Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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tische Vorstudien zur hebräischen Metrik". Darin schliesst er
sich zunächst denen an, welche durch die hebräischen Vokal-
zeiohen bloss die verschiedene Qualität der Vokale bezeichnet
sein lassen. Und doch steht für Fathach bekanntlich in der
Pausa ein Qames, und in der Pausa werden anerkannter-
massen, wie es sich auch in der lebendigen Aussprache des
Arabischen zeigt, lange Vokale gesprochen. Sehr lobenswert
ist aber z. B., dass er für die Existenz des Scheba medium
eintritt (S. 10). Denn im Anschluss an Sievers hat sich leider
Kautzsch in der neuesten Auflage seiner Grammatik (1909)
zur Bekämpfung dieser Existenz verleiten lassen (§ lOd; S. 54)
und dadurch der sprachlichen Ueberlieferung einen Selbstwider-
spruch aufgebürdet, weil ja hinter Scheba medium kein Dagesch
lene steht! Dagegen wieder nicht gebilligt werden kann, dass
er in bezug auf die Würdigung des Imperfekts und Perfekts
die Aufstellung von Dans Bauer annimmt, wonach das Imper-
fekt ursprünglich das vergangenheitliche Erzählungstempus ge-
wesen wäre. Da wäre doch auch die Abhandlung zu zitieren
gewesen, in der diese Aufstellung von mir in der Zeitschrift
der deutschen morgenländischen Gesellschaft 1911 auf ihre Be-
rechtigung untersucht worden ist. Diese grammatischen Aus-
führungen, die fast zwei Drittel des anzuzeigenden Buches aus-
machen, hält dessen Verf. deshalb für nötig, weil er, wie ge-
sagt, den Rhythmus der hebräischen Dichtung zugleich auch
auf der Quantität der Silben beruhen läset (S. 77). Daher meint
er, ausrechnen zu müssen, wieviel und was für beschaffene
Silben zwischen den betonten Silben stehen können. Dabei
stellt er z. B. dieBe Regel auf: „Ist von drei nebentonigen
Silben die mittlere leicht, so wird die erste Silbe (als schwere,
den Nebenton tragende) Hebung, wenn sie unbehindert ist"
(S. 78). Wie schwierig danach die Ermittelung der Ilebungs-
silbe ist, sieht jeder von selbst. Aber solche Operationen sind
bei Dichtungen, die anerkanntermassen von akzentuierendem
Rhythmus beherrscht werden, auch nicht nötig. Beides meine
ich in meiner soeben erschienenen kleinen „Hebräischen Rhyth-
mik" mit guten Gründen gezeigt zu haben. Ed. König.

Kittel, D. R. (Prof. in Leipzig), Die Psalmen Israels nach
dem Versmass der Urschrift verdeutscht. Leipzig 1915,
A. Deiohert (Werner Scholl) (VIII, 217 S. 8). 3 Mk.
Die vorliegende Uebersetzung der Psalmen ist, wenige
leise Abänderungen abgerechnet, ein Abdruck aus des Ver-
fassers Kommentar in der von Sellin herausgegebenen Sammlung,
der hier in Nr. 24 besprochen worden ist. Es ist eine Ueber-
setzung, nicht eine Uebertragung, und das ist gut. Das heisst:
die Verdeutschung gibt nach Möglichkeit das dem Wortlaut
der Urschrift entsprechende, nicht eine Umdichtung. Nur so kann
dem Ziele nahege'ührt werden, dass auch der einen echten Eindruck
von den hebräischen Psalmen erhält, welcher die hebräische Ur-
schrift nicht lesen kann. Die Uebersetzung versucht dement-
sprechend auch das Versmass der hebräischen Gedichte wieder-
zugeben. Sie ist der Ertrag einer jahrzehntelangen Vertraut-
heit mit dem Texte, und des Verfassers wissenschaftliche Arbeit
am Psalter über ein Menschenalter hin, deren reife Frucht das
Kommentarwerk ist, kam ihr zugute. Eine sie auszeichnende
Eigentümlichkeit ist noch, dass Kittel nach Kräften Luthers
Verdeutschung, in umfassender Würdigung ihrer Bedeutung,
zu Worte gebracht hat. Wenn der Psalter in dieser Kriegs-
zeit seine ewige Frische in selbst dem Bibelleser unerhörter '

Weise bestätigt, dann kommt Kittels Uebersetzung gerade noch
als das Weihnachtsbuoh des deutschen Christen zurecht.

