Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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Theologisches Literaturblatt

Unter Mitwirkung

zahlreicher Vertreter der theologischen Wissenschaft und Praxis

herausgegeben von

Dr. theol. Ludwig Ihmels

Professor der Theologie in Leipzig.

Nr. 25. Leipzig, 4. Dezember 1914. XXXV. Jahrgang.

Erscheint vierzehntflgig Freitags. — Abonnementspreis jährlich 10 M. — Insertionsgebühr pr. gesp. Petitzeile 30 & — Expedition: Königstrasse 13.

Zur Lehre von der christlichen Gewissboifc. T.
Naville, Ed., Archäologie de l'Ancien Testament.
Blass, Friedrich, Grammatik des neu tes tarnen t-

lichen Griechisch.
Hoennicke, D. Dr. Gustav, Die Apostelgeschichte.
Stiglmayer, Joseph, 8. J., Kirchenväter und

Klassizismus.
Derselbe, Synesius von Kyrene.
Bibliothek der Kirchenväter.

Bd. 15: Des heiligen Kirchenvaters Eusebius
Hieronymus ausgewählte historische, ho-
miletische, dogmatische Schriften.

Bd. 10: Des heiligen Kirchenvaters Aurelius

Augustinus zweiundzwanzig Bticher über
den Gottesstaat.
Bd. 17: Des heiligen Kirchenlehrers Ambro-
sius von Mailand Exameron.
Harnack, D. Adolf, Dogmengeschichte.
Stöckerl, !'. Dr. Dagobert, Bruder David von
Augsburg.

Vetter, Ferd.,, Das Tegernseer Spiel vom Deut-
schen Kaisertum und vom Antichrist.

Weiss, G., Fries' Lehre von der Ahndung in
Aesthetik, Religion und Ethik.

Otto, R., Sebloiermaeher, Ueber die Religion.

Reuter, Dr. phll. Hans, Zu Sehlciermachcrs Ideo
des „Gesamtlcbens".

Dalke, Paul, Buddhismus als Religion und Moral.

Cohen, Prof. Dr. Hermann, Die religiösen Be-
wegungen der Gegenwart.

Häring, Dr. Tb., Predigten über das Vater Unser.

Rumland, A.. Siehe, dein König kommt zu dir!

Geesink. Dr. W., De liefelijkheid des Heeren.

Schwenker, Friedrieh, Bilder zu den Episteln des
Kirchenjahres.

Bonwetsch, D. Nathanael, Texte zur Geschichte
des Montanismus.

Wolff, David, Unter den Stflu,

Neueste theologische Literatur.

Zeitschriften.

Zur Lehre von der christlichen Gewissheit.

Vom Herausgeber.

L

Hoffentlich erscheint es nicht als ein Wort in eigener
Sache, wenn ich aus Anlass einer dritten Auflage meiner
Christliehen Wahrheitsgewissheit* hier einige Grundfragen einer
christliehen Gewissheitslehre znr Sprache bringe. Es wird sich —
denke ich — aeigen, dass es nicht um Persönliches sich handelt,
sondern um Fragen, die irgendwie allgemein gegenwärtig in der
Theologie empfunden werden.

Ueber das Verhältnis der neuen Auflage zu den früheren
kann ich ganz kurz sein. Der Sache nach ist die neue Auflage
in allem wesentlichen unverändert, im einzelnen aber habe ich
nach Möglichkeit zu bessern und das Buch in die gegenwärtige
wissenschaftliche Verhandlung hineinzustellen versucht. In dem
geschichtlichen Teil ist in einer Anmerkung zur Darstellung
Luthers der Ausgang von ihm neu sioher gestellt; ausserdem
hat besonders der Abschnitt über Musäns eine Ueberarbeitung
erfahren. Aber auch die Auseinandersetzung mit Herrmann
ist fortgeführt. In dem systematischen Teil sind besonders im
2., 4. und 5. Kapitel Umarbeitungen und weitere Begründungen
gegeben. Dabei hat vor allem eine Auseinandersetzung mit
Bedenken stattgefunden, die von Fischer, Leese, Heim geltend
gemacht waren. Sie ist zum Teil verhältnismässig ausführlich
gehalten und mnsste doch im Rahmen des Bnches sich wesent-
lich auf Andeutungen beschränken. Im Vorwort wurde daher
zu einer gewissen Ergänzung ein Artikel in der „Neuen kirch-
lichen Zeitschrift" sowie eine Selbstanzeige in dieser Zeitschrift
in Aussicht genommen.

