Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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können ans ihnen recht viel lernen, gerade weil sich Erhardt
streng anf das philosophische Gebiet beschränkt.

R. H. Grützmacher-Edangen.

Kump, Johann (Lic. theo!., Dr. phil., Pfarrer an der Heil.
Geist-Kirche in Berlin), Als die lebendigen Steine.
Predigten. 3. Band. Basel 1914, Reinhardt (210 S. gr. 8).
Geb. 3 Mk.

Derselbe, In seinen Händen. Predigten. 1. Band. Ebd.
(218 S. gr. 8). Geb. 3 Mk.
Beide Bände enthalten je 24 Predigten über die ahkirch-
lichen Episteln bzw. Evangelien. Die Herausgabe ist durch
Wünsche aus amerikanischen Predigerseminaren, wo die früheren
Predigtsammlungen Rumps zu Studienzwecken mit Vorliebe be-
nutzt wurden, wie durch wiederholte Bitten von Gemeinde-
gliedern um Manuskripte gehaltener Predigten veranlasst. Dass
diese Predigten den Hörern wertvoll gewesen sind, wird in
erster Linie darin begründet sein, dass in ihnen der biblische
Christus unverfälscht mit Glaubersfreudigkeit, Entschiedenheit
und Wärme verkündigt wird. Lic. Rump will durch seine
Predigten in die Heil. Schrift einführen, nimmt mehr auf die
allezeit gleichen Bedürfnisse des Menschen als auf die gerade
in unseren Tagen hervortretenden Fragen und Bedenken Bezug.
In klarer Gedankenfolge entwickelt er die Wahrheiten des
Textes ohne viele Illustrationen. Die Straffheit der Form ist
es, welche diese Predigten für Studienzwecke besonders geeignet
macht. Nur in zweifacher Beziehung kann ich in ihnen keine
Muster sehen. Die Gemeindepredigt musB sich einer ein-
fachen Sprache bedienen, auch in Grossstädten. Sie ist doch
der ganzen Gemeinde bestimmt. Zur Fassungskraft der Ein-
fältigen sich herabzulassen, ist dem Verf. nicht gegeben. Der
Disposition dürfte eine kürzere und bebältlichere Fassung, als
vielfach in diesen Bänden geschieht, gegeben werden, soll sie
ihren Zweck nicht verfehlen. Einen Unterschied in der Güte
zwischen den Predigten über epistolische und evangelische
Texte finde ich nicht. Wenn einzelne Predigten nicht auf der
Höhe stehen, liegt der Grund in der Schwierigkeit, die gewisse
Texte der homiletischen Behandlung bieten.

H. Münchmeyer-Gadenstedt.

Schneider, R. (Pfarrer in Oldenburg i. Gr.), Unsere Sehn-
sucht nach dem Vater. Nene Predigten über das Vater-
unser. Oldenburg i. Gr., Gerhard Stalling (155 S. kl. 8).
Geb. 2.25.

Der gewählte Titel lässt annehmen, und, auch ohne dass
hiermit das Verlangen, das Vaterunser so behandelt zu sehen,
erweckt wäre, dürfte man wohl erwarten, dass daB Herrngebet hier
als Gebet behandelt und seine Auslegung eine Anleitung zu
rechter Ausübung dieser heiligen Kunst der Kinder Gottes sein
würde. Dieser Gesichtspunkt ist jedoch nicht der leitende und
alles beherrschende. Die hohen Gedanken des Gebets werden
meist für sich betrachtet, und to kommen die Predigten oft in
einen Gedankenzug, bei dem man kaum noch daran denkt,
dass es sich hier in allem und jedem um Gebetsgedanken
handelt.

Der Verf. versteht es, anschaulich zu reden. Eine reiche
Fülle von ansprechenden Zügen aus dem Loben steht ihm zu
Gebote, Spruch und Lied wird gern verwandt. Die Verwendung
hätte allerdings nach meinem Gefühl eine etwas kunstvollere

Verwebung des Gebotenen in das Gefüge des Ganzen sein
müssen. Häufung ist hier nicht zweckdienlich. Das Einzelbild,
an rechter Stelle verwandt, ist viel wirksamer als die Zusammen-
stellung von zwei oder drei Bildern, bei denen die Wirkung
des einen die des anderen eher beeinträchtigt als hebt. Be-
anstanden muss ich das nähere Eiugehen auf die Schmur.z-
und Schundliteratur, wenigstens die Namensnennungen anf S. 81.

