Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

29.1904

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 2.

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Daß Au"uft Müller noch als Mitverfaffer genannt wird, j vor allen Dingen unter dem Zeichen der Metrik Der
beweift, daß er bedeutende Vorarbeiten, wenn nicht gar ! Text ift von Anfang bis zu Ende ftichifch gedruckt, fo

ein vollftändiges Manufkript für diefe Textausgabe hinter
laffen hat. Leider aber geben die Anmerkungen auch
nicht mit einem Worte Auskunft darüber, was ihm gehört

daß zwei Druckfpalten entliehen, die rechte für den erften,
die linke für den zweiten Halbvers. Triftichen werden
unbedingt verworfen, auch in K. 1—9. Als unfolgerichtig

und was feinem Freunde Kautzfeh, oder wie diefer die j darf man hervorheben, daß v. 1 nicht auch in zwei Stichen
Aufgabe, Müllers Arbeit herauszugeben, aufgefaßt und ! abgeteilt ift: bSitt^ "ftt | TH p rrabffl ">bV12, zur Not unter
gelöft hat. Denn alles, was in eckige Klammern einge- , Ergänzung von b durch öbCITO (Koh. 1, 1). Indeffen ift
fchloffen ift. gehört dem Herausgeber, auch wenn einmal | zu beachten, daß diefe unerbittliche Durchführung der
fein P. H dabei fehlt, wo es fich um Zufätze allerkleinften Zweigliedrigkeit nicht auf Kautzfeh zurückgeht, obgleich
Umfangs handelt (vgl. zu 8,3. 11,1. 17,26 u. f. w.). Wie ! auch er mit Recht gelegentlich (vgl. zu 5, 19. 24,27) das
die Dinge liegen, muß der Lefer alles übrige Kautzfeh I Überfchießen eines Versgliedes als einen Grund für die
zurechnen; fchon" das Literaturverzeichnis S. 31 f. mit der Ausfcheidung neben anderen geltend macht, auch gern
großen Anzahl von Arbeiten, die erft nach Müllers Tode auf Bickells Vorfchläge nach diefer Richtung hört. Anders
erfchienen find, nötigt dazu. Für den Lefer würde es [ als in den übrigen Abteilungen, foweit meine Beobachtung
alfo auf dem Titel ftatt Müller und Kautzfeh richtiger ; reicht, ift nämlich hier auch der Text durch die Mitarbeit
heißen Kautzfeh und Haupt, zumal der Herausgeber zu des Herausgebers beftimmt; eine große Anzahl der Vör-
den Anmerkungen auf S. 32—69 rund die Hälfte bei- 1 fchläge, die in den Anmerkungen nur von Haupt bei-
getragen hat und auch fonll, wie fich zeigen wird, hier gebracht werden, find im Text in die Tat umgefetzt.

befonders ftark beteiligt ift.

Auf den Farbenüberdruck, der der Polychrome Bible
den Namen gegeben hat, verzichtet diefe Abteilung; fie
verwendet ftatt deffen wie Cornill im Buche Jeremia,

Darunter find namentlich folche, die die Stichenzahl be-
einfluffen, ich verweife aut 1, u>. u. 21. 32. 23. 6, 7. 8. 8, 33.
22, 99. 23, sb. 24,29. 31. 30, 8. Da 10, 1 — 22, 10 gar keinen,
K. 25—29 wenig Anlaß zu folchen Ausfcheidungen bieten,

Wellhaufen in den Pfalmen roten Typendruck für die j fo ift das ein fehr erheblicher Anteil, der auf Haupts
Überfchriften der Abfchnitte, in die fich das Buch felbft i Mitarbeit kommt. Die Begründung feines entfehiedenen

zerlegt, nicht minder für die akroftichifchen Buchftaben
31, loff. 24, 1. 3. 3 und einige Zierftücke, auch auf den
beiden erlten Seiten der Anmerkungen. Die herrliche
Wirkung diefes doppelfarbigen Drucks, befonders bei den
Zierbuchftaben auf S. 1 und 31, läßt den unbefcheidenen
Wunfeh aufkommen ihn dafür überall verwendet zu fehen.
Die Hervorhebung der Überfchriften fchon bedeutet

