Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

Zitierlink

563

564

dem sie uns überkommen sind, eine unerfreuliche Aussicht, die
Kittel mit methodischer Nüchternheit abgegrenzt hat.

Auf die wertvollen Exkurse und Beilagen soll hier nicht
weiter eingegangen werden. Sehr dankenswert ist auch das
ausführliche Sachregister. In der Einzelexegese tritt die Heraus-
stellung des religiösen rsnd theologischen Gehalts in be-
herrschender Weise in den Vordergrund. Die Erklärung ist
fein und tief; man merkt, wie den Exageten der innere Anteil
und die persönliche religiöse Erfahrung die letzten Werte finden
lehrt. So kommt auch für den Leser zum wissenschaftlichen
Gewinn der innere Segen. J. Herrmann-Roatock.

Ebeling, Dr. Heinrich (Bonn), Grieehisch-deutscb.es
Wörterbuch zum Neuen Testamente. Hannover-
Leipzig 1913, Hahnsche Buehh. (VIII, 428 S. gr. 8).
Geb. 3 Mk.

Ueber die äussere Anlage dieses Wörterbuches hat sich Rez.
schon an anderer Stelle (im Theol. Lit.-Bericht) geäussert und
hat zu seinem lebhaften Bedauern seine völlige Unbrauchbarkeit
aussprechen müssen. Für diese Zeitschrift hat es vor allem Be-
deutung, die innere prinzipielle Seite des Werkes zu erörtern, wie
Bie in dem auf dem Titelblatt hinzugefügten Untertitel angedeutet
ist: „mit Nachweis der Abweichungen des neutestamentlichen
Sprachgebrauchs vom attischen und mit Hinweis auf seine Ueber-
einstimmung mit dem hellenistischen Griechisch." Man könnte ja
schon über die eiuseitige Prägung dieses Zusatzes streiten, als
ob nach der einen Seite nur Abweichungen und die Ueber-
einstimmung nur nach der anderen Seite in Frage ständen.
Aber das mag ja auch lediglich an dem Ungeschick der
Formulierung liegen. Was der Verf. will, wird ja ungefähr
auch so klar; er will den Zusammenhang des neutestament-
lichen Griechisch mit der Koine klarstellen. Das wird in der
Gegenwart vielfach als die vornehmste Aufgabe der neutesta-
mentlichen Lexikographie erachtet. Aber dies Wörterbuch tut
dar, wie wenig durchführbar sie ist, auf alle Fälle am aller-
wenigsten in der Form eines solchen Lexikons. Ganz ab-
gesehen davon, ob wir wirklich schon in der Durchforschung
des hellenistischen Griechisch so weit sind, dass durchgehends
der Zusammenhang der neutestamentlichen Sprache mit ihm
festgestellt werden kann. Ein Doppeltes erschwert vor allem
diese lexikographische Arbeit oder macht sie gar unmöglich.
Der Verf. hat es in seiner Vorrede selber angedeutet. Er
hebt selbst hervor, dass er nur Zitate geben könne, ohne den
Wortlaut anzuführen. Was helfen uns dann aber dieBe? Was
haben Bie für den Nachschlagenden für einen Wert? Oder was
lernt er daraus, zumal diese noch dazu in so schwer verständ-
lichen Abkürzungen gegeben sind, dass sieh auch deswegen der
Leser nur schwer zurechtzufinden vermag. Wohl ist es interessant,
zu erfahren, bei welchem Schriftsteller das Wort zuerst vor-
kommt, und das Buch hat ein Verdienst, da es diesen, soweit
als es möglich ist, anzugeben sucht. Aber für jedes weitere
Zitat wäre doch der Wortlaut erwünscht, da so allein dem
Leser eine Kontrolle möglich ist. Sonst konnte es auch ein-
fach fortgelassen werden. Denn der Verf. muss selber zugeben,
dass es dann soviel wirkt, als stände es überhaupt nicht da.
Und dazu kommt das andere Moment, dass, wie der Verf. es
wiederum auch seinerseits betont, „nicht übersehen werden darf,
dass für die neuen christlichen Begriffe zwar die vorhandenen
Sprachmittel gebraucht, in die alten Formen aber vielfach
neue Bedeutungen, ein neuer Inhalt, gegossen wurden.

