Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

22.1897

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583 Theologifche Literaturzeitung. 1897. Nr. 22. 584

durch Erzählungen jüdifcher Chriden, die fich natürlich der von ihm felbft aufgezählten jüdifchen Parallelen
an die Legende anfchloffen, als durch Leetüre des A. T. ebenfalls bedeutungslos wird, und die beiden formellen
verbreitet worden fein, üafs aber irgendwo Anfchauun- j Gleichklänge si xig öoxei 1 Kor. 3,18. Gab 6,3 u. Jac. 1,26,

gen in der jüdifchen Literatur bezeugt wären, wie die hier
bekämpften, hat Sp. nachzuweifen nicht einmal verbucht.

Aehnlich dürfte zu urtheilen fein gegenüber dem
Reft des Briefs 1,1 —19a und 4,1 —10. In beiden Partieen,
deren Zufammenhang in fich und je mit ihrem Context
keine Klärung erfahren hat, finden fich wohl Worte, die
im Judenthum ihre Formulirung erhalten haben können;
fo 1,5—8, was hinter 3,18 viel beffer am Platze wäre, als
hier; 1,9—11; 4,4—6; 4,8b, eventuell auch 4,1—3 und noch

fowie öv xig u 0 xqivojv Rom. 4.14 u. Jac. 4,12, die fich,
zumal der erfte, bei Pls. wiederholte, als übliche red-
nerifche Wendungen auch ohne fchriftftellerifche Bezieh-
ungen begreifen, endlich etliche Anklänge, die wiederum
innerhalb der ,chridlichen' Stücke liegen: Jac. 1,4 und
1 Theff. 5,23, Jac 1,13 und I Cor. 10,13, Jac- T>i8 und Rö.
8,23, Jac. 1,21 und Rö. 13,12. Die S. 230—236 unterfuch-
ten Beziehungen zu Gl. R. tragen für die Frage nichts
Sicheres aus. — Ich möchte nach dem allen aus Sp.'s

etliche einzelne Wendungen. Aber die eigenthümlich bei der Wucht des Beweismaterials unwiderleglicher
abgeriffene, fprunghafte Zufammendellung begreift fich Hauptthefe an Stelle feiner allzuweitgehenden Folge-
viel leichter aus der Vorausfetzung, dafs der Verf. unferes rungen vielmehr folgende ziehen: Unfer Schriftftück be-
Schriftftücks, feit lange vertraut mit jenen Sprüchen, 1 weift aufs Neue, dafs die junge Chriftenheit zu ihrer Er-
diefes fpröde Material mit feinen eigenen Ideen zu einem bauung wie das A. T., fo auch fpätjüdifche Literatur
dem von ihm verfolgten Zwecke dienlichen Ganzen zu j dankbar verwerthete, aber, wo es fich nicht um einheit-
verknüpfen fich bemüht. Die Abfchnitte 1,1—4. 12. 13— liehe Werke, wie die Apokalypfen handelte, doch mit
19a und die verbindenden Worte in 4,1—10, unter denen j ficherem Tacte alles ausfehied, was für einen Chriften
v.gwie eine Reminifcenz an das in feine Anthologie 4,11— | nicht mehr erbauungskräftig war, und überall chriftliche
5,20 aufgenommene Stück 5,1—6 klingt, athmen gerade Lichter auffetzte, die das Uebernommene in die chrilt-
im Vergleich mit den jüdifchen Parallelen chriftlichen Geift. I liehe Sphäre hoben. Als ein chriftlicher Verbuch eines
Die Beziehung von 1,18 auf die Schöpfung ift durch das geborenen Juden, mit Hilfe jüdifcher Sprüche und Auf-
'/fjcg, das nicht alle Menfchen umfaffen kann und den nie | fätze die Chriftenheit feiner Tage zu trotten, zu fettigen
auf GottesSchöpferthätigkeit angewandten Begriff uxoxvuv 1 und vor Verflachung zu bewahren, begreift fich unfer
ausgefchloffen. . Brief in feiner wenig fett gefügten Compofition am betten.

Auf den im 2. Theil gemachten Verfuch, die Be-
ziehungen zwifchen unferem Brief und der neut. Lite-
ratur, foweit fie zugeftanden werden, aus Abhängigkeit
der betr. Schrifttteller vom Jacobusbrief zu erklären, wird
wohl Sp. felbft kein zu grofses Gewicht legen. Es follte
nur die Möglichkeit erwiefen werden, dafs die Priorität

Auch die Adreffe wird dann begreiflich: Das hochange-
fehene Haupt der jüdifchen Chriften wird zum Patron
diefes eigenartigen Verfuchs gemacht, der denn die
Chriftenheit als die Diafpora des wahren Dodekaphylon
grübst. — Dafs die Detailexegefe von Sp. an vielen Stellen
gefördert worden ift, fei noch ausdrücklich betont, wenn

bei Jac. liegt. Wie viel Subjectivität in diefen Fragen ! auch feine Verfuche gegenüber 3,6 [t] yXoioGcc Jtvri, 0 xoöf/og

mitfpielt, wiffen alle Betheiligten. Dagegen macht Sp. \ xrjg aöixtag urfprünglich den Inhalt angebende Randglolf. ),

feinen Lefer um fo vorfichtiger, literarifche Beziehungen , 4,5 (jiQoq <p&ovoi> verbunden mit Xsyei, (ßdovog Subject