Eintretens für die Zweigliedrigkeit des hebräifchen Verfes
gibt uns Haupt felbft in der wertvollen Ausführung über
hebr. 512372 zu 1,6 S. 32h Ihm bezeichnet 5T2J72 nicht Gleich-
nis fondern unmittelbar die aus zwei parallelen Hälften
oder Hemiftichen beftehende dichterifche Zeile. Er be-
ruft fich dafür auf affyr. mislu = halb: das aber würde
für bl2372 doch eher die Bedeutung Hemiftich, Halbzeile
in einem Falle eine literargefchichtliche Entfcheidung: ergeben. Gibt er weiter unten als urfprüngliche Bedeut-
I, 1-7 werden rot gedruckt, mit v. 8 beginnen die fchwarzen ung .Gleichheit oder gleiche Teile', fo berechtigt das doch
Typen. V. 1—7 gelten damit als Überfchrift zu K. 1—9. 1 nicht fortzufahren ,oder Hälften', fondern läßt die Mög-
und diefer Ablchnitt gibt damit fich felbft den Namen ; lichkeit von mehr als zwei folcher gleichen Teile offen.
Die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von j Die Proben fclbftändiger Herftellung dichterifcher Stücke
Israel. Ich will kein Gewicht darauf legen, daß man bei nach feinen Grundfätzen, die Haupt uns bisher geboten
diefer Auffaffung die Überfchrift ebenfo gut oder beffer hat (mir liegen vor Jef. 40, Pf. I, Jef. 5, 1—4, vgl. Mark-
mit v. 6 fchließen könnte; ich halte fie vielmehr an fich i fteine der Weltliteratur in Originalfchriften und AJSLL,
für unrichtig. Mir ift K. 1—9 im ganzen Umfang gleich- . früher Hebraica, XIX, Nr. 3. 4), verfahren m. E. in folge-
fam die Überfchrift des Spruchbuchs, d. h. ein Vorwort, richtiger Durchführung der angenommenen metrifchen
das fich zum Weisheitstraktat ausfpinnt. Bei diefer Auf- ! Gefetze zu gewaltfam mit dem überlieferten Wortlaute,
faffung ift der oben angeführte v. 1, die Überfchrift im , um den Lefer zum Glauben an deren Richtigkeit zu er-
engeren Sinne, nichts als die nachdrücklich erweiterte j mutigen. Aber viel beachtenswertes enthalten Haupts
Wiederholung von 10, ia, und K. 1—9 wollen dann über- > metrifche Ausführungen an den genannten Stellen wie
haupt nicht Sprüche Salomos fein, fondern entziehen fich j hier ganz gewiß; ich rechne dazu auch die längere An-
ausdrucklich diefer Benennung. Wohl aber dürfte 1, c,b , merkung zu Prov. I, 10, beginnend mit dem Satze .sta'rrbs
mit GTOSh 1"0*I auf K. 22, 47—24, 34 und mit DPlTTl auf feierlich ausgefprochen ift ein volles Hemiftich'. So wenig

ich allen Bcifpielen für diefen Gebrauch beipflichten
möchte, fo fehr freue ich mich, hier die Bedeutung des
Gedankengewichts und der Paufe im hebräifchen Verfe
betont zu fehen, die ich feiner Zeit in meinem Hiob-
Kommentar behauptet habe, vgl. dort zu 31, u, 14, 4, auch
3,26. 7,4. 9, ii-
Eigentliche Strophen werden, wie es fcheint, nirgends

die Rätfelfprüche in K. 30 vorausweifen, fodaß K. 1—9
fich damit als Vorwort zu der ganzen Sammlung, min-
deftens K. 30 eingefchloffen, kennzeichnet. — Im Übrigen
hat Kautzfeh zur Literarkritik begreiflicher Weife wenig
Anlaß gefunden. Außer kleineren Gloffen, die unter den
Text verwiefen werden — nur 9,7-10 überfchreitet unter
ihnen den Umfang eines Verfes — fcheidet er nur 6, 1—19

aus. Wenn diefem Abfchnitt feine Stelle hinter 9, 18 | gebucht; erft die Addenda S. 86 holen dies für K. T. 5. 8
zwifchen zwei Schlußzeichen angewiefen wird, fo bedeutet nach D. H. Müller nach. Insbefondere fpielt der unver-
das ficherlich nichts weiter, als daß er aus K. 1— g als i meidliche Vierzeiler kaum eine Rolle, es fei denn, daß
nicht dazu gehörig ausgehoben ift und man feine urfprüng- j er hier und da in K. ioff. bei der Zufammenordnung und
liehe Stelle nicht kennt. Kautzfeh verwirft danach die Lostrennung von Versgruppen mitgewirkt hätte. Die
feine pofitive Beantwortung des Problems, die Bickell | Entfcheidung darüber ift natürlich eine heikle Sache, wo
geboten hat, indem er anordnet: 24,19-29. 6, i-8. 24, 90—91. im Grunde jeder zweigliedrige Vers ein Ganzes für fich
6, 9. 6, lof. [= 24,83f.!]. 6,12-19. Sie fcheint mir für 6,0-11 j bildet. Richtiger dürfte im Allgemeinen das Verfahren
vortrefflich und damit für 6, 1-3 ebenfalls einleuchtend; | fein, größere Mafien von Verfen ohne Zwifchenraum zu-
ob man auch v. 12—19 darf mitgehen laffen, ift mir 1 fammen zu laffen, wie es bei K. 25—29 überwiegend ge-
zweifelhaft. Es handelt fich da um zwei Zahlenrätfel j handhabt ift. Übrigens herrfcht, wo neben dem Zwilchen-
gleich denen in K. 30; denn ficher ift v. 12a nach v. 16 räum kein Trennungszeichen angewandt wird, an jedem
herzuftellen: (Sechferlei ift] der Nichtsnutzige [und fieben- Seitenende die Ungewißheit, ob es mit dem Anfang der
erlei] der heillofe Mann. Man beachte, daß die Einführung nächften Seite zufammenzufchließen ift oder nicht, ob z. B.
des Zahlenfpruchs in LXX auch v. 16 befeitigt ift; die I 10,22 und 23; 14,10 und 11; 15,29 und:» Verspaare oder
ganz fremde Umgebung mochte dazu veranlaffen. ' einzelne Verfe bilden follen.

Kürzung und Ergänzung des Textes fteht natürlich ! Die Textkritik ift im Texte felbft und in den Anmerk-
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