Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

34.1909

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Theologifche Literaturzeitung 1909 Nr. 9.

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Hebr. 2,2 zu OVtnis inobedientia zu ergänzen: accepit justam \ wandt ift, wie mit dem Gefprächbüchlein. Es fei darauf
mercedis rctributionem. 283 ift die Lefung ,zur erden' 1 hingewiefen, daß Beringer fich in feinem ,Nüw Teftament'

jedenfalls unannehmbar, ,zun' des Textes fordert eine
Bezeichnung der Neuglaubigen. 289,10 1. hitziglicher.
304,1 ift nichts zu ergänzen, der Sinn ift: es ift . . . nicht
an =ohne, d. h. wahrfcheinlich. Z. is unerkannt d. h. ohne
Erkenntnis = ordentlichen Gerichtsfpruch.

Einen wertvollen Beitrag zu Johann Fabris Aufenthalt
in Rom und zur Charakteriftik diefes Humaniften gibt
Schottenloher S. 31—47, indem er nachweift, daß der
zweite der nach Rom gekommenen Papftftreiter, welche Jak.
Ziegler in feinem Brief an Erasmus 16. Febr. 1522 fchildert,
Fabri ift (Beb 3, 78. Enthoven, Briefe an Def. Erasmus

1526 (a. a. O. S. 420) als Reimefchmied verrät. Es wird
fich verlohnen, diefe letztere Schrift fprachlich näher zu
unterfuchen. Sieht Ref. recht, fo würde er eher als Ver-
faffer anzunehmen fein als Joh. Bader in Landau, an
welchen Clemen denkt. Ihm konnte auch das Mandat
des Rats in Bafel, auf das S. 83 angefpielt ift, bekannt
fein. Zu .verläuten und verfchießen' S. 78 vgl. ZGOR.
a. a. O. S. 438 Anm. 3. 81, « im gloch = im gelage,
mitbeteiligt. Z. 17 creyd ift hier Credenz, Beglaubigung.
Der Zug Henners ins Schwabenland Z. 30 ift unbekannt.
Der rätftlhafte Schluß: nolle mecum vaca wird im Ob-

S. 18—25). Den genauen Beweis führt er mit Zieglers J fkurantenlatein eine Bitte fein an den Lefer: erfpar Dir
fcharfer Satire ,Marsyae satyri chorus' aus der Erlanger { den Widerfpruch, fei mit mir einverftanden.
Handfchrift 827, die wohl in ihrem ganzen Umfang ge- W. Stolze ift es geglückt, in Bamberg die feither

druckt zu werden verdiente, während Sch. nur die Satire vermißten Supplemente zu Mag. Fries' Gefchichte des
gegen Fabri zum Abdruck bringt, aber wertvolle Er- j Bauernkrieges in Oftfranken zu entdecken, die er S. 191—212
läuterungen beifügt, welche die fcharfen Urteile Zieglers wiedergibt. Zugleich befpricht er die Haltung des Grafen
beleuchten. Befonders behandelt er die Frage, ob das Georg von Wertheim und feine Verhandlung mit den
Geld Fabris Gefinnungswechfel bewirkt habe, die er ver- j Herren auf dem Frauenberg, wobei Kern mehrfach be-
neint. Er glaubt, die Urfache der Wendung darin fehen 1 richtigt wird. Berbig gibt den Schluß der Vifitations-
zu dürfen, daß Luther feine Lehre unter das Volk warf, i akten des Ortslands Franken, die ein fchönes Zeugnis
und weift nach, wie befcheiden der Lohn war, den Fabri für die Umficht und Sorgfalt der Vifitatoren find. Die
erntete: Wien,'ein vollftändig zerrüttetes und verarmtes Ordnung des gemeinen Kattens in Koburg S. 414 ift be-
Bistum. Wichtig ift, daß Ziegler Fabri und Georg An- 1 achtenswert. Den Siechenleuten wird je 10 Pf. wöchent-
gerer, feit 1530 llifchof in Wienerifch-Neuftadt, für die I lieh zugelegt. Zu Hans Mor 411,3 v. u. vgl. Clemen,
blutdürftige Religionspolitik Ferdinands in Öfterreich | Beiträge 2, 44. 3, 106. Dunkel ift 413, 12 ,ins Toffele', was
verantwortlich macht (S. 46). 37, 21 L Onolspachio. , neben Stock wohl die Tafel der Spenden für die Armen
Z. 3 v. u. ftatt Punice pumice. Fabris Kampf um das ift. Die Korrektur läßt zu wünfehen übrig. 400, 11 1.
Konftanze'r Kanonikat mit dem Brandenburger Joh. AI- j predig ftatt fredig, 410, 28 predigftul ftatt fredigftul, 400, 21
brecht ift m. W. noch unbekannt. Friedensburg be- | nit ftatt mit, 402, u Wolfgang, Z. 31 1. mit [inen]. 405, 7
leuchtet S. 314fr. den Eintritt Fabris in Ferdinands Dienfte v. 11. 429, 23, 24 1. Sumaw vgl. 430, 0. 435, 22, 32. 410, 2 Zcaner/
durch einen Brief Fabris vom 5. Juli 1523. Den Unter- feiigen ftatt Zcanerfchigen, vgl. 409, 8. A. Uckeley bringt
händler bildete Andr. Amman. Bugenhagens ,Pia et vere catholica et consentiens veteri