überhaupt zu conftatiren, in je helleres Licht er uns die von ssiisioO-ei), 5,8 (Frühfrucht und Spätfrucht), 5,16 (der

zeitgenöffifche jüdifchen Literatur und die weitgehende Ver- Gerechte ein Fürbitter im Himmel) mir nicht glücklich

trautheit der altchriftlichen Schrifttteller mit derfelben I Rheinen. —

rückt. Gegenüber den Synoptikern hat Sp. diefe Vor-
ficht denn auch felbft geübt. Wenn man all die von
ihm aufgezeigten jüd. Parallelen im Auge behält, legt,
im Gegenfatz zu der üblichen, auch von mir im Hand-
commentar vertretenen Anficht, keiner der vielen ,An-
klänge' den Schlufs auf literarifche Beziehung nahe; auch

Die Entftehungsgefchichte des Pastor Hermae
geftaltet fich für Sp. folgendermafsen:

Ein Diafporajude verfafste vielleicht in der Zeit des
Claudius, ein Prophetenbuch, welches, nachdem es fchon
durch Ungefchick etliche Umftellungen erfahren, etwa 80
Jahre fpäter chriftlich überarbeitet wurde, alfo ein Ge-

nicht 5,12 gegenüber Matth. 5,34—37. Ja der Umftand, fchick ähnlich dem der Teftamente der XII patr., der Apc.
dafs die in grofser Zahl vorhandenen verwandten Ge- [ Joh. u. f. w. erlebte. Diefe jüdifche Urfchrift unferes heu-
danken nie an die Form fich anlehnen, in die Jefus fie I tigen Paftor beftand aus drei Abtheilungen. I.) Vis. I—IV.
gekleidet, fpricht gegen die bei einem Chriften voraus- ! 2.) a) 12 Mand. (Sim. I ftand an der Stelle von Mand. XI,
zufetzende Vertrautheit mit der letzteren. Weniger vor- | M.Xll reichte nur bis 3,1) mit Vis.V und, zwifchen V, 5 und
fichtig war Sp. gegenüber 1 Pt. Von den 40 Berührungen, \ 6 eingefchaltet, Mand. IV, 2 f. als Einleitung, Mand. XII,
die er aufzählt, fcheiden mit demfelben Recht die meiden 3,2—6.5 und Sim. VIII, 11,1 — 5 als Schlufs, b) Sim. IX,
aus. Um fo mehr, als was zurückbleibt, durch eine Kluft ; 1,1—3C3- und X. 3.) 7 Sim. in folgender Ordnung: Sim.
von dem Ausgefchiedenen getrennt id. Dort find es V, Sim. II, Sim. III und IV, Sim. VIII, Mand. XI, Sim.
vage ferne Anklänge, hier find es wörtliche, übereindim- VT und VII, Sim. IX, 31,4—33,1, deffen Anfang verloren
mende Wortgruppen. Diefe aber finden lieh (abgefehen | ging. Die Umdellungen, die das Buch erlitten, find dem-
von Jac. 5,20, was nur in einer häufig gebrauchten Phrafe nach: 1. Ein Mandat und eine Parabel find vertaufcht
anklingt) nur in den oben für einen chridlichen Verf. in ; worden. 2. Mand. IV, 2 f. id an eine falfche Stelle ge-
Anfpruch genommenen Abfchnitten, und hier gehäuft: ' rathen. 3. Die Parabeln erhielten eine andere Reihen-
1,1 —18. 1,21.4,1.6.7. 10. Gerade diefe Vertheilung der | folge. 4. Der urfprüngliche Schlufs des Mandatenbuchs
Berührungen fpricht für die Abhängigkeit des Jac. und J und der 2. Theil der 2. Abtheilung (Sim. VIII, [ 1,1 —
für die oben angegebene Scheidung der Abfchnitte in Sim. X) wurden dem Ganzen als Schlufs angehängt, wo-
folche jüdifchen Urfprungs, welche demnach frei von Be- bei die letzte Parabel (Sim. IX, 31,4—33,1) in verdüm-
ziehungen zu 1 Pt. find, und folche eines chridl. Bear- j melterForm mitten hinein gerieth. 5. Auch Mand. X, 1,3—6
beiters jener Stücke, der 1 Pt. kannte. Den Nachweis, deht nicht an feinem Platz; wo diefer war, id unficher.
dafs Pls. von Jac. abhängig fei, halte ich für mifslungen, j Verloren gingen bei diefem Umgedaltungsprocefs der
wenn ich auch dies Urtheil hier nicht des Näheren be- I Anfang der urfprünglich fiebenten Parabel und der Anfang
gründen kann. Von vornherein macht mifstrauifch, dafs der Vifionenfammlung. Dadurch wurden einige redactio-
auch hier vor allem die chridlichen Stücke in Frage kom- ! nelle Klammern nöthig: In Vis. V, 6. Sim. IX, 1 mufsten
men: 2,14—26 und Wendungen in 4,1—10, etwa auch in ] neben den svxolcu auch die jtaQaßoXai erwähnt werden.
1,1 —12. Von allen fond hier beigebrachten Berührungen 1 In Sim. VIII, 11 id durch Einfatz von rag tJtiXvoug
hält Sp. nur fed Rö. 2,11 u.Jac. 2,ilf. Rö. 2,13 u. Jac. 1,22. siaöcov xmv Qaßöcov die Verbindung mit der nunmcliri-
Rö. 2,17 fr. u. Jac. 1,26f. 2,8 ff. 3,1. I3ff., was angefichts I gen Sim. VIII hergedellt worden.
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