In sachlicher Beziehung habe ich wesentlichere Einwendungen
kaum zu erheben. Nur hinsichtlich der Auffassung der dritten
Bitte muss ich betonen, dass es sich hier nicht um die Er-
gebung in Gottes Leid verhängenden Willen handelt, sondern
um den unbedingten Enfschluss, die sittlichen Forderungen des
göttlichen Willens zur Durchführung zu bringen.

D. Aug. Hardeland-Uslar.

Zauleck, D. theol. Paul, Vom lieben Heiland. Kinder-
predigten für alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres
mit Liedern und Gebeten. Gütersloh 1914, C. Bertelsmann
(S. 125—280 gr. 8). 1.80.
Der Jahrgang der Zauleckschen Kinderpredigten liegt nun
abgeschlossen vor. Ihm ist eine Reihe von Festpredigten bei-
gegeben, nicht bloss zur Feier der in die kirchliche Ordnung
eingeführten Feste wie Erntefest und Reformadonsfest, sondern
auch für Vereinsfeste wie die der Inneren und Aeusseren Mission,
des Gastav-Adolf-Vereins usw., wohl geeignet, bereits die un-
konfirmierte Jugend mit den kirchlichen Vereinen in etwas be-
kannt zu machen und sie für ihr späteres ChriBtenleben vor-
zubereiten, trefflich geeignet auch, dem Kinderprediger dieser
Feste Anregung zu bieten. Von der Fortsetzung dieser „Kinder-
postille" lässt sich überhaupt dasselbe sagen, was bereits beim
Erscheinen der ersten Lieferung in unserer Besprechutig geurteilt
worden ist. Der Jahrgang hält bis zuletzt, was er im Anfang
versprach. Bei der illustrativen Behandlung ist auch das Bibel-
wort im allgemeinen gut verwertet und den Kleinen zum Ver-
ständnis gebracht. Auch Erwachsene werden daran ihre Freude
haben. Dass auch diese eine Kinderpredigt lesen, hat Rez. oft
erfahren. Wir versetzen uns gern zurück in die kindlich ein-
fache Art, zu sprechen und zu denken, wie sie uns hier ent-
gegentritt, nnd in der sich zuerst unser Glaube Ausdruck g ib.
Wenn der Verf. in seinem Vorwort darum ersucht, etwaige
Aenderungswünsche ihm auszusprechen, so sei es der Wunsch,
die Ausführungen uoch etwas mehr dem biblischen Text an-
zupassen; man kann z. B. nicht gut am Karfreitag Jes. 53,1—7
zum Schrift weit wählen, während die Predigt von den sieben
Sterbens Worten des Herrn, also gerade nicht von dem ver-
stummenden Lamm des Textes handelt. Hier wäre die neu-
testamentliche Passionsgeschichte der Predigt zugrunde zu legen.
Auch ist nicht einzusehen, warnm die behandelten Sonntags-
evangelien durchweg anderen Sonntagen als den für sie iu der
Perikopenordnung bestimmten zugeteilt sind.

D. Kaiser-Leipzig.

Kurze Anzeigen.

Hoppe, Dr. Eduard (Prof. in Hamburg), Gibt es Wunder? Breun-
schweig und Leipzig 1914, H. Wollennann (19 8. gr. 8). 25 Pf.
Der Verf. stellt zunächst den Wunderbegriff fest. Wunder spielen
sich in der sichtbaren Welt an sinnlich wahrnehmbaren Dingen ab; für
ihr Geschehen ist nicht nur damals oder zurzeit eine kausale Ver-
knüpfung nicht gelungen, sondern diese kausale Verknüpfung ist grund-
sätzlich ausgeschlossen (8. 5). Wunder kann nie ein Mensch tun, well
er in der materiellen Welt nur durch Vermittlung seines Körpers
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