Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

29.1904

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 2.

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24 Seiten Text, 31 Seiten Anmerkungen von Guthe's Hand.
Einige Abzüge waren bereits ausgegeben — nach Haupt
Ende 1896, Guthe aber führt diefe Ausgabe bei Kautzfeh,
Apokryphen und Pfeudepigraphen S. 6 und Ii mit der
Jahreszahl 1898 an — als Herausgeber und Verleger fich
aus technifchen Gründen entfchloffen, den Text S. 1—24
neu zu drucken. In der Zeit, die darüber verging, er-
fchienen eine Reihe von wichtigen Beiträgen. Der Her-
ausgeber wünfehte diefe in einem Nachtrage berückfichtigt
zu fehen; da der Verfaffer durch andere Arbeiten ver-
hindert war, fprang Dr. Batten mit feiner Zuftimmung
in den Riß. So entftanden die Addenda auf S. 56—72,
die ziemlich zu gleichen Teilen aus Beiträgen Batten's
und des Herausgebers beftehn und die Literatur bis zum
Jahre 1901 eingehend berückfichtigen.

Die Quellenfcheidung wird danach ausfchließlich auf
Guthe zurückgehn, ift alfo älter als Torrey's Arbeit, von
der Batten im Eingang der Addenda kurzen Bericht gibt.
Soweit man die Farbenfprache deuten darf, werden von
der Arbeit des Chroniften, die ohne Überdruck fchwarz
auf weiß gegeben wird, die folgenden älteren Beftandteile
unterfchieden: I. Stücke aus den Denkwürdigkeiten Efra's,
und zwar in deffen eigener Faffung Efr. 7,27—8, 34. 9, 1—15,
in Überarbeitung 8, 35T. und K. 10; 2. aus den Denkwürdig-
keiten Nehemia's Neh. 1, 1—7, 5. 13, 4-31 und in Über-
arbeitung 11, 1—10. 12-24 (mit leichten Einarbeitungen).
12,27—32. 37-40. 43h 3. Dokumente aus den Zeiten Efra's
und Nehemia's, etwa 430—410 entftanden, umfaffend die
Verzeichniffe Efr. 2 = Neh. 7, eff. und Neh. 12, 12-26, fo-
wie die Erzählungen Neh. Kap. 8—10 (10,2-28 fpäterer
Zufatz aus einer befonderen Quelle) und 13, 1-3; 4. ein
aramäifches Schriftftück über die Vollendung des Tempel-
baus, um 450 verfaßt, nämlich Efr. 5, 3—6, 5 und in Über-
arbeitung 6,6—15. Spätere Zufätze zu dem Werke des
Chroniften aus dem Laufe des 3. Jahrh. find Efr. 3, s und

4, 6—24, felbft wieder vermehrt durch 4, sT

Unklar bleibt es in der Erklärung der Farben {Ex-
planation of Colors) auf der zweiten inneren Seite des
Umfchlags, ob Guthe den Chroniften {the Chronicler) und
den Redaktor {the Compiler) gleichfetzt; doch darf man
das gewiß annehmen. Wenig folgerichtig werden mehr-
fach die Zeichen für die Quellenfcheidung verwendet.
Schwarze Überftreichung bedeutet redaktionelle Über-
arbeitung der durch die Farbe bezeichneten Quelle und
ift dafür in dem violetten und gelben Druck (oben Nr. 3
und 4) verwendet; hellerer Druck in derfelben Farbe
bezeichnet in den violetten und grünen Abfchnitten (Neh.
10, 2-28 und Efr. 4, of.) richtig fpätere Zufätze zu einem
Stücke. Ift das fo, warum bezeichnet dann Hellblau und
Hellrot die redaktionell überarbeiteten Stücke der
Denkwürdigkeiten Efra's und Nehemia's, während dafür
entfehieden Überftreichung anzuwenden gewefen wäre?
Hellblau und Hellrot hätten fich danach völlig erfparen
laffen. Und wiederum kann Überftreichung des Drucks
auf weißem Untergrund nach der allgemeinen Zeichen-
fprache nur eigene Arbeit das Chroniften bedeuten, die
von fpäterer Hand überarbeitet ift. Danach ift diefe Be-
zeichnung bei Efr. 7, 11-26, dem Geleitbrief des Königs für
Efra, falfch angewandt; denn Guthe behandelt in feiner
Gefchichte des Volkes Israel S. 256 den Inhalt der Verfe
14. 15—19. 25 f. als gefchichtlich, 7, 1-10 als gänzlich
unzuverläffig. Man darf kühn annehmen, daß Efr. 7, 11-26
blau mit fchwarzer Überftreichung gedruckt fein follte,
als von Efra felbft mitgeteilte Urkunde in der Überarbei-
tung des Chroniften. Die Wahl der violetten Farbe für
Efr. 2 = Neh. 7 erläutert uns Guthe in feiner Gefchichte

