gotte Mars wurde. Die
befondere Form des Schildes weift in die mykenifche
Kultur (S. 22, vgl. 89). Die Tänze der Salier find fchon
von den Alten mit denen der Kureten verglichen worden,
und wie diefe waren die Salier zugleich die ältefte Gilde
der Schmiede, Inhaber magifch-ritueller Künfte (S. 143 f.).
Das Geräufch der aneinander gefchlagenen Waffen follte
die böfen Dämonen vertreiben, und der Saliertanz ift ur-
fprünglich nicht militärifch. Wahrfcheinlich find einmal
kretifche Kureten nach Italien gewandert und haben fich
in die Salier gewandelt; fie haben die Metallarbeit in Italien
eingeführt. Toutain rühmt in einer dem Buche voraus-
gefchickten Vorrede, die den wefentlichen Inhalt gefchickt
zufammengefaßt, diefer Hypothefeim Gegenfatz zu anderen
auf komparativer Methode gegründeten Hypothefen den
Vorzug nach, daß fie auf hiftorifchen Dokumenten ruhe.
In Wahrheit hat auch Cirilli Analogien anderer Religionen
verwertet, und auch feine Betrachtung ift transzendental,
indem fie in diefem Kult einen urfprünglich anderen Sinn
findet als die Überlieferung der hiftorifchen Zeit. Denn
daß die Verbindung der Salier mit den Kureten nicht
alte Tradition ift, unterliegt bei der Eigenart der Quellen

Abu Sa id, Muhjl al-din ibn al-'Arabl, Dschelal al-din j keinem Zweifel, und auch C. fcheint S. 26 es zuzugeben.
Rümi Dschämt u a. illuftriert. Der Verf. hat: wohl gute Göttingen. P. Wendland.

Grunde, in der Uberfetzung einer Zeile des Ibn al- ArabI___

(S. 105, 16) von der Erklärung abzuweichen, die er ihr

früher in feiner Überfetzung des Tarjumän al-ashwäq Frankenberg, Pfr. Lic. Wilhelm: Der Organismus der lemi-
(London 1911), dem das betreffende Gedicht entnommen | tifchen Wortbildung. (Beihefte zur Zeitfchrift für die alt-
ift (Nr. XI v. 15 vgl. auch meine Vorlefungen über den teftamentl. Wiff. XXVI.) (134 S.) gr. 8°. Gießen, A.
Islam S. 171), gegeben hat. Unter den aus den Werken Töoelmann iqh M 6 so

der hervorragendeften Myftiker des Islams gefchöpften

Auszügen wird hier zu allererft ein bisher ganz unberück- In den ausgebildeteren Sprachen des Erdkreifes läßt

fichtigt gebliebener Lehrer des Sufismus, al-Niffari, ein- ! fich bekanntlich das ganze Wortmaterial in Nomina und
geführt, deffen von N. reichlich benutzte und erklärte i Verba gliedern, die Nomina felbft wieder in Subftantive,
myftifchen Aphorismen für feinen Gegenftand um fo ' Adjektive und Partikeln. Ebenfo bekannt ift den Sprach-
mehr Bedeutung haben, als diefer Myftiker der älteren ' forlchern die andere Tatfache, daß diefes traditionelle
Schicht des Sufismus (er ftarb 965 Chr.) angehört. Faft ' Schema nicht feiten vertagt, indem die Grenzen zwifchen
gleichzeitig hat auch D. S. Margoliouth die mawä- i jenen verfchiedenen Wortgattungen nach Tiefe und Ab-
kif des Niffari in der 6. feiner jüngft erfchienenen Hibbert- 1 meffung fbgar innerhalb der nämlichen Sprachfamihe
Lectures (The early developement of Mohammedanism, I fehr verfchieden fein können. Die Gelehrten, welche in den
London-Williams and Norgate-1914) zur Beleuchtung des letzten Jahrzehnten die femitifche Nominalbildung dar

islamifchen Pantheismus benutzt. Die beiderfeits gebo-
tenen Proben machen uns auf die arabifche Textausgabe
und englifche Überfetzung des Werkes begierig, mit der
Nicholfon (S. 72 Anm.) befchäftigt ift und die er uns
wohl recht bald zugänglich macht.

