Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

32.1907

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Theologifche Literaturzeitung 1907 Nr. Ii.

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den einfchläglichen Unterfuchungen proteftantifcher Ge-
lehrten über Auguftin irgendwie auseinanderzufetzen,
was doch zum minderten auffällig ift.

Göttingen. K. Knoke.

Vom Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium.

IH

Dionysii bar Salibi Commentarii in Evangelia. Ediderunt
I. Sedlacek et I.-B. Chabot. Versio: interpretatus est
I. Sedlacek, adjuvante I.-B. Chabot. Fase. I. (Scrip-
tores syri. Series secunda — Tomus XCVIII).
Parisiis. Lipsiae, O. Harrassowitz MDCCCCVI. (184 et
*36 P ) gr- 8° M- I3-20> Textus M. 9.60; Versio M. 3.60

Im Jahre 1672 und 1695 hat Dudley Loftus^ derfelbe, j Leier möge wählen, was ihm gefällt, lagt er nach den

gänzt werden. Für den Vater der Maria kennt B. nicht
weniger als 5 Namen (Jojakim, Jojachin, Jonakir, Sadok,
Jozadak), für ihre Mutter die zwei, Lina und Anna. Sie
felbftwar bei der Geburt Jefu I3jahre altund Harb 51 jährig
in Ephefus. Manche Notizen erinnere ich mich nicht,
anderswo gelefen zu haben, z. B. daß Jofua, der Sohn
Nun unverheiratet und Nafiräer war, daß nach jüdifcher
Sitte die Braut 3 Jahre im Haus des Bräutigams lebte,
daß der Fluch Noahs über Harn in der Knechtfchaft der
Gibeoniten feine Erfüllung fand, daß die Juden Micha 5
von Serubabel deuteten, daß Herodes 40 Offiziere mit
je 40 Mann nach Bethlehem fandte, von denen jeder
40 Kinder umbrachte, fodaß die Zahl der Innocentium
64000 betrug — mittelalterliche Legenden geben fogar
144000. Aber B. felber glaubt das nicht und entwickelt
auch fonft manchmal recht vernünftige Anflehten. Der

der 1698 die Gefchichte "von der doppelten Kreuzauf- verfchiedenen Harmonifierungsverfuchen von Mt. 1 und
findung erftmals bekannt machte — f. meine kleine Lk. 3. Von Schriftftellern, die er zitiert, nenne ich außer
Schrift De saneta emee 1899, S. 1—6 —, in englifcher Uber- Afrikanus dem ,Bifchof von Emmaus, namentlich Julian
fetzung Teile des Evangelienkommentars des Dionyfius Apoftata (S 58, 100 über den Stern der Weifen, S. 109,
Bar Salibi bekannt gemacht; dann hat Affemani reich- warum die Chriften in den Kirchen keinen Weihrauch^
liehe Auszüge daraus veröffentlicht, unter andern auch 1 fondern nur Balfam verwendeten, wo doch die Magier
die Abfchnitte über Tatians Diateffaron, die in neuerer j Weihrauch dargebracht hätten). Zu den Namen der
Zeit Beachtung fanden —f. zuletzt Hjelt in Zahns For- j Magier wäre auf Marquarts Unterfuchungen zur Gefchichte
fchungen 7, S. 40—45; jetzt erhalten wir hier^den Anfang | von Eran 11, 1 —19 zu verweifen gewefen. Auch in der

einer vollftändigen Ausgabe diefes in vielen Beziehungen
fehr lehrreichen Kommentars. Nicht weniger als 9 Bände
find vom CSCO für die Werke diefes Schriftftellers in
Ausficht genommen (93—101, nur einer weniger als für

Nachweifung der Zitate hätte die Überfetzung etwas mehr
tun können. Einzelne Fehler find fall unbegreiflich. z.B.
S. 9 die Verkennung des Zitats aus Rom? 1, 3, S. 72
Gen. 22, 13 nicht 30, 31; S. 87 Cibrath Gen. 35, 48,

Barhebräus); feine Erklärung der Liturgie ift fchon in ! nicht Hebron; S. 149 ,zwifchen Granatbäumen-, nicht
Bd. 93 erfchienen und in Nr. 10 befprochen; in Bd. 94 Minus Roviauoruin' ufw. Vollftändig habe ich die
foll der Kommentar zum A. T. beginnen; hier liegt der I Überfetzung nicht verglichen. Bemerken will ich noch.
Anfang des N. Ts. vor. Daß diefe erfte Lieferung — j daß fich der Kommentar auf weite Strecken mit dem
ihre Käufer verpflichten fich zur Abnahme von 2—3 , 300 Jahre älteren des Iso'dad deckt, den Mrs. Gibson
Lieferungen, die für Matth, nötig find —, nur bis 4, 5 gegenwärtig im Druck hat, fodaß der eine zur Kontrolle
geht, erklärt fich zum Teil daraus, daß eine allgemeine j des andern verwendet werden kann. In dem des B. ift