5. 259; auf die Schwierigkeiten, die feiner Anfchauung im
Wege ftehn, kann hier nicht eingegangen werden. Am
überralchendften ift wohl die Zeitbeftimmung für 4,6—24,
die Verhinderung des Mauerbaus. Es ift fchwer begreif-
lich, wie folch ein Stück erft nach der Zeit das Chroniften
nicht nur eingefchoben, fondern auch abgefaßt fein follte.
Denn das fchlöffe doch wohl in fich, daß es für die

jetzige Stelle gefchrieben wäre, und dies anzunehmen
fcheint faft unmöglich. Die Berichterftattung könnte fich
jederlei Erwägungen über die Verwendung des Farben-
drucks erfparen, da die fachliche Erklärung dafür ja erft
zu der Überfetzung der Bücher geboten werden foll; aber
leider ift das Erfcheinen diefer anderen Reihe, nachdem
die Jahre 1897—99 fechs Bände gebracht hatten, fo völlig
ins Stocken gekommen, daß man fich gezwungen fieht,
aus der Not eine Tugend zu machen und das bei dem
hebräifchen Text Gebotene wenigftens fo gut wie mög-
lich zu verwerten.

Die Bearbeitung des Textes ift außerordentlich forg-
fältig und eingehend und bildet eine unentbehrliche Er-
gänzung zu jedem Kommentar. Ift fchon bei Guthe dem
umfaffenden Namenmaterial große Aufmerkfamkeit ge-
fchenkt, fo bringen die Addenda gerade dafür viele wert-
volle Ergänzungen. Befonders fei auf die keilinfchrift-
lichen Parallelen zu den Eigennamen hingewiefen, die
Batten und Haupt aus den von Hilprecht und Clay 1898
veröffentlichten Gefchäftsurkunden der Zeit Artaxerxes I.
und Darius II. beibringen und S. 72 in einer Lifte von
48 Namen zufammenfaffen. Mag es fich hier fchon viel-
fach nicht nur um Namensvettern, fondern um diefelben
Perfonen von Fleifch und Bein handeln, fo ift die Gleich-
fetzung des Statthalters vom Efr. 5,3 mit dem Ustänu,
der auf einer Kontrakttafel als Statthalter von Babel und
ebir Näri unter Darius I. vorkommt, ein nicht zu unter-
fchätzender Gewinn für die richtige gefchichtliche Wertung
diefer Bücher. Bei Gelegenheit fügt der Herausgeber
hier wie in allen neueren Abteilungen noch zahlreiche
Bemerkungen hinzu, die nur lofe mit dem Texte zufammen-
hängen, zumeift grammatifchen, lexikalifchen, etymolo-
gifchen Inhalts. Alles in allem enthält der mäßig ftarke
Band eine Fülle von Belehrung nach allen Seiten hin,
die gerade für diefe fchwierigen und vielumftrittenen
Bücher in höchften Grade willkommen ift.

Eine größere Rolle als bei anderen Ausgaben fpielt
hier bekanntlich die Zeichenfprache. Ich kann nicht alles
auf diefem Gebiete für glücklich halten. Fremde Alphabete
follten fich überhaupt nicht in den Text eindrängen. Hier
aber finden fich zu den kleinen griechifchen Buchftaben,
die auf die Gloffen am Fuß der Seite verweifen, auch
noch zahlreiche lateinifche, die lediglich die richtige
Reihenfolge der Worte vor Irrtümern fchützen follen
(vgl. Efr. 2, Neh. 7 und 12), m. E. ganz überflüffiger
Weife, da die Versziffern am Rande den Weg zeigen.
Auch das feit Numeri und Judices angewandte Mittel zur
Bezeichnung von Zitaten, kleinere Schrift, fcheint mir
bedenklich, da diefelbe Schrift für die Gloffen unter dem
Text dienen muß. Zudem führt es in Efr. 3, 11 zu einem
Mißverftändnis. Das Zitat lautet dort nicht, wie der
Druck es gibt, non Dbiyb 13 37113 13 fondern rTVifvj Vtfrl

mbbn "non nbiyb HD 31t) "»3, obgleich das gar nicht
im Texte fleht.

Die Druckausführung fucht wie immer ihres Gleichen;
nur follte der violette Druck von Bogen 3 nicht foviel dunk-
ler fein als der von Bogen 1 und 2, vgl. S. 16 mit S. 17.

Marburg a. d. Lahn. K. Budde.

The Book of Proverbs. Critical edition of the Hebrew text,
with notes by the late Prof. Auguft Müller, Ph. D.,
and Prof. Emil Kautzfeh, D.D. English translation
of the Notes by Prof. Duncan B. Macdonald, B. D.
(The sacred Books of the Old Teftament. A critical
edition of the Hebrew text, printed in colors, with
notes, prepared by eminent Biblical fcholars of Europe
and America, under the editorial direction of Prof.
Paul Haupt. Part 15.) Leipzig 1901, J. C. Hinrichs"
fche Buchh. (86 p. gr. Lex. 8.) M. 5.50; geb. M. 7.—

Schon der Titel diefer Abteilung mahnt uns an die
Totenlifte des Unternehmens, die fchon fünf Namen zählt.
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