Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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H. Geizer hätte sie mit grosser Freude begrüsst. — Die zweite
Abhandlung bezieht sich auf einen Turm bei Serres, durch eine
Inschrift bezeichnet als Turm der Augusta Helene, den ein
Orestes begründet hat. Helene war die Witwe des berühmten
serbischen Königs Stephan Dushan, später Nonne unter dem Namen
Elisabeth, aber auch als solche noch politisch tätig, gestorben
nach 1371, Orestes der Castrophylax dieses Namens um
1365, — Für das Klagegedicht auf den Fall Konstantinopels,
das Lampros aus Paris. Suppl. gree 678 zuerst ediert hatte,
weist Bees noch eine Athos- und eine Meteorahandschrift nach
und teilt die Abweichungen der letzteren mit. — Unter den
im Literaturberioht namhaft gemachten Schriften befinden sich
auch solche, die dem Gebiet der Kirchengeschiohte angehören
oder für diese etwas austragen. Auch über eigene Arbeiten
kann Bees dabei berichten. Bonwetsch-Göttingen.

Morin, Germaia Dom (Benedictin de Maredsous), Etudes,
textes, decouvertes, contributions ä la litterature et k
l'histoire des douze premiers siecles. Tome premier.
(== Anecdota Maredsolana — Seconde serie.) Paris 1914,
A. Picard, editeur, Rue Bonaparto 82 (XII, 526 S. gr. 8).
Wenn der verdiente patristiscbe Gelehrte Germain Morin einen
neuen Band von zum grossen Teil bisher nicht edierten Texten
und von Studien vorlegt und weiteres verspricht, so wird er
des Interesses der Fachgelehrten sicher sein können. Drei
Motive haben Morin zur Herausgabe des vorliegendeu Bandes
veranlasst: es standen und stehen ihm noch eine Reihe iuedita
zur Verfügung, die der Herausgabe harren; dann hatte Morin,
der uns so viel Neues und Bedeutsames aus der altchristlichen
Literatur geschenkt hat, den begreiflichen Wunsch, die an vielen
Orten zerstreuten Aufsätze bibliographisch einheitlich zusammen-
zuordnen; endlich hat Morin wie einst Augustin den Wunsch
nach „retractationes"; mancherlei, was er behauptet hat, hat er
schon früher zurückgenommen, ohne dass man von der Aenderuug
seiner Ansicht Notiz nahm: „Cs sera donc une sorte de testa-
ment, destine" k me preserver de scrupules, et k degager ma
responsabilitö scientifique." Dementsprechend beginnt nun der
Band zunächst mit einer „introduetion bibüographique" von
79 Seiten. Hier werden unter 114 Nummern Morins Beiträge
zur altchristlichen nnd mittelalterlichen Literatur aufgeführt,
und zwar in der Weise, dass sie nicht nach ihrer Zeit des Er-
scheinens geordnet sind, sondern chronologisch nach ihrem. In-
halt, so dass man einen guten Teil jener Literatur nacheinander
vorfolgen kann von der lateinischen Uebersetzung des ersten
Klemensbriefes an bis zum römischen Brevier. Der Inhalt der
Aufsätze und Publikationen und Morins gegenwärtige Meinung
über den Stand der Frage werden kurz skizziert. Da Morin
iu seinen Aufsätzen stets viel Neues zu sagen gehabt hat, wird
diese Zusammenstellung vielen sehr willkommen sein.

Es folgen nun in zehn Abschnitten die Texte und die
Studien: L Eine Erstausgabe des Traktats des Pacian von
Barcelona (4. Jahrb..) de similitudine carnis; Morin hat zwei
Handschriften davon entdeckt, eine in Paris (IX. saecul.) und
eine in München (XVI. saecul.); er hat ihn schon im Jahre 1912
in der „Revue Benödictine" besprochen und ihn aus lediglich
inneren Gründen dem Bischof Pacian zuschreiben können.
IL Eine Erstausgabe eines priscillianistischen Traktates „de
trinitate"; er ist nur in einer recht schlechten Handschrift der
Karolingerzeit in Laon uns überliefert, zeigt ßabellianisierenden
Typus und nähert sich in Gedanken und Ausdruck den Schrift-

