Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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genommen, von denen ihrer zwei nun schon unter zahlreicher
Beteiligung abgehalten sind. Der zweite, über den hier Be-
richt erstattet wird, in den Tagen vom 28. Juni bis znm 6. Juli
1913. Ein aus berufensten Kräften sich zusammensetzender
Ortsausschuss hat an einem für Zwecke der Jugendpflege in
hohem Masse geeigneten Orte unter Heranziehung von treff-
lichen Vertretern der Praxis auch in diesem zweiten Teil des
Kursus eine Fülle von Anregungen für die mehr und mehr
aus dem Stadium erster Versuche heraustretende Arbeit geboten.
Zu rascher Orientierung ist dieser die gehaltenen Vorträge in
voller Ausführlichkeit gebende Bericht, der auch kurze Mit-
teilungen über die mit dem Kursus verbundenen, der Ver-
anschaulichung dienenden Darbietungen macht, in hohem Masse
geeignet.

Für den Berichterstatter ist es von hohem Interesse gewesen,
zu sehen, wie hoch die religiös-sittliche Einwirkung auf die
Jugend auch hier gewertet wird. Das unverständliche Schlag-
wort, als habe die schulentlassene Jugend eine „religiöse Schon-
zeit" nötig, wird verdientermassen missbilligt. Freilich sind auf
diesem Punkte nur schüchtern sich her vorwagende, eigentlich
noch völlig unzulängliche Vorschläge gemacht, wie denn auch
die starke Förderung, welche die Jugendpflege in jüngster Zeit
erfahren hat, der schwersten Gefahr unserer Volkserziehung,
die im gänzlichen Mangel religiöser Einwirkung auf die schul-
entlassene Jugend besteht, bisher kaum irgendwelche Abhilfe
gebracht hat. Die grösste Schwierigkeit bietet in dieser Hin-
sicht die kleine Stadt; und gerade hier lässt das Beferat, das
über dieses ein so wichtiges Problem enthaltende Thema ge-
halten ist, uns ziemlich im unklaren. Denn wenn auch, was
hier über den Stoff der Unterredungen mit der Jugend gesagt
ist, auf ungeteilte Zustimmung rechnen kann, so vermisst man
doch ungern die Erörterung der Vorfragen, wie man es an-
fangen muss, die Jugend zu sammeln und zusammenzuhalten.

D. August Hardeland-Uslar.

Kurze Anzeigen.

Ihmels, D. Ludwig, Darum auch wir. Leipzig 1914, J. C. Hinrichs
(104 S. 8). Kart. 1. 50; geb. 2 Mk.
Das vorliegende Bändehen wird durch eine Predigt eröffnet, die am
Schluss des vorigen Semesters nach Bekanntwerden der österreichischen
Mobilmachung gehalten wurde. Auf Grund von Ebr. 12, 1 f. ruft sie
mit einem „Darum auch wir" zum geistlichen Kampf auf; am Schluss
aber gibt sie den scheidenden Kommilitonen die Losung auch für den
Fall mit, dass ihr Weg sie diesmal vom Hörsaal auf das Schlachtfeld
führen sollte. Wie unsere Väter, so auch wir — auch in den übrigen
Predigten klingt das wiederholt durch und kommt besonders in der
an den Schluss gestellten Ansprache beim Völkerschlachtdenkmal noch
einmal zu kräftigem Ausdruck. Daher wurde diese Losung zum Titel
für die ganze Sammlung gewählt. — Ausser jener Predigt und dieser
Ansprache enthält das Bändchen die beiden Busstagspredigten aus der
Kriegszeit sowie vier andere Predigten: „Durchleben"; „Weine nicht";
„Ich werde nicht sterben, sondern leben"; „Wir haben einen Gott, der
da hilft". Alle Predigten wollen auch in dieser Zeit der Gemeinde
nur Gottes Wort sagen; aber sie versuchen, unsere Zeit in das Licht
dieses Wortes zu stellen, sie in ihrer Grösse und ihrem Ernst zu deuten
und zu einem rechten Durchleben dieser Zeit anzuleiten. Die vier mit
ihrem Titel genannten Predigten sowie die erste Busstagspredigt waren
bereits als Einzeldrucke erschienen und werden auch als solche im
Buchhandel weitergeführt. D. Ihmels.

Stölzle, Prof. Remigius, J. M. Sailers religiöse Entwiokelung. (Sep.-
Abdr. aus Theologie und Glaube. Paderb. 1914, Heft 7.)
Der Uitramontanismus hatte in den Ansprüchen des letztveretorbenen
Papstes den höchsten Gipfel erklommen. Hoffen wir, dass nach dem
Gesetz von These und Antithese jetzt für die katholische Kirche eine
neue Zeit hereinbricht. Ein Symptom hierfür dürfte das erwachende
Interesse für den frommen, milden Saüer sein, dessen Ehrenrettung der
katholische Verlader vor katholischem Publikum sich zur Aufgabe ge-

macht hat, indem er hier nachweist, dass bei Sailer keine Entwickelung
von akatholischem zu katholischem Standpunkt vorliegt, sondern dass er
von Anfang an ein treuer, jedoch viel verleumdeter Sohn seiner Kirche
war. Das Schriftchen ist nur eine Probe aus einer umfangreicheren
Arbeit, die Sailers Persönlichkeit gewidmet sein soll. Hoffen wir, dass
die Neubelebung dieser edlen Gestalt ihr Licht auf die kommende
Entwickelungsphase der katholischen Kirche in Deutschland werfen
darf. Prof. Dr. Simon-Münster i. W.