Einleitung zum N. T. vorausgeht, S. 1—28. Diefe gibt
nach einer Begriffsbeftimmung des N. Ts. = Evangelien,
Apoftelgefchichte mit den Briefen des Paulus, einen
Aufriß der natürlichen und geoffenbarten chriftlichen
Theologie, verteidigt letztere gegen Araber (c. 29, mit
Anführungen aus dem Koran) und Juden (c. 30), und
geht dann auf die Evangelien über, wobei insbefondere
über die Kanones des Eufebius genauefter Bericht er-
ffattet wird. Die Frage, wer die 4 Evangelien zufammen-
geftellt habe, wird dahin beantwortet: nach den einen
Eufebius, nach den andern der Evangelift Johannes.
Wie die Überfchrift am Kreuz dreifprachig war, griechifch
wegen Pilatus, lateinifch wegen Herodes, fo waren auch
die Evangelien in diefen 3 Sprachen, das zweite fpeziell
gegen den Magier Simon gerichtet. Das erfte flammt
aus dem Jahr 5 oder 8 nach der Auferftehung, enthält
62 Abfchnitte, 28 Wunder, 360 Kanones, 32 Zitate, 25
Gleichniffe, 22 Kapitel, 2522 Worte (Stichen) und den
fchönen und füßen Jefusnamen 168 mal. Noch umfang-
reicher ift aber der Kommentar felbft von S. 29 ab, ob-
wohl der Verf. fagt, bei der Menge der zum N. T. vor-
liegenden Kommentare (Ephraem, Chryfoftomus, Cyrill,
Mofes bar Kepha, Johannes von Dara etc.) fich auf die
nötigften Auszüge befchränken zu müffen. Das Intereffe,
das der Kommentar für uns hat, befteht einerfeits darin,
daß er uns zeigt, wie viel von der griechifchen Exegefe
,m 12. Jahrhundert in Syrien bekannt und anerkannt war,
Jndrerfeits in den Mitteilungen aus den original-fyrifchen
Erklärungen, die uns bis jetzt nur fehr wenig bekannt
•nd. Aber auch aus griechifchen Quellen wird uns
ujanches mitgeteilt, was wenigftens in unfern modernen
Kommentaren nicht zu finden ift, z. B. in der fehr aus-
o-l •,cnen' Idgar durch Diagramme erläuterten Ver-
g'eichung der beiden Gefchlechtsregifter, die Ausführungen
"der Panther und Efther als Großvater der Maria, wo-
urch Zahns Forfchungen 6, S. 266—269 dankenswert er-

der Text aber meift in Ordnung, da die Haupthandfchrift
nur 4 Jahre nach dem Tod des Verfaffers (f 1171) ge-
fchrieben wurde. Zur Gefchichte der Exegefe bietet
er, wie die vorftehenden Beifpiele zeigen, reichen Stoff.
Maulbronn. Eb. Neftle.

Schneller, Ludwig, Nicäa und Byzanz. Welt- und kirchen-
gefchichtliche Streifzüge am Marmarameer und am
Goldenen Horn. Leipzig, H. G. Wallmann 1907. (184S.
mit Abbildgn.) gr. 8° M. 3—; geb. M. 4 —

Der bekannte Verfaffer gibt in diefem Buch die
Eindrücke von Konftantinopel und Umgegend wieder,
die er auf einer Durchreife durch diefen Mittelpunkt des
weltlichen Orients empfangen. Er fchildert das Gefehene
wefentlich vom Standpunkte des evangelifchen Theologen
aus. So wird denn auch die Kirchengefchichte herange-
zogen, um die Vergangenheit der berühmten Stätten zu
beleuchten. Wir machen die Konzilien von Nicäa und
Konftantinopel mit und fehen Kaifer Diokletian die
Chriften verfolgen. Die anfehauliche Weife, in der Ver-
faffer darzuftellen verfteht, ift bekannt. Es verdient be-
fonders hervorgehoben zu werden, daß dem Verfaffer,
der durch feinen langjährigen Aufenthalt im Orient gewiß
ein Urteil hat über die Befähigung der dortigen Völker,
die Griechen als ein befonders talentvolles und drehen-
des Volk erfcheinen. Er weisfagt ihnen noch eine be-
deutende Zukunft im Orient. Ich ftimme mit ihm darin
ganz überein. Sehr hübfehe und anfehauliche Bilder
fchmücken das Buch und erwecken in jedem, der den
griechifchen Orient kennt, die Sehnfucht nach diefem
gottbegnadeten Lande am blauen Mittelmeer.

Hannover. Ph. Meyer.
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