Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

2.1877

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Theologifche Literaturzeitung. 1877. Nr. 10.

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Herr Z. auf die Italafragc felbft in diefem Schriftchen
nicht zurückkommt, wie er denn überhaupt feine in der
gröfseren Publication vertretene Anficht von verfchie-
denen unabhängig von einander entftandenen Ueber-
fetzungen der Bibel hier nicht durchblicken läfst (vgl.
S. 648 f., wo immer nur von Recenfionen die Rede ift).
Dagegen wird eine andere, anläfslich der Befprechung
der Johannesfragmente dort berührte Frage hier wieder
aufgenommen: die Frage der Zugehörigkeit des f. g.
(Otnmä Joliannatm (I Joh. 5,7) zur Ueberfetzung des
Hieronymus Dankenswerth find namentlich die näheren
Nachweife über die fo berühmte wie merkwürdige
Vulgatahandfchrift von La Cava (S. 653 ff.), auf deren
bevorftchende Veröffentlichung durch Herrn Z. man
gefpannt fein darf. Soviel aber kann fchon heute mit
Sicherheit behauptet werden, dafs die Vertheidiger der
Urfprünglichkeit der .himmlifchen Zeugen' fich auf den
Cod. Cav. nur mit Unrecht berufen. Denn die Beobach-
tung, welche fich fchon Vercellone (Variae lect. I,
LXXXVIII) aufdrängte, dafs wir es hier nicht mit einer
reinen Vulgatahandfchrift zu thun haben, fondern mit
einem vielfach mit vorhieronymianifchen Lesarten ge-
mifchten Texte, wird durch die von Z. S. 656 f. bei-
gebrachten Beifpiele auf's fchlagendfte beftätigt. Ja das-
felbe 5. Cap. des erften Johannesbriefes weift noch eine
andere interpolirte Stelle auf (v. 20), welche fich fo weder
in Handfchriften der Vulgata noch in folchen des Ur-
textes, wohl aber im f. g. Spcculum Augustini, bei Hilarius
von Poitiers und dem Presbyter Fauftinus findet. Dazu
kommt, dafs der Schreiber des Cod. Cav. (oder feines
Originals) durch eine Reihe polemifcher, gegen den
Arianismus gerichteter Randgloffen feinen Partciftand-
punkt fo offen documentirt, dafs er als unverdächtiger
Zeuge in diefer Frage mit nichten angefehen werden
kann.

Halle a. S, O. Gebhardt.

Girgensohn, Oberlehrer Dr. J., Prudentius und die Ber-
tinianischen Annalen. Ein Beitrag zur Quellenkunde
des 9. Jahrhunderts. Riga 1875, Kymmel in Comm.
(VI, 38 S. gr. 8.) M. 1. -

Dafs Prudentius, Bifchof von Troyes, als Gegner des
Johannes Scotus im Prädeftinationsftreit des 9. Jahrhun-
derts bekannt, der Verfaffer der, nach dem Fundort der
Handfchrift — dem Klofter S. Bertin — Annales Bertiniani
genannten, officiellen fränkifchen Reichsgefchichte der
Periode von 835 bis 861 gewefen, ift eine Annahme, die
fich bisher nur auf ein einziges Zeugnifs, einen Brief des
Erzbifchofs Hinkmar von Reims, ftützte. Girgenfohn
unternimmt es nun in feiner Abhandlung den Nachweis
für die Autorfchaft des Prudentius auch aus inneren
Gründen zu liefern, in der Meinung, dafs es feine Berech-
tigung habe: ,felbft eine kleine Lücke in dem Funda-
mente auszufüllen, auf welchem Meifter der Kunft ihre
Prachtbauten begründeten' (p. VI). Nach einer kurzen
nichts wefentlich Neues bringenden Darftellung des Le-
bens und des Charakters (S. 1—6), geht er zu den
Schriften und der Stellung des Prudentius in dem Prä-
deftinationsftreit über. Ein theologifches Urtheil in letz-
terer Frage mafst der Verf. fich nirgends an, begnügt fich,
die knappe, aber in den Hauptfachen richtig formulirte
Darftellung wiederzugeben, die Noorden in feinem Hink-
mar von Reims von dem Syftem des Auguftin, und von j
der Prädeftinationslehre des ebengenannten Rcimfcr Erz-
bifchofs entwirft (vergl. S. 8 und 9), die rein hiftorifche
Seite des Prädeftinationsftreits dagegen wird, fo weit fich
Prudentius an demfelben betheiligt, ganz felbftändig
behandelt. Während Noorden die Vermuthung Gfrörer's
in Zweifel zog, dafs Karl der Kahle auf der Synode zu
Quierfy 853 Gewaltmittel angewendet habe, um die An-
nahme des Hinkinar'fchcn Programms auch bei dem |