Barth, D. Fritz (weil. ord. Prof. d. Theol. in Bern), Einleitung in
das Neue Testament. 3. Auflage. Gütersloh 1914, Bertelsmann
(VIII und 490 8. gr. 8). 7 Mk.
Das bekannte Buch erlebt eine neue Auflage, im Verlauf von
sechs Jahren die dritte. Ein schöner Erfolg, dessen sich die Freunde
des Buches freuen werden. Die neue Auflage ist nach dem Tode des
Verfassers von seinem Sohne Pfarrer Peter Barth besorgt. Er hat
das Werk seines Vaters im wesentlichen unverändert gelassen. Ueber
die Ergebnisse neuerer Arbeiten wird kurz berichtet, neuere Literatur
ist nachgetragen. Möchte das Buch weiter wirken wie bisher.

Büchsel-Halle.

Neueste theologische Literatur.

Unter Mitwirkung der Eedaktion
zusammengestellt von Oberbibliothekar Dr. Runge In Göttingen.

Biographien. Benson, Msgr. Rob. Hugh, Bekenntnisse e. Konvertiten.
Autoris. Uebersetzg. von H. M. v. Lama. Trier, Petrus-Verlag (140 S. 8
m. Bildnis). 1.50. — Gensiohen, Miss.-Dir. a. D. D. M., Ein Schnitter
nur . . . Erinnerungen aus meinem Leben. Mit 10 Kunstdr.-Bildern.
Hamburg, Agentur des Rauhen Hauses (268 S. 8). 3 Jt — Jatho,
Carl, Briefe. Hrsg. v. Carl O. Jatho. Jena, E. Diederichs (XXX VII,
406 S. 8 m. 6 Bildnissen u. 3 Fksms.). 1 Jt — Jordan, Prof. D. Herrn.,
Theodor Kolde. Ein deutscher Kirchenhisioriker. Leipzig, A. Deichen
Nachf. (VI, 199 S. gr. 8 m. I Bildnis). 4.50.

Bibelausgaben u. -Uebersetzungen. Hughes, J. Caleb, De Lagardes
Ausgabe der arabischen Uebersetzung des_ Pentateuchs cod. Leiden
Arab. 377 nachgeprüft. Leipzig, Phil. Diss. 1914. Leipzig, Pries
(XVI, 27 S. 8). — Klein, Otto Karl Rudolf, Beiträge zur Kenntnis
der syrischen Uebersetzungen des ntuen Testaments nebst Probe eines
syrisch-griechischen Evangelien-Vokabulars. Heidelberg, Phil. Diss.
1914. [Soll vollständig erscheinen als: „Zeitschr. f. d. alttest. Wies."
Beiheft 28.] Göttingen, Dieterich (31 S. 8). — Pentateuch, Der
hebräische, der Samaritaner. Hrsg. von Aug. Frhrn. v. Gall. (In
5 Tin.) 2. Tl. Exodus. Giessen, A. Töpelmann (S. 113—206 Lex.-8).
Subskr.-Pr. 15 Jt — Procksch, o. Prof. D. Dr., Die Septuaginta Hiero-
nymi im Dodekapropheton. Greifswald, Festschrift zum Rektoratswechsel.
Greifswald, Abel (54 S. 8).

Exegese u. Kommentare. Dell, August, Matthäus 16, 17—19. Die
Grundstelle von dem Primat des Petrus. [Aus: „Zeitschr. f. d. neutest.
Wiss." Jahrg. 15.] Giessen, Theol. Diss. 1914. Leipzig, Röder (49 S.
8). — Handkommentar, Gottinger, zum Alten Testament, hrsg. v.
W. Nowack. Neue Aufl. III. Abtig. Die prophet. Bücher. 1. Bd.
Duhm, Bernh., Das Buch Jesaia, übers, h. erklärt. 3., verb. u. verm.
Auf! Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht (XXIV, 459 S. Lex.-8). 9 Ji
— Kübel, fProf. Dr- Bob., Bibelkunde. Erklärung der wichtigsten
Abschnitte der hl. Schrift u. EinJeitg. in die bibl. Bücher. 2. Ti. Das
Neue Testament. 8. Aufl. Mit e. Vorwort v. Prof. D. A. Schlatter.
Stuttgart, J. F. Steinkopf (502 8. gr. 8). 4.40. — Zweig, Alfred, Der
Pentateuch-Kommentar des Joseph Bechor-Schor zum 5. Buche Moses
hrsg., auf seine Quellen untersucht u. in. Anmerkgn. versehen. T. L
(Kap. 1—15.) Heidelberg, Phil. Diss. 1914. Breslau, Koebner (53 S. 8).

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Rostock, Theol. Diss. 1914.' Rostock, Adler (56 S. 8). — Both, Otto,
Rom u. die Hasmonäer. Untersuchgn. zu den jüdisch-römischen Ur-
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tümern XIV. Jana, Pnil. Diss. 1914. Greifswald, Abel (VIII,
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altchriatl. Lit,"] Leipzig, Theol. Diss. 1914. Greifswald, Abel (72 S.
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nominum Hebraicorum des hl. Hieronymus. (T. 3.) München, Theol.
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Untersuchgn. z. Gesch. d. altchriatl. Lit." Bd. 4L] Leipzig, Pries
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cahonicaa brevis enarratio. (Einleitung.) München, Theol. Diss. 1914.
[Vollständig in: „Neutestamentl. Abhandign." 4. Bd., 1. Heft.] MünBter
i. W„ Aschendorff (48 S. 8).

Scholastik n. Mystik. Eeemelmans, Friedrich, Zeit u. Ewigkeit
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