Schürer, Emil [Begr.]; Harnack, Adolf von [Begr.]

Theologische Literaturzeitung: Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft

1.1876

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Theologifche Literaturzeitung. 1876. Nr. 9.

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EineigenthümlichesVerfeheninNo. 1 ift die Schreibung
JvatQccv ftatt Avoxquv Act. 14,6. Aufserdem fehlen in
No. 1 nicht feiten Accente und Spiritus, viel häufiger
als in No. 2 und 3; an zwei Stellen hat in No. 1 ein
Wort doppelte Accentuation (Mt. 21,9 und Judae 25.)

Ueber die Beigaben zum Texte ift hier wenigftens fol-
gendes zu fagen. Die Prolegomena aller drei Ausgaben
enthalten: 1. eine kurze und doch genügend orientirende
Ueberficht der gedruckten Ausgaben bis auf die des
Herausgebers, 2. eine Rechtfertigung der von diefem
felbft bei der Tcxtgeftaltung befolgten Grundfätze, und i
3. eine Ueberficht der kritifchen Hülfsmittel. Hier fin- I
det nur der Unterfchied ftatt, dafs in No. 3 die Be-
fprechung der eigenen Grundfätze der Gefchichte der
frühern Drucke vorangeftellt ift; im übrigen find diefe j
Prolegomena dem Inhalte nach und mciftentheils auch I
dem Wortlaute nach fich fo gleich, dafs kaum eine be-
merkenswerthe Vcrfchiedenheit unter ihnen ftattfindet.
Ganze Abfchnitte find dabei wörtlich oder faft wörtlich
den Prolegomena der ed. VII. crit. {maior) entnommen
und kommen zum Theil auch fchon früher in Tifchen-
dorfs Ausgaben vor. Die Nothwendigkeit, immer wefent- J
lieh dasfelbe zu fagen, hat den Herausgeber fich felbft i
abfehreiben laffen; Aendeiungen im Wortgefüge, die
manchmal nur deshalb vorgenommen zu fein fcheinen,
damit doch ein Unterfchied da fei, haben mitunter der !
Deutlichkeit eher gefchadet als genützt. Ins einzelne
hier einzugehen, verlohnt fich nicht. Einiges wäre bei
genauer Durchficht wohl zu berichtigen, wie z. B. die
Angabe, die fich in No. 1 pag. I, No. 2 pag. I und
No. 3 pag. IX anmerkungsweife findet und auch in der
ed. VIII. crit. {maior) fchon fich fand, dafs die erfte ganze
hebräifche Bibel Bononiae 1488 gedruckt fei; wenig- j
flens geben die beften Schriftfteller fonft immer an, fie fei
Soncini 1488 erfchienen 5). In allen unfern drei Ausgaben
wird in den Prolegomena auf die Prolegomena der ed. VIII.
crit.mai. verwiefen, oft fo, als wenn fie fchon vorhanden
wären; in No. I pag. XXIII Anm. wird fogar von der
utraque editio nostra anni 1873 (sie!) geredet, woraus we-
nigftens zu erfchen, dafs Tifchendorf damals, d. h. im
October 1872, hoffte, die ed. VIII. maior und minor mit
den Prolegomena noch im Jahre 1873 fertig ftellen zu
können. Die Angaben über die kritifchen Hilfsmittel
find für die meiften, welche fich diefer Handausgaben be-
dienen, wohl reichlich ausführlich; für die Erklärung der
Anmerkung über die Auslaffung von >; nvXiq Mt. 7, 13. 14
in No. 2 und 3 genügen fie freilich nicht, aber diefe
Anmerkung felbft gehört wohl kaum in diefe Ausgaben.
— Die capitula Ammonii mit den Canoncs Eusebii find im
Text der Evangelien in No. i und 3 mit fehr kleinen,
nicht wie bei den frühern Ausgaben von No. 1 einge-
klammerten Ziffern angegeben; während aber in No. 1
zum Verftändnifs diefer Zahlen am Schlufs der Einleitung
der bekannte Brief des Eufebius an Karpianus und die
Tafeln des Eufebius abgedruckt find, fehlen felbft diefe
letztern in Nr. 3, fo dafs die Hinweifung auf die canones
Eusebii im Text felbft eigentlich werthlos ift; wahrfchein-
lich liegt hier ein Verfehen vor. — Auch in dem Druck
der Prolegomena finden fich in No. I einige Fehler, die
vor einem Wiederabdruck in den Sterotypen wohl zu
verbeffern wären; wir nennen hier nur die gröfsern.
Pag. XXVI, lin. I ift das non zu ftreichen: pag. XXXII,
lin. 12 fehlt wohl das Wort partem; dafs pag. LXXII,
lin. 8 v. u. canon XI ftatt canon X fteht, dürfte vielleicht
als eine berechtigte Eigenthümlichkeit diefer Ausgabe
unverbeffert bleiben, da fich derfelbe Druckfehler in den
zehn früheren Ausgaben auch immer wieder fand.

Parallelftellen geben alle drei Ausgaben an; in No. 1
und 3 flehen fie ganz unten an der Seite, in No. 2 neben
dem Text am innern Rande; fo weit wir fie verglichen
haben, find es diefelben, die auch in der grofsen Aus-
gabe angegeben find. — Capitelüberfchriften finden fich
bei No. I und 2, nicht bei No 3.