Prudentius durchzufetzen, tritt Girgenfohn mit einer Reihe
glücklich geführter Beweife für die Hypothcfe Gfrörer's
ein. Wenn er hervorhebt, dafs die politifch äufserft be-
drängte Lage Karl den Kahlen nicht nur die rafchc Be-
feitigung des, die Bifchöfe feines Reichs in zwei Lager
fpaltenden, dogmatifchen Streits wünfehen, fondern
fchliefslich, als die Kluft zwifchen den Parteien fich er-
weiterte, auf der Synode von Quierfy felbft zur Ein-
fchüchterung oder Gewalt greifen liefs, fo mufs Referent
diefem Argument in feiner ganzen Ausführung (S. 11—13)
ebenfo wie dem anderen feine Zuftimmung geben, dafs
fowohl der Abfall des Prudentius auf der Synode von
853 von feiner bisher vertretenen Anficht, als auch deffen
fchon in demfelben Jahre erfolgender Proteft gegen die
von ihm unterzeichneten Synodalartikel fich am unge-
zwungenften aus einer vorübergehenden Nachgiebigkeit
unfers Bifchofs gegenüber dem auch fonft als tyrannifch
bekannnten Herrfcher, erklären laffe; diefe auf der Sy-
node zu Quierfy 853 von Prudentius übel empfundene
königliche Preffion rief - fo meint Girgenfohn — eine
andauernde Verftimmung des Erfteren gegen Karl den
Kahlen hervor. Auf diefe Annahme, dafs das Jahr 853
ein Wendepunkt in dem Verhalten des Prudentius zu
feinem König bildet, will nun Girgenfohn den Beweis
gründen, dafs Prudentius von Troyes der Verf. der Ber-
tinianifchen Annalen in dem Zeitraum von 835—861 ge-
wefen ift. Denn während ,von dem Jahre 835—840 eine
Perfönlichkcit fehreibt, die offenbar Ludwig dem From-
men aufrichtig ergeben war', und diefe auch noch von
840—853 bemüht ift, Karl den Kahlen auch ,bei bedenk-
lichen Gelegenheiten in möglichft vortheilhaftes Licht zu
ftellen', fo hört mit dem Jahre 853 jede Parteinahme
für den König auf, deffen Fehler und Mifserfolge in den
nächften Jahren vielmehr mit einer gewiffen Vorliebe
verzeichnet werden. Die Belcgftellen dafür, dafs der
Geift diefer Annalen von 853—861 ein anderer ift, als
der von 835—853, find fo zahlreich beigebracht und fo
fchlagend (S. 22—34), dafs man gegen die Hypothefe
des Verf. kaum einen begründeten Widerfpruch wird
erheben können. Die kleine gediegene Abhandlung
Girgenfohn's darf wohl die Aufmerkfamkeit aller auf dem
Gebiete des Mittelalters arbeitenden Fachgenoffen bean-
fpruchen.

Strafsburg i. E. R. Zoepffel.

Pick, Rev. Bcrnh., Luther as a hymnist. Philadelphia
1875, Lutheran book störe. (178 pp. 8.) Cloth.

Es ift bekannt, dafs in den Vereinigten Staaten von
Nordamerika die lutherifche Kirche fich ftark ausgebreitet
hat. Die Zahl der Synoden, die zu ihr gehören, ift in
den letzten 20 Jahren bedeutend gewachfen und fie nimmt
noch immer zu. Dies Wachsthum ift allerdings zum
guten Theile veranlafst durch die nachfehiebende Ein-
wanderung aus Deutfchland, weshalb auch in vielen Ge-
meinden die eigentliche Kirchenfprache die deutfehe ift.
Aber daneben beliehen doch auch zahlreiche lutherifche
Gemeinden englifcher Zunge, befonders in den örtlichen
Provinzen, und fie find für ein doch vorwiegend eng-
lifches Land von vorzüglicher Bedeutung. Lange Zeit
nun war diefen englifchen Gemeinden wenig anzumerken,
dafs fie lutherifch feien, obwohl fie fich fo nannten; aber
in den jüngften Jahren hat fich darin eine Aendcrung
angebahnt, befonders durch die Arbeit einiger tüchtiger
Theologen, wie z. B. des Profeffors Krauth, der kürz-
lich ein treffliches Werk über ,die confervative Refor-
mation' fchrieb. Man befinnt (ich auf das Bekenntnifs
der lutherifchen Kirche, beginnt fich in dasfelbe einzu-
leben und ftudirt lutherifche Theologie älterer und
neuerer Zeit. Zu dem Behufc find Hauptfchriften Luthei 's
in's Englifche überfetzt worden; und als ein Zeichen die-
fer Wendung ift auch die vorliegende Sammlung der
Lutherlieder in englifcher Sprache zu betrachten. Sie
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