werken Priscillians. III. Die Clematiusinsohrift und die Legende
von den 11000 Jungfrauen. Hier gibt Morin den Text und
einen sorgfältigen Kommentar zu der bekannten Inschrift des
Clematius an der St. Ursulakirche in Cölu; hinsichtlich der damit
zusammenhängenden Sage von den 11000 Jungfrauen bestimmt
Morin seine Ansicht dahin, dass die Nachricht von dem Märtyrer-
tode einiger Jungfrauen in Cöln im 3./4. Jahrhundert sich mit
der von Prooop, de bello gothico IV, 20 berichteten Sage ver-
schmolzen habe. IV. Die Predigten des hl. Hieronymus. Hier
nimmt Morin seine früheren Arbeiten über die Predigttätigkeit
des Hieronymus wieder auf. V. Erstausgabe zweier Reden des
Augustin. Es handelt sich um eine schon 1890 von Morin
herausgegebene Rede über die Bekehrung des Faustinus, die
er nun auf Grund zweier neuer Handschriften besser und voll-
ständiger herausgeben kann; dazu eine kleine Predigt auf den
Tag der hl. Eulalia; Morin versucht mit inneren Gründen den
Nachweis der Herkunft von Augustin. VI. Enthält vier Studien
zu Arnobius dem Jüngeren, über seine Zeit, seine Lebens-
schicksale, seine Theologie und insbesondere über seine Schrift-
stellerei, die Morin durch die Erstausgabe des Traktats: „Liber
ad Gregoriam" vermehrt (S. 383—439). Die folgenden vier
Stücke gehören der mittelalterlichen Literatur an: VII. über das
merovingische Lektionar von Sohlettstadt und seinen östlichen
Text der Acta apoBt. VIII. Nachweis, dass die regula canonioa
der Handschrift Vatic. lat. 629 nicht Gregor dem Grossen oder
Gregor IV., sondern Gregor VII. angehört; IX. über Walter
von Honnecourt, einen unbekaunten Schriftsteller des 11. Jahr-
hunderts; X. Kritik der apokryphen Reden und Predigten des
römischen Breviers.

Ich denke, dass diese kleine Uebersicht über den Inhalt
des Bandes schon deutlich macht, dass wir in Morins Gabe
etwas Bedeutendes und aller sorgfältigen Beachtung Wertes
vor uns haben; der versprochene zweite Band lässt hoffentlich
nicht zu lauge auf sich warten.

Hermann Jordan-Erlangen.

Mohr, Heinrich, Der Rosengarten. Auslese aus den Werken
de3 Martin von Cochem. 1. u. 2. Aufl. Freiburg 1912,
Herder (XII, 335 S. 8). Geb. 2. 80.
Martin von Cochem, geb. 1634, gehört in die Zeit der
Gegenreformation, aber auch in die nach dem Dreissigjährigen
Kriege. Da bedurfte auch das katholische Volk innerer Auf-
richtung und christlich populärer Schriftsteller. Einer der be-
deutendsten war Martin von Cochem; er verstand es, fürs Volk
zu schreiben. Man wird an diesem gut zusammengestellten
Büchlein sowohl den Verfasser als auch die religiösen Bedürf-
nisse des katholischen Volkes damaliger Zeit recht gut erkennen.
Mit den grossen Geistern des Mittelalters lässt sich dieser
Jüngere freilich nicht vergleichen.

Lic. Dr. Siedel-Lausa b. Dresden.

Die XIV. Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kon-
ferenz vom 8. bis 11. September 1913 zu Nürnberg.
Herausgegeben auf Beschluss der Engeren Konferenz.
Leipzig 1913, Dörffling & Franke (245 S. gr. 8). 2. 50.
Wem es vergönnt gewesen, an der Nürnberger Tagung der
Allg. Ev.-Luth. Konferenz teilzunehmen, wer von der freudigen
und zuversichtlichen Einmütigkeit des Bekenntnisses, in dem
sich die von allen Seiten zusammenströmenden Teilnehmer zu-
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