Budapeft. I. Goldziher.

Cirilli, Dr. Rene: Les Pretres danseurs de Rome. Etüde
sur la Corporation sacerdotale des Saliens. Preface de
J. Toutain. (XI, 187 S.) gr. 8°. Paris, P. Geuthner 1913.

Fr. 7.50

Was wir von den Saliern, die den Mars durch Waffen-
tänze und Gehänge verherrlichen, wiffen, hat Wiffowa in
feinem grundlegenden Werke in gewohnter Präzifion zu-
fammengefaßt, in Befchränkung auf die römifchen Infti-
tutionen und mit gewolltem und bewußtem Verzicht auf
vergleichende Betrachtung. Cirilli breitet das ganze Ma-
terial vor uns aus und geht auf alle damit verknüpften
Probleme, auf die Fragen nach der urfprünglichen Be-
deutung der Ancilia und der Tänze wie auf Organifation,

Attribute, Funktionen diefer Priefterfchaft genauer ein. i wefensgleich find als fubjektlofe Ausfagen über eine Tätig

geftellt haben, find fich diefes Sachverhaltes wohlbewußt
gewefen, wie zahlreiche Stellen ihrer Werke dartun. Das
vorliegende Büchlein macht den Verfuch, fich von dem
traditionellen Einteilungsfchema gänzlich frei zu machen
und knüpft daran die Erwartung, dadurch das in der
Sprache felbft unbewußt wirkende, natürliche Syftem beffer
durchfchauen zu können. Diefer Verfuch ift zwar mit
anerkennenswerter Konfequenz durchgeführt, aber er ift als
durchaus mißlungen zu bezeichnen und zwar aus folgenden
Gründen: 1. Der Verfaffer ift aus dem Schematismus jener
Kategorien in den Schematismus der äußeren Form verfallen.
2. Er hat nicht bedacht, daß gleiche Wortformen in ganz
verfchiedenen Sprachperioden entftanden fein und deshalb
ganzverfchiedene Bedeutungen ausprägen können. 3. Der
Angelpunkt feines ganzen Syftems, der faft auf jeder
Seite aufs neue in Erinnerung gebracht wird, ift nicht
eine irgendwie bewiefene Tatfache, fondern eine ganz
fubjektive Überzeugung (S. I. 3). Diefe Überzeugung
befteht darin, ,daß alle femitifchen Wörter, foweit fie für
uns überhaupt etymologifch faßbar und in den Organis-
mus der Sprache eingefügt find, urfprünglich durchaus

Die durch zahlreiche Fehler entftellten griechifchen Zitate ' keit, in zweiter Linie erft als folche Ausfagen über einen
(z. T. flehen fie wie die anderen Zeugniffe im Anhange) | Zuftand' (S. 3 unten), oder, wie es S. 6 kurz heißt ,ab-
zu lefen, ift kein Vergnügen. Die Schlüffe aus den Reften j ftrakte Infinitive' find. Aber eine exakte Sprachforfchung
des Salierliedes (S. 1.14fr.) find meift unficher, und die ! darf nie und nimmer von .Überzeugungen'ausgehen. Daß
S. 107 ff. mitgeteilten Überfetzungen des einzigen größeren : F. unter diefen Umftänden auch zu keinen brauchbaren

Stückes der Litanei machen uns nicht klüger als das knappe
Urteil Leos (Rom. Litt. I 13 ,das einzige größere Stück

Refultaten gelangen konnte, verlieht fich von felbft. Dies
im einzelnen auszuführen, ift an diefer Stelle nicht möglich.

ift unverftändlich'). | Einige Proben werden genügen.
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