Ka lkoff weift S. 313fif. nach, daß der Brief Dietrichs Ecclesiae ordinatio Caeremoniarum in Ecclesiis Pomcra-
van Heeze an Erasmus, der vom 25. Jan. 1522 nach dem 1 niae MDXXXV, wie fie in die dänifche Kirchenordnung
stilus Gallicanus der Niederländer datiert ift, in das Jahr ! 1537 und aus diefer in die Schleswig-Holfteinifche von
IS23 gehört und den fcharfen Kommentar zu dem in [ 1542 in niederdeutfeher Überfetzung gekommen ift, zum
berechneter Milde abgefaßten Breve des Papftes Hadrian , Neudruck mit einer guten Einleitung und dem nieder-
VI. vom 25. Jan. 1523 bildet. deutfehen Text, der die befte Erklärung des lateinifchen

Alfred Götzefucht in derfelben fcharffinnigen Weife, ' ift S. 113—170. Zur Vergleichung empfehlen fich Brenz'
wie Bd. 4, iff. Butzer, fo jetzt Erasmus Alber als Ver- j Vorfchläge für die ansbachifchen Stifte und Klöfter 1529
faffer einer anonymen Flugfchrift nachzuweifen. Es ift ; in Anecdota Brentiana S. 33ff. S. 159 find Vigilien nicht
das von O. Clemen in den ,Flugfchriften aus der erften j die Vorfeiern der hohen Fefte, fondern Totenfeiern.
Zeit der Reformation' Bd. 1, Nr. 8 wieder herausgegebene \ Fr. Roth gibt den offiziellen Bericht der evangelifchen
,Gefprächbüchlein von einem Bauern, Belial, Erasmo j Theologen über das Regensburger Gefpräch 1546 an ihre
Rotterodam und Doctor Johann Fabri'. Aber bei all Fürften und Obern S. 1—39 und 375—397. Diefer Be-
dem reichen Apparat, den Götze fprachlich und fachlich rieht ift in Marburg, Aroifen, Straßburg und Augsburg,
aus Albers ,Schöner Dialogus von Martino Luther und ; wohin er von Ulm in Abfchrift kam. Roth legt den
der gefchickten Botfchaft aus der Hölle' (1523) und feinen J Augsburger Text zugrund und gibt in den Anmerkungen
anderen Schriften beibringt, fcheint der Beweis doch | die Abweichungen des Straßburgers. Für die Zeit vom
nicht fo vollftändig gelungen zu fein, wie bei Butzer.1 15.—28 Febr. geben beide Exemplare verfchiedene Texte,
Der Mangel an Gelehrten auf altgläubiger Seite lag offen j von denen der eine von Butzer, der andere von Frecht
zutage und wurde auch von Hadrian VI. empfunden. Vgl. j flammt, der einige neue Nachrichten gibt. Der Bericht
S. 43, Anm. 11. Nichts hindert anzunehmen, daß der j macht vollends klar, was den evangelifchen Teilnehmern
Verfaffer des Gefprächbüchleins Albers Dialogus kannte, j allmählich aufdämmerte, daß das Gefpräch nichts als
Man wird, da das Gefprächbüchlein in Speyer gedruckt ■ Spiegelfechten, ein trugvolles Spiel des Kaifers mit den
ift, die dortige literarifche Produktion im Kampf gegen j Proteftanten war, um feine kriegerifchen Abfichten zu
Rom weiter unterfuchen müffen. Kann auch Werner ; verhüllen und Zeit zu gewinnen. Schon die lichtfeheue
von Goldber<r wegen feines Dialekts nicht in Betracht | Geheimnistuerei mit den kommenden Verhandlungen und

kommen (ZGOR N. F. XVII, 68 ff), fo doch vielleicht die
Domvikare Jakob Beringer und Joh. Schwind (ebd. S. 420,
424). 50, 9 ift ettangelien alter Druckfehler für Euangehon.
51,28 ift rausch doch crapula, nicht turba. Der Satan hofft
auf Benebelune der Menge durch Erasmus' Schriften und

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der Streit um Protokoll und Notar kennzeichnet die
Lage. Man will kein Entgegenkommen, keinen Vergleich
mehr. Scharf tritt das gewaltfame Sichvordrängen des
Spaniers Malvenda und der giftige Haß Billicks hervor,
die beide nur den ,alten Schultand' wieder vorbringen.

dann auf große Beute. 53, 1 ift keß Anne wohl Wort- ; Die auf dem erften Regensburger Tag vereinbarten "Ar-
fpiel mit Kebs Anne, nicht mit cortesana. 54, 9 heißt : tikel werden von diefen Leuten nicht anerkannt. Die
fchmecken echt fchwäbifch munden, behagen. j ganze Arbeit follte wieder neu aufgenommen werden,

In den Speyrer Kreis führt auch das von O. Clemen ! ohne daß irgend eine Ausficht auf die geringfte Ver-
mitgeteilte Spottgedicht von 1524 auf einem Einblattdruck | ftändigung war. Man kann fich nur freuen,^daß die
der Vefte Koburg, der mit der von Clemen Bd. 2, 78ff. i evangelifchen Teilnehmer endlich den Mut fanden die
befprochenen Flugfchrift ,Die Lutherifch Strebkatz' ver- | Verhandlungen abzubrechen, deren langfamer Gang'klar
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