J. Herrmann-Rostock.

Behm, Lic. Joh. (Priv.-Doz. in Breslau), Der Begriff öiaörJxY]
im Neuen Testament. Leipzig 1912, A. Deiohert (VI,
116 S. gr. 8). 3 Mk.
Lohmeyer, Ernst, Diatheke. Ein Beitrag zur Erklärung
des neutest. Begriffs. (Untersuchungen zum N. Test, von
H. Windisch. 2. Heft.) Leipzig 1913, J. C. Hinrichs (VI,
180 S. gr. 8). 6 Mk.
Zwei sehr interessante und sehr lesenswerte Abhandlungen
über den Begriff oiaörj'xirj im Neuen Testament! Sie beleuchten
beide, ein wie gutes Recht es hat, die Aufmerksamkeit im be-
sonderen einzelnen Begriffen des Neuen Testaments zuzuwenden,
und wieviel sich noch in dieser Hinsicht erarbeiten läset. Sie
dienen beide einander ausgezeichnet zur Ergänzung, und
wiederum jede für sich hat ihren Wert, da sie beide von
einem ganz verschiedenen Gesichtspunkt ausgehen, und jede
sich dann doch auch mit der anderen zusammenschliesst.
Kurz gesagt, die erste Abhandlung ist sprach geschichtlich, die
zweite begriffsgeschichtlich orientiert. Die erste bespricht des-
halb zuerst das Wort, so wie es sich in der vor- und ausser-
biblischen Gräzität findet (S. 5—16), kommt dann auf den
Gebrauch in der LXX zu sprechen (S. 17—31), um so schliess-
lich das Neue Testament vorzunehmen, und zwar in ihm wieder
zunächst Paulus (S. 38—57), dann die evangelischen Schrift-
steller (S.57—72) und endlich denAutor adHebraeos (S.72—97).
Ebenso wie zur LXX ein Anhang über Philo hinzugefügt ist
(S. 34—37), wird zum Schluss ein solcher über den Barnabas-
brief und über Justin (S. 97—106) gegeben. Gerade in diesen
Anhängen wird auch manch wertvolles Material beigebracht.
Das Schlussergebnis ist (S. 106 f.), dass die vorherrschende Be-
deutung von ö'.aörjXT) „einseitige Verfügung, Anordnung, Willens-
erklärung" ist; des näheren ist es „Gottes Verfügung, die macht-
volle Kundgebung des souveränen Willens Gottes in der Ge-
schichte, durch die er das Verhältnis zwischen sich und der
Menschheit gemäss seiner Heilsabsicht regelt". — Die zweite
Abhandlung geht dem gegenüber zuerst auf die Bedeutung und
Gestaltung der öiaörJxT) in der antiken Welt, speziell im
griechischen und griechisch-ägyptischen Rechtsleben, auch (in
einem besonderen Abschnitt) im Talmnd und Midrasch ein
(S. 5—40), sieht sich dann die Berith im Alten Testament
(S. 41—77) und die öiadqxr) in der LXX an (mit Berück-
sichtigung der Uebersetzungen des Aqoila, Symmachus und
Theodotion S. 78—123) und kommt endlich auf das Neue
Testament zu sprechen (S. 124—164), in welchem es die
einzelnen Stellen eingehend erörtert, sowohl bei Paulus als
auch im Hebräerbrief und in den Lukasschriften und im be-
sonderen in bezug auf die Abendmahlseinsetzung. In bezug
auf die letztere, die doch namentlich unser Interesse hat, ist
sie allerdings merkwürdig kurz, wie überhaupt der Raum für
die Untersuchungen im Neuen Testament verhältnismässig knapp
bemessen ist gegenüber denen auf profanem Gebiet und in der
LXX. Wir hätten da manchmal wohl grössere Ausführlichkeit
gewünscht. Das hängt aber mit der ganzen Tendenz der Ab-
handlang zusammen. Gehen wir auf diese noch ein wenig ein.

Die kurze Skizzierung des Inhalts hat wohl ungefähr klar
gemacht, worauf es jede der beiden Abhandlungen für sich
abgesehen. Sie kann auch dies gleich als das ihnen beiden
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