Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

35.1914

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England and of the Protestant Episcopal Church of
America; a study, based mainly on the collection of
Josiah Henry Benton, LL.D.; London 1914, Society for
promoting Christian knowledge (XXI, 472 S. gr. 8). Geb.
7 s. 6 d.

Im Material beruht dies Werk wesentlich auf der liturgischen
Bibliothek von J. H. Benton, Boston, Verein. Staaten, ausserdem
auf der von J. P. Morgan, New York, gesammelten Bibliothek,
den Schätzen im Smithsonian Institut in Washington und
anderen besonders amerikanischen Büchereien, wie denn der
Verf. ebenfalls Amerikaner ist. Insofern hat man hier einen
Beleg vor sich, welche grossen liturgischen Bibliothekscbätze
vornehmlich während des letzten Menschenalters nach Amerika
hinüborwanderten, um dort, verständnisvoll geordnet, Grund-
lage für wissenschaftlich liturgische Arbeiten zu werden, die,
obwohl sie hier zunächst dem Interesse des Bibliographen und
Historikers dienen sollen, auch für den Theologen von hohem,
ja einzigartigem Werte sind, zumal wenn sie, wie in diesem
Buche geschieht, sich über ein Gebiet erstrecken, das bisher
von niemandem in dieser Weise durchforscht wurde und durch-
forscht werden konnte, weil es zu den seltensten Ausnahmen
gehören wird, dass solche umfaseende liturgische Materialien zu
Gebote stehen.

Der Verf. beabsichtigte snfäDglich, das vorliegende Werk
als einen Abschnitt in eine grössere Arbeit einzufügen, die eine
allgemeine Geschichte der Entwickelung der Liturgie der „Kirche
von England" und ihrer Sohwesterkirchen in anderen Ländern
bringen wird und nahezu druckfertig ist; aber bald stellte sich
heraus, dass die üebersetzungen des „Allgemeinen Gebetbuchs"
während eines Zeitraumes von etwa 350 Jahren zu zahlreich
seien, auch im einzelnen oft eine zu eingehende und daher zu
umfangreiche Charakterisierung erforderten, um als ein Teil
einem grösseren Werke beigedruckt zu werden. Der Leser kann
aich nur freuen und den Verf. beglückwünschen, dass er sich
entschloss, dies Werk in einem besonderen Bande erscheinen zu
lassem.

Im ganzen ist das „Allgemeine Gebetbuch" der „Kirche
von England" ganz oder in wesentlichen Teilen in mehr als
120 Sprachen und Dialekte übersetzt, und zwar vornehmlich
durch die Mithilfe der drei grossen englischen Gesellschaften,
der S.P.G., der Gesellschaft für Ausbreitung des Evangeliums
in fremden Ländern, der C.M.S., der Kirchen-Missions-Gesell-
schaft, der S.P.C.K., der Gesellschaft zur Verbreitung christ-
licher Erkenntnis. Allerdings darf, wie der Verf. betont (S. 4),
auch nicht übersehen werden, dass Üebersetzungen in europäische
Sprachen von hohem Werte bereits aus der Zeit vorliegen, als
die genannten Gesellschaften noch nicht bestandon. Jedenfalls
geht die Uebersetzung in aussereuropäische Sprachen wesentlich
auf die Mithilfe dieser drei Gesellschaften und den Dienst ihrer
Missionare zurück. In Verbindung damit bringt der Ver-
fasser (S. 6—11) zutreffende Bemerkungen über die Unerläss-
lichkeit einer guten linguistischen Schulung der Missionare und
stellt darin deutsche, österreichische, französische Institute den
Engländern und Amerikanern, die auf Kenntnis fremder Sprachen
weniger Gewicht zu legen gewohnt sind, zum Muster hin. Wenn
er dort auch auf ungenügende, von Engländern gemachte üeber-
setzungen zu sprechen kommt (S. 11), wird man schmerzlich
daran erinnert, dass n. a. die Britische und ausländische Bibel-
gesellschaft eine neue, von einem Engländer verfasste Ueber-
setzung der Bibel ins Tamulische herausgab, die gegen die
Uebersetzung besonders von Joh. Phil. Fabricius aus dem Jahre

1782, nach dem Urteil von Sachkennern, sowohl an Richtigkeit
wie an Schönheit weit zurücksteht (S. 202).

