Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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Schriften. Aus dem Lateinischen übersetzt von Dr. Ludwig
Schade (Religions- nnd Oberlehrer in Rheinbach). [= Hiero-
nymus. Bd. L] (LXXVI, 497 S. gr. 8). Geb. 3. 50.
Bd. 16: Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus
zweiundzwansig Bücher über den Gottesstaat. Bd. II.
Aus dem Lateinischen übersetzt von Dr. Alfred Schröder
(Hochschnlprofessor am kgl. Lyzeum in Dillingen. [— Augu-
stinus. Bd. IL] (IV, 512 S. gr. 8). Geb. 5.80.
Bd. 17: Des heiligen Kirchenlehrers Ambrosius von
Mailand Exameron. Erstmals übersetzt von Dr. Joh. Ev.
Niederhuber (Hochschulprofessor in Regensburg). Nebst
einer allgemeinen Einleitung über des hl. Ambrosius Leben,
Schriften und Theologie [= Ambrosius. Bd. L] (CXXIV,
293 S. gr. 8). Geb. 5. 30.
Schade bietet einen ersten Band von verdeutschten Hieronymus-
schriften. Er stellt an den Anfang auf gegen 70 Seiten eine
allgemeine Einleitung zu Hieronymus und zu seinen Schriften,
die mit ihren präzisen, sachlichen Angaben mir ihrem Zweck
gut zu entsprechen scheint. Aus der ersten Ausgabe der
„Bibliothek der Kirchenväter" hat Schade die drei Mönchs-
biographien, die Lebensbeschreibungen von Bekannten des
Hieronymus, die Schrift gegen Helvidius und die gegen Vigi-
lantius herübergenommen, doch in der Weise, dass er die alte
Leipeltsche Uebersetzung verbesserte und sie nur gelegentlich
als Grundlage unverändert beliess. Zu diesen schon übersetzten
Stücken hat nun Schade in dankenswerter Weise einige homi-
letische Stücke und ein dogmatisches Werk erstmalig übersetzt.
Die homiletischen Stücke sind die neuerdings von Morin ent-
dockten Homilien über den Psalm 95, den Psalm 91 und über
die Geburt des Herrn, dazu der neuerdings von Amelli ent-
deckte Traktat zum sechsten Kapitel des Propheten Jesaias. Es
war in der Tat wohl besser, solche kleine geschlossene Stücke
zu bieten, als etwa ein grösseres Bruchstück eines ganzen
Kommentars. Endlich hat Schade, und das ist recht dankens-
wert, eine erstmalige Uebersetzung des Dialogs gegen die
Pelagianer nebst einer kleinen Einleitung geliefert. Der Inhalt
dieses ersten Hieronymusbandes befriedigt nach jeder Seite.

Schröder setzt die Uebersetzung von Augustins de civitate
dei mit einem zweiten Bande fort, der Buch 9—16 des Werkes
Augustins enthält; es fehlen nun noch die letzten sechs Bücher.
Sohröder gibt am Anfang des Bandes auf den ersten 30 Seiten
eine sorgfältige Analyse des Inhalts der acht Bücher als brauch-
baren Leitfaden für die Lektüre und wiederholt diese in knapperer
Form am Anfange der einzelnen Bücher; ich verweise sonst auf
meine Besprechung des ersten Bandes in dieser Zeitschrift.

Niederhuber, der 1904 eine „Lehre des hl. Ambrosius vom
Reiche Gottes auf Erden" geschrieben hat, beginnt die Ueber-
setzung der Werke des Ambrosius mit einer umfassenden Ein-
leitung zu Ambrosius und einer Uebersetzung der sechs Bücher
„Sechstagewerk". Er gibt zunächst eine knappe Lebensskizze,
dann eine Uebersicht über des Ambrosius Schriften, sodann auf
94 Seiten eine „Theologie" des Ambrosius. Nun kann man
eine neue Darstellung der Theologie des Ambrosius gewiss für
ein Desiderium halten, da seit Försters Buch über Ambrosius von
1884 dieser Versuch in umfassender Weise nicht gemacht worden
ist. Ich möchte aber meinen, dass es nioht Aufgabe einer
Sammlung von Uebersetzungen ist, in einem solchen ausgedehnten
Masse, wie es Niederhuber getan hat, die Theologie eines Kirchen-
vaters darzulegen, zumal es andererseits auch nicht möglich ist,
auf diesem Raum die Probleme in genügender Weise zu er-
örtern. Ich finde, man hätte hier gut 100 Seiten sparen und