Der Artikel ist mittlerweile im Novemberheft der „Neuen
kirchlichen Zeitschrift" unter dem Titel erschienen: Wie ent-
steht die Gewissheit um die Auferstehung Jesu? Er versucht
an dem speziellen Punkt der Auferstehung Jesu die Grund-
position des Buches zu erhärten, dass unsere Gewissheit bei
aller Bedeutung, die das theoretische Erkennen für sie hat,

zuletzt doch auf dem Wege religiöser Erfahrung zustande
kommt. Es handelt sich dabei vor allem um eine Auseinander-
setzung mit Fischer, zugleich aber erfährt das, was in meinem
Buch über mein Verhältnis zu Heim gesagt ist, an einer Stelle
des Artikels eine gewisse Ergänzung. Hier möchte ich be-
sonders auf ein Bedenken eingehen, das Leese in seinem Bnoh:
„Die Prinzipienlehre der neueren systematischen Theologie im
Lichte der Kritik Ludwig Feuerbaohs" (vgl. zu diesem Buch
wie den Einwendungen Fischers auch meinen Artikel in dieser
Zeitschrift 1913, S. 217 ff. 241 ff.) geltend gemacht hat (S. 145).
Es berührt sich sehr eng mit ähnlichen Einwänden, die von
anderen gemacht sind, und es wird Bich schon aus diesem
Grunde empfehlen, von der speziellen Formulierung Leeses
ganz abzusehen und die Frage, um die es sich handelt, ganz
allgemein zu erörtern. So dürfte auch am deutlichsten zutage
treten, dass es sich nicht um Persönliches handelt.

Vielleicht ist es dann nicht ganz überflüssig, vor allem
anderen noch einmal ausdrücklich auszusprechen, dass es bei dem
ganzen Buch sich lediglich um eine Untersuchung über die
christliche Wahrheitsgewissheit handelt. Das Wort ist gewiss
nicht schön; aber ich habe geglaubt, es bilden zu dürfen, nm
es scharf von der Heilsgewissheit zu unterscheiden. In der
Sache scheint mir jedenfalls die Unterscheidung von Wahrheits-
gewissheit und Heilsgewissheit so notwendig und selbstverständ-
lich zu sein, dass ich schwer verstehe, wie an diesem Punkt
gelegentlich in der Kritik eine Verwechslung unterläuft. Am
allerwenigsten war ich auf das Urteil eines Kritikers gefasst,
dass die ganze Unterscheidung zwischen Wahrheitsgewissheit
und Heilsgewissheit bereits mit meinem erkenntnistheoretischen
Standpunkte zusammenhänge. Mir will doch scheinen, dass,
wie immer man erkenntnistheoretisch stehe, es zwei völlig ver-
schiedene Fragen seien, worauf wir die Gewissheit unseres
Heils gründen wollen und was uns die Gewissheit verbürge,
dass das behauptete Heil, das ist die Gemeinschaft mit Gott
und die diese tragenden Objekte Wirklichkeit und Wahrheit
seien. Noch einmal: hier haben wir es allein mit der letzten
Frage zu tun.

Wo das aber festgehalten wird, scheint dem, was das Buch

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* Ihmels, Die christliche "Wahrheitsgewissheit, ihr letzter Grund
und ihre Entstehung. 3., vermehrte und verbesserte Auflage. Leipzig
1914, Deichert (352 S. gr. 8). 7.50; geb. 9 Mk.
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