Darum kann zur Erklärung solcher Fälle meist nur wenig aus
dam hellenistischen Sprachgebrauch gewonnen werden." Ja,
' warum dann aber, wenn der Verf. dies auch für sich gelten
j läset, die besondere Betonung des Zusammenbanges mit der
j hellenistischen Sprachweit? Sie kommt wohl auch mit in Be-
i tracht, aber sie kann unter diesen Umständen doch nicht die
j Hauptsache ausmachen. Denn sie trägt ja nicht entscheidend
j zur Erfassung des Inhalts eines Wortes bei; es ist vielfach
nur der gleiche Klang, aber darum doch nicht die gleiche
Idee. Die wird auf diese Weise nicht herausgestellt; und um
sie handelt es sich doch bei der Wiedergabe der Bedeutung. —
Alles in allem genommen, es zeigt sich beim Durchlesen dieses
neuen Wörterbuches deutlich, dass es auf diese Weise nicht
geht. Es sollte endlich zur Erkenntnis kommen, dass die
Anlage von Speziallexika mit ganz anderen Aufgaben zu tun
hat als die von allgemeinen. Diese letzteren allein können
rein statistisch vorgehen, wie es hier der Fall ißt; die Spezial-
lexika müssen aber, wollen sie ihr Sonderrecht dartun — und
zwar gilt das für ein Speziallexikon zu Plato und Aristoteles
ganz ebenso wie zum Neuen Testament —, nur die richtigen,
für die betreffenden Schriften und Schriftsteller entscheidenden
Begriffe bringen und diese nicht nur in ihren einzelnen Ver-
bindungen und möglichen Bedeutungen besprechen, sondern sie,
soweit als es angeht, in den Zusammenhang mit der gesamten
Gedankenwelt der vorliegenden Schrift oder Schriftsammlung
hineinstellen und von daher das Verständnis gewinnen für den
besonderen Inhalt dieses Wortes gerade in dieser Schrift.
Sprach geschichtliche und begriffe geschichtliche Untersuchung
muss für Speziallexika Hand in Hand miteinander gehen. Gerade
weil die Speziallexikographie das bisher so wenig erkannt und
in Angriff genommen hat, liegt sie zum grossen Teil noch so
im argen. Dass es aber auf die bisherige Weise nicht gebvh,
und dass erst ein Wandel in der prinzipiellen Anfassung
und Anlage der Speziallexika eintreten muss, das zeigt das hier
vorliegende neutestamentliche Wörterbuch erschreckend deutlich.

Julius Kögel-Eldena bei Greifswald.

Nixo; A. Bstj;, '0 Xtt>5i£ x?(; 'OpöoooSoo ExxXrjoia;"AvSpoo
xal Hupoo. 2ou.SoXi) sl? r/jv 'ExxXTjaiaauxrjv 'loxopiav xtüv
KoxXdöuiV. (Aus Vizantiiskij Vremennik 1913, S. 208
bis 246.)

Derselbe, Ol xxioxeu iv Heppen; TcdpYoo tfjc. ad"|'ou'oxr(; 'EXivr,;.
Epa7ai xal ve*ov xetiaxo; xrfi im. x^j AXuioei xffi Kuiv-
oxavxtvooTcdXeu); u-ovipöia; xoo vouoipöXaxo; 'Iuiavvoo oia-
xo'vou xoö EÖYevixoö xaxa xwoixa xfüv Mexewpwv. (Ebenda
S. 302—327.)

Derselbe, Literaturbericht I über griechische Veröffent-
lichungen, welche sich auf Byzantinisches beziehen. (Ebenda
1911, 60 S.) St. Petersburg 1913.
Einen Beitrag zur Kirchengeschichte der zykladisohen Inseln
liefert die erste Abhandlung. Sie gibt ihn auf Grund eines
Kodex mit die Kircho von Andros und Syros betreffenden
Urkunden. Die Sammlung hat der Erzbischof beider Ingein,
Joasaph, 1769 angelegt; ihr sind aber auch solche schon seit
1707 einverleibt worden, während die jüngsten Urkunden bis
1822 reichen. Eingeleitet wird der Bericht durch eine Ueber-
sioht über die Geschichte der Kirche von Andros, die 1621 bis
1626 einen Erzbischof erhielt, der 1810 Metropolit und Exarch
der zykladisohen Inseln wurde. Solche Veröffentlichungen bilden
die Voraussetzung für eine Geschichte dieser Kirchen; besonders
loading ...