für die Mitteilung von Uebersetzungen neuer Stücke verwenden
können. Solche Einleitungen sollten nur ganz kurz orientiert"
über Leben, Schriften, Ausgaben, Literatur; aller andere Platz
sollte den Uebersetzungen gewahrt bleiben. Für die Ueber-
setzung des „Sechstagewerkes" hatte Niederhuber den kritisch
gesicherten Text im Wiener Corpus zur Verfügung, und das
Verdienst des Bandes besteht nun darin, dass Niederhuber diese
in vieler Hinsicht höchst interessante Schrift zum ersten Male
und, soviel ich bisher gesehen habe, mit grosser Sorgfalt über-
setzt hat. Erklärende Anmerkungen sind, wo nötig, genügend
gegeben, auch Hinweise auf die von Ambrosius benutzten Werke.
So ist es erfreulich, dass diese Arbeit des Ambrosius weiteren
Kreisen zugänglich gemaoht ist, als Beispiel für die Auffassung
und Exegese des Alten Testaments und zugleich interessant für
die Kulturgeschichte. Hermann Jordan-Erlangen.

Harnack, D. Adolf (Prof. der Kirchengesohichte an der Uni-
versität Berlin), Dogmengesohiohte. 5., verbesserte Auf-
lage. (Grundriss der theologischen Wissenschaften. IV. Teil,
3. Band.) Tübingen 1914, J. C. B. Mohr (XII, 472 S. gr. 8).
7 Mk.

Von Harnacks grosser dreibändiger Dogmengeschichte
haben wir nun die vierte Auflage. Der kleinere mir vor-
liegende Grundriss der Dogmengeschiohte erscheint hier seit
1889 Bchon zum fünften Male, trotzdem an solchen kleineren
Grundrissen gewiss kein Mangel ist. Die Grundrisse von Bon-
wetsch, der nur als Manuskript gedruckte Grundriss von Loofs,
die kleine Seebergsche Dogmengeschichte und neuerdings Wiegands
Grundriss, von dessen zwei Bändchen der erste, der bis zu
Gregor dem Grossen führt, erschienen ist, stehen nebeneinander
und haben, wie Harnack richtig bemerkt, jeder seine besonderen
Vorzüge. Dass demgegenüber der Harnackache Grundriss seine
Eigenart bewahrt und dadurch neben den anderen von Be-
deutung ist, ist klar. Er stellt eben in dem, was er bietet,
und in dem, was er nicht bietet, den Typus der eigenartigen
Auffassung des Begriffes der Dogmengeschiohte, den Harnack
vertritt, dar. Harnack sieht die Vorzüge dieses seines Grund-
risses gegenüber den genannten anderen in der „stärkeren Ver-
arbeitung und Verknüpfung des gebotenen Stoffes". Das ist in
der Tat ganz richtig. Harnacks Grnndriss nähert sich am
stärksten von allen genannten einer wirklichen dogmengeschicht-
lichen Darstellung, bei der nioht jedes Wort sorgsam gespart
worden ist. So ist schon der Umfang naturgemäss ein grösserer
als bei jenen knappen Grundrissen. Es liegt in der Konsequenz
der Harnackschen Auffassung vom Begriff der Dogmengeaohichte,
dass die Entwickelung der alten Kirche his zu Augustin und
Gregor dem Grossen ganz in den Vordergrund tritt und di9
Tradierung und Auflösung des Dogmas seitdem nur in kurzen
Zügen geboten wird. Daran Kritik üben zu wollen, hiesse das
ganze vielverhandelte Problem: Dogma und Dogmengeschiohte
entrollen. Dem vorhin Gesagten entspricht es, dass Harnack in
Stoff und Darbietung jedenfalls über das hinausgeht, was etwa
ein Kompendium der Dogmengeschiohte zu unmittelbaren Lern-
und Unterrichtszweoken bietet. Sorgfältig hat Harnack im ein-
zelnen, wo nötig, gefeilt, Literaturangaben u. dgl. ergänzt. So
wird Harnacks Gesamtauffassung, in dieser kürzeren Form dar-
geboten, wieder vielen willkommen sein.

Hermann Jordan-Erlangen.
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