Der Verf. hat seine Materialien vorzüglich geordnet und,
was bei diesen umfangreichen Stoffen viel sagen will, durchweg
neben zuverlässiger Einsicht eine klare Uebersicht ermöglicht.
Hier und da werden Nachträge noch erwünscht, auch einige
Korrekturen notwendig sein. — Dabei hat er aber seine Dar-
stellung keineswegs in mechanischen, wasserdichten Abteilungen
gehalten, sondern an zahlreichen Stellen im Anscbluss an seine
Materialien psychologische, philologische, missionsgeschichtliche,
theologische, christliche Notizen und Exkurse gebracht, auch
entsprechende Perspektiven eröffnet, die alle dem Leser lebens-
volle Anregungen vermitteln und ihm zur hellen Freude ge-
reichen. Wenn der Verf. sein Werk bezeichnet als öooi; öXiytj
xe cpiAvj xe, so wird jeder zustimmen, dass wir hier eine Liebes-
arbeit vor uns haben, und zugleich wünschen: Möchten der
Kirche auf liturgischem Gebiete doch mehr solche „Kleinig-
keiten" beschert werden. Fr. Hashagen-Rostock.

Lebrecht, Pfarrer 0., Das Leben Jesu Christi in Pre-
digten berühmter Prediger. Gütersloh 1912, C. Bertels-
mann (VIII, 354 S. gr. 8). 4 Mk.
Diese für das christliche Haus bestimmte Predigtsammlung
bringt 36 nach dem Lebensausgang des Erlösers geordnete Reden
namhafter Homileten alter und neuer Zeit. Die neue Zeit ist
bevorzugt. Von der neuesten ist ganz abgesehen vermutlich
deshalb, weil der Herausgeber geglaubt hat, dass hier vom
Besten verhältnismässig leicht anderweitige Kenntnis zu ge-
winnen sei. Es fragt sich nun, ob die getroffene Auswahl die
zweckmässigste ist sowohl hinsichtlich der hier aufgeführten
Homileten wie auch ihrer homiletischen Gaben. In beiderlei
Beziehung muss ich doch einige Wünsche äussern. Wenn
auch auf nur einige Vollzähligkeit der namhaften Prediger
unserer Kirche hier nicht gereohnet werden kann, so lässt
doch die getroffene Auswahl manchen mit Ehren zu nennenden
Namen vermissen. Christian Scriver und Heinrich Müller,
Phil. Jak. Spener und Aug. Herrn. Francke, Petri, Ludwig
Harms, Ahlfeld, Thomasius und Luthardt — um nicht allzu
viel Namen zu nennen — Bähe man doch gern auch hier be-
rücksichtigt.

Da der Gedanke, das Lsben Christi in Predigten ver-
schiedener Homileten zur Darstellung zu bringen, für die Aus-
wahl der einzelnen Predigten massgebend sein sollte, ist der
Herausgeber in der Auswahl der Predigten halb und halb ge-
bunden gewesen. So hat er nicht immer das Beste bieten
können, wie es viel eher da möglich gewesen wäre, wenn er
überhaupt nur eine Reihe von Predigten älterer Homileten zu
einer Sammlung vereint hätte lediglich unter dem Gesichts-
punkte, dass damit die Predigt vergangener Tage in einzelnen
charakteristischen Ausprägungen der Gegenwart leicht zugäng-
lich gemacht werden sollte. So wird man z. B. an dem, was
von W. Löhe geboten ist, kaum den grossen Homileten er-
kennen. Auch die Predigt von Martensen steht nicht gerade
auf der Höhe anderer von ihm gehaltener Festreden. Recht
eigentümlich berührt es, wenn neben eine erste Osterpredigt
von Luther, die es rechtfertigen kann, dass man seine Predigt-
weise die heroische genannt hat, eine zweite von Römheld ge-
stellt wird, die, zumal an diesem Platze, nicht recht befriedigt.
Im ganzen steht es allerdings mit dem Werte des aus älterer
Zeit Gebotenen umgekehrt: er wird neben den weit über-
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