Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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Theologisches Literaturblath

Unter Mitwirkung

zahlreicher Vertreter der theologischen Wissenschaft und Praxis

herausgegeben von

Dr. theol. Ludwig Ihmels

Professor der Theologie in Leipzig.

Nr. 20. Leipzig, 25. September 1914. XXXV. Jahrgang.

Erscheint Tieriehnt&gig Freitags. — Abonnementspreis jährlich 10 Jt. — Insertionsgebflhr pr. gesp. Fetitaeile SO <r. — Expedition: KOnigstrssse IS.

Snijman, Phil. Christ., De Proietie van Zefanja.
Schwab, D. Joh., Der Bogriff der nefes in den

heil. Schriften des Alton Testaments.
Leipoldt, D. Dr. Johannes, Vom Jesusbildo der

Gegenwart.
Kirehenrcchtliche Abhandlungen.

Heft 79 u. 80: Martens, Dr. jur. Ernst, Die
hannoversche Kirchenkommission.

Heft 81: Schmitz, Dr. phil. Karl, Ursprung
und Geschichte der Dovotionsformeln bis

zu ihrer Aufnahme in die fränkische
Königs Urkunde.
Heft 82: Krieg, J., Der Kampf der Bischöfe
gegen die Archidiakone im Bistum Würz-
burg.

Sachsse, Carl, D. Balthasar Hubinaier als Theo-
loge.

Lotichlus, Martin, Das Kirchenwesen im König-
reich Sachsen.
Dunkmann, K., Idealismus oder Cristentum?

Hadorn, D. W., Zukunft und Hoffnung.

Reuter, Dr. phil. Hans, S. Kierkegaards religions-
philosophische Gedanken.

Sandt, Dr. Horm., Die Pädagogik Wicherns.

Reukauf, Dr. A., Didaktik des evangolischen
Keligionsuntcrrichts in der Volksschule.

Zauleck, D. P., Theorie und Praxis des Kinder-
gottesdienstes.

Neuesto theologische Literatur.

Zeitschriften.

Um ungesäumte Erneuerung des Abonnements ersucht die Verlagshandlung.

Snijman, Phil. Christ., De Profetie van Zefanja. Academisch
Proefschrift. Rotterdam 1913, de Vries (X, 226 8. gr. 8).
Auf die Doktorschrift Aber Habakkuk, die 1912 von Eatwijk
der „Freien Universität von Amsterdam" vorgelegt hat, folgte
bald eine über Zephanja. Ihr Hanptteil ist eine ganz ein-
gehende Auslegung seines Buches (S. 47—215). Da werden
mit unermüdlichem Fleisse bei jedem Satze die textkritischen,
sprachlichen und inhaltlichen Schwierigkeiten mit Vergleichung
der alten Versionen nnd wohl aller neueren Ausleger erwogen.
Soll ans seinen Entscheidungen eine einzelne herausgegriffen
werden, so fasst er das kl in 3, 9 im adversativen Sinne von
„sondern" (maar). Aber vergeblich beruft er sich auf die Er-
scheinung, dass „die Partikel kl adversativ ist, wann ein negativer
Gedanke ausgesprochen oder unausgesprochen vorausgeht"
(S. 183). Denn V. 8 b lässt sich trotz Calvin nicht in einen
negativen Gedanken verwandeln. Das kl am Anfange von V. 9
mnss also kausales „denn" bleiben, aber es erklärt sich, weil
„denn dann" das vorhergehende „harret auf mich!" (V. 8a) be-
gründet, indem die Sätze von 8 b durch den Zusammenhang
ebenso einen konzessiven Sinn bekommen wie die von Je». 7,16.
Anf Grand der Auslegung des Buches bestimmt er ferner dessen
theologische Bedeutung (S. 215—220). Dabei bemerkt er
richtig, dass der Prophet, wenn er den universalen Charakter
des Herrentages zeichnen will, vom Gerichte Aber solche Völker
sprechen mnss, die in seiner Zeit Gottes Zorn herausfordern.
Aber mit dem Satze „Die Schale muss man wegbrechen, die
den Kern der Wirklichkeit verhüllt" (S. 218) wird er dem
Fortschreiten der alttestamentlichen Weissagung und 1 Petri 1,10
nicht voll gerecht. In bezug auf die Zeit Zephanjas ist er von
meinem Urteil (Einl. 353) trotz S. 11 nicht weit entfernt, denn
er setzt diesen Propheten erst gegen das Ende der Regierung
Josias (S. 21). Ed. König.

Schwab, D. Joh. (Priester der Diözese Regensburg), Der
Begriff der nefes in den heil. Schriften des Alten
Testaments. Ein Beitrag zur altjüdischen Religions-

457 458

gesohichte. München 1913, Lentner (X, 103 S. gr. 8).
4 Mk.

Mehrere Partien der alttestamentlichen Psychologie gehören
zu den schwierigsten Gegenständen. Neue Beiträge zu ihrer
Erforschung sind sicherlich erwünscht. In bezug anf den, der
von Schwab in einer Münchener Doktordissertation dargeboten
worden ist, gilt dies allermindestens wegen des Reichtums von
Material, das er über den Begriff der nephesch gesammelt und
gesichtet hat. Auch strebt er nach Vollständigkeit der Be-
handlung seines Gegenstandes, indem er in fünf Kapiteln die
Grundfunktionen der n., die n. als animalisches Lebensprinzip,
die abgeschiedene n., die Parallelbegriffe neschama und rüaeh
und endlich die „Weiterentwiokelung der alttestamentlichen
nephesch-Voratellvmg bei 2 Macoh. und Sap." erörtert. Aller-
dings über Präexistenz der Seele, Kreatianismns und Traduzia-
nismns hat er doch nicht gesprochen (vgl. meine Geschichte
der alttest. Rel. im Sachregister). Sein Ansohlnss an die neuere
Ausdrucks weise ferner ist hier und da unberechtigt. Was soll
„der animistisohe Charakter des alttestamentlichen nephesch-
Begriffs" (S. 29 usw.)? Das ist eine unnötige Hineinzwängnng
einer alttestamentlichen Anschauung in eine moderne Schablone.
Anderwärts bleibt er in seinen Darlegungen anf halbem Wege
stehen. Er sagt z. B., dass die Trauergebräuehe und Gesetze
betreffs der Unreinigkeit sich auch anders erklären lassen, als
es z. B. bei Stade geschieht, aber er selbst Bagt nicht, wie es
geschehen könne (S. 46). Auch da muss ich wieder anf meine
Geschichte, S. 72—74, verweisen. Ein anderer solcher Fall
liegt in seiner Entscheidung über das Verhältnis von nephesch
nnd rüaeh vor. Da meint er, dass beide Begriffe sich „bei
den heiligen Schriftstellern selbständig nebeneinander und un-
abhängig voneinander entwickeln" (S. 77). Aber so ohne
Reflexion die Autoren des Alten Testaments schreiben zu lassen,
ist gewiss unrichtig. Man wird besser von Gen. 2, 7 ausgehen
und den göttlichen Lebensodem als die dem Menschen ein-
gehauchte rüaeh ansehen, die nephesch aber als die individuelle
Ausprägung derselben. Trotzdem bleibt seine Arbeit dankens-
wert- Ed. König.
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