Zum Schlufs ift noch ein Wort über die diefen Aus-
gaben beigefügte adnotatio critica zu fagen, welche fich
in allen dreien unter dem Texte befindet, in No. 1 und 3
zwifchen diefem und den Parallelftellen. In ihr findet
fich inhaltlich der einzige bemerkenswerthe Unterfchied
zwifchen diefen Ausgaben. Alle drei geben nach Art
der früheren Auflagen von No. 1 und 2 die Lesarten der
dritten Stephanifchen und der erften Elzevir-Ausgabe
im Unterfchiede vom Tifchendorf'fchen Texte an und
zwar fo, dafs dabei noch befonders bezeichnet ift, an
welchen Stellen diefe beiden Ausgaben wieder von
einander abweichen. Die Lesart von Stcphanus 1550
wird dann mit g und die der Elzevir-Ausg. 1624 mit
Se bezeichnet. Zu diefen Angaben fügt No. 2 noch die
Lesarten des Sinaiticus (n) mit Rückftchtnahme auf die
Correcturen der erften Hand durch fpäterc Bearbeiter
und No. 3 aufser diefen ebenfo die des Vaticanus (B).
Bei der Bedeutung, welche diefe beiden Handfchriftcn
an fich und namentlich auch für diefe neufte Textes-
recenfion Tifchendorf's haben, kann che Anzeige ihrer
Lesarten, bei der von unbedeutenden oder immer'wieV 1-
kehrenden orthographifchen Abweichungen und offen-
baren Irrthümern abgefehen ift, auch folchen erwünfeht
fein, denen im übrigen mehr daran liegt, das Refultat
der kritifchen Arbeit vorgeführt zu bekommen, als in
fie felbft hinein geführt zu werden. Es wird auch die
Ausdehnung der Anmerkungen dadurch nicht fo gar fehr
vermehrt, weil nur diejenigen Lesarten anzugeben waren,
in denen Tifchendorf von t» oder resp. von s und B
abweicht. So läfst fich diefe Beigabe gewifs rechtfertigen.

Zu der Angabe der Stephanifchen und Elzevirfchen
Lesarten fügten die frühern Auflagen von No. 1 in
Klammern noch die Lesarten anderer Herausgeber, wie
Griesbach, Lachmann, ohne deren Namen zu nennen;
das ift jetzt nicht mehr gefchehen. Dagegen hat der Her-
ausgeber in allen unfern drei Ausgaben fleh mitunter
nicht begnügt, die Lesarten der erften Elzcvirausgabe
von 1624 anzugeben, fondern auch noch die Abweichungen
fpäterer Elzevirausgaben entweder von früheren oder von
der von ihm gewählten Lesart angegeben. Es ift nicht
recht zu fehen, aus welchem Grunde das gefchieht, und
ift dabei mitunter auch irreführend. So wenn z. B. zu
I. Co. 9,2 (in No. 1, 2 und 3) bemerkt ift ge 1633
emoxoXrjg, fo ift damit ganz richtig angegeben, dafs an
diefer Stelle die zweite Elzevirausgabe mioxoXijg ftatt
a7io6xoXi'jg hat, während die erfte Elzevirausgabe die
letztere Lesart hat; aber das ift nun nicht etwa fo, wie
man nach diefer Angabe vermuthen möchte, als wenn
diefe Lesart nur für diefe Elzevirausgaben und den aus
ihnen geflohenen charakteriftifch wäre, fondern fchon 1656
drucken die Elzevire wieder ccitoazoXijs; hernach freilich
1678 wieder etnoxoXrjg; aber diefe Lesart, die fich nur
bei wenigen Minuskeln und in der aethiopifchen Ueber-
fetzung findet, hat keine folche Bedeutung, dafs ihrer
hier gedacht zu werden brauchte. Wenn aber Apoc.
3,12 bei der Lesart Xcecp beigemerkt ift ge 1624, fo wird
durch diefen Zufatz der Jahreszahl, die bei den übrigen
Lesarten der erften Elzevirausgabe fich nicht findet, die
geradezu falfche Vorftellung geweckt, als wenn die fpä-
teren Elzevirausgaben diefen Druckfehler, denn etwas
anderes ift es nicht, nicht hätten, während fie ihn aufser
der letzten alle feilgehalten haben. Aehnlichc Angaben
über Lesarten fpäterer Elzevirausgaben, auf die wir hier
nicht genauer eingehen können, finden fich z. B. zu
Mt. 13,15. Mc. 4,18. Lc. 13,8. 17,26. 2. Tim. 1,12 u. f. f.
Sie find, auch wo fie völlig richtig find, nach unferer
Anficht hier nicht am Orte; es müfste denn etwa fein,
dafs es darauf ankäme, eine für die Gefchichte der Exe-
gefe oder die Dogmatik wichtige Lesart früherer Zeiten,
die bei der einfachen Angabe der Lesart von 1624 nicht
genannt würde, zu notiren, was aber von keiner diefer
Stellen gilt. Uebrigens liefse fich diefe ganze Art und
Weife, die Abweichungen von dem alten f. g. reeipirten
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